Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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Ste» 114 .Mp BWHÄ MochenMift eigenartigen j indischen Wählermassen der Leop B l d st a d 1 geeignet macht. Er gehört überdies einer abgeschlossen hinter . uns ' liegenden Epoche an, welche - mit der Vertretung radikalliberaler Politik - gegenüber Staat und Kirche jüdischen Interessen speziell gedient glaubte. Das galt in der Zeit, als Dr. Ofner in das öffentliche Leben eintrat; heute ist das eine Mode von gestern, welcher die Wähler nunmehr — durch tägliche Erfahrungen der Zudennot aufge- Mttt — iriggt mehr huldigen. Die Zeiten haben sich gylNdlich gewandelt und innerlich gefestigte Persönlichkeiten verfügen Men Aber den Willen oder die Gabe, solchen geistigen Wandel, um neuen Erfordernissen ge- ' recht zu werden, an sich zu vollziehen. Dior Herrn Dr. Ofner jeden Respekt! Lächerlich wirkt nur ein junger Debütant, der mit gutgebügUter Eleganz nach alter und veralteter Mode sich kleidet, mit von Herrschaften abgelegten Schlagworten vor jüdischen Wählern Furore zu machen venueint. Wenn zum Beispiel Herr Mar Schreier als neuer Mandatswerber als Vorkämpfer für die Befreiung von der harten Vormundschaftder Kirche — jüdischen Wählern sich empfiehlt, oder ähnliche verbrauchte und verrauchte Staats Weisheit als politische Sensation von besonderer Zugkraft vor ihnen ausschüttet, so zeigt er, daß ihm kein Hauch von den /Geistesströmungen der Gegenwart berührt: daß er dem Beruf, für.den er sich . anbietet, nicht einmal Takt in hinreichendem Maße entgegenbringt. Den Christen ein neues Heil zu bringen, sie von priesterlicha Vormundschaft zu.-„erlösen".— di^er Erkösungsberuf ziemt keinem Juden, ihn räumt der Christ einem Juden gutwillig auch nicht ein. .Auch der freisinnige Christ. empfindet' es mit Recht - als pM- Lch, ^weun Juden^hprstMeMMgion ^ausbLstern" molleu. Durch Mische, ' Einmengung werden die ehrlichsten Refomworschläge, die das religiöse Gebiet berühren, . kompromittiert. Das predigt die „Wochenschrift" seit Jahrzehnten. Wegen Konstatierung solcher Tatsache hat Herr Schreier in seinen diversen Wahlreden den „Rabbi Iloch" mit allerlei Schmähungen bedacht. Die Antwort können wjr uns - ersparen, haben ihm die Wähler des ersten Wiener Bezirkes, erteilt. An Künsten der. WahlrMame gller Art hat er es nicht fehlen lassen; sein Bild wurde zweimal in hunderttausenden Exemplaren den Wählern zugänglich gemachtdie eigene Herrlichkeit aufdringlich zur Schau gestellt. In einem „demokratischen Wahlblatt" , „lieh er sich in aller- _ lei Gedichtchen fragwürdigen .Wertes ausgiebig huldigen, zeigte vor der Oeffentlichkeit, wie er „Rabbi Bloch" alseinen bösen Klerikalen gehörig die Meinung zu sagen weH. als einem Mischen Klerikcllem der angeblich,?die freie Schule, die Zivilehe, die Aufklärung des Volkes und . die Sittlichkeit ohne priesterliche Vormundschaft" fürchßet und trotz all^ dieser schönen; anerkennenswerten Leistungen und. Verheißungen erhielt Herr Mar Schreier' im Wahlbezirk der Intelligenz im ganzen < 950 Stimmen. Darum Räuber Md Mörder.' Wir Mlen uns also nicht gekränkt; schwer gekränkt dagegen hat Herr Schreier das darf nicht verschwiegen werden — das Interesse seiner Partei. Ohne fein Wordrängen wäre der Gemeinderai Dr. Schwär z- Hiller als Kandidat nominiert worden und der Partei eine peinliche Niederlage mehr erspart geblieben. E in e Kandidatur 'Schwarz-Hiller. hatte es ermöglicht, daß beide, Mar^Friedmann und Schwarz-Hill er, m die neue NationälveMmMlung als Mttglieder siegreich. eingezogen wären. Schwarz-Hiller.hat allernicht mW den Ehrgeiz, die Christen von priester- Bu “ Vom Mbrmmkt des Lebens. Glossen zur Iagesgeschichte. Vor den Wahlen hat ein höchst merkwürdiges Plakat großes Aufsehen gemacht. Es war dies das Werbeplakat der sozialdemokratischen Partei, das in allen möglichen Formaten aufgepickt und verteilt wurde. Seine Illustration stellte eine Krone vor, auf welcher drei Gesellschaftstypen Platz genommen hätten. Die eine, stellte einen behäbigen Priester dar, die zweite einen mageren alten General, der mit verzückter Miene einen Lackschuh anstarrt, und die dritte? Gewiß einen Agrarier, dem die.serbischen Ochsen wichtiger sinh als die serbischen Soldaten, oder der gerade die hungernden Wiener mit Gewehr und Peitsche von seiner Schwelle verjagt,' wie das oft Vorgekommen ist. Vielleicht einen christlichsozialen Gemeinderat, der gerade den Gott Nimm anbetet, einen Gastwirt, der die Kunden schröpft, einen Schuster, der es vom Dreifuß zum Hausbesitzer gebracht. HM Men Greisler, der über die Höchstpreise lacht, einen Beamten, der hinter einem Aktenhügel schläft? Man sieht, die Sozialdemokraten haben keine Not um' Entwürfe für die dritte Figur auf der Krone gehabt. Aber sie verwarfen alle und trafen Me geniale Entscheidung, Als drttte Figur erscheint auf ihrem Plakat ein ngsengewaltiger, abscheulicher Protzenjude, der eine dicke Zigarre raucht. Eine ausgMichnete und ehrenvolle Idee für-eine freihettliche und fortschrittliche Partes, den Kapitalismus durch einen Juden darzustellen. Natürlich wird die Ausrede für diese' abscheuliche Gemeinheit nicht fehlen. Wir sind unparteiisch, wir gehen gegen die Me Gruppe so. vor'wie tzegM die andere.^ . - Welche blöde Verlogenheit, welche erbärmliche Kavorgeht,./so kann die stärke 'Geistlichkeit den./ Angriff wohl ertragen und stark zurückgeben. Jeder einzelne Stand und Kreis kann sich wehren und hat die' Kraft dazu. Bloß die von allen Seilen angegriffenen Juden sind in der Lage eines. kranken Mannes, der schön durch Men schwachen Stoß zusammenbricht. Der sozialdemokratischen Partei ist die Gemeinheit des Wahlplakats wohl bewußt. Denn: sie weiß genau, wieviel jüdische arme Teufel sich in Wen eigenen Reihen befinden, wie riesig' das schlechtbesoldete'Heer der Mischen .Festbesoldeten ist. Sw weiß genau, daß die Juden nur einen verschwindenden Bruchteil der Kriegsmilliarden an sich gebracht, daß dije. Industrie und das Gewerbe fast ganz in arischen Händen warendaß die große jüdische Maste genau so leidet, hungert und darbt, wie die christliche.. Und' doch diese antisemittfche Perfidie, welche sich wieder nur gegen die armen und hart ringenden Leute richtet. Denn die Besitzer der großen Vermögen wissen sich schon Zü helfen, aber gegen die änderen wird eine Pogromstimmung Mengt, die vielleicht auch den jüdischen Führern der Sozialdemokratie verhängnisvoll werden könnte. Natürlich wird man zur Entschuldigung sagen, daß man nur gegen die jüdischen .Finanzleute und Kriegsgewinner habe losgehen wollen, aber die ehrlich' arbeitenden Juden nicht gemeint hübe. Solche faule Redensarten könnte man sich füglich schenken. Denn das .Publikum macht ferne solche - feinen Unterschiede. Es fleht nur den von Theo Malejko — man merke sich den Namen dieses edlen Polen — gehässig karrikierten, fetten und protzigen Juden' und Mt ihn für den Vertreter aller seiner Glaubensgenossen: So Haben wir denn M kannt, wie ehrlich der Gedanke be»‘ Fortschrittes in der Sozialdemokratie 'ist, für welche zu allen Zeiten viele Juden große Opfer gebracht haben. An der -Wiege des Gedankens für die Erhebung des vierten Standes fM