Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
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Ul 3«?*08)«a XXXVI Lentralorgan kür dis gesamten Interessen des Judentums □ auocaocauQooDpan'jocr.-jocF^acDcatj Q c ' n K. k. P-üsxurKaffenainr 2 | . Clesring-VerKshr: 810.976 -? . . 09 . a | Aedettisl: un& Ädmmistralios: § 2 ' W i <» | I!l/i, Prskerstratze S § | Tafepfcm; 4S°3LS> . § B nnaQBBnDaoccaasaaaannoancticDaa Q .8ESKESHH28SS3eSS3525SaKS5!SiSfflSSES5ES ... ..... Hflo; ——' Wien, 21. Februar 1919 Erfcheirtt jeden Frettsg Brief.Adreffe: Wien, 11/1, Pralerstrahe 9 Trlegramm-Adreffs: Bloch's Wochsnsrhrijk Wie». ..UBI I liu»1M u i i f n- Q cacaannannnnaaaaaaociOQoaaQnaao Q o a | Bezugspreis: - Z Halbjährig 10 Kronen ° § Ganzjährig 30 Kronen | ' Einzelexemplare 50 Heller | Anzeige»: Dir 2w«l zr,p«l»»r . o Pltitzrile 60 Heller. tz er 2 O2O«öoooosooaoaooo2oaoocn»N2a0L Inhalt: Leitartikel: Epilog zum 16. Februar 1919. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Protest; der rumänischen Juden. — Ein Lebensmittelschiff für die Juden in Polen. — Ungarn für den Zionismus. — Lernberger Pogromfiatistik — Unerhörte Greuel der polnischen Legionäre. — lieber die galizischen Juden. — Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome inWalizien. — Korrespondenzen: Der „Abfall". — Bund jüdischer Frauen. — Wieden-Marxaretener Tempelverein. — Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge. — An jüdische Eltern und Vormünder! — Jüdischnationales Tagblatt in. polnischer : Sprache in Lemberg. — Vom Bukowinaer Jüdischen Nationalrat. — Kriegsdienstleistung nichtukrainischer Zivilpersonen in Ost- . galizien. — An die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur! — Vermischtes. — Feuilleton: Die Geschichten meiner Großmutter. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Epilog zum 16. Februar 1919. Das grundstürzende Ergebnis der Sonntagswahlen zur deutschösterreichischen Nationaloersammlung, derüberchäMgende, in diesem Umfange von der Marter selb er Hum^errpartete-SieD der^Sozialden^okratie ist oon^hoher geschichtlicher Entscheidung. Im alten Oesterreich herrschten wahrend der letzten Jahrzehnte in Men parlamentarischen Körperschaften antisemitische Majoritäten, gerüstet mit der Macht zur Vedrängung un^ 'RechtsverWzung der Juden gesetzliche Matznahmen zu beschlietzen. Und .der Geist dieser Eesetzgebungsmaschinerie beeinflutzte naturgemätz die gesamte pdlitische Verwaltung. DasWahlergebnis vom Sonntag hat dieser Situation für immer ein Ende gemacht. In der neuen Rat ionalv ersammlung werden antisemitische Marteren keine Majorität mehr zur Verfügung haben, in das Lager der Sozialdemokratie hat sich ein grotzer Teil des ehemaligen Mittelstandes geflüchtet, und die sie allein wird bei der grundlegenden Arbeit des staatlichen Abbaues prinzipielle' Entscheidungen zu treffen, haben wobei sie auf werktätige Unterstützung der bürgerlichen Elemente freiheitlicher Gesinnung rechnen darf. Der Ausfall der Wiener Wahlen bedeutet aber auch den endgültigen Abfchlutz des christlichsozialen 'Parteiregimes in der Stadt Wien, einer Gewaltherrschaft, die solange von Men,freiheitlich und fortschrittlich gesinnten Kreisen als schwerer Alpdruck empfunden wurde. Ziffermätzig ist nunmehr erwiesen, datz die Partei des Bürgermeisters Dr. W eis k i rch. n e r nicht mehr im Besitze des Vertrauens ist-der Majorität der. Wiener Bevölkerung, und die Logik dieser Tatsachen mutz recht halb zur Geltung sich durchringen. ' . Die schwere Niederlage der Christlichsozialen wirkt wie ein reinigendes Gewitter, wie, eijn historisches Gottesgericht. Bedenkt man, mit welch abscheulichen Mitteln von ihnen der Wahlkampf geführt worden, -welch blutrünstige Agitation m Wort und Schrift stattgefunden, ein Hetzen und Schüren ohne G ewissen und ohne Rücksicht auf. die möglichen Folgen (wodurch die jüdischen Wähler in Massen zur Sozialdemokratie zugetrieben werden), so wird man den jämmerlichen Zusammenbruch als ein Gottesurteil begrüben. Hepp- Hepp hat seine Zauberkraft auch in Wien und auch in Oesterreich eingehützt. Datz Männer, wie Dr. Franz Klei n, eine 'Leuchte der Wissenschaft und des freien Bürgertums, Ehrenpräsident der Deutschen juristischen Gesellschaft zu Berlin, oder Professor Wett st ein, der künftigen Nationalversammlung nicht angehören werden, ist. im Interesse des neuen Staates tief bedauerlich: Kaufmannschaft und Industrie werden zur Wahrung ihrer Interessen auf die Energie und Arbeit des fachkundigen Nationalrates Mar Frredmann allein angewiesen sein. . Besser und vorteilhafter als die Christlichsozialen haben die nationakgerichteten deutschen Fraktionen hei den Wahlen abgeschnitten: das. christlichsoziale System erlitt eine entscheidende Niederlage — der nationale Gedanke, wurzelnd in den Strömungen, die ganz Europa durchfluten, hat sich behauptet. J Dementsprechend kamt die Wähl des Staatsbahnrates Stricker auch von jenen mit Genugtuung begrützt werden, die sich nicht zu den Nationaljuden zählen, Oberingenieur Stricker ist zwar Nationaljude, Pärteigegner werden jedoch willig zugeben, datz die.Iudenheit Deutschösterreichs in seiner Person einen hochbegabten, kenntnisreichen Vertreter» einen makellosen und gewitz auch be- . sonnenen Wortführer gewonnen hat, der sich nicht in eXtravaganten Aufgaben verzettelt, in Wahrung jüdischer Interessen Pflicht und Ehre sehen. wird. L v Datz ein Mann von der ruhmreichen Vergangenheit Dr. Ofners ihm hat weichen muffen, bildet die peinliche Trggik der Geschichte. Bei Mer Bewunderung vor feinem hohen Wissen, bei aller aufrichtigen Verehrung vor seinem selbstlosen Charakter, bei aÄr Anerkennung, datz ein Dr. Ofner jeder gesetzgebenden Versammlung zur Zierde gereichen kann, darf man sich nicht verhehlen, datz die.gesamte Richtung seines politischen Wirkens, seine Weltanschauung, sein tiefst innerliches Empfinden, wurzelnd im Gedankenkreise strengster Assimilationsideen, ihn nicht zum Repräsentanten der