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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-14 · 7 (14.2.1919) · p. Seite 87

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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Är. 7 flftt ii'if rff-i AM» m MknarnKändsn dsr BsychsrviK. Am 5. Januar, abends 9 Ahr/ find nach' kurzem Feuergefecht mit polnischen freiwilligen Truppe ndir .Holschewiki in Wilna eingerückt und haben von der Stadt Besitz ergriffen. Das Leben in Wilna, geht seinen Gang weiter. Die jüdisch en S Hu len sind geöffn ei, ebenso alle L aden, Kaffeehäuser. usw., auch die Zeitungen erscheinen. Versammlungen dürfen dagegen nicht stattfinden. Die Preise sind ungeheuer Hoch, weil die Bolschewiki alle Waren beschlagnahmen, aber das Geld nicht dem Händler geben, sondern es bei einer Bank deponieren, von der monatlich eine bestimmte Summe abgehoben werden kann. Die Folge ist natürlich eine völlige Unterbindung des Handels. Der größte Teil der Bevölkerung wird allerdings von den beschlagnahmten Vorräten ernährt. Der Kampf der Volschemiki gegen die jüdischMtiormle Bewegung m Rußland. Das jüdische Kommissariat in der Räteregierung hat vom Beginn seines Bestehens den. Kampf gegen die jüdifchnätionale Bewegung und ihre Organe als eines seiner wichtigsten Ziele betrachtet. Die Einberufung des Kongresses wurde verhindert, die großen jüdischen kulturellen und. nationalpolitischen Gesellschaften wurden unter Konttolle gestellt, alle jüdischen und russisch-jüdischen Preßorgane wurden verboten. Vor kurzem fand eine Konferenz aller bolschewistischer und kommunistischer „jüdischer Kommissare" statt, an der etwa sechzig Personen teilnahmen, darunter eine Anzahl Bundisten und .„Vereinigte", die. sich jetzt den Bolschewisten angeschlossen haben. Die Konferenz beschloß, die jüdischen Gemeinden als Nester der. Konterrevolution zu schließen, die Mitglieder der Gemeindeverwaltungen auseinand erzujagen und den gesamten Eemeindeapparat zu bolschewistischen Zwecken zu verwenden. In der Provinz hat man bereits begonnen, diese Beschlüsse zu verwirklichen. In. Petersburg entsandte der jüdische Kommissär einen Vertreter an die Gemeindeverwaltung, der ihre Tätigkeit zu überwachen hat. In Moskau hat der Kommissär Dimendstein „vorläufig" versprochen, von Maßregeln gegen die Gemeinde abzusehen. Die Lage der neuen Gemeinden ist aber auch ohnedies eine sehr traurige, da die reichen Mitglieder fast alle ihre Wohnorte verlassen haben- und hie zurückgebliebene arme Bevölkerung nicht in der Lage ist, bei der gegenwärtigen Teuerung die nötigen Kosten zur Deckung der elementarsten Bedürfnisse auszubringen. Die Verfolgungen des Kommissariates erschweren auch die an und für sich schon stark bedrohte Lage der neuen, auf demokratischen Grundlagen aufgebauten Gemeinden. Jetzt beschäftigt sich das Kommissariat mtt dem Projekt d'er Auflösung des Rabbinates. Eine besondere Aufmerksamkeit widmen die Volschewiki den Zionisten. Einer der bolschewistischen Führer, Lissewsky, selbst Iude, erklärte neulich in einer Versammlung in Peters bürg, die Feinde des Bolschewismus feien die „Schwarze Hundert", die linken Sctzialrevolutionäre und die Zionisten. An Stelle des eingestellten„Raßwjets" wurde den Zionisten jetzt gestattet, eine „Ehronika Iewreiskoy- 2isni" herap^ugeben, die aber bloß Mitteilungen aus dem jüdischen Leben in Rußland und Palästina, ohne Aufsätze und' Leitartikel, dringen darf. §K* judrschs MrgeVd ttttk btt MsmsMRS» (Eine Bemerkung zu „Erziehung der jüdischen Jugend".) Zu den trefflichen Ausführungen des Herrn Dr. Grünfeld gestatte ich mir folgende Randbemerkung. Gewiß, wir bekämpfen keine Philosophie, keine Wissenschaft. Die Freiheit der Forschung, der.Wissenschaft ist uns selbstverständlich, solange sie über ihr Gebiet nicht hinausgreift. Wenn aber der Chemiker Ostwald eine Ersatzreligion in der Retorte fabriziert und ein betracht-' sicher Teil unserer Jugend in einer Geschmacksverirrung, am künstlich hergestellten Bäumchen des Monismus Gefallen findet und vom ewig grünenden, festwurzelnden, .lebendigen Baume (ez chajim) unserer Gotteserkenntnis sich abwendet, da muß dagegen angekämpft werden. Vogel Strauß-Politik ist die schlechteste Politik. Der Monismus verseucht und versuchtet die Gemüter unserer Jugend. In der Religionsstunde müßte zu allen Fragen. die das junge Gemüt bewegen, Stellung genommen werden. Diese Stunde darf nicht so lau und farblos fein, daß sich die Schüler langweilen und den ganzen Unterricht picht ernst nehmen. Ueher den Monismus muß der Obergymnasiast aufgeklärt werden. Die Evolutionstheorie, die älter ist als Darwin und Haeckel, steht übrigens in keinem Gegensätze zum Judentum. Sagen wir doch äm Sabbat wie an Feiertagen im Gebete: „uwtuwo mchadesch bchol jom tumid mase wreschis" (In seiner Allgüte Erneuert Er täglich immerwährend das Schöpfunqswerk). Erneuert, das will sagen vervollkommnet., entwickelt, höher. Nicht gegen die .Evolutionstheorie, aber gegen den Religion-ssin-wollenden Monismus lehnen wir uns auf. Hier gilt das Wort, das ich vor etwa drei Jahren aus dem Munde des jüngst verstorbenen Präsidenten der Münchener Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. C r u s i u s während seines Vortrages in der Wiener Akademie der Wissenschaften gehört habe: „Der naturwissenschaftliche Zopf, der abgeschnitten werden sollte." Man kann mit Bestimmtheit sagen, daß ein Großteil der Austritte aus dem Judentum auf das Konto deS „naturwissenschaftlichen Zopfes" zu schreiben sind. Die Biologie bietet jetzt ein ähnliches Schauspiel, wie die spekulative Philosophie in den ersten Dezennien des neunzehnten Jahrhunderts. Hegel, ein großer, subtiler Denker übrigens, wollte die Philosophie zur „Königin" sämtlicher wissenschaftlicher Disziplinen proklamieren. Die Reaktion blieb natürlich nicht aus. In der nachbegelischen Zeit wollte man von seiner Philosophie im besonderen und von der Spekulation im allgemeinen nichts mebr wissen. Die Biologie hatte in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts große Fortschritte zu verzeichnen. Der Erfolg berauschte jedoch ihre Vertteter. Mit dem Monistenpavst Haeckel an der Spitze, mochten sie dir religiöse Weltanschauung durch ihr lebloses Surrogat verdrängen. Der ausgesprochene Realismus unserer Jugend hat doch seinen Grund in der vorherrschenden naturwissenschaftlich-materialistischen Weltanschauung. Dieselbe-Weltbettachtung, die mit ihren Schlagworten vom Kampfe umS- Dasein zum unermeßlichen Unglücke des Weltkrieges geführt hat. Das Judentum aber lehrt ..wrächmow al kol malow". P^alm 145 („Seins Barmherzigkett .gilt allen feinen Geschöpfen^. Alle lebenden Organismen haben Anspruch ans gegenseitige Hilfe. Das Gottesideal ist das höchste ethische Ideal. „Seid heilig, denn Ich, Gott, bin heilig." (Mofis III. 26.) Diesem Ideal müssen wir nachstteLen. Zweimal täglich muß die Iuaepd das ..Schma". das, wubawtu", satten. Liehen sollst du de'nen Gott mit deinem ganzen Herren, mit deiner gamen Seele und mtt deinem ganzen Besitze ufw. Die Liebe Hum Idealen kann nicht oft »genug eingeprägl

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