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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-14 · 7 (14.2.1919) · p. Seite 83

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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r» ikü f HkM> MvchenMrif! UL Memr zünr Gchtüffe MH die Frage erörtert werden soll/wie dieser großen Mfallbewegung entgogengearbeiier werden könne, so muß Man sagen, daß das wichtigste FeM für die Arbeit, die Familie, dem Einflüsse der Mmeftrfchaft so ziemlich gättzlich entzogen ist. Auf die Famijie kann rmr eingewirkt werden durch die Erziehung der Jugend, weiters durch die Heranziehung der Erwachsenen Für Mitarbeit an jüdischen Dingen. Diese Letztere Aufgabe wäre in erster Linie von den Kultus-- gemeinden und anderen jüdischen Organisationen zu verrichten. Leider sitzen da nicht' ilmnöerjene Menschen beisammen, welche die Kraft und Pie Begabung HMn, auf andere eMehlich, fördernd urrd führend zu w*rken< Hier wäre' also vor allem Besserung fco* Verhältnisse erforderlich. Mer auch den Wgefallenen aegenüber mHßte-ein airderes Verhalten eingeschlagen werden. Man könnte hiervon deZ Tschechen , und anderen Völkern lernen, die ihre Renegaten in ganz anderer Weise . handeln, als es die 'Juden Mm Beispiel in Wien M tun pflegen, welche es auch Wer sich bringen. Ubgefallene bei politischen Wahlen zu ihren. Vertretern zu w ählen. Mir war nrrmer ein offener Feilid lieber als ein treuloser Renegat, zu welchem ich niemals Vertrauen fassen könnte. Die Wgefallenen aber wollen auf beiden Seiten'Vorteil ziehen, bei denen, die sie verlassen haben, und bei denen, als deren Ihriges sie sich.fühlen /wollen. UKerlassenHvir künftighin den Zuwachs ganz den anderen; wir haben auf ihre Zugehörigkeit verzichten müssen, verzichten wir auch auf ihre weitere Freundschaft, die sie um ihres Vorteiles halber weiter pflegen möchten. Lohnen wir eine verächtliche Handlung mit Verachtung, bringen wir der Welt bei, daß dieser Abfüll aus Vorteflsgpünden etwas Niedriges und Verächtliches' lW Wielleicht Erreichen wir es noch, haß die Verachleicht erreichen wir es noch, daß die Verachtung fült tung für Wen Renegaten einmal so riesengroß wird, daß niemand wehr.aus Furcht und Scheu vor dieser all-, gemeinen Weltverachtung willens sein wird, der verachteten und verfluchten Klasse der Renegaten anzugehörerr. Die allgemeine Verachtung wird die verächtliche Tat unmöglich brachen.' ___^ _ Vom Jahrmarkt des Leben». Oks^SÄ z«r I«§es§ßs<ichLr. : Dias Organ der tschechischen Sozialdemkckraten in Prag verbwitet .ein Flugblatt gegen die Juden.^ Es ist wohl.sehr mersivürdig, daß die angeblich freieste Partei rder angÄlich freiesten Nation, sich solcher elender Mittel für eine billige Popularttätshascherei bedient. Das Flugblattfordert nicht . M Gewalttätigkeiten, wohl aber zum energischen Boykott der Juden auf Md strotzt von best infamsten Ljügen. Aufgebaut ist es auf der Behauptung, daß die Juden durchaus nur vom Handel leben und Leben wollen und 'sich auf keinem Gebiet körperlicher -Betätigung und Arbeit finden. Das „Pravo Ljidu" hat wohl ein KMs Gedächtnis und gar kein Wissen, sonst miüßjte ihm als sozialdemokratischen Organ wohl noch erinnerlich sein, daß der Kampf gegen den Zarismus, .. der ganz Europa mit Reaktion /verseuchte, in erstell Linie vom Mischen „Bund" geführt wurde, das M von der Ä^reinigung der MischenFobriksarbefter und^Proletarier. Wenn man von den Juden spricht, muß man» wohl von der Masse der Juden sprechen. Das „Pravo Lldu" HZtte^ wohl Nur die Heimkehrer zu fragen brauchen, was sie in den Judenbezirken der gallischen und rM mänischen Städte gesehen haben. Dort lebt eineriefigö ZMvonJuden/vom Handwerk urrd Gewerbe, die sich vlüWndig irufihre» HärrdM Mfinden. In den berüchtigten Schwitzhöllen Nrw-MrA sind fast laüsschlieUich Mdische Männer uxfa Mädchen beschäftigt und 'im Londoner Withechapel bilden sie hei . alten Auszügen riesige Arbeiterbataillone. Aus Saloniki berichtet schon Pierre 'Loti, daß/dort die Juden dix schwersten Hafenarbeiten leisten und hier wie in Saloniki stellen sie einen großen Teil der Lastträger. Wer das „Pravo Lidu" hat es gar nicht notwenÄg, erst in di« Ferne zu schweifen. Die Redaktion kann ganz einfach die Adreßbücher von Prag und Wien aufschlagen und wird erstaunt sein, wie viele Juden ihrem Erwerb im Schweiße ihres Angesichtes in der Werkstatt finden. Und wenn das nicht in größerem Maßstabe geschieht, wenn sich die Juden in den Städten zusamMendrängen urrd hiev den beweglichsten Beruf ergreifen, den des Handel, so geschieht das aus Furcht vor der Wirkung der kümn-! haften und verleumderischen Flugblätter, die bald das Pravo Lidu" verbreitet und bald andere. * * * Jetzt ist es amtlich festgestellt, wer diese „erwachenden Ungarn" sind, in den letzten Wochen in Budapest antisemitische Unruhen hervorriefen und dann im! Trüben fischen wollen. Bei einigen agrarischen Adeligen und Geistlichen wurden Hausdurchsuchungen vorgenomwen und hatten das Ergebnis, daß diese offenkundig eine Gegend revolution hervorzurufen bemüht waren und die Leidenschaften der Masse durch den Antisemitismus aufpeitfchten? Gerade diese Gesellen find wohl die richtigste-!, um gegen die Juderr Vorwüjrfe zu erheben?. Vor dem! Urteil der Weltgeschichte yat e§ wohl keine größeren Kriegshetzer und Kriegsgewinner gegeben, als die reicherr ungarischen Grundbesitzer und ihre reiche Geistlichkeit^. Wären die Agrarier nicht gewesen und an ihrer Spitze die ungarischen, so wäre es niemals zu einer RehgM und schon gar Acht zu einem Bruch mit Serbien gskomm!en.c Und als düs Unglück da war, hängten die gleichen Herren, denen das Blut gleichgAriger war als die Preise von Vieh und Getreide, der Bevölkerung dßtt Brotkorb so hoch, daß es. schließlich zu einem Zusammen^ bruch des Hungers gekommen ist. Es hat Behauptungen genug gegeben, daß die Monarchie von keinem Feind besiegt worden ist, sondern nur von den ungarischen Agrariern, die Oesterreich verhungern ließen. Und nun wollen dieselben Leute, welche die Revolution herbei geführt haben, diese wieder loswerden und hetzen gegen die Juden/ Man erinnert sich noch, daß sie im Verein mit ihren österreichischen Gesinnungsgenossen und dem damaligen famosen Handelsminister Weiskirchner verhinderten, daß bas billige argentinische Fleisch in größeren Mengen bei uns eingxMrt werde. Auf. ihr betreiben ist die Steuerpolitik/o angelegt worden, baß die Ausgaben, für die Kriegsrüfiungen von "den Konfumartikeln der städtischen Bevölkerung getragen werden mußten und nichts auf den Landbesitz kam. Wasccher die unga-» rischen Geistlichkeit betrifft, so müssen auch sie mit ihren ausMdehnten Gütern 'den Agrariern zugezählt werden. Außerdem aber haben sie noch als treue Anhänger dM katholischen Erzherzogs Franz Ferdinand den Krieg gegen die orthodoxen Balkanstaaten und Rußland herbeisühren geholfen, wie aus jeder RumMer ihrer Presse^ hervor» Aeht. Beide Marten der Kriegshetzer haben ffch in den letzten Jahren kolossal bereichert urrd sind ganz ungefährdet zu Hause geblieben, wm ihre -Geschäfte zu betreiben. Man sieht, daß es die richtigen Leute waren, die eine organffierte _ Jüdenhetze betrieben.. Unter ihrm Beweggrjißrden wird sich wohl auch die Wficht befinden, den geruhten Zorn der Bevölkerung von sich weg auf die Juden M lenken.! Wie cM den Berichten hervor- Wht, ist es ihnen nrit ^oen reichen Mitteln aus ihren KrieMgewinnen auch gelungen, die Polizei für sich $ü gMnnen. wekche gegeMbtzr bm mm Ädm-

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