Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 7 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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MMN MWrauisch angesehen rach verachtet, ein Gondel- Heben führt. Ein derartiger Mißerfolg der gegenwärtigen Mafsentaüfen dürfte dann auch gewisse neoarische Hochsinanzkreise in Wien in arge Verlegenheit bringen. ,Ein solches Marannentum besteht in gewisser Beziehung allerdings schon heute in Wien, eine Gesellschaftsgruppe, die weder Mit Christen noch amt Juden, sondern nur unter sichern Konnubium hat. Ich erinnere an die gewissen Trauungen in den hervorragendsten Kirchen Wiens,/bei welchen außer den kirchlicher! Funktionären oft nicht ein einziger Hochzeitsgast ein wirilicher Arier und Christ ist, oder an die heiteren Fälle, in welch-en ein Eehepaar, getaufter Juden, nachher als katholisch Geschiedene als hochinteressauter Fall in der Welt, in der man sich niemals! langweilt, herumzieht. — Die Freiheit der Fahnenflucht, das war das erste Empfinden, der erste Wunfchs die erste Tat, welche die neue FreiheitszeiL, die nm bestimmte Augst vor ungewissen Dingen in der.Zukunft bei unseren Helden ausgelöst hat. Freiheit der Fahnenflucht, als Ergebnis lher Freiheit von Bedenken, Erinnerungen und Pflichten.; Ja, wenn es das Ergebnis' der freien- Ueberzeugung gewesen wäre! Wer freie Ueberzeugung darf eben nicht mit fteier Berechnung verwechselt werden! - II. Flucht aus dem JudentuMe, aus der Religions¬ oder K-olksgemeinschaft, 'je Mach sder Muf.äsftrng des Flüchtlings, bedeutet aber nicht in allererster Linie Flucht aus der Gemeinschaft und Bruch mit deren Traditionen, sondern heiU nach, meiner innersten Ueberzeugung in erster Linie Bruch mit dem Elternhause, mit Vater und Mutter, mit den Voreltern, mit. der Familie. 9oit durch die Familie und mit dieser besteht — von einzelnen AusnahmsfÄlen abgesehen — Zusammenhang und Zusammenhalt mit der Gemeinschaft; in ganz besonderem Maße bei den Juden. Je.inniger und tieftr das Verhältnis W Vater oder Mutter war, desto fester ist das Band zur jüdischen Gemeinschaft. Austritt,gus djeser 'Gemeinschaft ist daher vor allem-Verrät an Eltgvn und Voreltern. Das Gedächtnis der Menschen ist kurz, und es gibt anä); solche, die ihr Elternhaus vergessen können! oder die vergessen können, daß sie hinter dem Sargtz ihrer jüdischen Eltern auf den Mischen Friedhof hinausgewarwert sind. Auf der FamilientrMtion, auf. der Familienerinnerung ist ausgebant der wichtigste Teil der Mischen Moral, der wertvollste Jrchalt Mischer Sittlichkeit; in ihr rüHll'der unversiegbare Quell der herrlichsten Eigenschaften unseres Volkes. Einer einKigartigeu schrankenlosen Opserwilligkeit des Mischen Elternhäufts steht gegenüber ewige Dankbarkeit und .treues Erinnern der Kinoer, soweit Kinder ihr«! Eltern überhaupt dankbar sein können, sowie Opserwilligkeit ..gegenüber den eigenen Kindern. Austritt aus dem Judentum ist daher Undankbarkeit und Vergessen an Eltern.und Voreltern, leichtfertiges Verachten dessen, was jenen wichtig und heilig erschien und wofür jeneoft .schwer'gelitten haben. Für dieses Sichlossagen von den Opfern der Eltern und Voreltern, für diese unbegreifliche Interesselosigkeit an der Gedankenwelt jener, von welchen einzig und allein man auf dieser Welt voll' und ganz, vorbehaltslos! und bedingungslos geliebt wurde, Abt es keine Entschuldigung, feine Ausrede. Weder der Himveis aus die eigene Karriere, noch auf die Zukunft der Kindex, noch auch auf die Schwierigkeiten einer ehelichen Verbindung kann die abscheuliche Handlung rechtfertigen. Die Eltern des-Renegaten hätten um ihrer.Karriere willen ihr eigenes Kind niemals verraten. Die Zukunft eines Kindes auf einer unmoralischen Handlung ausbauen zu wollen, erscheint von vornherein ein 'verfehltes Beginnen desMnegäten, und oft wird auch schon durch das! Verhalten dieses Kindes ihm gegenüber sein verhängnisvoller Irrtum harMftm. ltztd wM biktttey Grundbetrifft, so. kann jene Siebe flicht Mt und recht sein, die zur Voraussetzung und Bedingung den Verrat am eigenen Hause verlangt.'. . Ich habe nicht ohne Grund /an die Spitze dieses Aussatzes als Motto gestellt ein Zitat gus..jenem allgemein bekannten Gebete, welches, viermal im Jahrs, an den höchsten Feiertagen, in besonders weihevoller Stunde Vorgesprächen, auch in jenen - unvergeßliche Erinnerungen und ernste Empfindungen auslöst, welchen! der Kinderglaube vergangener Tage längst -verloren gegangen ist. Man mag über die Notwendigkeit des Bestehens von Religionen welcher Auffassung auch immer sein, die Siotwendigkejt des Vorhandenseins irgendeines Moral- und. Sittengesetzes hat nod* jede Zeit bejaht, Das wichtigste Element jeder Moral und jedes Sittem gesetzes aber. Ist die Treue, eine der höchsten menschlichen Tugenden, .Wer aber die Treue nicht einmal jenen bewahren kann, denen er größten Dank schuldet, wird innerlich haltlos und kann auch andere nicht zu imrerer Festigkeit und Moral erziehen. Aus diesem Gefühle heraus haben auch Nichtjuden eine sehr richtige Abneigung gegen Renegaten. Ost wird gesägt, wenn Juden die alte GemcknWaft verlassen, daß Ae das weg? geworfen haben,- was ihnen am wenigsten wichtig und ernst erschien. Was soll man nun von der sittlich«! Tiefe jener halten, denen der Zusamntenhang mit Eltern und Voreltern so Unwichtig und unwert dünkt? Unsere Geschichte hat uns Überliefert, daß . in .früheren „Jahrhunderten Tausende ihr Leben unter grausamen Qualen verloren haben, uM ihrer Tsreue halber zu ihren Vori fahren. Heute aber werden oft unter den nichtigsten Vorwänden, aus den gröbsten materiellen Ursachen Gemeiuschastsvande zerrissen, deren Bestand ein^uMyMß/ . barer, ewiger sein sollte. Der Grundsatz „Paris! ist eine Messe wert", stellt kein sittliches Prinzip dar, ob man ein Gläubiger ist oder nicht.- Die ganze Ge-, meinschaft her Juden aber leidet unter Äeser Prinzipienlosigkeit ungeheuer. Nicht nur der zahlenmäßige Verlust der Volksgemeinschaft allein, verursacht furchtbaren Schaden, der.größere Schäden liegt, wohl in der Tatsache, daß die Nichtjuden mit dem Abfall rechnen können, daß dieser ihnen oft unbewußt Verachtung.gegen eine Gemeinschaft einflößt, die von ihren Angehörigen so leicht verlassen wird, und .daß dieser Abfall dafln als Bedingung für die freie Entwicklung der einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft geradezu gefordert wird.. Religionsgemeinschaft und Bolksgemeinschaft ist bei den Juden innig und unlösbar verbünden wie "sonst , bei niemandem! auf dieser Erde.. In Oesterreich wird diese Zugehörigkeit nur durchein rein formelles Moment dargetan, durchs die Eintragung in die Register irgendeiner Kultusgemeinde, Ebenso rein formell ist auch der Aus--, tritt, die.-Löschung aus diesen Registern/ Ueber. den for-- malen Voraussetzungen aber müßte doch deren materieller Inhalt stehen — .das ZufammengehörigkeitßaeWl. Jeder einzelne muß Mr Gesamtheit stehen, dann wird auch ihn die Gesamtheit stärken und schützen. Es ist hier leider so wie mit der taktisch! so unklugen Zugehörigkeit dev Juden zu den verschiedenen politischen ' Parteien. Die Fehler.- und Auswüchse jeder einzelnen' Partei werden jeweils von den anderen Parteien der Gesamtheit W Juden zur Last gebucht; und sehr häufig haben, sichgerade solche Juden, die in den verschiedenen Parteien für ihr, Volk nicht nützlich wirken, vom Judentum innerlich, oft auch .äußerlich '.schon längst losgelöst, ßlux' den..HM, den sie erzeugt,' haben sie ihren verlassenen Brüden als! Erbschaft hinterlassen. Bei vielen anderen. /Täuflingen1 ist es nicht anders. - Der reichgeword ene Wucherer wird . Christ, nachdem er den Judenhaß reichlich vermehrt Haft.