Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 6 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 79 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 4'- Dr. .SMtz-'ck WschrsWiW- — Hrtzdigers/ -toenn'.si<'hmurt' intcht''Liniverjmnden^wares, Ernwande machten. Die Drösche glich «den einer Di,sertation, di« der. Vortragende von der Kanzel aus zu verteidigen hatte. Daoei kam es.nicht selten zu leidenschaftllchen Auseinandersetzungen. ' Äiachmittags, nach dem Mincha-Gebete, kamen die Balbalcm, die Gemeindemitglieder, zu Großmutter zu Besuch. Und bei solchen Gelegenheiten durfte niemals der mit Mohn versetzte „hohe Homgmchen" fehlen. Dieses' Backoert erfreute sich überhaupt in den „Sieden Gemeinden" einer allgemeinen Beliebtheit. „E so .e ' Heni Machen", meinte Großmutter. „hat lauter Tam." Len wüsten roeroen auch gekochte „Schmtzen", getrocknetr und ih Zuckerwasier . gekochte ObMchmtte vorgejetzt. Dtctunter gab es auch andere Leckerbissen, je nach den Vermögensverhältnissen des. Gastgebers. Am nächsten Morgen verließ Srole Steirer wieder VeN Ort und ging in die Fremde, seinen Geschäften nach. Es kamen Tewes und Schewat, „wo dis größten Gälten sind", und Großmutter verbrachte die Zelt wie die meisten Frauen der Me. Langewelle hatte man dorr Niemals. So eine Me. war nämlich ein Mikrokosmos, eine kleine Wett für sich. Wenn auch kehre großen Ereignisse zu verzeichnen wären, kleinere Vorkommnisse, die Gegenstand von Erörterungen biloeten, kamen immer vor. „D' Nomschreiben" und Chasenes, Sudes und „Fürgäntze", natürlich auch Erkrankungen und Todesfälle. AN allem nahm die game Kile teil. Da hatte man „Masolvtow"' zu wüNschen, dort „menachem owel" zü sein,. Kondolenzbesuche zu machen. Die Kranken wurden „heE geiucht". und wenn jemand, eine neue „Diere", Wohnung, bezog, so wurde er am ersteN ,Samstag nach derllebersiedlung von den Kilegenossen mit Bäckwer? oder Obst KWentt. . - r - i? Mrstrichen Tewesund Schewat und der Monaf Adar kam ins Land. Mitthm beganm in der Kile ein Mhafteres Treiben. Di« Weiber machten Ausflüge in die benachbarten Dörfer und handelten dort Weißmehl zum „Purimgebachts", der Purlmbäckerei, ein. Die" ledigen Leute, zuweilen aber auch die Verheirateten, hielten allabendlich bei einer anderen Familie. Beratungen darüber ab, wie sie sich „verstellen" für den lPurimabend maskieren werden.-Das Hauptinteresie her nunmehr begonnenen Tage konzentrierte sich in der Frage: Was wird das „Purimg'fpiel" sagen? Dazu wurden bereits heimlich. in der Kile Vorbereitungen getroffen. Das Wort „heimlich" ist allerdings nicht in feiner gewöhnlichen Bedeutung zu nehmen. Wie konnte in der Kile etwas geheim bleiben? Jedermann wußte, wer die „Mitspieler" sind, wo die „Ueberhöre",- das sind die Woben, abgehakten werden. .. Esther-Taine», der Fasttag und das „MegMahkeinen",. das Vorlesen des Baches Esther, waren vorüber und der Purimlag brach an. Den ganzen Vormittag verbrachten. di« Kinder, mit. dem Herumtragen des „Schlach-Monos". Keine Familie in der Kile durfte unbeschentt bleiben. Die ersten Geschenke wanderten zu den .Funktionären der Gemeinde, dem Rabbi, dem „Darin", dem Chasan, dem Schochet und dem „Lieberer", dem Manne, der den Verstorbenen die letzten Liebesdienste erweist, fein „Rechtes tut". Toten di« „Rechte" angedeihen läßt. Diesen Leuten sandte man ij. a Geldgeschenke. Etwa einen Silöerzwanziger,. meistens einen „Siebzehner", der, einen halben Zwanziger glich. Die ärmeren Familien — und diese waren da stets in der Mehrheit — schickten etwas Bäckerei und Obst. Fügte es. sich durch Zufall, dätz eine Orange sich, in der Kile befand, war es immer so eingerichtet, daß sie jedem zugesandt wurde, natürlich, damit er sie wieder wettergebe. Und fö. fei denn hier ein« Geschichte roiedergsgeben. - die uns Großmutter erzähA hat unter dem Titel: „I o ff el es Schlach-MoNos." - . In der ganzen Medine (Provinz) ist keiner so ei« Oscher Ador, so fürstlich reich, gewesen, wie „Schwarz Jossele". Man hat ihn sv genannt, weil er schwarz im Gesicht war. Gold hat er . gehabt und Silbe« und teure Sachen (Kostbarkeiten). „Sein Weid hat getragen Ohrringe, die sind wert gewesen e Schloß vom Grafen." Sein« Sederschüssel und die Menoire waren aus blankem Silber mit Gold verziert. Zwei groß« Seforim (ThoräroKen) mit prächtigen Klet Kodechs (Auf-: fätzen) hat er der „Schul" geschenkt und auch eine großarttge „Jad" (Zeiger beim Thoralesen in Form einer Hand). Auch die schönste MegÄlah in der Kile stammt von ihm. Dabei hat er sehr viel -Z'doks . (wohltätig« Werke) gegeben. - Josiele und fein Weib haben ein großes . S'chi« (Verdienst) gehabt, denn das Mafol hat sie auf ihre alten Tage erreicht. Früher war Josiele ein „bitterarmrr Mann". Kaum, daß er p eifert gehabt auf feinem „Stübl", seinem Zimmer. Aber er war fromm und «in „choschewer Jüd". Wie aber ist Josiele auf tifflnol «in so reicher Balbajis geworden? Än einem Esther-Tainesabend, nach dem Megillahlesen. ist er aus der „Schul" nach Haus gekommen. Statt des gedeckten Tisches, denn er hat ehrlich-gefastet, liegt sein Weib im Bett. „Was ist dir. Röchele?" fragt er besorgt. Er bekommt keine Antwort. „Schma Jisroel", ruft er und will Leute holen. Da springt Röchele aus dem Bett. ,Meib da, Josiel," sagt sie. „ich bin schon gesund.^ Der Mann steht und weist nicht, was er sagen soll. „Ich war nur erschrocken'^ fuhr di« Frau fort. „wh£ lauter Freud'. Und jetzt will ich-dir zeigen. Josiel, was' die Sach' ist." ' Sie trat zum Metten Bett, schlug die Pölster auseinander und Josiel — hat sich gleich die Augen Zuge« halten. l j . Da hat's „gewimmelt" vor Gold und Silber und von „Teurem". „Schma Jisroel, Röchele," sagt er endlich, „wo hast du das Schires (Schatz) her? Ist der Maloch (Engel) zu uns glommen?" Statt der Antwort.zeigt Röchele unter den Tisch. Dort befanden sich — im Gegensätze zu den anderen Stellen des Zimmers — noch einige kurze, ausgefressene Bretterstücke, di« Rest« einstigen Fußbodens. DiefL-^BreiterstLFe Hrt stets Röchele mütterlich betteut und bewacht. -Immer an Erew Schabbes oder Erew Jom tow hat sie sie, fein säuberlich abgerieben, daß sie blank und weist wurden. Heute, da waren sie nicht gereinigt. „Wie ich so heut' wieder die Bretter reiben will., auf einmal kracht etwas unter meiner Hcyrd und die Bretter fangen än zu wackeln. Ich Ml sie. in Ord? nung bringen, da fallen sie auseinander, und da feh^ ich, was ich Hab' gar nicht glauben wollen. Ein ganzer Haufen von Gold und Silber und Nadeln und Ringe« und Broschen. Alles. Josiel. was du dort im Bett sehen kannst." < ( „Ein Nes (Wunder) ist da geschehen", sagte Josiel. J „Ja. ein N^>" wiederholte Röchele» „weil du immer bist gewesen „e frümmer Jüd". hat dir Schem horch« geschickt ein Schlach-Monos..." Viele Jahre später hat.man erst die Geschichte evfahren, und Schwarz Josiele und seine Frau haben der Kile schon« ..Kea Kajemes". Sttftungey^ Untere sasien. - .