Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 6 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 80 (sequence 16)
- Language
- German
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£y6U D^ BloriM Wochen sch rif< ffe 6 gifftät&r ev. MchrrH nrtd SiMM.'' ' -Äon Major Dr.' phil. Friedrich Stiebe, cand. theol. .S Im' Tornister etzies tzefallenen jüdischen Kameraden fänden V Mr chgs; kleine Buch. Wir evangelischen Theologen .Hatten im KrMe xiir besonderes JnLereffe'an' der 5 Geistigkeit" »m-- seyet jüdischen Kameraden; Kr Eigenleben in religiöser Beziehung, -> hatte jetzt' Mannigfache . Gelegenheit, voll herauLZutreten nnd - sich - Ln seliner sgachen .biblischen and evangeli'chen Urtümlichbeü zu offenbaren: beim Leiden and Dulden.. beim Höffen. Fürchten und Bangen, beim Frohlocken und beim Sterben. Wichtige Erkenntnisse zur Mligionspsycholögre!und Relkgionsgeschichte und sogar •;r zur BibeÄcegese sind Manchem von .uns ausgegangen aus diesefi --^eobacht^ngM. und . aus vertraulichen Gesprächen mit jüdischen Kameraden. -Denn, ^ie Juden sind das Volk der Religion'. - Roch - Hei denjenigen, di- Sfchembac alles Religiöse abgelegt haben- und m. der' modernen Kultur ganz aufqeqanqen sind» bricht es . wie ein verhaltener Strom -hervor, Hst .als unmittelbare Wirkung ödes später sich einstellendr Nachwirkung starker'seelischer Erschütterungen. ' — Wir nehmen also das kleine Brüh aus dem Tornister des ge- - fallenen jüdischen Kameraden an uns. „Am Tage des Gerichtes^', . lautet der Titel. Ein Kriegsbuch? Garstig! Ein frommes Traktätlein vom . jüngsten Bericht etwa? Rein, Nur, eine Erzählung. Verfasser: BinjamZn Segel. Mbekannter Name. (Berlin 1928. NibelungÄr-Serlag.) Wir sind in "einer andern Welt." Ter Tag des Gerichtes, das .ist der jüdische. Versöhnungstag: den ..langen . "-'1£ag^ UMnen,- wir ihn in SüddeutschLmdund bekunden damit sehr " - ManaeNafte Beobachtung umKwenig lVerständnZs für. Las Seelenleben 'unserer nächsten Nachbarn. Die Juden nennen ihn den...heiligen Tag" p.rr «-xc« lencu E« ist aber nicht nur nicht lang,' weil er im SeptemberfÄlt. — .sondern den Juden erscheint er, trotzdes ^strengen Fastens, viel tzu kurz; eine so reiche Fülle bietet er, ihnen' an Emotionen und Stimmungen. Diese sind in der vorliegender» , Erzählung mit ungewöhnlicher, Darstellungskrast oefchi.dert, dis. S.an->D o -sto i<.©s k ier.jroiert.- Auch das Problem hat einige Verwandtschaft mit Rasko lnikow. nur liegt es in einer andevit Sphäre. Simon B «er g, eiü Schlichter, kraftvoller. ehrlicher Menschj. hat Schuld auf. sich geladen; er hat von einem Manne ein /EjefälligkeitsdarlZhen züvückerhalten, der Mann «war getrunken, in dem Bündel befanden sich Zehn.-Tausenderanstatt zehn Hunderte^..,. Simon tBerg ürrAts einige Tage später, trägt das Geld zum Eigen- Gleichzeitig fasste" ihn eine fremde Hand LeinuLracksn and - drehte- ' chn um: Br Wg an, -schnell-' au^uschreiten; nach einer. harzen Weile langte er schweitzgebädet in seiner Wohnung an". Nun ist' .'.eine starke Mruhe in Simon Berg eingezogen. Er betärdt sie in rastloser Arbeit. Erst' drei Monate später, am Äersöhnungstag« , im Gotteshause, erwachen die Gewissensbisse. Viernndzwanzig SLun- - Len lang dauert der Kampf zwischen „dem guten , und dem Soßen Trieb" in der Seele Bergs. Denn Simon ist kein Weltverächtersondem ein tatkräftiger, genußfroher Mensch, und mit der bedeuten^ den Summe, die er auf. diese unauffällige Weise zwischen die Finger "bekam, hält er tzum ersten Male im Leben den Schlüssel zum Reich-, ■ tunt in der Hand, zu einem tätigen, breiten Leben,., frei von der. niederdrückenden Abhängigkeit des Angestellten. Es istnun das künstlerisch . Merkwürdige, . dast hier der Kampf ein rein 'innerlicher fft» - in dem hermetisch ' Soerschlossenen 'Gehege der Seele sich abspielt, in das kein Ton von den Vorgängen der Autzendringt:,,nur ällein die suggestive Gewalt des , heiligen Tages" ist. das trelbendi^-ZKömrRi; --der mit unvergleichlicher Pracht gefchillrerte Gottesdiettst drit -seinen^gLo^rtigMr^voN-lssmischem,.Geist erfüllten. Gebeteist und!den uralten ergreifenden GesästgeN, die mtfwunderbarer Wortkunst beschrieben lwerden. daß man sie sinnlich zu hören vermehrt. ^Jn diesem Gottesdienst gibt es keine Beichte^: nicht einmal eine richtige Predigt. Der Andächtige ist ganz auf sich selbst^ gestellt,--Wllig äutonoM: d ist sein eigener Erlöser,- Nur die TrMtidm än bie er hineingestellt ist, gibt ihm die Gnadrnmittel, die «r «gDraüchen mag, um. sich aus den Schlingender..Sünde Hü Mft^ken.'..Wie Mn.SimonBerg mit dem „Bosen in seinem IMeM'-Äingt und Pch. schließlich befreit, indem er das Geld, noch. bevorMMMrsähnünAtag Ende istzum' Eigentümer hinttägt/ stch denPtW und ihn um Entschuldigung bittet, das! ist der DZMlung. Das-.Problem ist mit unerbitt- - l^r, SWiMeit And-tzchä^e gestellt. Denn der heimlich Beraubte ist eine wenig fympaHische Figur, ein 'steinreicher" Lüstlings das «Geld ^hunnit aus einem «rprmen. Gewinn^ im Kaftenfpiel. Dreimal tritt dör Versucher, die - Personifikation - des „bösen Trieb es" an ©bunt Berg heran, Zuerst als überlegener, moralinfreier Welt- ' mann, dann als teilnehmender Freund.' schließlich als '„.Berkörpe-- rung der Frömmigkeit und" Gelehrsamkeit". Um das Bündel Wank- - not^r hervorzuho^n, must nämlich Simon Berg mit einem Stemm- '«M- ^ne TM teinbrechen: <Me Entweihung des», Sabbats der Sabhate^ «ne furchtbar schwere Sünde für Pen' stMggläubrgen ' Duden, Mr/Zeit seine? Lch'ens die Ritualvorschriften seiner Religion mit der Peinlichsten Sorgfalt als ein untastbares Heiligtum gehütet . hat. Eewissoikonjliü! Die Verkörperung der Frömmigkeit und Gelchrsamkeit" beweist ihm Mit schneidender Dialektik, daß di» Todsünde der i Sabbatschändung nie wieder gutzumachen wäre, «ährend es mit der Rückgabe des Geldes ja keine Eile habe. -Dieses Argument fällt um so . schwerer ins Gewicht,- als der Geschädigte ein —,!— RichtglauhensgenoIse -ists mit dem es keine'religiöse Gemeinschaft gibt,' um dessen willendie heiligste Ritualvorschrift der -eigenen - Religion -Zü' verletzen demnach ' doppelter Frevel wäre. Und hier , ist der Punkt, wo die ..Verkörperung der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit" anseht, um das moralische" Vergehen dem Andersgläubigen gegenüber/ db überdies'pstsönlich ein' lasterhafter Mensch ist.' in immer milderem- Lichte erscheinen zu-lassen, daß es Gefahr läuft, bald in Nichts z<zerflietzsn. Dieser Kampf zweier religiöser Weltanschauungen.,,der formal-ritualistischen und der ethischen, bildet den Gipfelpunkt der Erzählung.' Alle Argumentation für und wider' ist mit großer Meisterschaft' in- Erlebnis :nnd Stimmung umgesetzt. - Es - ist ein -Ringen zweier Mächte, dem wir mit atemloser Spannung folgen. .Sehr , sein ist es, daß die Verkörperung der Frömmigkeit.und MelehrsaMkeit zur .Verfechterin dH religiösen Formalismus und Nlglefch'r-^Wtzreligiöser' Engherzigkeit gemacht ist. MM hat/lForMali-mus unMUnduldsamkeitsich mit dem Gewand der- Frömmigkeit ünd Gelehrsamkeit drapiert. (Welch eine Ausbeute, für KLNstantin -Oesterreich,' Rudolph Otto und Friedrich Heiler, die uns in letzter Jeit tiefgrabende.- Untersuchungen über die Psychologie der' Reli.fton 'und des- Eebetes geschenkt!) Der ethrsch-humane Geist der -Religion trägt den Sieg davon. Hier haben wir seine, hon innen heraus auf Grund eigener" innerer Er-- fahrung gegebene Psychologie der jüdischen „Gesetzlichkeit", über deren Wesen und -Wert so vie^e bedeutende Historiker und Neligionsphilosophen sich d^l Kopf zerbrochen.haben. Steht am Eingang, wir-eine düstere Ouvertüre, der unheimliche nächtliche Jrrgano des Verstärien durch die einsamen Felder, so wirkt znm Schlust mit gewaltigem' Kontrast dse Heimkehr des Gesühnten und Versöhnten im milden' Lichte der Abendröte. - Cs ist der sieghafte Mensch, den uns dir kleine Erzählung zeigt: er.überwindet jn heizem Ringen die finsteren Mächte in seinem, Innern. Cr triumphiert, still und innerlich. Von seinem Siegesgesang dringt kein Ton. in die Außenwelt, aber er klingt noch länge, lange in unserer Seele^ S. S. Äd a. Das die Wiener Juden irr der Abwehr antiseruitischer Verleumdungen gar zu lax sind, 'ist leider.: allzu währ. Da haben 'Sid recht mit Ihrer alten Klage: - 1 v' . - - Ad b. Es liegt auch nicht die Schuld beim "Schriftsteller und ' Journalisten. Judenverteidigungsartikel finden keine Aufnahme. .. Ad^e. Daß der Stifter des Christentums — er überhaupt eine hist.' Gestalt ist — „von Juden umgebracht.' tvordeü"s ' glaubt heute ... keiuchebildeter Mensch mehr. Sovsel Geschichtekennt heutzutage schon der^Mindeste.^''l" " Eleonore K . 1, Singerstraste. Für den echten Freiskm dieser Partei ist Name und Charakter eines Dr. Franz Klein sicherste Bürgschaft. Wählen Sie darum ruhig Max Friedmann. „Lilnnzfäyiger Buchhalter." Sie wundern sich daß die Firma Leopold Kantor,'-Sechshauserstraße 62/64, auf ausschließlich „christliche" Buchhalter refiektiert. Vermutlich wollen die Herren Jakob und Theodor Kantor, Inhaber der Firma, zur demschvölkischen ^Partei' übertreten. ■' ■ ' ' - - " EMe ' SED ÄüsstattunKK-StiftAng. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von 765 K. BLwerbllNZsberechtrgt 'sind : Moralisch untadelhaste, dürftige, verwaiste, in Wien oder - in Böhmen geborene Töchter jüdischer Eltern,' welche sich im Brautstande befinden." .. Aüszahlungstag: 20. Dezember 1919. GesU-chsbeilagen: Geburtsschein, Totenschein des,^ bezw. der verstorbenen Ellernteile,' Arrmllszeugnis, Verlobungsnachweis, Sitten- ' Zeugnis. " ' .P I. - Letzter Tagder Einreichungsftist: 1L„ ^Februar 1919. - Cinreichst-Ue: 1. Bezirk,, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). ' Wien, 1. Januar 1919/ , - ' . . Der Vorstand der if-raelttischen- Kultusg»meindt ' r . .Wien. . . Junger, sympathischer Mann, zu jeder geschäftlichen Lautbahn, bereit, sucht ebensolches Mädchen.— Gefl. Anträge unter »Braun« an die Adm. d. Bl. Stichefür - meine ^Nichte, 20 jähriges, hübsches, gebildetes Mädcfiehj häuslieh-; eczöjgen,: passenden Bewerber, am diebsten'Ärzt, -wenn äiich ohne jede Praxis. Nichtanonymes ü. »Glück« and. Adm. d. BL1 ««d tzmmtvvMchkr Asßs- G. MsH — von §. B§S & Gohn MM, W,