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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-07 · 6 (7.2.1919) · p. Seite 70

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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EtM SS Dr BlaM'4 WoWenfHrifi Är. 6 ZuLeEartte BeremrtKissL mV EutWUrttgen. Das Organ des Nieder-österreichischen Bauernbundes. .Der Bauernbündler", enthalt in einer feiner jüngsten Nummern an leitender Stelle .einen Artikel unter der Neberschrift: „Die Lügner am Werke". Die Ausführungen menven sich mit großer Heftigkeit gegen solche Leute, die den guten „Bauernbündler" der unaufrichtigen Haltung gegenüber der Republik beZichtigen, die ihm Klerikalismus. Indolenz im Kriegsverlaufe und ähnliche Unflätigkeiten verwerfen. Dann Wird mit Bedauern konstatiert: „Ein dritter schwerer Vorwurf wird uns gemacht: Wir hätten uns während des Krieges, -jcht um u n s e r e L e u t e a n g e n o m m e n, Wenn wir nichts erreicht haben für unsere Mitglieder, ja zum Teufelholen. wer denn sonst? Wer hat denn trotz dem ungestümen Drängen der Sozialdemokraten die Brotrarte für unsere Landwirte verhindert?" - Jetzt weiß es das Volk von Wien, das Volk der Konsumenten und Unterernährten, warum es während der fünf Kriegsjahre hat Hunger leiden müssen, da die „Bauernbünd!er"-Leu1e es zu verhindern gewußt haben, daß auch die Bauern rationiert werden, die sich natürlich nicht bloß sattgefressen haben, sondern sogar lieber ihre Schweine fütterten und schwunghaften Sch l eich Handel trieben, ehe sie die vom rlesetze geforde ten Quantitätsn an Getreide ablie'erten. sticht genug daran: der „Bauernbündler" verrät weiter: „Wer hat denn ein eigenes großes Bureau eigens wegen Enthebungen eingerichtet? Tatsache ist es» daß durch unser stetes Arbeiten in Niederösterreich verhältnismäßig die meisten Landwirte enthoben wurden." Man ist. starr ob solcher ungeheuerlichen Bekenntnisse. Also der „Bauernbündler" unterhielt während des Krieges Ym«genes regelrechtes „großes" Enthebungsbureau,das offenkundig mit Hochdruck arbeitete, und dem-es, wie das Blatt aüsplaudert, gelungen ist, „verhältnismäßig die meisten Landwirte vonr Militärdienst zu befreien". Das ist wohl das Eingeständnis der unerhörtesten Korruption, die überhaupt während und nach dem Weltlege bekannt wurde. ^_ : Die Wahkm itt Polen. .sehn Zionisten und drei jüdische Volkspar-' teiler gewählt. .- ~~ Nach den bisher hier vorliegenden Meldungen erhalten die Juden in Polen und Galizien 14 Mandate, lös wurden gewählt: 10 Zionisten. 3 , Angehörige der jüdischen VolkSpartei und 1 Orthödorer (in-Lodz). Dr. Ösias Thon (Krakau) ist d r e i m a l gewählt. Ferner sind gewählt: Dr. Brande Farbstein, Ha rtglas, Podlischewski und Dr. Rosenblatt. In .Krakau erhielt Dr. Thon 12.450 Stimmen, sein Gegenkandidat Dr. Groß 2431 Stimmest. , „ Antsemrtischr Erpreffer in Berlin. Berlin, 29. Januar. Die Anklage wegen versuchter Erpressung durch Bedrohung mit Mord,-die den -11 jährigen Arbeiter Karl Rietze gestern vor das Landgericht I führte, veranlaßte längere Erörterungen über Äe antisemitischen Flugblätter, die im De- -rrnber vorigen Jahres auf Tm Straßen, besonders im Westen, verteilt wurden. Der Angeklagte, der den Feldzug in Rußland mitgemacht hat und jetzt an schwerer Hysterie leidet. Hat ^gestanden, zwei Exprefferbriefe an den Kaufmann Mar Äehrend und den Kaufmann Leopold Cohnreich geschrieben zu haben, die folgenden Inhalt hatten : . Die. Adressaten -wurden aufgefordert, je '20.000 M. zu einer b^timmten Abendstunde an einer genau bezeichneten Stelle abzuliefern. Es würde s gleichzeitig bestimmt, wie das Paket an dis Vertrauensperson, die . sich durch beMders Haltung des Taschentuches vor dem Munde ' kenntlich machen werde, abzuliefern fei. Damit wurde „im eigensten Jnteresie" die Warnung verbunden, sich mit irgendeiner Behörde in. Verbindung zu fetzen, da dies dem Adressaten den Tod bringen, würde; in Kiefer bewegten Zeit komme es auf ein Menschenleben mehr oder weniger nicht an. Zum Schluß hieß es: „Wir belästigen Sie nur ein einziges Mal; viele. Ihrer jüdischest Glaubens« genossen müssen noch mehr zahlen, es find, schon 400.000 Mark beisammen. Es sind schon; mehrere jüdische Herren, die sich bereit erklärt habech Geld zu zahlen, . dadurch Mitglieder des Bundes geworden. Der. politische Geheimbund." - Die Adressaten gingen mit dem Paket zur vorgeschriebenen Stelle, gefolgt von Kriminalbeamten; der Erpresser ließ sich aber nicht sehen. Er muß aber doch aüfgepaßt habendenn am nächsten Tage erschien ein Mann bei Herrn Cohnreich und überreichte ihm einen Brief, in welchem der „politische Geheimbund" ersuchte^ das Paket dem lleberbringer auszuliefern. denn „gestern schien es so, als hätten Sie Deckung". Run wurde der lleberbringer festgenommen. Er war auch der Schreiber der Briefe. Vor Gericht erklärte er, er habe die Flugblätter bekommen, die gegen die Juden hetzen. Da habe er sich nach Schöneberg begeben, wo in der Wohnung des Herrn Josef Knauer Leute.beisammen waren, die auf die Juden schimpften und sagten, es müßte gegen.sie ein Blutbad angerichtet werden, wie .in. Rußland.. Da habe er gedacht, es sei: gestattet, gegen die Juden, so. vo^ugehen, wie man wolle. Weiter seigesagt worden, es Müsse Geld sjunMahliMstden^dUM diEWUMHug - in Gang komme, und dadurch sei er veranlaßt-worden, die Briefe zu schreiben, um Geld für die Bewegung zu erlangen. Auf Gerichtsbeschluß würden die Flugblätter mit den lleberschriften „Ende des Militarismus -- Änfang der Judenherrschaft" und „Die Juden,-Deutschlands? Vampire", verlesen. In einem Flugblatte 'wird Huf eine Leninsche Weissagung Bezug. genommen, wonach Juda überall ausgeröttet werden würde, nachdem es die Hand nach der, Krone aus gestreckt habe. Jetzt, so hieß es, hatten die Juden die Hand nach der. Krone aus^ gestreckt, und. deshalb müßten sie ausgerottet werden. In der jetzigen Regierung säßen Merwiegers) viele Juden, und deshalb sollte „jeder, der mit den fdjimb-v mäßigen Zuständen nicht Einverstanden Ist", der De« wegung beitreten, . 'Von den vier. Unterzeichnern der Flugblätter war nur der zwanzigjährige; Erich K am r a d als Zeuge zur Stelle. Er bekundete, daß in. nichtöffentlichen Zusammenkünften das- Vorgehen gegen die Juden besprochen worden sei. Wer der Verfasser der Flugblätter sei, wisse er nicht. Es sei beabsichtigt gewesen, Pogrome' nach' russischem Muster zu veranstalten. Unter das Flugblatt, in dem zur Ausrottung der-Juden aufgefordert würde, fei fein Name zu unrecht gekommen. Rechtsanwalt Dr. Jfaac beantragte, außer den vier 'Unterzeichnern der Flugblätter auch- Herrn Yvon Schrieben als den vermeintlichen intellektuellen Urheber zu laden und den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der' Angeklagte 1er ein schwerer Hysteriker, der infolge der, Aufhetzung durch solche blutrünstigen Reden und Flugblätter zu - seinen Taten beeinflußt worden sei. Der GerichtshLf beschloß die Vertagung. Der Angeklagte soll auf seinen. Geisteszustand untersucht ^werden. - 1V .. 1/; -

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