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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-07 · 6 (7.2.1919) · p. Seite 69

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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6 Seit« 85 Dr. MoH'S WEnsHrift Tatsachen ein 'gemeiner „Dreh" ,lind ihre moralische Schande größer als alle Vorwürfe, -welche sie gegen die Iu,den zu erheben die Dreistigkeit hat. ■ V ' * * * Man soll entschieden auch vom Gegner das Gute lernen. Das 'SpätabendblaLL der „Reichspost", die „Wiener Stimmen", gebrauchen zum Beispiel die Kunst fürs Volk und veröffentlichen in jeder Nummer die gehässigsten antisemitischen Zeichnungen und Karikaturen. Es sollte sich aber auch ein gegnerisches Blatt finden, das diese Methode gegen die Christlichsozialen anwendet und Zeichner für diesen. Zweck in seine Dienste nimmt. Der Stoff für die Bilder würde niemals ausgehen. Man könnte därstellenä wie die.Christlichsozialen den Krieg ins Pulverfaß steckten, bis Europa in den Flammen des Krieges aufging. 'Wie sie dann die öffentlichen Aemter belagerten, um enthoben zu werden. Wie sie die Regierung führten, bis der Umsturz kam und nichts du retten war. Wie'sie als Bauern, Greisler, Winzer. Gewerbetreibende im Schleichhandel tobten. Wie Weis-' kirchneü Wien verpflegte. Wie christlichsoziale Landwirte hungernde Wiener von der Schwelle jagen und sie anschießen. Wie das Vermögen der christlich sozialen Machthaber wuchs. Wie die christlichsoziale.Presse für das Durchhalten.eintrat und sich mutig für die Feudalen und reichen Klöster in die Bresche warf. Das ist nur ein kleiner Teil der Bilder aus der Wirklichkeit, die gezeichnet werden könnten, um den christlichsozialen Lügenbildern entgegengestellt zu werden. * * * Die „Ostdeutsche Rundschau" widmet einen in jeder Beziehung merkwürdigen Leitartikel ihrem Mitgefühl für Kaiser Wilhelm, der krank in Holland liegt. In idem Artikel wird' der Exkaiser entschuldigt, und alles Verhängnis feiner Entschlüsse auf seine Ratgeber geschoben. Als ob es einen Monarchen gegeben hätte, der Weniger auf Ratschläge gehört hat, als Kaiser Wilhelm! Da wir aber Juden sind, begnügen wir uns mit dem vernietenden Urteil der' Tatsachen und wollen nicht weiter gegen einen Mann losziehen, der vorderhand ohnmächtig und krank m der Verbannung lebt. Das eine steht aber für jedermann fest, daß es Kaiser Wilhelm war, der die Möglichkeit zu einem rechtzeitigen und erträglichen Frieden ablehnte und den vermessenen Mut besaß, das Völkerschlachten weitergehen zu lassen. Diese Tatsache allein läßt das Schweigen über den entthronten Monarchen als das beste für ihn erscheinen. Die „Ostdeutsche" aber sieht es als wünschenswert ün, ihm eine versteckte Huldigung dawnbringen. Was würde sie dazu sagen, wenn jüdische Räte in der Nationalversannnlung sitzen und die jüdische Presse für den deutschen Kaiser eintreten würde? Von Gefahr und Verrat, von doppelter Gesinnung würde sie schneien und in allen Rubriken gegen die Juden losziehen. Was eben erlaubt ist Teut, ist noch .verboten für andere Leut'. Ein Mittel'schnlyrofesior wird in einem antisemitischen. Blatt geistreich. Er schwefelt vom fertigen Judenstaat Palästina und fragt, wer denn dort regieren würde, wenn M>e Bevölkerung jüdisch wäre? Eswürde wohl keinem 'Christen gelingen, dort in einem Regierungsamt eine h-ohd'Stelle zu bekleiden, denn die Juden würden das einfach nicht' dulden, und man mußte ihnen Recht geben. Dagegen sollte man sich nicht nut DeutschösterrFch. sondern auch 'Preußen, Bayern und andere Länder änschauen. wo überall in hohen 'Aemtern Juden sitzen. Das christliche Volk wolle jedoch durchaus nur von Christen regiert werden. Man kann dem Professor antworten, daß niemand das christliche Volk daran hindert, seinen- Willen zu erfüllen. Nur wurde es bisher in den meisten der genannten Länder ausschließlich von den Christlichsozialen regiert und das Ergebnis war der Zusammenbruch. Nur so konnte es kommen, daß auch bei uns-'tüchtige Juden zur Regierung berufen wurden, wie es schon früher bei der Entente mit großem Erfolge geschehen ist. Ihr Verbleiben wird wohl mehr von ihren Taten abhängen, als von ihrem Glauben, denn von der christlichsozialen Kunst haben viele Wähler genug. Was aber den Jndenstaat anbekrifft, fo werden gewiß auch Christen dort in der Regierung sitzen, wenn sie so alte .Bürgerrechte haben -und sich so als Staatsbürger bewähren wie hier die Juden. PoAksmheLr zu Wü-hztzrvsckm. Wiederholt ist uns das kaum glaubliche Gerücht zu Ohren gekommen, wonach jüdische Wähler aus unbegreiflicher Angst vor dem eventuellen Erstarken der Sozialdemokratie ch r istl i chsozial zu. stim men dieAbsicht hätten. Das wäre schlimme: als Selbstmord, das wäre Selbst; ch ü n d u n g. Zur Aufklärung diene übrigens nachstehendes Faktum.v : , In den letzten Tagen wird zu antisemilischen Wahl- Zwecken eine hetzerische Broschüre in Wiener Kirchen verteilt und auch an Gast- und Kaffeehäuser versendet, welche zu Judenpogromen als gottgefällige Handlung auffordert. * „Es ist unmöglich," heißt es wörtlich, „alle..Verbrechen, welche die Juden gegen Gott und die Menschen begangen haben, zu verzeichnen. Ihr Religiousbuch besteht nicht aus den Worten Gottes in den -Büchern Mose und der Propheten, sondern im ^atansbuche. im sog. „Talmud"." Ls folgen dann einige längst vor dem Wiener Landesgericht als gemeine Lügen und böswillige Fälschungen geLrandmarkte „Zitate" aus dem Talmud, welche den angeblichen Christenhaß der Juden beweisen sollen, und dann heißt es weiter: „Diese von Gott und den Menschen und von ihren eigenen Vätern verfluchten Juden, deren Atem bis heute noch nach Ziegenbock stinkt, mögen jetzt, in der Zeit der Vergeltung, zusehsn, was der ewige lebendige Gott ihnen versprochen hat." Zum Schlüsse wird ausgeführt, daß Gott selbst für die Juden, „feine Erzfeinde", das „fünfte Gebot: ^,Du sollst nicht töten", aufgehoben, ja, daß Gott selber die Juden, die zynischen Menschenoerderber, als vogelfrei erklärt hat, und daß die Pogrome die gerechte Erfüllung^sind der mosaischen Prophezeiungen und „eine Freude Gottes bilden". Soweit die Hetzschrift, die in den Kirchen verteilt und an Gast- und Kaffeehäuser versendet wird. v Wer mit seiner Stimme eine Partei fördert, aus deren Mitte solche verbrecherischen Pamphlete hervorgehen, der fördert und unterstützt die Agitation für Judenmorde. -In Bayern Haben die katholischen _ Parteiführer öffentlich die antisemitische Hetze verurteilt und verdammt:'dagegen die Christlichsozialen Oesterreichs sehen in der Judenhetze die erste und wichtigste Lebensaufgabe der Partei; nur und ausschließlich der ordinären Judenhetze dankt sie ihre Existenz. Darum wiederholen wir: Wr Liefe Petzter Lis Stimmen aSzumbLn. i\t schlimmer ofe Selbstmord, ist SeWLschKrdrmg.

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