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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-07 · 6 (7.2.1919) · p. Seite 68

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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StiU 64 Br. Bloch'S MoHenschrift Nr? 6 Aus dem Kreise der ÄZahlwerber ragt neben Dr. Klein die Gestatt Professors Dr. Wett st ein in die Höhe. Das ist keiner von denen, die nicht gescheiter sein Wollen als ihr Publikum, und die geschmeidig und frivol sich den Stimmungen der Menge um des Mandates willen unterwerfen. Ernst und würdevoll erhebt Professor Wett stein seine Stimme für die Forderung der Zukunft, für die Forderungen des Ideals, für die entwicklung der Menschheit. Aus seinen Reden Hort man den reinen und hohen Glauben an die entstehende Gesellschaft, in der es Leinen Raffen- und Völkerhaß mehr geben wird, und im Wettbewerb des Guten sich der Tüchtige Bahn brechen kann. Professor. Dr. Wett stein . ist von seiner angesehenen Üniversitätskanzel auf die politische Tribüne gekommen, weil er etwas zu sagen hat, und man hört mit Vergnügen seine leidenschaftlichen Reden gegen dje niedrigen LeideyschafLen, sieht den hohen Flug, seines Geistes und kann mit?Sicherheit Voraussagen, daß er unter den Gesetzgebern der Nationalversammlung einer der angesehensten sein wird.' Persönlich und sachlich lenkt er die Aufmerksamkeit und die Sympathien aller intelligenten Juden auf sich, die sich am Wahltage in Kolonnen von- Stimmen verwandeln müssen und werden. . Der dritte Wahlwerber, dem stärkste Beachruug gebührt, ist der Abgeordnete Max Fr red m ann. Diesem wird das gewichtige Wort in wirtschaftlichen Fragen zufallen, und das sind für uns Juden die wichtigsten Fragen unseres täglichen Lebens. Denn eins feindselige Gesellschaftsordnung hat uns feit altersher in den kaufmännischen Stand hinei-rgedrängt, und wir wissen, daß dieser durch die Wirkung neuer Schlagworte schwer bedroht ist. Es ist durchaus notwendig, der Brandung ein.e startc Kraft entgegenZustellen, und diese ist im Natronalrat Max Fri ed mamu gefunden.' Sächoer^ündig in ^^rfchMeriZstenWagerl Per Volkswiftschaft, eiu vegadler und schwungvoller Redner, ist auch er ein Warnchn' JdWf list in der Politik, der seiner Ueberzeugung die größten" Opfer brachte und immer dort zu finden ist, wo es sich rm eine wichtige allgemeine Angelegenheit handelt. Abgeordneter Fried mann hat sich, bei Freund und Feind in Respekt zu setzen verstanden und hat sowohl politisch als. wirtschaftlich, das vollste Vertrauen der Juden erworben, das sie alle am Wahltag eifrig betätigen werden. Solchen Kandidaten haben die anderen Mittelstandsparteien niemanden entgegenzusetzen, der für uns Juden ernstlich in Betracht kommt. Man hat sogar den Fehler Ltzgangen. unsere Interessen in der Kandidatensrage ernstlu,. 31, verletzen. Wir wollen ein für allemal seststellen, daß. wir keine Wahlwerber brauchen können, die Kirchensturmer und Altarstürzer sind, und mit ihren ewigen KukturräMpfen die Reaktion dadurch stärken, daß sie die Gefühle der Christen verletzen. Die Katholiken sollen. sich ihre religiösen ' Angelegenheiten untereinander äusmachen .und brauchen dazu feine Einmischung. Däs ist keine Plattform? auf welcher wir Juden' wählen, das ist im Gegenteil oer Anlaß zu Angriffen, zu. Zank und Streit. Wir aber brauchen, gerade wegen "unserer Schwäche,' ibegle, starke und unangreifbare politische Vertreter, eindrucksvolle Per-' sönlichkeiten und Redner, sachverständige Anwälte, angesehene und tüchtige' Männer, und müssen froh sein, daß sich Uns Kandidaten, wie Dr. Klein,-Dr? Wettstein unk Friermann bieten, Politiker, die hoch über dem Durchschnitt stehen, die besten Männer unserer Wahl.' ■ ' * _ Der Fürst Karl Auers p e rg.ist auch einer von jenen Feuoawn, welche tm Kriege kaltolüiig Reichlümer geiammeN haben und deren Ban-rkonto, zugletch mit dem Hunger der Bevölkerung wuchs. Das darf, hei Juden bekanntlich mcht gsjtyeyen, der den Feudalen-aber ja, denn - sie stehen unter emM starken Schutz, unter der > Hut der christkch.j0ZMlen Presse? Die' Feuo.aten sind .aber auch mcht. undantvar Mr die große Protektion durch dreje' Blatter, welche eifrig bemüht ' sind? den Haßder Bevölkerung von den großen Agrariern, den wlrcüchen Knegsanstlftern, Kriegswucherern.und Kriegsverlängrrern weg auf die in der Hauptmasse unter dem Kriege schwer leidenden Juden zu lenken. In ferner Dankbarkeit fand es nun Fürst Karl Auersperg, wohl einer der bewährtesten Republikaner, für üngezeigt, einen riesigen Wahlfonds Zu sammeln. Da er offiziell bekanntgab. daß er nur, für die -Unterstützung der bürgerlichen Parteieil sammle, gingen ihm auch Rothschild mit einer Million. Guttmann 'mit 600.000 K. und die Großbanken mit bedeutenden Beträgen auf den Leim. Was ist jedoch in Wirklichkeit mit dem Gelde geschehen? Die bürgerlich-demokratische Partei hat erklärt, daß sie keinen Heller bekommen habe. Dagegen brachte die „Arbeiter-Zeitung" die Enthüllung, daß Fürst Auersperg der „Reichspost" 30.000 K. angewiesen habe, und baß dies wahrscheinlich nicht .die. erste Zahlung gewesen sei und auch nicht die letzte. -.... Was antwortet nun die „Reichspost" auf die mederfchmetterndL Beschuldigung, daß sie nicht nur eine be- .swchene Zeitung sei, sondern sogar das Geld von Juden uno habe, wie Günther und Schüller? Jedes anständige BlatLhätLesosort die Klage einbringen und sich vor der DLffentlichteit rcinwaschen müssen. Die „Reichspost" sitzt aber viel Zu . festin der Klemme, als daß sie das wagen dürste. Sie hat nämlich die) 30.000 K. wirklich bekommen und leugnet das auch gar mcht. Nur .sucht sie diese schönen Einkünfte zu „erklären". Der Fürst Auersperg hätte nämlich das Geld fgar nicht der »Leitung gegeben, sondern hätte damit nur Aktien ihres Verlages erworben. Wer lacht da nicht? Die Leute, oie Auersperg Geld gegeben haben, träumten wahrscheinlich nicht davon, daß sie den Verlag der „Reichspost" ganzftoder teilweise übernehmen würden. Auch wäre es merkwürdig, daß gerade der schlechteste und teuerstes Verlag Wiens das Wohlgefallen des Fürsten erregt und er fein Angefbot keinem anderen Platt gegeben hätte. So ist dis. Sache nun einmalnicht. .Die feudale Sammlung war nicht im allgemeinen für die bürgerliche Bewegung angelegt, sondern nur für die christlichsvZiale und die „Reichspost" hat das Geld von Juden und Ausbeutern genommen, ohne mit der Wimper zu zucken. Um in ihrem eigenen Jargon zu sprechen, ist ihre Beschönigung der Listenführer: Staatsrat lSK Ffisiülllßll, Minister a. S. Or. ffiiilZ Ilßiß. Hofrat Prof. Dr. .V. 733

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