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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-07 · 6 (7.2.1919) · p. Seite 67

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
6 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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i Oerfonen, selche diese Partei oertretem als auch mit der Methode, wie bteje Partei den Wahlkampf führt, nicht einverstanden. Die Pecsonenfrage ist sicherlich, insbesondere bei jungen -Parteien, von größter Bedeutung. Prinzipien und Programme sind an sich abstrakt, .untövperlich, der Masse nicht allzu leicht verständlich. Prinzipien und Programme müjsen er,t durch Personen vertreten werden, um werbend wirken zu können. Die Personenfrage ist 'daher von größter Wichtigkeit, mit ihrer Lösung steht und fällt gar oft die Sache selbst. Jede Partei, ja sogar jedes Volk, das in Personenfragen schwere Fehler macht, schädigt sich und seine oft noch so gerechte.Sache furchtbar. Die Personen bestimmen aber auch die Methode der Werbung. Die Zeiten, in weichen Uch.rzeugr.ngen m t,Feuer und Schwert verbreitet nurden, sind zwar nicht vorüber, im Gegenteil, man hat nie mehr von Gewalt und Diktatur gesehen, als in der jetzigen Freiherlsepoche, .aber wirkliche, überzeugte An-. Hänger kann man auf diese Weife nicht schaffen. Die Klugheit ist meiner Ansicht nach bei einer Werbearbeit für ideelle Zwecke der Gewalttätigkeit unbedingt vorzuziehen. Vor einem Vorwürfe aber mutz die organisierte Kartei der Jüdischnationalen unbedingt geschützt werden. Es wird jetzt oft in politischen Versammlungen in gleitzner.scher Weise, im Gegensätze zu den Jüdischnationalen, von der Treue zu Deutschösterreich seitens der anderen, mchtjüdifchnationalen. Juden gesprochen. Das ist aber eine grobe Unanständigkeit, die nicht nur den 'Jüdischnationalen schaden könnte, wie beabsichtigt ist, sondern allen Juden überhaupt, Vor allem aber liegt eine krasse Unwahrheit vor, die in einer öffentlichen Versammlung aufzugreifen ein Politiker von Reputation sich scheuen müßte. Man weiß zur Genüge, wie treu und mit welcher Liebe alle Juden ohne Unterschied M attest Oesterreich hingen, man weih aber auch, datz ble äalWchen Pogroms-in erster^ Linie der polnische Dank an die stark mit jüdischnationalen Elementen durchsetzten galizischen Juden für ihre Treue an das alle Oesterreich sind. Auch, die JüdffchnLtiF« nalen 'HMsgL« ^Mutfchsstckr.Äch sinv treue, rrgSenr «nd opferwillige Diener unseres . ne..eit, jungen Vaterlandes — man kann ihre Ideen bekämpfen, man mag ihre Vertreter nicht für die richtigen Personen ansehen, man Mag mit ihren Wahlversammlungen der Nichtwähler nicht einverstanden sein —, aber die Vaterlandsliebe, die ihnen allen.innewohnt, darf man nicht bestreiten, man darf sie nicht falsch vor der Oeffentlichkeit denunzieren. Treue Patrioten waren und sind die nationalen-Juden in der Entente, treue .Patrioten waren-und sind die nationalen Juden bei den Zentralmächten. — Es geschieht eben auf beiden Seiten — bei den Nationaljuden wie bei den anderen Juden — im Kampfe untereinander soviel Unrecht, und man kann den .Vergleich nicht von der Hand weisen, daß es wie in einer Famllie gugeht, in der die guten Eltem gestorben sind; die Geschwister aber streiten furchtbar miteinander, obwohl sie einander gut sind und gut . sein müssen, weil sie doch dieselben Ellern hatten, aber sie können sich nicht verstehen, und es gewährt ihnen fast schmerzliche Lust, einander fortwährend wehe zu tun — und ein Vormund, der den guten Willen und die Autorität halte, unter den Kindern wieder Verständigung und Eintracht herbcifuführm, ist nicht vorhanden, -r Das aber wäre der wahre Messias. Vom Jahrmarkt bes Lebens. Klaffen zur Tagesgeschichte. Unser Sra;»dp«Nrts.dei Lerr WshLe». Starke Verdrossenheit hat sich der freiheitlichen Bill gerscha,t bemächtigt. Trotzdem die Zeiten für die pol:- tiche Grundsteinlegung zum Gebäude des neuen Staakcc. gekommen smd, ist kein Schwung, keinerlei Zuversicht in ihren Reihen zu bemerken. Wenn diese Stimmung an hält, dann ist die Schlacht verloren, hevor rwch der erste Schutz gefallen ist. Aber nichts wäre falscher» als diese verzagte Ergebung. Man weih auch kn der Pelitif nicht, wie Glück oder Zufall im letzten^Momenl enticheiden, und darum gilt es, unverzagt bis zum letzt:; Augenblick ferne P.li^t als Staatsbürger und Anhang. seiner Üebe^zeugung zu erfüllen. Es ist nicht richtig daß es in' Wien nur das sozialdemokratische und tb: . christUchsoziale Lager gibt, zwischen denen sich die Entsch< düng volhieht. Der freie Bürgersinn erwartet, datz jrd.. seine Pflicht tut, und wenn er nur die richtigen Vertrell: in der Nationalversammlung hat, so wird man ihre Mw. men nicht zählen, sondern wägen und jedenfalls höreui Aber nimmermehr darf er schweigen und niemals fi ergeben. Natürlich fällt dabei uns Juden eine ganz befände . Aufgabe zu, die wir aus allen Kräften erfüllen müssen. Die natürlichen Verhälti.i.se- und unsere alte: Ueberlllf. rungen weisen unsere Stimmen dem sreihelllichen BL gertum zu. Von den Christlichsozialen als unseren ruhc losen Feinden kann für uns keine Rede fein ein Jude, der Ehre im Leibe hat, kan und dark für keinen Antisemiten stimmen, und •; den Sozialdemokraten gehören wir nicht, weil unse.- überwiegende Mehrhe t die Interessendes Michelstandr hat. Da sich nun die Mrttslparteien zusamrue^gefchloffr haben, ist es sicher, dah - sie' eine -buchte,iZLreM StMwi in ds» könstituleretlds^ Nationalversammlung erhaltr. werden. Jetzt fragt es sich nur für uns, welcher besonders: Partei und welchen fügenden Männern mir unicrekraft unsere Werbung, unsere Arde.t und unsere St.mmen gr. wenden sollen. Diese Frage kann . nur . von der rein sten Gewissenhaftlgieit und nach genauer Prüfung üe antwortet werden. Aber die E..tjchedung fällt nns llichi wenn wir die angeb^tenen Namen und den l>.ha,a.ter d: Bewerber betrachten. Es kann kein Zweifel darüber b, stehen, datz nicht nur unser Verstand, sondern auch uns Gefühl vor ckllem Dr. Franz Klein gehört» den leidenschaftlichen Idealisten. Seinem Wissen und seine Anschauung nach gehört er unbestritten zu den erstem Männern Oesterreichs und er hätte nur einen Wll. zu machen brauchen, um von den großen Parteien frerdig. auf den Sch.ld gehoben zu weisen. Aber Dort- Franz Klein hat eine Ueberzeugung. In ssineu Herzen glitzert der Freisinn wie ein reiner -Kristall, iuu er bringt keine Opfer seiner Gefühle und seiner Mel nung. Nie hat er auch nur einen Augenblick g^öger! mit dem Einsatz seiner garten Mannhaftigkeit» seinr. Bered, amkett, seiner Persönlichkeit dem Klerikalismus un; der Reartion entgege^utreten, nie hat er geschwankt, ni geschwiegen. Er hat es durch hervorragende Leistungki verdient, daß ihm von selbst sämtliche Stimmen all. - wahrhaft freisinnigen Bürger zufa.lm. Dr. Franz Klei ist nicht nur ein Gelehrter,- sondern ein Forscher, nick, nur ein Jurist, sondern ein Pfadfinder des Rechtes, nick, nur ein Polltiker, sondern ein Führer der Menge. Da: Gefühl und der Verstand vereinigen sich, um Dr. Frau Klein die Stimmen der Wähler, besonders der jüdische! Wähler, vollzählig zuzuwenden.

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