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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. Seite 55

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Seite 71 Nr. 5 Dr. SH1 WWmWM werden Mte. Dem aesetzestreuen Jnb«n ML das' ' TMraHrddmt/Wer-- :Mü& es ijt Re «hatzerche. 5krast, dclZ UAt,/ d^S befruchtende Wasser. Die Thora hat ihn in ccklen Leiden und Prüfungen aufrecht erhalten,, sie war ihm eine Leuchte in den finstersten Zeiten. Ohne siewäre vom Judentum' keine Spur mehr vorhanden'. . An eine agrikulturelle Arbeit war früher in Jerusalem infolge der dort herrschenden politischen Zustände .nicht - KU denken. Gegen derartige Bestrebungen hatte das gesetzestreue Judentum nie etwas einKuwcnden, das beweist 'dessen geschichtliche Vergangenheit. Sind doch die Juden vM Haus aus ein Werbau und Handwerk treibendes Volt. Der Untergang des jüdischen Reiches,- die Vertreibung, vonihrem Boden, die Unduldsamkeit: der .anderen Völker hat sie dem Handel zugetriebenh Bodenerwerb war ihnen nicht gestattet, von-den Zünften und BWungsstättew ausgeschlossen, blieb ihnen nur der Handel Mrig. Jedesandere Volk wäre untergegangen — nichts' blieb den Juden als seine Thora — „ween schijur rak hatora hasoth". Welche Kraft muß ihr, der Thora, innewohneN, wenn sie imstande gewesen, ein Volk lebenskräftig KU erhalten. Unter unsäglichen Leiden, gehetzt von allen Völkern, gab ihnen das Thorastudium immer neue Kraft. Sie bauten ihre Thora aus> be-- reicherten fort und fort ihre Literatur. Das „Meer des Talmud" belieb ihr 'Lebenselement, die Quelle, aus der sie immer neue Kräfte, sogen. Es ist daher sonnenklar, daß die gesetzestreuen Juden sich in all ihren Unter-? nehmungen nur von der. Thora leiten lassen können^ Nicht Kappen^ Bänder, Kokarden und Embleme,' nur der Geist der Thora, welche Menschlichkeit, Liebe, Gerechtigkeit in sich schließt, kann ihr Leiter sein. Jede Sprache ist ihnen Heilig, wenn dadurch die Wahrheit zum Ausdruck gebracht wird, sowie jede Sprache dupch Lüge.entweiht werden kann. Der Hebräer hat Ur Zunge und .Sprache eine Bezeichnung! Wer wahr spricht, spricht eine heftige Sprache. Wenn Re Getreide- und Weinbauern, die Handwerker und Gelehrten miteinander russisch, polnisch, ungarisch öder'deutsch sprechen, was liegt daran, wenn nur ihr Verkehr aufrichtig ist, wenn Herz und Mund überein stimmen. So werden all die Arbeiten, weiche Re sogenannten Zionisten in Erez Israel unternahmen, freuRgst begrüßt, nach dem Satze der Mischna: Liebe die Arbeit, 'damit der Satz verwirMcht werde: Jeder unter seinem Weinstock, jeder unter seinem Feigenbaum. D.as Land ist reichaber arg vernachlässigt und es bedarf vieler und großer Arbeit, es ertragsfähig Kn machen. Vor allem wäre für Bodenbearbeitung und Viehzucht die Erschließung von Wasserquellen von größter Wichtigkeit— aber die gesetzestreuen Inden stehen auf dem .Standpunkt der Genesis: weruach elokrm mmaehefet al pne hcnnasiM. An dem Motto: „Ki mizion teze Lora", darf nicht gerüttelt werden, eine gemeinsame Arbeit aller Juden ist nur dann möglich, wenn dieses Postulat als- Zuprewa lex betrachtet wird. Ist dazu eine Nationalität mit Fahne und Hymne nötig? Muß man, um diese Arbeit erfolgreich W betreiben, jüRschnationaler Chauvinist sein? Der gesetzestreue Jude kennt keinen Chauvinismus außer dem Weltchauvinismus, der da lautet: En keelokenu, der Hymnus des Völkerbundes., Und noch eines. Wiederholt haben Führer der sogenannten Zionisten in Wort urw Schrift den Satz ausgestellt: Der Zionismus habe chit der Religion nichts zü schaffen, diese sei dem einzelnen Wtzrlassen. Wozu dann der religiös klingende'Titel? Es lommt ja einer Irreführung gleich! Wenn. diese Bewegung reine -Hilfsaktion bedeutet und die Religion Nebensache ist oder gar garch ausge- HRt-et wird, warum ist ihr von vornherein nicht ein' dW PestveWng kennKeichyenber Name gegeben worden. --MEHrt-deW-.sönst'-ZÄB- Wr BoEÄeutnM bei soMen Zielen? Mefe Hilfsarbsit hätte mr Nahmen der Alliance israelite wunderschön gepaU und alles hatte miögearbeitet, es wäre nie zu Streit und Hader gekommen. Aber Zion ist Farbe, hat religiösen Klang.: Ueber die jetzt in gewissen Kreisen aufgetauchte Reformbewegung. und die zu diesem Zwecke abgeholtene Versammlung behalte ich mir vor, ein andersmal zu schreiben. Daß jetzt nicht Re geeignete Zeit für solche Kundgebungen ist,, müßten, doch diejenigen einsehen, die sich so gerne reden hören. Ich möchte mit dem Satze Grillparzers schließenWenn mich jemand unterhalten will, lasse ich mir's gefallen, so Mich aber jemand belehren will, schau ich mir den ManN erst recht gut aifc Korrespondenzen. In letzter SLssrrde. Das Wiener freiheitliche Bürgertum, dem Man stets nachsagt, haß es politisch nichts gelernt und auch nichts vergessen hat, wift sich selbst unter der gegenwärtigen Verhältnissen dieser Devise treu bleiben. Von unserem jüdischen Standpunkte aus würde uns eigentlich die Legitimation fehlen, den Führern, der wie Pilze aus der Erde hervorschießenden Parteien Belehrungen zu erteilen. Bis auf einen sehr geringen Prozentsatz nichtjüdischer Bürger bilden aber nur die Juden die Truppen dieser Führer, und somit haben wir die, Verpflichtung, im Interesse der Wiener jüdischen Wählerschaft zu den Wahlen Stellung zu nehmen. Die strategischen Wahlpläne, die rm Schoße der freiheitlichen Parteien erdacht und ersonnen werden, haben die Zahl .der jüdischen Stimmen tzur Grundlage, und nur auf Kosten dieser wird experimentiert. Das eine Viertelmillion zahlende deutschösterreichische Judentum kann außerhalb Wiens politisch nirgends zur Geltung kommen, und hier nach der Wahlkreisemteilung im I. Jnnen-Ost (Innere Stadt, Landstraße, Wieden) und IV. Nordost (Leopoldstadt, Brigittenau und Floridsdorf) etwas stärker, nicht mehr so ansehnlich schon im II. Jnnen-West (Mariahilf, Neubau und Josefstadt) Und im III. Wahlkreis Nordwest (Alsergrund, Währing. Döbling). In diesen Wahlkreisen stehen sich neben den zwei großen, in sich einig und geschlossenen Parteien der Sozialdemokraten und Christlichsozialen, vier freisinnige Parteien gegenüber, außerdem noch eine Anzahl radikalantisemitischer Gruppen. Das Verhältnis-Wahlrecht mit der gebundenen Liste ermöglicht es bei der Struktur der Wählerschaft dieser Wahlkreise, daß im besten Falle nur je ein bürgerlichfsreiheitlicher Kandidat gewählt werden kann. Dieses Resultat kann aber noch sehr in Frage gestellt werden, wenn nicht alle freiheitlichen Parteien, die jüdifchnationale des IV. Wahlkreises inbegriffen, eine gegenseitige Koppelung vornehmen. Gelang es pun leider nicht allen eindringlichen Ermahnungen, uns vor der Parteizersplitterung zu bewahren, so . mutz jetzt, in letzter Stunde, der Ruf nach der Koppelung unbedingt willige Ohren finden. Die sonstige Ausschaltung des Wiener bürgerlich-freiheitlichen Elementes aus der Nationalversammlung hätte unabsehbare polittsche und wrrtschafülchs Folgen für dasselbe. Dies zu verantworten, liegt wahrlich nicht in der Kraft der Führer dieser einzelnen Gruppen, Die Koppelung, welche, im Gegensätze zuden früheren Sttchwahlen, mehrere Tage (14) vor der Wahl vargenommen werden Muß, erfordert auch naturgemäß. etwas mehr Zurückhaltung in der Kritik der gegenseitigen Parteien, und Kandidaten, die Wähler» ersammlangen dergekoppelten Parteien dürfen auch nicht im

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