Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 5 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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Teile 69 Nr- 5 ' ©r. Bloch'O hiiwingemsscn werden, so daß sie auf offener Straße ot^r ftr Len Viehwagen hungernd und frierend unter schrveren - Erkrankungen, wie Hungertyphus n. dgl, zugrundc gehen. Die Wenigen Flüchtlinge, die sich auf dem Gebiete tos ksch echo-slowakischen Staates sich befinden, beziehen seit Mitte Dezember ’iy. I. keine staatliche Unterstützung mehr, leiden also Not, sind jedoch froh, daß sie am Leben gMieben sind und dem fürchterlichen Schicksal ihrer Lei» densgenossen entromren zu sein.; s Und in diesen bitteren Zeiten, da unser Volk in-solch schwerer Not ist. 800.K0O gallisch und Bukowinner Juden wie eine herrenlose-Herde herumirrt-t hören wir kein einziges tröstendes Wort.' Und die bedeutende erste Re.de M Friedenskongresse in Paris, wo vom Klirren der Ketten . der unterdrückten Völker gesprochen wurde, - ist für uns Juden kem einziges Wort des Trostes gesprochen roordech Geehrter Herr! Am Schlüsse Ihres Schreibens befindet sich folgender Passus (ich zitiere deutsch): , wie 'Sie wissen, habe ich.gerade ficht eine wichtige Llufgabe in der Türkei".^/ Wäre es jetzt nicht gerade die Zeit, um eine großziigige Aktion eiiMleiten, um die armen unglücklichen und verhetzten Brüder in Palästina anzusiedeln, wo gewiß; Anrerika Glänzendes leisten kann? Indem ich hoffe, daß dieser Brief Sie ehestens erreichen wird, zeichne in aufrichtiger Hochachtung Rabbiner Benzion Kah -„i„ Wien, 2. Bezirk, Tahorstraße 21n. Tlie fkchtzösische MÄitik tzrtzMlich MMtstnas- J.sp/2. Der in Rom erscheinende,, Israel" bringt folgenden Leitartikel: , Mir erwähtiten wiederholt das unver- Miliche Verhalten — um nicht Mehr zu sagen — der .französischen Diplomatie -gegen das Mische Palästawx rvelches wiederher^üMlen die demokratischen Nationen versprochen haben- Wir wollen den französischen Zeitungs'stimMen und Revuen keine besondere Bedeutung beimessen? obwohl diese von. Geistlichen und Archeologcn kommen? die sich der größten Achtmrg erfreuen, oder auch von ^bedeutenden Schriftstellern oder Chefredakteuren von vielgelesenen Zeitschriften verfaßt sind. Es ist wahr? man ist eben dabei angelangt? aus dern syro-palästincn- . fischen Problem eine zweite Frage der französischen Irredentä (?.ein anderes katholisch-französisches Äsaß") zu schaffen? wie am 20. November 1918 in einer „eleganten" Konferenz der Direktor der „Revue hebdomadaire" aus- .ries: darf kein internationales Syriern und Palästina geben? nur einzig und-allein ein französisches Syrien und ein französisches Palästina." Bisher waren es nur unverantwortliche Stimmen. ■ * Es gibt jedoch einige Anzeichen der französischen llnnachgiäigkeitz neuen 'Wegen zu folgen und die Rechte der Völker welche' gegen imperialistisch-napole - vnische Ideen sind? zu verstehen. Man hat es gewußt und wir sahen es voraus^ daß Frankreich trotz .des Wilsonschen Programms und trotz der neuen Ideen - strömungcn beanspruchte, daß jener geheime Vertrag von 1915 zwischen Frankreichs England und Rußland durchgesetzt weÄex zielend auf eine unlimitierte Anne xivn in der Türkei. Jetzt handelt es sich aber um mehr/ Die französische Regierung hat im Parlmnent durch Puhon und Äemenceau die Richtlinie der französischen äußeren Politik vor dem Tribunal der Völkerkundgegeben. xFranveich - sagte Pichon - hat unbestreitbare Rechte zu schützen? inÄesondere in Libanon in Syrien und in Palästina- - Wir anerkennen sicherlich die vollkommene Freiherr der Konferenz und daß ihr das Recht zusteht? den vorhergehenden Vereinbarungen diese oder jene Schlußfolge- Wochenschrift rung zu gcherlx wir irchmen jedoch an, daß unsere Vereinbarungen uns und England binden." Es handelt sich immer um die Abmachung von 1915? welche der Erklärung Balfours vom 2. November 1917 voranging und welche von Pichon im Februar 1918 ergänzt wurde- Briand bestätigte die Worte Pichons? indem er Marcel Cachin antwortete: ,,Cs kann nicht zweierlei Deutungen geben. Ich habe mich bemüht unsere dlbmachungen Mischen den Wiierten über die Frage unserer Grenzen und unserer Rechte auf Kleinasien, die Jahrhunderte zurückfühirenx zu regulieren. Diese Abmachungen werden dem Friedenskongreß unterbreitet und auch dort besprochen werden? sicher ist es ltb„, daß England? um nicht wortbrüchig zu werden, sie wie wir ratifizieren wird? da wir sie angenommen haben" Jetzt muß das jüdische Volk auf der Hut sein vor der ÄegitimiM und der Unwiderruflichkeit eines Vertrages, welcher die Rechte der Völker aus alter Eroberungssucht mit Füßen tritt. Dieser Vertrag; auf welchen Pichon und Briand sich beziehen, ist vom...Manchester Guardian" eine „Infamie" genannt worden:?.Er tauschte die Völker aus wie Rindvieh, und unglaublich ist es, wie er noch in Kraft.sein kann-". N lind doch ist es bis heute so. Es gibt keine Rarionalrechte für keines der unterdrückten und irredenen Völker Westasiens? cs gibt nur die Jahrhunderte zählenden Rechte Frankreichs. Werden wir also vor der Türe bleiben müssen aus Untertänigkeit für den unstillbaren Appetit der französischen Diplomatie? Was wird denn arrs dem jüdischen Volk werben? wenn es nochmals ins Exil zurückgejagt wird? Entweder entscheidet sich heute vollkommen die jüdische Frage durch ein durchaus jüdisches Palästina? in welchem die Rechte der Araber und diejenigen der anderen religiösen Gemeinschaften geachtet werden? oder aber muß das jüdische Volk jede Illusion über Macht der Gerechtigkeit der Weltdiplomatie verlieren- Zweitausend Jahre Exil sind doch lange genug? um uns das Recht zu geben, endlich eine Heimat zu bean sprüchen und von Frankreich zu verlangen, daß es unsere unbestreitbaren Rechte auf das alte jüdische Land anerkenne. — „Palestine" (Organ der „British Palestine Conlitee" in Manchester) veröffentlicht folgenden beachtenslverten Artikel. „Wir haben schon gemeldet, daß die Franzosen in Galilä-a eine Verwaltung einsetzen, die sic trotz des Protestes der englischen Regierung weiter Leibehalten. Wir haben die besten Gründe zur Behauptung, baß das französische Auswärtige Amt seine Ansprüche bezüglich Palästinas ungeschmälert aufrechterhält- Es hält sich' an die ihm durch das geheime Abkommen von 1915 zugesicherten Vortelle (wonach Palästina geteilt, Haifa englisch, Akra fr-rnzösisch werden sollte). Es hält mit Nachdruck an jedem Artikel dieses unglücklichen Dokumentes fest. Wir haben noch keine Gewißheit, ob man am Quai d'Orsay die Anerkennung der französischen Ansprüche bezüglich Palästinas von der Friedenskonferenz erwartet- Wahrscheinlich nicht, denn die Agenten des Ministeriums in Amerika schlagen entweder eine internationale oder eine amerikanische Kontrolle, die der englischen vorgczogen werben soll, vor. Das Auswärtige Amt in Paris möchte zuwichst England das Mandat der Schaffung eines Mischen Palästinas entziehen, und will ferner seine eigenen Ansprüche auf Palästina, gegen e-n starkes Aequivalent, auf andere Gebiete oder auf Palästina selbst geltend machen- Dies alles gehört zur Diplomatie der alten Schule und der'Umstand, daß man die Interessen und Wünsche des jüdischen Volkes nicht beachtet, besiegelt die alte Auffassung. Wir empfehlen dem französischen