Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 5 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022358--27497-3052917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«•«* 66 M MMs SWMMschrU 1 ' Arb Nmpf«r, w«nu er w-cchren ^KorkschZritt. gebeutet. D«nn er ist au& eine Lehr«, die wie ans unserer Geschichte Ziehen. Nicht fix. die Krutale Gzch)M, nicht für die Äußere Macht, nicht für Despotismus und Tyrannei, die ungezählte Opfer -auf ihren blutigen Altären opfern, haben sie gekäurpft, unsere Prophrten und Priester, unsere Dichter und Denker, .unsere Jesajas, Jeremias' und unsere Makkabäer, .sondern für »Licht nndj Liehe, für den» allwaltenden Geist, für M!ensckMi- und Nächstenliebe!. Ihr nennet das Mittelalter.eine Nacht, aber Sine von Sternen erhellte. Wohl, für juns ist es eine Nächst, Manchmal eine pechschwarze, und dochj, wie erhellt uns diese Nacht mancher lenchjtende Stern, der freigebig! sein Vicht den Knechtern, über auchj den Geknechteten spendet. Oder haben, von Maimonides „Führer der Irrenden" sich nur denkende; Juden, nicht auch ein Thomas -von Agnino, ein Albertus Magnus leiten lassen durch! das Gestrüpp des' Zweifels? Uns Indien werden Schlagworte der Zeit nicht erschrecken. Aus ihren Trümmern ragt das unerschütterliche Gebäude, die nicht wankende Beste». Ampor, die wir nhs erbaut haben. 'Die werden sie uns nicht uEerreißeni die da vermeinM, Himmel Mrimen tzn können. AVer gerade in solcher Zefth ha alles waM, wiE unserem Religionsunterrichte eHie lMre Aufgabe: Unseren Lehrern ist has kostbarste Gut anverymut:. die Jugend, unsere Zukunft. Lehren wir sie in diesen schlieren Zeiten der jüdischeu Nation, aber auch der Menschheit Würde wahren. Der' RMgionsünterrich-t fülle sie nicht an mit abstrakten Formeln, mit trocknen Regeln, er jarre nicht aus'in öde VerstandlBtätigkei^ er lasse sie vielmehr die Geschichte unseres Volkes w'Wer "erleben, indem er ihr vorfühte, wie eigentliche das, was unsere Großen und Tapferen, unsere GeistesheDen und Kämpfex erschaut und durchlebt haberr, Gemeingut der ganzen Menschheit geworden ist. Wie eiärfäch lassen. M vio ethischen Ziele, heben -die MenschhE in /diesen TaWU -iwfffltxebt, aus den unsterblichen Wortpn unserer Propheten schöpfen? Man spricht von Völkerverbrüderung., Hat diese nicht scho-ü ein .Jesaisas verkündet? ,,Urch.geschehen wird es ins -spätes- Zeiten, ha wiscd aufgjerichtqr sein der .Berg des Hauses des Herrn, Mer bat Bürgen . . . und es strömen Zn ihm jalilie Völker >.. .^nnh sprechen: Wohhrn, lasset uns hnraufgehen zum Berge des Herrn. . daß er hrns lehre vom seinen Waged? und wir wandeln auf seinen Pfaden... Und er wird richten Zwischen den Völkern und entscheiden vielen Natipne^ und sie werden stumpf Machen ihrg Schwerter zu Sicheln und ihre Barchen Zn 'RÄenmessern. Nicht wird! erhsb-en Volk gegen Volk das Schwert und niM lern en fit fürder den Krieg." Mußte erst „der "Lchiedsrichter der Welt" jenseits des OZeanskommen und uns das Wort Aesaias vonder „Selbstbestimmung" der 'Völker künden? Ein'moderner deutscher. Dichter mußte uns erst die Khaftgestalt des' Jeremias' in ihrer ganzen erschMernd-en 'T^agod^ vor «Augen sichren? jLeset,üm Buche des Ezechiel die Worte Mer die falschen Hirtesh die sich fdta geweidet Haben, die das' Fett giesse«, und in die Wolle sich! ge° Üeideh Mas Gemästete haben sie geschlachtet, aber ditz ' Herde haben sie nicht geweidet." Leset das' 34. ^aphksst dieses Buches, nnd ihr werdet wissen, warum Weltkriege entbrennen und Revolutionen auZbrechen und Mensche« leiden. Leset die erschütternde SchWerung von BelsjlMrs Gelage nnd Gafhnahlnnd chir werdet das! „Meneverstehen, das' auchjdie Mächtigen unserer Zeit erreicht hat : , . Das ist M was von unserem Religionsunterrichte verlangt wird: der >Ju gend insHerZe eirchnprotzen, daß Treue uub eit Mn Wahn, nicht „Schall nnd Ranch" sind!, daß die .Liebe zur Natron nicht in Gewatttätigkeit gegen andere Nationen Besteht. Sv wollen wir »nsere MW^s-o tvvMn<wie dih DMea unseres Volkes und ihre MW -M? herstchm. Niemals war das Nidentum Verteidiger -der Despoten. Wir 'besitzen ein .Bnchh das man als das nationalste der ganzen Bibel bezeichnen kann, Marttn Luther -sagt von ihm, krjäftig aber nicht Ww, es!- „juderchtt", w^c meinen das Buch ,Esther^'. ^üßl enchält es? Einen Protest gegen die Tyr-annef, -einen jAufschrei grWsn einen altpersischen Pogrom, der sich im Zeitalter Darwins und Häckls so vielfach wiederholt hat. / Die leidende, duldende Menschheit, Witz spricht sie aus. den Donnerwortem des pn die Schranken der End!- lichikeit püttelnde Hiob, w^e schrM.sie zum'Himmel empor ans den 'PsalMenworLen: „Sie haben mich, bedrärtzt von Jugend an, sind doch nicht Sieger geworden üW mich. Aus meinem Wcken pflügten die Pflüger, aber der Herr Zerschnitt den Strick dqr Gewalttäter." Gegen die. Gewalttäter knirschten wir immer auf, es mußte kein'Umsturz erst uns lehren, wie '.sie sich! gegen nrA und gegen die ganze Menschheit ^versündigt haben . . . 'Recht und Gerechitigkeit, Liebe nnd Treue, MenschheWverbrüfderung und Völkerversöhnung, müßten erst die grausamsten Menschenschlächtereien unserer Zeit kommen, um diese Neale in ihrchn' glänzendsten Lichte vor nnserenij Ange anflenchten zu lassen? Ein Stück Weltgeschichte erleben unsere Minder, so gewaltig, wie siekeius Schilf derung irgendeiner großen Epoche vergangener^ Zeitvü wieder aufleben lassen kann. Me Kämpfe dec Mär? schNle Alexanders des Großen, die Entstehung, des Christentums,^ di t Zeit der römischen Cäsaren, die ÄöÜkerwandernng, die KreuzZüge, die Resormationszefl und die des großen. MiegeG die französische'. Revolution rind der Umsturz her Napoleonischen 'Woche, was sind sie getzen die 5.0 - M onate diO WeltkriLges und gegerr ÄZr Umstürze, die wir jetzt erleben? UM alle diese UmMtze sollten an uns spurlos vorWergehen? Unser ganzes -nationale und-auch rSigWM»j8^t-MÜß-fhch--e-rneuMn, wir müssen erkennen, daß auch für uns eine neue $t\t gekommen ist, und dieser.Mdanke muß sich auch ün unserem Religionsunterrichte wiederspieigeln. Er soU auf nationaler Grundlage mrsgebaut sein, das ist eiM natürliche und eine FoÄerung her Zeit. - Aber er soll änch zeigen, daß Pas ewige, Unveräußerliche Gut uNsSrev Nätfon die Religitzn ist. Daran vergesse man nicht. Befreiung unserer Nachon heißt nicht Befreiung von der Religion. Manche mögen dies, „nicht dem Wesen der. Zeit entspr-echiend-, demnach unmodern^, finden. Das! sind die, welche gerne Relitzißin mit dem!' Begriffe einer Hierarchie öder, sagen wir, Kixche in unserem Sinn« mit Synagoge verwechseln. Daran bfenken wir nicht. Von solchen Fesseln wollen wir den Unterricht frei gch halten wissen. Aber eMnso müssen wir uns-' hagegek sträuben, daß der moderne jüdische Nationalitätsgedanks sich ganz auf bm Boden des krassen Materialismus stelle, entgegen dem Worts: „Siegen wirst du, nicht durch! Macht und nicht ^>urch Stärke-' forMm . durchs meinen Geist", spricht der Herr. TWl' M»rt epgidg einst an Serubabeh den Wiederhersteller dSr jüdischen Nation, nach! der babylonischen Gefangenschaft. Damals'ließ der -Perserkönig Kyros sein Machtwort an unser -Volk ergehen, und es folgte seinchn BefieiunWrufe und' erbaute feinen Tempel. Bestiyrde! unser Volk auch! heut« ' noch!, wenn dem Drängen EhagMisl und SecharjaA mcht nachgege-ben und den Tempel desM K:rrN nichjj erbaut hätte? Dies mögen alle jeM in /Wvägung ziehen, die ha vermeinen, <ei«e jüdische Nation sei ohne ihr kennzeichnendes Gut möglich. ' Mfr Mer sind davon überzeugt, daß ohne ihre Aeligion sM nufere Nation schon damals den Persern Md Griechen assimiliert hätte-, und Assimilation wiM - ja -gerade von - den "Nationalen anss heftigste bekämpft. Man kann alle Lehren leugmu,