Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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mm* 4? Nr. 3 Dr. Bkoch's Wochenschrift scheu der Eichel und Vorhaut hineinstecken, und diese beyde voneinander scheiden, und die Vorhaut erweitern, so, dab das inwendige Häuflein, sowohl als die äussere vorwärts gezogen wird,- dann kommen sie ^mit einem Instrument gleich einem Lineal, dabey, und halten die Haut über der Eichel fest daran, alsdann wird die Vorhaut dicht an dem- Lineal mit einem breiten Beschnei^ dungs-Messer abgeschnitten; dasjenige, was von der Haut Übrig bleibt, wird also bald zurückgethau, das Blut mit Blut-stillendem Pulver gestillet, und ein Pflaster darüber geleget,' die Freunde und Berandten, die bey dergleichen Beschneidung, gegenwärtig sind, die singen unterweiien, dadurch man das Girren und Schreyen der Binder weniger höret." (1, 1. Teil, Kap. 7, pag. 20—21.) Das Jahr 1668 führte Browne auch nach Wien, wo sich schon die Ereignisse vorbereireten, selche mir der Austreibung endeten. Es ist bemerkenswert, üoec die damaligen Verhältnisse ein Urteil von unbefangener christlicher Seite za Hören. „Man findet hier/' sagt unser Autor, „auch eine grobe Anzahl Juden, welche besonders, an der andern Seite des Wassers wohnen. Sie mögen auch bey Lag in eine gewisse Gasse, kommen, aber bey Nacht, imiHen sie alle miteinander an jene Seite des Wassers, auf die Vorstädte zu. Es wird ihnen von den Bürgern und Kaufst leuten offtmals ühZl mitgefahren, und können sonderlich die Studenten gar übel mit ihnen Übereinkommen: Und weil ich zu Wien war, stunden sie miteinander gewaltch im Streit. Denn die Studenten fielen ein in die Iuden- -Stadt, schlugen, verwundeten, und warfen ihrer unterschiedliche von den Juden in den Fluh. Viel unter den Studenten wurden auch verwundet, etliche gar umgebracht, wie auch zugleich etliche Soldaten, welche Befehl hatten, den Handel zu stillen: und ward die Iuden-Stadt viel Tage lang durch die Stadt-Soldaten bewachet. Dieses setzte so. ein.Abetes Geblüte, und verursachte so viel Klagen, dab eine gute Anzahl Juden auf eine gewisse Zeit ausgeschaffet wurden. Und wiewol die Juden, um sich bey Ihr Majest. der Kayserin wieder in Gnaden zu sehen, deroselben, weil 'Sie damals schwehren Leibes war, eine vortrefflich schöne silberne Wiegen verehreten, wolle Sie solche doch nicht .annehmen: Und als ich aus Wien hinweg zog, stunden sie in grosser Gefahr, daß sie alle miteinander sollen ausgeschaffet werden: welches auch nachgehends seinen .Fortgang gehabt. Denn man verbot ihnen nicht allein, mll grossem strengen Ernst die Stadt Wien; sondern sie durfften auch an keinem eintzigen Orte von ganh Oesterreich mehr wohnen, da vorhin gantze Dörffer voll "darinnen zu finden waren: also, dab sie sich unter das Türckische Gebiete, in das Venetianische, in Polen, und in Böhmen begeben musten: ANermassen^ ihnen auch nicht Lugelassen war, in den benachbarten Hungarischen Landen, Kayserlichen Gebiets, viel weniger in Steyermarck oder Kärndten zu wohnen. Ich muh Mgr bekennen, dab sie der Stadt.nicht so gar undienlich zu seyn schienen, wegen der gemächlichen Diensteso man von ihnen haben kunte, es sey um etwas zu kauften, oder zu vertauschen, oder zu wechseln. Gleichwohl wurden sie von der Bürgerschafft mit keinem guten Auge angesehen, dieweil sie derselben grossen ^Eintrag thaten in ihrem Handel, und wo. sich einer von der Bürgerschasft hätte können gebrauchen lassen, gleich em Jude schon vorher sich eingedrungen. So wurden sie auch angesehen als Leute, von denen man zu Kriegs-Zellen keine Dienste haben, noch dieselben zur Vertheidigung der Festung gebrauchen könnte: Worbey sie nicht ohne Verdacht waren, als' ob sie einigen heimlichen Verstand mit' dem Türckey hätten, und demselben in der Stille kund thäten, wie es mll der Stadt beschaffen wäre. Gleichwol handelten die Soldaten viel mit ihnen, wie auch die Hauptleute, weil sie ihren Compagnien mit Kleidung « und anderer Nothdurfft auszuhehfen wüsten. Wie ich denn einesmals mit einem Bffrccer in eines Juden Hause das Mittag->Mkchl hielt: Da ich unter andern Reden den Juden fragte nach den zehen Stämmen, und^wo dieselben wären? Welcher nur zur Antwort gab: Sie hieblen sich auf sehr wett m Asien, jenseit eines groheu Vteeres, aus welchem nichts, als Stunn und Ungewitter wäre, und welchenill genauer Noth befahren werden tönte an ihrem Saboath-Tage, an wetcyern aber sie Juden nicht gerne etwas vornehmen.' Ich habe ihre Beschneidungen zu Rom, zu Padua, und an mehr andern Orten gesehen. Ihre Aerzte geben gemeiingltch vor, dab sie grosse Erfahrung haben im Be- Ichauen des Wassers: und das gemeine Volck läufst eher zu deneaselbigen, als zu den Christen: und sind ore mer- ,ren jo leichtgläubig, und Hallen jo viel auf sie. dab ste sich sollen überreden lassen, als hätten dieselben iioaj s einige alle Recepten von dem ^tönige S.alomon her. Es sind zwar viel Juden in Italien: aber es däuchte mich, dab ihrer noch eine grosse -Anzahl in Deutschland wäre. So seynd ihrer auch.über die Massen viel zu Amsterdam. Und erzehlle man mir zu Franckfurr, dab da, eckst wohl sieben tausend Juden wären, welches mir kaum glaublich vorkam. Dann ist ihrer auch eine grosse Menge zu Collen: und sind ihrer gewitz auch nicht wenig zu Hamburg: aber in der That findet man gleichwol nirgend kerne grösser Anzahl, als zu Wag. Und wiewol sie in vielen Ländern zugelassen werden, so haben üleichwol verschiedene Herren und Republicken ihnen ein gewisses Zeichen an ihren Kleidern gegeben, damit sie vorde» Christen unterschieden werden können. ^Denn zu Avignon tragen sie gelbe Hüte. In Italien sind ihre Hüte mit Taffe: überzogen. In Deutschland tragen sie Krügen und lange Röcke, mll grossen Barsten. In Holland allein tont ich kemen Unterschied spüren. Allem die daselbst wohnenden Juden sind mehrentheils aus Portugal! Herkommen: woraus man von.ihrer Art und Natur wohl einigen Argwohn fchöpffen tönte." (L. c. 111, 1. Teil. Kapitel 18, pag. 267—269.) Was speziell Prag.anlangt, so. schreibt Browne: „Ein Theil von Prag wlld von lauter ^Iuden bewohnet. und insgemein die Iuden-Stadt genannt. Und sind deren keine geringe Anzahl,'auch darunter, viel Reiche, als welche ihren Handel mit allerlei) jSDern treiben, auch guten Verstand auf Iubelen haben: sonderlich auch mit einer Art von. Steinen handeln, die man in gewisen Berg-Werken in Böhmen findet und grabet: und kauffte ich sebst von ihnen einige Böhmische Topassen Überaus wol.geschnitten und ttefflich versetzt: Und kunte man einige, die ziemlich grob und schön klar waren?* um sieben oder acht Thaler bekommen." (L. c. 111, 2. Teil» Kapitel 2. pag. 278.) Auf der Streike von Venedig nach Wien fiel! unserem Forschungsreisenden das Fehlen der Juden auf, woran er die Bemerkung knüpft: „Als ich vormahls in Deutschland reisete, fehlte es selten, dab ich nicht bey Juden kam: aber auf diesem Wege verspürte ich deren keine: oder so ihrer irgendwo Waren, verhielten sie sich dermassen, dab ich sie nicht wol unterscheiden tonte. Denn obgleich eben damahls gantze Dörffer voll Juden in Oesterreich waren, so. wurden sie gleichwoln .in der Steyrmarch nicht geduldet, und aus.Kärnten sind sie.mit strengem Ernst ausgebannet: also, dab der Kayser vor die Juden» welche zwischen Venedig und Wien reisen; eigne Freyhell geben mub : welche alsdann in ihren gefallenen Hauben reisen; gleichwie auch zu Venedig sie einen rothen Hut tragen müssen." 7L. c-. 11,. 6. Teil. Kapllel 12. pag. 219.) Eine vollerpsychologische Nottz Brownes dürfen.wir fchlieblich nicht übergehen, eine Notiz von besonderem