Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Seite 46. Dr. ME Dr. Trebitsch QÄar, Advokat,, geb. 8. Mai 1886 Ln Prag, Böhmen, 16. Bezirk, Türkenschanzstratze 1. «olf Aar!, Fabrikant, geb. 21. April 1886 in Wien, 17. Bezirk, Leopold Millnergasse 3. Wolf geb. Samek Atarie, geb. 2. September 1892 in Brünn, Wien, 17. Bezirk, Leopold Millnergasse 3. Gottlieb Otto. Hauptmann, geb. 21. März 1881 in Eger, derzeit Wohnhaft in Eger, laut Mitteilung de- Rpbbinats Eger. Gottlieb Melanie geb^ Sommerstein, geb. 30. Juni 1692 in! Rzlepin«, B^irk Buczacz (Galizien), derzeit Wohnhaft in Eger,. laut Mitteilung des Rabbinats Eger. MarcelSatzer gus d>m Judentum ausLetreLen. Zu vorstehender Notiz in deutschen Blättern erinnern wir den Herrn Professor nur. wie er vor AVer Jahrzehnten in dürftigster Ausstattung aus Men na.ch Hamburg kam und dort gls Glaubensgenosse bei einem Rabbiner voxsprach und dieser ihn bei seinen ersten Schritten auf seiner Laufbahn unterstützte. Mit.seinem Austritt Meint Satz er bekunden zu wollen, daß er nunmehr der Hilfe der Juden entraten kann. An diesen ist es nun. Zu zeigen, wie weit sie sich ohne ihn begehen können. Aremfitt. Am 6. d. M. feierte der hierorts sehr angesehene ’i Bürger Philipp Grümfrld seine goldene Hochzeit. Dem | 90 jährigen Manne wurden von allen Kreisen Ovationen dar- % gebracht. Herr Rabbiner Dr. Schweiger und Herr Kultusvorstcher Leop. Färber hielten an den Jubilar schwungvolle Ansprachen. — Mir wünschen dem Jubelpaare weiter viel Glück. - E D. F. Karlsruhe. Hier ist Frau Dr. Anna Appel, geb. Millstätter, die Gattin des hiesigen Stadtrabbiners Dr. M. Appel, am 31. Dezember 1918 gestorben und wurde unter zahlreicher Beteiligung aller Gefellschaftskreise am 3. Januar 1919 beerdigt, Sie war eine Ächter des verewigten Oberrates und Rabbiners von Karlsruhe Benjamin WillstLIter.- Frau Dr. .Appeb wurde 85 Jahre alt und war 39 Jahre verheiratet, hatte zwei Söhne, deren einer Dr. Julius Appel, Notar in Weinheim, deren anderer Dr. Ernst Appel, Rabbiner in BingenF ft. Mn der 'Beerdigung beteilig Len sich die ganze Gemeinde und auch die Rabbiner Dr. P.inkus- Heidelberg und Dr. Z im els-Freiburg. Am Grabe sprachen Dr. V. Kurrein, Rabbiner in Karlsruhe, und der Gatte Dr. Appel, Stadtrabbiner von Karls-« ruhe. Die Verewigte zeichnete sich durch starke soziale Arbeit besonders aus und war allgemein verehrt. . Dirrermml bei Mariesbad. Freitag, de» 10. Jänner wurde die Ls wertes Kreisen hochgeehrte Frau Fanni Doktor, Mutter des hiesigen Kultusvorstehers Herrn Siegmund Doktor, im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen. Die Verklärte war zeitlebens ob ihrer innigen Frömmigkeit,, ihrer hervorragenden Tugenden, ihres edlen Chärakters, sowie vermöge ihrer menschenfreundlichen Gesinnung hochgeachtet, geehrt, geschätzr und geliebt. An dem imposanten Leichenbegängnisse, welches einer hier noch nie gesehenen Trauetkundgebung glich, beteiligte sich neben der gesamten jüdischen Einwohnerschaft von h er und Marienbad auch die Elite der andersgläubigen Bevölkerung. Herr Rabbiner Dr. I/ Diamant ans Marienbad hielt vor dem Trauer^ hause der Dahrngesch.iedenen einen tief ergreifenden Nachruf, in welchem er die seltene Frömmigkeit der Verblichenen, ihre selbstlose Bescheidenheft und Herzensgute in schwungvollen Worten würdigte. Ein mispachr-rwnistifches Tageblatt in Budapest. Die „Allgemeine Jüdische Zeitung" änderte ihren Besitzer und wird nunmehr von der literarischen Vereinigung „Esra", welche ausschließlich aus Misrachi-Ziomsten besteht, herausgegeben. Die Redaktion des Blattes wurde dem feinerzeitigen Redakteur ber? „Welt" Dr. Moritz Z-obel Abertragen. Zur Interessenvertretung des „Siebtznbürgischen jüdischen Dplksverbandes" erscheint eine neue Wochellschrift unter dem Titel „Uj Kelet" („Der neue Osten"). Wochenschrift Gin errgtischrr Arzt des IV. Iahrhnndert« «drr die I«dr«. Von Professor Dr. Max Neuburger. Die Selbstbiographien und Reisebeschreibungen, welche die Aerzte der Vergangenheit hinterlassen haben, sind von den Kulturhistorikern noch nicht in dem'Maße, als sie es verdienen mürben, benützt worden. Vielleicht ist es daher auch nicht ganz unangebracht, die jüdischen Geschichtsforscher auf Quellenschriften dieser Art.aufmerksam zu machen und beispielshalber einen englischen- Arzt des siebzehnten Jahrhunderts sprechen zu lassen, der' im Rahmen einer hochinteressanten Reiseschilderung an mehreren Stellen über die Juden-des Kontinents Bemerkungen und Angaben von geschichtlicher Bedeutung bringt. Es ist dies Edward Browne (1644—1708)/ der älteste Sohn des Verfassers der „Religio, medici", welcher auf mehreren Studienreisen die Niederlande, Frankreich, Italien, deutsche und österreichische Länder, Ungarn, Bulgarien, Serbien und Thessalien, durchwanderte, überall-auf * Natur- und Kunstschätze, Sitten, und Gebräuche/medizinische Verhältnisse und soziale Institutionen achtend. Seine genauen, vielseitigen Beobachtungen, die für Historiker, Geographen, Naturforscher, Mediziner von Interesse sind, veröffentlichte er in den Werken: „A Brief" Account of some travels in Hungaria, Styria, Bulgaria Austria, Servia, CaryntMa, CarnioJa, i'riuli“ (1673) und „An Account of several travels througli a great part of Germany in four journeys“ (Londons 1677.). Eine Gesamtauschrbe erschien mit' Zusätzen in einem Folioband 1683. Nicht bloß die königliche Gesellschaft der Aerzte ist London, sondern die gesamte Gelehrteiiwelt üahm' die Berichte des vielgereisten, universal gebildeten Arztes, der so recht den Typus, des vornehmen Engländers des Zeitalters Karl II. Verkörpert, mit regem Interesse auf, um so mehr, als er mit berühmten.Persönlichkeiten innige Verbindungen angeknüpft hatte. Eine aus * dem Holländischen ins Deutsche übersetzte Ausgabe des Gesamtwertes erschien 1686 in. Nürnberg. Hier fesseln uns vor allem die Notizen, die Browne über die Juden Amsterdams autzeichnete, gelegentlich einer 1668 ausgeführten Studienreise. „Die Juden," schreibt er, „wohnen allhier viel bester und mit mehreren: Ansehen, dann an einigem andern Ort: ihre vornehme Synagog ist groß und weit, mit Lampen, von Messing und Silber schön gezieret. Es fiel eben dazumal, als wir hinkamen, ihr Neu-Jahr-Fest ein, um welches willen das Blasen auf Hörnern, sowie auch das Schiesten und Singen sonder Ende war. Eintzige von den Juden allhier verstehen unterschiedliche ausländische Sprachen, dergleichen ich einen sähe, Moses di Pas genandt, einen gelehrten Jungmann, ingleichen Orobio, einen vornehmen Doctorn. Und ich war betrübt, allhier unter den Juden unterschiedliche zu sehen, die sich offenbarst ch vor.Juden ausgaben, und' doch vor kurtzer Zeit an andern Oertern sich ließen vor Christen halten; es war einer darunter, der allbereit 30 Jahr lang war . ein Franciscaner-Münch gewesen: noch ein anderer, der, etliche Jahre Professor zu Toulouse in Frankreich, unb vorhero Königlicher Medicus gewesen war. Juda Leon, ein Jud, hatte grosse Mühe und Arbeit genommen, um ein Modest zu machen von dem Tempel SalomoniS und seinem' Hauß, wie auch von der Burg des Tempels, vom Tabernackel, vom Lager der Israeliten und andere dergleichen Curiositäten mehr. Ich war gegenwärtig bey einer Beschneidung eines Kindes, welche sie verrichten, erstlich mit einem -.Pfriemen, der an der Spitzen ein Knöpflein hat, welchen sie zwi-