Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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»r 8 Dr. Moch-'s Wachenschrist 4l nannter Herr namrtze mir auch eine Reihe illustrer Persönlichkeiten. die sich der Aktion schon angeschlossen hatten, und zeigte mir. an Hand einer Sammelliste, daß für den Abwehrfonds schon sehr respektable Summen gezeichnet waren. Ich nahm die ganzr Sache zuerst etwas skeptisch auf, da mir bekannt war, datz von dieser Seite niemals Großzügige, wirklich Wirksames, schon gar nicht aber die erforderliche Firigkeit zu erwarten ist. Der Herr Sekretär fertigte jedoch meine zweifelnden Einwände mit viel Energie und Temperament ab, so daß ich mich schließlich sogar freute, meine Pläne, wenn auch ohne mein Hinzutun, verwirklicht zu sehen. Meine Absicht war. die bei der...Wochenschrift" für einen Abwehrfonds eingelaufenen Spenden jener Aktion zu überweisen. 1 Der Krieg ist aus, die Iudenhchen zeitigen überall. in Polen, in Ungarn, in Rumanim usw., die prächtigsten Erfolge für die Arrangeure, und wenn wir in' Deutschösterreich,' wo ja auch die Juden allmählich anfangen, an allem die Schuld zu tragen, noch nicht ganz so weit sind, so ist dies keinerlei Abwehrtätigkeit zu dan ken. Sie werden schon noch üppiger werden, wenn sich kein Widerstand zeigt. Aber wo ist denn jetzt der ..einzig kompetente" Abwehrausschuß, der die Bildung anderer verhinderte? Wo ist der Sekretär, sein Verein, wo sind die „illustrer! Persönlichkeiten" und wo ist der bereits aufgebrachte Fonds von recht stattlicher Höhe? Wann wird die Abwehr anheben? Rechtzeitig oder wiederum viel zu spät? Die perfide „Reichspost" allein ist doch täglich eine Fundgrube gar nicht auszudenkender Infa mien, deren Abwehr schon einige Sekretäre erfordern würde. Mer wenn bloß ein einziger Sekretär da ist. der die „Reichspost" liest, um sie dann wieder unerschüttert im Gleichgewicht beiseite zu legen, wird's freilich noch recht bös kommen. Ich glaube, die.jüdische Oeffentlichkert hat ein sehr bedeutendes Recht, diesbezüglich ganz beschleunigt einige klare Auskünfte zu erlangen, um die hiemiplhöflichst gebÄen wird. Ä. Solidarität! ' Die ungeheure Katastrophe, welche über die von den letzten blutigen Pogromen so schwer betroffenen Juden hereinbrach, überwiegt nicht nur die furchtbare Tragik dieses an sich schon grausamen Völlermordens mit seinen für uns traurigsten Begleiterscheinungen, sondern illustriert uns vielmehr die gewaltige Enttäuschung, die immer und überall uns zuteil wird, und die auf uns naturgemäß am schmerzlichsten wirken muh. Die Juden Galtziens haben nicht nur mit ihrem Blute die'Gefilde-der europäischen und sonstigen Kriegsschauplätze getränkt, sie haben unter Preisgabe von Hab und Gut und' den unsäglichen Mühsalen und Strapazen ein Flüchtlingsleben gefristet, das jeder Beschreibung spottet. So fehlte nur noch der Pogrom, welchen diesmal die Polen unter verschiedenen, einander widersprechenden, künstlich konstruierten Vorwänden inszeniert und durchgeführt haben. Angesicht dieser jämmerlichen Enttäuschung, die uns am ' Kriegsende und am Anfang der Völlerbefreiung zuteil wurde, müssen wir uns um fo intensiver mit der Frage der weiteren Lristenz sowie mit derjenigen der bevorstehenden Wiederaufrrchtung und Erhaltung des jüdischen Gemeinwesens in ökonomischer und kultureller Beziehung befassen. Ganz Ostgallzien und die Bukowina (das gleiche gilt von Polen) sind durch den' Krieg fast völlig verwüstet. Die in ihre Heimat zurückgekehrten Flüchtlinge kamen vom Regen in die Traufe: sie finden weder Nahrung, noch Wohnung, noch Schule vor. Sie selbst lind ob der furchtbaren -Strapazen, denen sie die ganze Zeit erbarmungslos preisgegeben waren, seelisch und physisch gebrochen und nicht in der Lage, ohne kräftige Stiche von außen, diese riesige Aufgabe der Neukonstituierung zu bewältigen. . ' Es ist daher die Pflicht und Schuldigkeit jedes gälizifchen Landsmannes, der von der fürchtbaren- Not des Krieges einigermaßen verschont geblieben, sein Solb däritätsgefühl gegen seine heimatliche jüdische Gemeinschaft in der denkbar realsten Weise zu bekunden. Wir galizische Landsmannschaften im Auslande müssen der Erkenntnis, daß unser Hiersein diesmal ein günstiger Zufall für uns war. das Bekenntnis folgen lassen: unsere Landsleute in der Not nicht zu verlassen! Zu diesem Zwecke muß für uns Galizianet in Europa eine neue ^Organisation geschaffen werden, wie sie in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits eriftiert: und zwar sollen sich unter vorhandener Voraussetzung sämtliche Angehörigen einer Zalrzischen Stadt oder chnes Bezirkes in sogenannte Landsmannschaften vereinigen, um dann aus sich heraus einen allgemeinen gälizifchen Landsmannschaftsrat zu bilden. Die Bildung solcher Landsmannschaften dürfte um so leichter sein, als ja jedenfalls Landsleute aus einer Gegend schon inaner ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Das Vorhandensein solcher Organisationsgedilde in Europa würde zweifellos im Verein -mit den großen amerikanischen Organisationen ihren heimatlichen Gemein-» schäften in wirtschaftlicher und moralischer Hinsicht nutzbringend sein und sich selbst in jeder Hinsicht mehr Artsehen in der Welt verschaffen. ' Ich bin überzeugt, daß überall in der Welt, wo unsere Landsleute leben, denen das Schicksal ihrer allernächsten Volksgenossen am Herzen liegt, dieser Aufruf ein lautes Echo finden wird. Die Not ist groß und deshalb ist hier nur eine Solidarität realer Art am Platze. Die Arbeit mutz und soll aus zwingender Notwendigkeit unverzüglich in Angriff genommen werden. Unter der Devise: ,.2m ein ani li, mi li". sollen wir die Initiative nicht anderen überlassen, sondern selbst eingreifen. wo rs höchste Not erheischt. Durch die unverzügliche Bildung einer neutralen Vermittlungsstelle (etwa in Kopenhagen) wird die Arbeit hoffentlich recht bald zum aklseitigen Wöhle, insbesondere aber zum Wähle unserer armen notleidenden Volksgenossen in den verwüsteten Orten Galiziens, beginnen können. S. Padwa. Aus dem Tätigkeitsbericht des ILZendtzeim". 2. öcäir?, Obere Donau Üratze 91. Das „Jüdische Jugendheim" soll das iameradschafiliche Zusammenleben der jüdischen Jugendlichen m jeder Weise fördern und ihnen Möglichkeit.geben, sich in die Schöpfungen des jüdischen Geistes zu vertiefen. Das Heim besteht aus acht schönen Räumen, die allen angeschlossenen Iugendgruppen — es find dies an vierzig — zur Verfügung stehen. Alle Zusammenkünfte, Aussprachen von Jugendlichen finden, dort statt. Dem Lesebedürfnis dient ein in den Räumen des Jugendheimes erhaltener Lesesaal und die .Zentralbibliothek der jüdischen Jugend (etwa 4000 Bände). Die wichtigste Tätigkeit des Heimes erstreckt sich aber auf die Mhaltung der Jugendkurse. Bei 300 Schüler und Schülerinnen im Mer von. 12 bis 24 Jahren Nehmen daran teil. Dorgetragen wird in . einem dreifachen Tu:- ttus, insgesamt an fünf Nachmittagen und Sonntag vormittags, zu je drei Stunden, und zwar folgende Fächer: Hebräisch für Anfänger' und Vorgeschrittene, jüdische Kulturgeschichte, Bibelründe, Talmud, Midrasch Hage des