Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
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4# Dr. Ginch'4 < Der Weg Mch Zion! IlrbeM, jauchzend wollen ihn die gesetzestreuen Juden gehen, nicht als gebeugte Sklaven, vom Hasse der Andersgläubigen Verfolgte. Für sie ist Zion die Erfüllung all ihrer Wünsche, das Ziel ihres: Ehrsucht, Zion ist ihre Sonne, Zion ist ihnen Schönheit, Freiheit, Liebe und Weisheit — für die sogenannten Zionisten. ein Notbehelf, ein Ausweg, ein Asyl. Die Wiedergeburt Zions kann nur durch Einigkeit erhielt werden, Une'nigkeit entfernt die Juden immer Mehr von diesem Ziel. Die Judm haben leider rin der Diaspora nichts gelernt, sie werfen keinen Blick in die Vergangenheit, um aus ihrer eigenen Geschichte, und der anderer Völler Lehre Zu schöpfen. „Sie haben sich unter die Voller gemischt uyd lernten ihre Handlungsweise." Die Assimilation hat im Judentum verheerend gewirkt, nicht nur in unseren Tagen oder zu unserer Väter Zeiten, schon in der babylonischen, griechischen, römischen Zeit. Umsonst waren. die Ermahnungen der Propheten, nur ein Bruchteil leistete ihnm Gefolgschaft, das'Gros schiel e immer hinüber zu den Kulturvölker! Da Worte eines Jehuda halewi: „wenn hewlam jedcrmu letumajich weurajich" waren in den Wind gesprochen. Wie in jener: Zeiten, so protzt man immer noch mit dem Fortschritt und der Kultur der anderen. , Ueber-all waren sie in der Ferialzeit zu sehen, die polnisch-jüdischen Stuben'en in ihren Uniformen, polnisch sprechend und polnische Lieder singend — es war ihre heilige Sprache, in der sie das Lied sangen: noch ist Polen nicht 'Erloven. Und diese Assimilanten sind von der Nation, der sie sich mit Leib und Seele dnschlossen, mit Faustschlagen zurückgewiesen Worten. 'Ist es den gesetzestreuen Juden zu verargen, wenn sie diese Assimllanten Zurückweisen und ihre Jugend von ihnen wegen der Gefahr der Ansteckung fernhalten? Es soll doch einmal klar und deutlich ausgesprochen werden, daß der gesetzestreue.Jude, da nicht mitge^n könne. Täe rem physische Tätigkeit der sogcnanrrten Zionisten ist allen Juden nur erwünscht und» deren Tätigkeit ist unterstützungswürdig, aber ohne Chauvinismus zu treiben. Chauvinismus hav immer noch, ob er griechisch-römisch oder gallisch gewesen, zum Untergang geführt. Haben wir es denn nicht jetzt gesehen, wohin btt deutsche Chauvinismus geführt hat? -- Wir sehen ja den Abgrund, in welchen Deutschland mit a.l seinen ReichspaLenten der Treue, Liebe, Kraft und zuletzt auch des Zornes gestürzt wurde. Chauvinismus führt' zum Untergang und seine Brutstätte ist der Nationalismus!. ' j Die.Frage der sogenannten Zionisten an die ge'etzestreuen Juden: „Was habt ihr für Erez-Jfrael getan?", könnte vor allem zurückgegeben werden: „Was habt ihr vor der Entdeckung eures Zionusmus für dieses' Hand getan?". Sie haben erstmals ihnen gesagt wurde, „ihr seid nicht satisfaktisnsfähig", ihr Herz für Zion entdeckt und.ihre gewiß anzuerkcnnende charitarive Tätigkeit begannen. Wenn die Polen die jüdische studierende Jugend in Galizien freundlich als Brüder begrüßt hätten, was für Maffentaufen hätte es da gegeben. Die rohe Zurückweisung dieser Mischen Liebe gibt zu denken. .Mba elokim hu". . - Nun hat der sogenannte Zionismus sein ganzies Streben, seine ganze Tätigkeit darauf eingerichtet, Palästina zu besiä>e.n, die unglüMchen Juden dorthin zu verpflanzen — eine herlich schöne Tat, der fühl kein Mensch verschließen wird. Dem Gebeugten die Bruderhmid reichen, wer wird diese Handlung nicht r preisen? Und haben &ie§ die Gesetzestreuen nicht immer, zu allen Zeiten getan? Nach Millionen zählen die Gelder, die alljährlich aus al ler Welt nach Jerusalem' geschickt würden, um die dort lebenden Brüder erhalten zu können, daß sie sich ohne Sorge dem Studium der Thora hing-eben Wochenschrift l"]- **'« 3 und der Satz erhallen bleibe: Ki «izio« reze rora. War dies etwa keine Arbeit für Erez Israel? Oder stehen die sogenannten Zionisten auf dem Standpunkte des" Dieners, der von seinem Herrn, einem Gelehrten, behauptet, er arbeite nichts, sitzt den ganzen Tag' an seinem Schreib-, tisch, denkt und schreibt. War es nicht der .sehnlichste Wünsch des Rabbi Jochanan, die Thora zu erhalten, als er vom römischen Ieldherrn die Schonung JabneS und seiner Gelehrten verlangte? Und so blieb auch immer das Streben der Juden in der Diaspora, schelo tischtakach Lora mejisrael. ' Es dürfte 60 Jahre her sein, bqfe. in Wien der Jischub Erez Israel neu geordnet wurde. Bon den drei Gaonim RMi Saul Nathansohn, Rabbi Cha'm Sauz und dem Preßbürger Rabbiner A. S. B. Schreiber s. A. wurde ein Komitee mit dem Sitz in Wien errichtet, bestehend aus me'nem seligen Vater,, den Herren Heinrich Berger und Anton Bing s. Aj., welche im Vereine mit . dem seligen Oberrabbiner Dr. Güidemann die Sammlung und Verteilung der aus ganz Oesterreich gespendeten Gelder in die Hand nahmen. Wiederholt wurden.Ausrufe erlassen und bei besonderen Ereignissen Sammlungen eingeleitet, die immer ein großes Ergebnis lieferten. Es wurden Büchsen in Tempeln und Häusern angebracht und die Gebarung strenge nach den: von den genannten Gaonim verfaßten Tekanoth gehcmdhabt. Ich möchte nur zwei' dieser Tekanoth anführon, weil sie für den Scharfe blick und den Gerechtigkeitssinn zeugen, welche fncjc Männer besaßen. Es war strenge untersagt, von den gesammelten Geldern außerhalb Palästinas lebender: Einzelpersonen oder Familien zu untrrstützen. auch, wenn sie von dort kamen und sich nur kurze Zeit sich Ausland iaüshieiten, ferner wurde vollständige gleiche Teilung fixiert. Die österreichischi-üngarische Gemeinde, Kolel genamtt, zu der auch die Juden was Böhmen und Mähren zählten, erhielt denselben Anteil wie die galizische GcMündie,. je 45 Prozent, und die restlichen.10. Prozent erhielt die in russischer Verwaltung befindliche, d. h. dem Kolel der russischen Juden unterstehende. Hochschule Cz Chaim'. Fortsetzung folgt. Wo bleibt der.ALVehrausschich? Im vorigen Frlchjahr veröfisntlichtL ich in dieser Wochenschrftt unter denr Titel: „Lin ernstes Mahn wort" einige Aufsätze. Ich. schilderte in denselben, wir antisemi tische Beruf-Hetzer, die ohne diese Beschäftigung brollos würden, schon damals darangingen, für die Zeit des Kriegsendes Judenhehen in größte-m. Stils vorzubercitrn, um von eigenen Sünden abzulenken, und ermahnte die JudenfchafL, rechtzeiLig Gegenmaßnahmen zu treffen.. Ich forderte zur Bildung eines Abwehrausschusses und zur Beitragsleistung für einen Abwehrfonds auf. Diese An.- regung fand — allerdings nicht m gewünschten Umfange — vielseitige Zustimmung und auch für den Abwehrfonds liefen Spenden ein, die noch heute bei der Schriftleitung dieses Blattes erliegen. Daß ich und die Männer, die meinem Rufe Folge leistchsn, die begonnene Arbeit nicht fortsetzterr und zu Ende führten, ist darauf zurüchuführen, daß nur zu jener Zeit der Sekretär der angesehensten jüdischen Organisation, mitteilte, er sei eben daran, einen solchen Abwehr aus schuß im' Wege seiner Organisation ins Leben zu rufen, und daß ein solches Beginnen wohl mehr Aussicht auf Erfolg habe, wenn die Initiative einem bn kannten Verein entspringe, als wenn ganz unbekannte Privatpersonen die Sache in die Hand nähmen. Ee-