Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 T-r. BLoch'ö Wochenschrift «M» *7 gangen. Die „Reichspost" wird nsL von den Klerikalen gehalten und das „Vollsblatt" mag aus dem -Fonds etwas bekommen, den nach einem Bericht der ..Arbeiter- Zeitung" der Fürst Karl Auersperg „zur Unterstützung des Bürgertums" sammelt. Dann mag es der verdienten Vergessenheit anhermfallen. - - - - * qc Don der Gnade der Entente bekommen die kranken Kinder Wiens die paar Tropfen Milch, die sie viel-- leicht vor. dem Verderben schützen. Inzwischen meldet eine christlichsoziale Korrespondenz, daß die Sammelstellen der niederösterrerchischen Milchgenossenschaften mit Verlust arbeiten (bei diesen Milchpreisen!) und daher den Betrieb einstellen. Die 'Bezrrtshauptmannschasten wollen keine Bestrafung der Landwirte wegen Nichtlieferung mehr eintreten lassen! Von wem die B^rrkshauptmannfchaften am Land abhängen, kann man sich leicht denken. Und wenn sie die Bauern so sauft behandeln, so wird nicht mir keine Milch geliefert, sondern überhaupt nichts. Wir haben erst kürzlich berichtet, daß die niederösterrerchischen Bauern von ihrer letzten vorzüglichen Ernte den Wiener Zentralstellen noch einige tausend Tonnen.Getreide schul- Ng sind. Jetzt wird ergänzend mikgeteilt, daß sie auch Wöchentlich 1000 Rinder liefern sollten,- in der letzten Dezemberwoche jedoch nur 300 schickten. Aus Oberösterreich kommt Fleisch, das zu Hause 6 K. kostet, aber den Wienern um 9 K. geliefert wird. Die Wiener Viehverwertungsstellen bekornmen nichts , zu kaufen, aber .zu Schkeichhandelspreifen von 30 bis 40 K. kommen wöchentlich 50.000 Kilogramm Rindfleisch und 100 Kälber nach Wiest. Die Bauern leben üppig und im lleberfluß, aber' sie gehen unter dem Schleichhandelspreis nichts ab, und die Bezirkshauptleute dürfen ihnen auf Geheiß der christ- Wsozialen Machthaber nichts tun. Mit anderen Worten: Mit Unterstützung der christlichsozialen Politiker können die christlichsozialen Agrarier die Hauptstadt schamlos cruswuchern und ausplündern, dieselbe Hauptstadt, in der die Christlichsozialen die Mehrheit der Wählerstimmen haben wollen. Da gilt, wie niemals, früher, das Sprichwort : Nur bie. allergrößten Kälber wählen ihre Schlächter selber? Der Dationalrat Dr. von Mühlwert glaubt offenbar, daß die Menschen ein sehr kurzes Gedächtnis haben. Sollst würde er es wohl schwerlich wagen, der Nationalversammlung' breitspurig aufzutreten und eine gewaltige Rede zu schwingen. Daß er dabei antisemitisch gesprochen hat. ist ganz nebensächlich Aber Herren seiner Couleur haben überhaupt nichts zu reden. Denn dieser Deutschnationale gehört doch zur - Siegfriedenspartei, also zu den Kriegshetzern, .denen nie genug Blut geflossen war, und von denen aus das Gemetzel noch hätte fortgesetzt werden sollen. Don solchen Leuten haben wir genug gesehen und gehört. Sie haben unser Unglück herbeisühren helfen, und wir wünschen von ihrer Gesinnung und Politik nichts mehr zu hören. Rach einer solchen Katastrophe kann man sich nicht einfach abschütteln und sagen: „Ich habe n^ch geirrt, aber jetzt regiere ich weiter." Sondern nach einer solchen Schuld, wie sie die Deutschnationalen auf sich geladen haben, und nach einer solchen Versündigung am Volke haben sie sich spurlos zu verkriechen. Das sollte der Doktor von Mühlwert schleunig besorgen, statt Reden zu halten. - * . * * . Aus Steyr wurden bedeutende Unruhen gemeldet,.-welche sich gegen die dortigen Klerikalen und deren Lokalblatt richteten. Nur nebenbei sei über dieses Vorkommnis erwähnt, -daß die Angreifer auch in das Pfarrhaus. eindrangen und dort bedeutende Vorräte wegtrugen, unter denen sich sehr, viel Fett und Geflügel befanden. Natürlich ist die Wiener christlichsoviake.Presse sehr aufgeregt und findet, daß man solchen Vorkommnissen energisch ein Ende machen müsse. Es sei gaiy einfach unerhört, daß unter den Augen der Behörden sich solche Dinge ereignen könnten. In diesen Klagen liegt nun wirklich ein tragischer Humor. Möchten sich die Antisemiten nicht ein bischen erinnern, worauf eigentlich die Weltunruhen im letzten Ende zurückzuführen sind? Es. wäre angezeigt, daß sie einmal in einer stillen Stunde der Selbsterkenntnis und Reue ihre Gedanken zurückwandern lassen. Die Welt war noch vor wenigen Jahrzehnten ganz ruh'g u dir de7volllommenen Gewalt der Gesetze, als die Christlichsozialen auf«* traten und forderten, daß sich der Bürger gegen den Bürger mit gewalttätiger Hand erhebe. Die Iudenhetzen in Galizien und den Sudetenländern, das Auftteten einer gewalttätigen Bande in Wien war das Ergebnis ihrer Agitation. Es gelang ihnen sogar im Fall Hilsner, einen Gerichtshof ihrem Terrorismus zu unterjochen. Sie ließen ihrem Entzücken ungehinderten Lauf, als der Pöbel in Rumänien die armen Iuden in dir Donau warf, und sie waren begeistert von der Schneid und dem Blutdurst, welche die schwarzen Hundertschaften in Rußland bei ihren großen Pogromen entfalteten. Noch vor einigen Tagen hielt jhr großer Kunschak Lei der Parteiversammlung eine unverhüllte Pogromrede. Was wundert also die Christlichsozialen? Sie haben eine große und moderne Schule des Völlerhafses und der Menfchenroerfolgung gegründet, und sie haben viele und gelehrige Schüler gehabt. Allerdings haben sich die Vortragenden ihren Erfolg wesentlich anders vorgestellt. Sie haben gewünscht, daß ihre Zuhörer mit den praktischen Hebungen bei den Iuden stehen bleiben sollen. Aber einfachen Leuten kann man es nicht beibringen, daß auf Nummer zehn geplündert und gemordet werden darf, auf Nummer zwölf aber nicht. Wenn man dem Pöbel das. Plündern einmal erlaubt. fo plündert er, wo er will. So ist es denn gekommen, daß die Schüler schließlich auch den Lehrer Überfallen haben, als er seine Beliebtheit bei ihnen verlor. Und nun wundert sich der Lehrer und klagt und die Zuschauer lachen. Endlich ist das wahre christlichsoziale Parteiprograrmn wieder draußen. Was haben die Christlichsozialen den. Sozialdemokraten vor der Wahl hauptsächlich vorzuwerfen? Daß ihre Kandidatünliste verjudet ist. Nicht davon ist die Rede, ob die Wahlwerber der Sozialdemo-! traten tüchtig sind, ob sie das tüchttgsts Programm vertteten, ob man von ihnen gute Leistungen erwarten darf. Das ist alles Nebensache. Den Parteistempel und das Tauszeugnis müssen sie haben. Das sind die wichtigsten Behelfe 'für den Aufschwung des Staates. Das alt» Lied: In iioc -igiio vinced — in diesem Leichen wirst du siegen, im Zeichen des „Hepphepp!" Polnisch: Versöhnlichkeit. Uebersetzung eines Artikels unter dem Titel „Judenkrawalle haben keinen Sinn", erschienen in der Tages», zeitung „Prast", Pr. 47 vom 24. November v>. I.: Höret, Bauern, was ich euch in der JudenfragL. die jetzt von mehreren Seiten auf die Tagesordnung gebracht wurde, sagen werde. Brsnun ist noch keinem Juden der Nagel am Finger gekrümmt worden, während von unseren Leuten schon mehr als zwölf („Killa naseroroB umgekommen sind, und zwar entweder gemordet durch 'Juden oder vergiftet durch vergifteten jüdischen Spiritus. Dafür haben dis Juden auf die ganze Welt ausposaunt und auch an