Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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Dr. Btoch'S Wochevfchrist - - Nr. s Wilson depeschiert, dah man in Westgälrzien Juden mordetdaß »der in Ostgartzien die Juden und Rulhenen unsere Polen morden, dies haben sie wohlweislichnicht telegraphiert. Wie bisnun haben wir viel mehr verloren, als die Juden. Was haben denn die Iuden verloren? Einige alte Kleider und e,in paar österreichische Hunderter-Banknoten. An dem werden sie noch verdienen, denn einerlei^, ersetzt den Juden den Schaden deren weltbekannter, Milliarden besitzender Verein „Aliance Jsmelite" und anderseits haben sie daraufhin die Mischen Waren um 50 Prozent im Preise erhöht und taten dies ohne Wissen des polnischen Liguidationskomitees. Wenn ihr" die Wahrheit wissen woÄet, waren die Juden vorbereitet, selbst solche Krawalle hervorzurufen, als noch die Oesterreicher bei uns waren, und dies zu dem Zwecke, um in erster Reihe unser Volk zu massakrieren, und dies mit Hilfe des österreichischen Militärs und unter dem Vorwände der Unruhen ganz Galizien mit deutschem und magyarischem Militär zu besetzen, welches euch die letzten Kartoffel und den letzten 'Bissen«geraubt hätte. Hauptsächlich geht es den Juden um eine viel wichtigere Angelegenheit, die ihr nicht versteht. Jetzt soll doch der Friedenskongreh tagen, nicht wahr? Dieser Kongreh hat die internationalen Angelegenheiten Zu regeln. Es liegt rm Interesse der Juden, uns Polen in den. Augen der. Koalition zu diskreditieren und uns. als eine wilde, unzivilisierts Horde darzustellen, welche nicht würdig ist, ein eigenes Land zu haben, und unfähig» selbst zu regieren, dah wir Polen den in unserem Lande lebenden Minoritäten deren Rechte und Sicherheit nicht zu garantieren vermögen. Die Juden möchten daher erwirken,- daß ihnen die Koalition auf polnischem Boden einen Mischen Staat errichtet usw. f Die Fortsetzung dieses Artikels.ermahnt die Polen derzeit zur Ruhe, es wird die Zeit kommen, wo sie mit den Juden für deren Sünden vor und während des Krieges abrechnen werden. Der Urheber der gakizWjm Pogrome. Dem Jüdischen Prehbureau wird telegraphiert: Das vereinigte AuslandskomiteL der „Bord of Deputies" und „Anglo-Jewish Association" veröffentlicht einen detaissierten Bericht über die galizischen Pogrome, welcher auf Grund zuverWsigen Materials nachweist, dah diese planmäßig von der nationaldemokratischen Partei in Polen organisiert wurden. Der „Manchester Guardian" schreibt in seinem Leitartikel: „Uebersll, wo Dmowskis Geist erscheint, erfolgen^Judenpogrome. Dmowski ist von den Alliierten ausersehen, Polen bei den Friedensverhandlungen zu vertreten. Die Regierungen müssen alle Beziehungen Mit den polnischen reaktionären Parteien, welche für die Pogrome verantwortlich sind, abbrechen.! Wien, am 14. Januar 1919. _ Löbliche Redicktion! _____ _ Mit Bezug auf den in Nummer 2 Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 10. d.M. gebrachten Artikel unter K»er Spitzmatzke,: tMogromartikel in einer polnischen Amtszeitung" erlaube ich Mir, Ihnen folgendes zur Kenntnis zu bringen: i Anfangs Oktober vorigen «Jahres sprach ich Mit dem Oberreoi deuten der Staatsbahndirektion Stanislau, Herrn B. (der. dbrme ist der Redaktion bekannt. A. d. R.f, über verschiedene politische Probleme. Dieser Herr, der in der allpolnischen (nationaldemokratischen) Partei eme führende Stellung einnimmt, und der entgegen seinen sonstigen Parteigenossen sich stets durch Offenheit und Geradheit ausgezeichnet hat, erklärte mir, als die Judenftago in Pol«: angeschnitten tmube und er ein wenig in Hitze geriet: „Mit den Juden werden wir bei der ersten Gelegenheit blutige Abrechnung pflegen." Auf meine Frage, was denn die Juden joerbrochen hätten, das eine solche fürchterliche Ahndung verdienen' würde, entgegnete er : „Für das Jahr 1914." Mein Erstaunen bemerkend, fügte er dann hinzu: „Sie (die Juden) haben uns damals eine prussophile Politik (eine euphemistische Umschreibung! für „austrophil", von welcher in solchem Tone tzu sprechen zur kritischen Zeit dem Herm noch als nicht ganz geheuer vorkam) jaufdrängen wollen; sie diskreditierten uns bei der Regierung." Aus diesem geht unwiderleglich hervor: -- 1. dah trotz allen Dementis und Entstellungen des polnischen Prehapparates die Judenmassakres eine bei den Allpolen feit langer Zeit beschlossene und vorbereitete Sache war und bloß. ein entsprechender Zeitpunkt abgewartet wurde, diesen Beschluß in die Tat unyusetzen, , 2. dah es eine freie Erfindung des polnischen Amtsblattes ist, als ob die Juden je den einbrechenden Russen fre-Ujndlrche Empfänge bereitet hätten, dah vielmehr die Allpolen fes den Juden nicht -verzeihen konnten, dah sie sogar in der Zeit der schwersten Prüfungen, zur Zeit, als sie fast durchwegs eristenz- und obdachlos wurden und jeden Augenblick um ihr Leben zittern muhten, unentwegt treu und ehrlich zu chrem Vaterlande gehalten haben und es nach Kräften verhüten wollten, dah dieses durch den Verrat anderer Schaden leide. . Bei dieser Gelegenheit sei es mir gestattet, zu bemerken, dah es ein allgemein verbreiteter Irrtum ist;, als ob die im Jahre 1914 in Galizien einbrechenden Russen der jüdischen Bevölkerung, gegenüber eine feindliche Haltung angenommen hätten. Das 'Gegenteil davon ist wahr: Die Russen wollten sich dir Sympathie per Juden erringen. Nicht die russischen Behörden traten gegeir die Juden feindselig auf, sondern die Juden erwiesen sich den russischen ..Anbiederungen gegenüber als unzugänglich. Alle Ausschreitungen und Mißbräuche gegen die Juden wurden entgegen den Intentionen der russischen Behörden, von der von Haus zaus verhetzten Soldateska vollbracht, gegen , welche Strömung die Behörden und höheren Vorgesetzten machtlos waren. Erst später, als bemerkt wurde, daß die Annäherung und Verständigung zwischen dem russischen Heere und der jüdischen Bevölkerung, welche die Sodaten auszukären und aufzuhetzen begannen, verhängnisvoll zu werden begann, setzten die Behörden mit Drangsalierungen der Juden ein und beschlossen endlich, die Juden aus Galizien und der Bukowina zu evakuieren, damit die Soldaten mit ihnen nicht in Kontakt kommen. Je freundlicher die Soldaten, desto feindlicher wurde die Haltung der Behörden. Ich behalte mir vor, auf dieses Thema gelegentlich noch ausführlicher zurü^tzukommen, um das Martyrium der Juden, das ihnen so vielen „Dank vom Hause Habsburg" gebracht hat. der irregeführten Qeffentlichkert zur Kenntnis zu bringen.! Hochachtungsvoll Jakob Aschkenäsy, auth. isr. Religionslehrer) derzeit -Wien; 2. Bezirk, Zirkusgasse 10, Tür -18. i Zur OWMaW. Von einer Dame, Eine Bemerkung zu „Orgel und jüdischer Gottesdienst". Die Ausführungen des Herrn Ingenieurs Josef Lazarus sind im wesentlichen mir aus der Seele gesprochen.;Jch. Möchte jedoch noch folgendes hinzufügen: Die Orgel bringt, es mit sich, dah ein Nichtjude am Gottesdienst mitmirkt. Jüdischer Tradition gemäß wird von allen am Gottesdienst MDwirkenden picht nur die spezielle Qualifikation, sondern auch religiös-sittlicher Lebenswandel gefordert. „Holech bderech tumim hu jschvr seni" (wessen Lebenswandel makellos, der soll mir dienen), sagt der .Malmist (Psalm 101). Und nun statt dessen jemand, der mit unserem sEottesdrenste nichts Gemeinsames hat, weil er eben ein Andersgläubige^ ist. „Awerin gareres aweru" sagen unsere Weisen. Nachäffung der Kirche führt zur, Orgel' und diese zum Mchtjuden, als Tempel» funktionär. Da die Tempel der Wiener Kultusgemeinde von diesem' Greuel, vom religiösen Standpunkte,^ von dieser Geschmacklosigkeit, vom künstlerische«: Gesichtspunkte aus, bisher verschont waren, wäre es sehr bedauerlich, wenn gerade jetzt der Assimilation eine solche Konzession gemacht würde. Eine Geschmacklosigkeit nenne ich es. lyrische Poesie von der kalten Orgeknmsik begleiten zu fassen, die eben ein harmonisches Korrelat der Glocke ist. Bezüglich des hebräischen Unterrichtes Möchte ich auf das Lehrbuch «des Herrn Moses Rath (das bereits in dritter Auflage erschienen ist) Hinweisen, in welchem wir eine ganz vorzügliche Methode besitzen. Die Methode, aus der Bibel die -hebräische Sprache zu lernen,. entspricht aber eigentlich im Prinzips der Methode „Toussoint-Langenscheidt". Die englische Sprache zum Beispiel wird dort aus Dickens „Christmas Carrol", die italienische aus Farinas „Jl Signor Jo" gelehrt und so weiter. Allerdings sind dort außerdem „Gespräche" vorhanden. Um verständnisvoll mitzubeten, ist vor allem die Kenntnis der Bibel erforderlich. Die meisten Gebete bestehen doch aus Psalmen und sonstigen Bibehitaten. Damit die Jugend andachtsvoll betet, ist die Zusammenarbeit von Haus und Schule notwendig. Die Zugend muh eben jüdisch erzogen werden. Heber das jüdische Erziehungsproblen« beabsichtige ich nächstens ausführlich zu sprechen. Die Anregung des Herrn Lazarus, betreffs allwöchentlicher Auslegung des Wochenabschnittes, verdient es, am maßgebenden Orte beherzigt zu werden. . - •' Eft'h ex.