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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-17 · 3 (17.1.1919) · p. Seite 36

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
3 (17.1.1919)
Date
1919-01-17
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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«*a* ss 9fr. S 3JT. VVWffD MSMIWPkM ( Pas, dessen Kultur nicht Arr guten Hälfte Mische Kultur ist. Kein Gebiet der Wissenschaft, kein geistiger,, kein wirtschaftlicher Fortschritt in allen Landen und zu allen Zeiten, an dem nicht Juden reichsten Anteil hatten. Das wissen wir. Aber leben wir danach, handeln wir danach? Lehren wir unsere Kinder, daß sie mit Fug und Recht dem Hasse und der Verachtung stolz sich entgegensetzen, dürfen? Geben wir ihnen das Rüstzeug für diesen Stolz? Wir. lehren unsere Karder die Geschichte aller Länder und Mer Zeiten, aber die Geschichte des Judentrrws lehren wir sie nicht. Wir lassen sie alle Sprachen lernen, die lebenden und toten, aber die Sprache ihres Sktffe? lernen sie nicht. In der Mischen Literatur sind unsejre Söhre und Töchter viel weniger bewandert, als in der englischen und französischen, ja sogar in der chinesischen, die ja in der schöngeistigen Epoche vor dem Kriege salonfähig geworden war. Woher also sollen sie den Stolz und ten Mut des Be7ennertums nehmen, der allein das jüdische Volk einigen kann. Nur die stolze Einigkeit kann chm Achtung und Würdigung erkämpfen. Der geschlossenen Masse, die aus Bekennern, nicht aus 'Abtrünnigen besteht, kann niemand die Achtung weigern. Wir brauchen bewußte Juden, -denn die Arbeit, die für das Judentum zu leisten ist, ist groß. Das -jüdische Volk, ist arm. 'Es verkriecht sich in schmale Gäschen und dunkle Hauser und'verbirgt se'n Elend, aber 'fern "Elend ist gewaltig groß, und kann nur durch Juden gelindert werden. Wir brauchen eine soziale Fürsorge von Juden für Juden.' Wir brauchen jüdische ArbeiLsvertnittlungäi, Mische Arbeitsoe7egenheltcn, bewußte Förd-errng der arbeitenden, strebenden Juden durch Inden. Wir brauchen BiLungsquellen für Juden, die ihnen neue Erwerbs- Möglichkeiten erschließenso. len, materielle und geistige Hilfe für die Armen, die untrr den kümmerlichen Verhältnissrrrdah'nleben, den Juden der Dörfer und. Kleinstädte.. brauchen eine spezisisch jüdischnationale Jnteressenvertrctung in den verschiedenen Standesvertretuneen, .wir dOrsen nicht mehr ruhig mitansehen, wie unseren Kindern Berufe um Berufe verrammelt werden, wie man ihnen Stein um Stein auf ihren Lebensweg häuft. ' Das geeignete Judentum ist eine Macht, das seinen Medern lllerall Anerkennung und gute Lebensbedingungen erringen wird. Tragen wir dazu bei, seine Einigung endlich herbeizuführen. Tüchtige Männer sind cvx Werke, das zu tun. Keine Frau aber soll beiseite stehen, sondern jede Muß sich bemühen, ihn.n dabei zu helfen. Auch hie Mische Müller "kann es tun, die still tim Hause wirkt Und schafft und nur ihrer Familie lebt. Gerade in ihre Hand ist die wichtige Aufgabe gelegt, die Heranwachsende Jugend zuM Judentum zu erziehen. Die sittliche Kraft einer bewußten jüdischnationalen Erziehung ist eine.Quelle der Starke für den jüdischen Menschen, btt in das Leben hmaustritt.. Sie 'wird ihm mehr Segen bedeuten, mehr Achtung und Anerkennung bringen, als die Verleugnung seines innerster! Ich, die chm nur' Hohn und Spott eintvägt. Die Mische Frau, die in der Oeffentlichkeit wirkt, muß vor allem an sich selbst arbeiten, muß Kleinlichkeit und Eitelkeit ablegen und chre guten, schönen Gaben und Eigenschaften entwickeln. Diese aber soll sie in dm Dienst des Volkes stellen. Ich habe mir yft mü» oft gedacht, wie ungeheuer viel haben doch Mische Frauen äs einzeine, verstaute, bisher auf den verschiedensten Gebieten geleistet. Welche stolze Leistungen mußten sie erst hervorbringen können, wenn sie alle ihre 'Gaben, chre Arbeitskraft, ihre Arbeitslust zugunsten ihres Volkes: vereinigen würden. Sie haben sich zersplittert im fremden Dienst, sie haben gearbeitet in ftenwer Fron. Daük ist chnen wahrlich nicht geworden. Den werden sie erst erlangenwenn sie sich selbst.besinnen und heinvkehren zu. ihrem Vvlke,'das> sie braucht, das ihrer-harrt, und das sie emporheö'en wird, wenn sie chm dienen Moll«!. Vom ZsbrmArkt des Lebens. Kkoj^ett zur Iagesgeschichte. Auf den Ministerpräsidenten der tschechischen Republik Dri Karl Kramarsch ist von,einem der politisch Irrsinnigen unserer Zeit ein Attentat verübt -worden, das zum Glück ohne Folgen blieb. In Prag entstand aus diesem Grunde eine ungeheure Aufregung, an der nur eines unverständlich blieb: In der'Menge wurden antisemitische Rufe laut und man äußerte.sich, es werde keine Ruhe herrschen- bis nicht das jüdische Element aus Prag verschwinde. Der Attentäter sei von Iuden und Russen bezahlt, an der Spitze der.Proletarier stünden nicht Arbeiter, sondern Kapitalisten und Iuden. So wurden denn wieder einmal die Iuden als die Schuldigen von Ereignissen herangezogen, die sie erst aus der Zeitung erfahren. Der Attentäter war ein rassenreiner Arier, desgleichen sein Mttschuldiger, und .der Beweggrund war die anarchistische lleberzeugung, mit der die Iuden nie etwas zu tun hatten. Aber es scheint, daß uns das alles nichts , nützt. Die Juden könnten am Mond wohnen und nur mit den schärfsten Ferngläsern entdeckt werden können, man würde doch bei jedem beklagenswerten Ereignis ihnen und nur ihnen die Hauptschuld beimessen. Die Tiroler Volkspartei sagt in ihrem Wahlaufruf: Ms Ergebnis des Weltkrieges verlangen wir für uns ein freies und unabhängiges Tirol, das sein Geschick mit einer etwa sich ^bildenden freien Eidgenossenschaft der deutschen Alpenländer verknüpfen soll. Jetzt gilt es, sich von der wirtschaftlichen Bedrückung, die von der Hauptstadt des nunmehr zerfallenen Donaureiches. ausgeht, loSL zumachen. Die -Entscheidung über unsere Zukunft darf nicht in Wien getroffen werden. ... . .. Das ist eine sehr schöne Sprache, und ihr Eindruck wird noch mächtiger, wenn man sich die Vergangenheit vor Augen hält. Damals hat man ganz, andere Töne gefunden, wenn man nach Wien kam, um ^hier um das Geld und die Bewilligung für neue Straßen und Brücken- Lauten zu erbitten. Tirol war ein passives Land pnd man hat aus den SLeuergeldrrn des Reiches, zu denen Wien soviel beiträgt, Milliarden hrneingesteckt, um es für den Fremdenverkehr nutzbar zu machen. Die Tiroler sind reich geworden, urtb nun setzen sie de'n verarmten Wien einfach den Stuhl vor die Tür. Es geht halt nichts über die Mische Undankbarkeit, und Eigenliebe, selbst wenn sie im katholischen ^ande geübt werden. Natürlich ist die Tiroler Dolksyartei christlichsozial und ihre Politik ist entsprechend schön und edel. . * » S . Das „Deutsch Dolksblatt" schillerte in der letzten Zeit in mehreren Farben. Anläßlich der Wahlbewegung kam jedoch seine Grundfarbe zum Vorschein. Auf . der Titelseite stand in besonderer Aufmachung die christlich' soziale Kandidatenliste. Das ist die.beste Antwort auf die Gerüchte, nach denen das Blatt sich auch auf freisinnige Finanzkreise stützen will. Hoffentlich wird niemand so naiv sein, dem.schäbig gewordenen Wolf im Schafspelz zu trauen. Wer fein ganzes Leben damit verbracht hat, auf die Juden bei jeder Gelegenheit loszuschlagen» dem wird eine gründliche. Umwandlung schwerlich-gelingen. Das „Deutsche Dolksblatt" mag nur ruhig weiter feine bissigen und hämischen Bemerkungen über die Juden machen. Es.hat vom Antisemitismus gelebt und seinen ehrenwerten Besitzer Vergant reich gemacht Seitdem jedoch ein großer Teil der Bevölkerung erkannt hat, /daß die Iudenhetze bloß ein Vorhang ist, hinter welchem die wirklichen Gauner stehlen und plündern, ist den rein antisemitischen Müttern der Atem ausge-

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