Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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*•«13* . Dir. »loch'S KMnWG Nr. s so sind namentlich die Wischen Gemeinden Ms dem Lande Ln ihrem Be st and bedroht. Die gläubigen Israeliten Bayerns erwarten 'von chren Vertretern, daß sie die verschiedenen -demokratischen Forderungen der Zeit in politischer Hmsicht untersten, ' daß sie demgemäß auch für die Meichhell sämtlicher Konfeßionen eintreteir. Sie erwarten aber auch dag in religiöser Hinsicht der positive Glaube rächt unrergraoen wird, was eine Folge der "Trennung von Kirche und Staat wäre." Im „Badischen Beobachter'' hat ein katholischer Geistlicher sich mit dem Mahnruf an die Öffentlichkeit gewendet: ( „Die Juden empfinden es mit Recht .als eine . große Ungerechtigkeit, daß man den Kampf gegen alles niederreißende und radikale Wesen in der gegenwärtigen Politik einfach in einen Kampf "gegen die Juden umwandelt. Sie sagen mit Recht: „Wenn heute einer von uns Juden vor Kurt Eisner hinträte und ihn bäte, er möge pur seiner, jüdischen Mitbürger willen i seine angemaßte Regierung aufgeben, so würde Herr Eisner ruhig erklären, er gehöre gar picht zu ihnen, er sei alles mögliche, nur nicht gläubiger Jude oder Jude, der sich mit ihnen in Gemeinschaft fühle,- er stehe als Politiker an seiner Stelle, nicht als Jude." — Mit Recht weisen die deutschen Bürger jüdischen Glaubens und Stammes darauf hin, daß sie in Deutschland ihre einzige Heimat verehren und für diese Hehmat ihr Leben und Blut wie die anderen Staatsbürger. gewagt haben: daß sie aber nichts gemein haben mit jenen radikalen Menschen jüdischen Stammes, welche in . Verbindung mit sehr vielen nichtjüdischen Radikalen den Umsturz und die Gewaltherrschaft begründen halfen." d „Man führe deshalb den Wahlkampf gegen die' jüdischen und nichtjudischen Radikalen, nicht aber gegen die Juden öfe Juden. Denn es ist ein Unterschied Mischen Juden und Juden, so gut wie zwischen Christen und Christen. — Der Zentrumsschild ist blank. Die Zentrumspresse hat nie in Antisemitismus gemacht. Sie wird es auch jetzt nicht tun. Aber zurzeit liegt die Gefahr nahe, beim Wahlkampf ab und zu in das antisemitische Horn zu stoßen. Mögen, diese Zei- : len dazu beitragen, daß dieser Gefahr unsere Zentrumswahlmänner nicht unterliegen. Wir haben bessere, positive Agitationsmittel, als den ungerechten Groll gegen eine ganze Gruppe unserer Mitbürger, unter denen die Guten gerade jetzt, nach den vier Jahren blutiger! Sorgen, denselben Anspruch auf Ehre, Ruhe und Frieden haben, wie jeder anständige Mensch. Des.Hasses ist genug in der Welt. Schüren wir keinen ungerechten Haß, auch nichtchit/guten" Witzen Und Bemerkungen." Die Regens^irger „Deutsche Isr. Ztg." brachte dann vor der Wahl emen Artikel: ".„Warum muß der religiöse Jude mit der Bayerischen Volkspartei wählen?" „Vereinigung aller Gottesgläubigen." In dem Artikel hieß es: „Die Bayerische Volkspartei steht in allen Fragen der Kultur auf dem Boden der 'christlichen W eltan - schauung. Sie verlangt volle Freiheit aller Konfessionen und ihrer Einrichtungen, sowie gleichmäßige Berücksichtigung der Anstalten und Angehörigen aller Konfessionen, insbesondere bei Bereitstellung öffentlicher Mittel und bei Verleihung öffentlicher Aemter." ,^Das ist die Partei, welche die Religion aller Konfessionen schützen/ die religiösen Einrichtungen aufrechterhalten will. Keine „Umformung", keine zweifelhaften Ausdrücke. Klar und deutlich wie Geh. Rat H eld. Geh. Rat H e i m es auch in Versammlungen aussprachen: Mr GM, 10 Gebote und HeiliM SMst." „Das Heiligste ist jedlem wahren Mden wie wahren Christen seine Religion. Sie geht Gm über alles,- sie führt ihn über den Tpd hinaus, fie reicht hinüber 'ins andere Leben. Die Marter, welche die Religion und die religiösen Einrichtungen, wie sie bisher segensreich bestehen, aufrechterhalten und schützen will, ist einzig urch allein die Batzenlche Volkspartei." „Jude oder Christ, Wer gottesgläubig ist. Komme herbei Zur Bayerischen Vollspartei!" Und so. ist denn auch geschehen. Alle glaubenstreuen Juden Bayerns^haben einmütig für die Bayerische Vollspartei votiert. ^>ie erhielt 1,071.316 Stimmen und hat alle anderen .Parteien überflügelt. Bei uns in Oesterreich haben die Parteien und ihre Häuptlinge auch in dieser schweren, grauenhaften Zeit nichts gelernt und nichts vergessen. §u Mhischr Krau uud ihr Uotk. Von Anitta Müller. Vier lange Jahre hat die Menschheit den ungeheuerlichen Zwang des.Krieges getragen. Da erlosch er mit einemmal, so plötzlich, daß man fast davor erschrak und sich gar nicht zurechtfinden konnte in der neugeschaffenen Lage. Die Tage aber, die kamen, als der Zwang von den Menschen abgefallen war, die standen im Zeichen der Heimkehr. Es war nicht bloß ein Nachhausestreben der Soldaten, es war ein anderes, tieferes Gefühl, das die Wände löste und die Menschen vorwärtstrieb, ein jeder suchte heimzufinden zu seinem Volk,, Was galten die Bande des Gehorsams und der Disziplin, was galten die gemeinsam dürchkämpften, durchlittenen Jahre, gleiches Erleben, gleiches Fühlen, gleiches Todesbangen, gleiche Siegesfreude, das alles war mit einemmal nichtig geworden, und die Menschen, nicht nur jene an den Fronten, .auch die im Hinterlande, wußten nur eines: Heim zum eigenen Volks! Immer wieder fragten sie sich, wozu habe ich gearbeitet, gestrebt, gekämpft, gelitten? Es Aalt nicht meinem Volke, und deshalb war es töricht, verbrecherisch. Man hat uns einen fremden Willen ausgeprägt, der uns in fremde Wege getrieben hat. Nun uns die Äugen geöffnet sind und der fremde Zwang von uns abgefallen ist, wissen , wir, daß es nur einen Weg M pns gibt, den der Heimkehr.^ Ein alles, festgefügtes Reich ist durch diesen Drang' des Bekenntnisses unb der Heimkehr zum Volkstum in Trümmer gegangen. Aber die Völler, hie sich auf seinen Trümmern neues Gemeinwesen erb.auen, sind glücklich, weil sie sich, frei fühlen. Sie nehmen ungeheure Lasten willig auf sich und sehen der Zukunft schwerer Arbeit'ruhig und mutig entgegen, weil sie wissen, was jeder einzelne von ihnen tut und arbeitet, bas; leistet er für sich unp fein eigenes Voll, für sein Erstarken, für feine Größe. Ich ,frage mich, warum ist gerade in meinem!, Volle, im Volle der Juden, das Gemeinschaftsgefühl nicht ebenso staf, daß.sie sich endlich.aus dem Zwange, aus der Zerstreuung lösen und jeder sich mit Stotz zu seinem Volke bekennt? Wohl hat die große nationale Bewegung auch auf die Juden ühergegriffen, und wir sehen mit .Stolz und Freude, daß die Wischnationale Bewegung gerade in diesen letzten. Monaten stark geworden ist, mächtiger als sie es-bisher gewesen. Auch jüdische Soldaten und jüdische Offiziere sind von den Fronten heimgekehrt, und auch sie haben sich die Frage gestellt : wozu war das nun jalleÄ -diese langen Jahre der Rot,-- der Entbehrung, für wen hade ich Opfer um. Opfer gebracht?