Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 26 Dr. Bloch'S Wochenschrift ' Nr. 2; / . die offizielle Einladung, als Delegierte des jüdischen Nationalrates zunächst erklärt, daß die unmittelbare Ver- Volkes und der jüdischen Regierung in Palästina beim cmlasfung von Ausschreitungen Provokationen waren. Friedenskongreß zu erscheinen. Ueber die Urheber dieser Provokationen sagt daS Com- - ' ■ muniquo nichts/ sondern stellt nur fest, daß in den vom Lord Reading, Mitglied des Friedenskongresses. Nationalrat protokollarisch aufgenommenen Fällen keine .-- . —----— — .Provokationen Vorlagen. Was die Schuld an den Aus- Der englische Botschafter bei den Vereinigten Staaten - schreitungen anlangt, betont das' Eommuniquo, daß tsche^ Lord Reading (Sir Rufus Isaacs) wurde als einerL chische Bläffer durch antisemitische Artikel zur' Erregung der englischen Delegierten zum Friedenskongreß bestellt. R einer feindseligen Stimmung gegen die Juden beigetragen Das erste jüdische S chliff üMr nationaler Flagge. I Dem „Nowy Dziennit" zufolge begann zwischen JaffA und Konstantmopel das erste Schiff mit nationaljüdi-j scher Flagge zu verkehren. Außerdem wird dem Blattes aus Odessa gemeldet, daß sich eine Gruppe von Odessaerl Juden, die Schiffseigeniümer sind, an das Oberkom-! mando der Koalrtionsarmee mit der.Bitte gewendet hat zu gestatten, daß auf der Linie Odessa—Kvnstantinopel— Jaffa ein Schiffsverkehr unter nationaljüdischer Flaggc eingerichtet werden dürfte. Mrs' erste ist die Ausfahrt von Zwei Personendampfern geplant. j 9lMonalkongreß der Juden AN tschMo-slowakischrn Staate Dem Jüdischen Preßbureau Wien wird aus Prag telegraphiert: Zur Eröffnung des .Kongresses der tschechoslowakischen Jud'en waren Vertreter der tschechischen Behörden und Parteien erschienen. Namens des sozialdemokratischen Klubs der tschechoslowakischen Nationalversammlung hielt Abgeordneter Kauscha eine Ansprache, in der er die brüderliche Verbundenheit des tschechischen und jüdischen Proletariats betonte. Es wurden Begrüßungsreden in hebräischer und deutscher Sprache gehalten. Die Verhandlungsspräche des Kongresses ist Tschechisch. Vom Jüdischen Nationalrat in Prag erhalten wir folgende Zuschrift: Prag, den 24. Dezember 1918. An die Redaktion von „Dr. Wloch'S Wochenschrift" - ‘ ( Wien. In Nummer 49 vom 13. Dezember und Nummer 50 vom 20. Dezember Ihres Blattes bringen Sie zwei Nottzen, in denen . Sie die Arbeit und das' Verhalten des Jüdischen Nationalrates für den tschechs-slowakischen Staat abfällig kritisieren. Da beide Publikationen unrichtige Darstellungen des Sachverhaltes , bringen und zu dessen Beurteilung wesentliche Tatsachen nicht mitgeteilt werden, ersuchen wir Sie, folgende tatsächliche Feststellungen in der nächsten Nummer Ihres Blattes zu veröffentlichen: . 11 Die m der Glosse „Judenhetze in Prag" in Nummer 49 Jhtes Blattes, dem Jüdischen Nationalrat Zügeschriebenen, äußerlich ausdrücklich als Zitat hervorgehobenen Satze sind in dem offiziellen Communique des Nationalrates, dessen.Wortlaut Sie überhaupt nicht wiederäeben, nicht enthalten, sondern den anschließenden redaktionellen Ausführungen der Wochenschrift „Selbstwehr" entnommen. In der . Glosse werden bald aus diesen, bald aus dem' Communique des Natioualrates zusammenhanglos Sätze .zitiert und' durch den Satz, der.Nationalrat hätte Zirkulärtelegramme an die verschiedenen ausländischen Stellen gesandt, .daß „tatsächlich unzweifelhafte Provokationen die unmittelbare Veranlassung zu Ausschreitungen waren", der Eindruck erweckt, das Communique des Nationalrates bestünde nur jaus dieser.Feststellung und hätte nur diese zum Zweck. Gegenüber dieser objektiv unrichtigen Darstälung konstatieren wir, daß das Communique des Jüdischen haben. Als letzte Ursache nennt es die Haltung eines ^größtenteils von israelitischen Deutschen geleiteten und ß geschriebenen Blattes, das an dieser Erregung auch Schuld , trägt.. Der Satzmit dem die Glosse schließt: „Wenn er (der Nationalrat) dessenungeachtet solche Telegramme in die Welt hinausgesendet hat, so geschah es, wie er ver-' sichert, „nicht aus Liebedienerei",- sondern aus „Ueberzeugung", entspricht ebenfalls in keiner Weise den Tatsachen. Die zitierten Worte sind in dem Communique überhaupt nicht enthalten und in den Ausführungen der Redaktion der „Selbstwehr", denen sie entnommen' sind/! wurden sie in ganz anderem' Zusammenhang gebraucht. I Der Jüdische Nationalratfür den tschecho-slowaki- Ischen Staat verwahrt sich entschieden gegen diese Form der Berichterstattung, die mit den wirklichen Tatsachen nicht in Einklang zu bringen ist. 2. Ebenso müssen wir auch auf das schärfste gegen die ' Bemerkungen Einspruch erheben, die Sie in Nummer 50 Ihres Blattes in denk Artikel „Glossen zur Tagesgefchichte" im Anschluß an ein Rundschreiben des. Marienhader Hilfskomitees für KriegsfLchtlinge, das Sie zum Abdruck bringen, veröffentlichen. Selbst die. mißverständliche Stesse dieses Rundschreibens, wonach dem Obmann des Hilfskomitees die Aufforderung zukam, die Abreise der Flüchtlinge unverzüglich vorzubereiten, und es daher im eigenen Interesse der Kriegsflüchtlinge läge, dieser Aufforderung des Jüdischen Nationalrates , in Prag zu entsprechen, Abt nicht die Berechtigung zu solchen unqualifizierbaren Angriffen, wie denen,., daß ,>die Leistungen des Nationalrates mit den schlimmsten Auswuchs sen des einstigen Moschkotums wetteifern", und'daß „ein Jüdischer Nationalrat die Hand zu solch heimtückischer Grausamkeit.biete". Es' fasst schwer, dem Schreiber dieser Bemerkungen dm guten Glauben zuzubilligen, daß er nicht wissen sosste, daß die Regierung des tschecho-slowakischen .Staates im Interesse der /Flüchtlinge dem Jüdischen Nationalrat die Aufgabe übertragen. hat, für den geregelten Abffansport der Flüchtlinge Sorge zu tragen: daß ferner, wie aus wiederholten.Messenachrichten allgemein bekannt ist, der ursprünglich für den 1. Dezember bestimmte Termin der Abreise Mf Beschluß des. Ministerrates unwiderruflich bis zum 15. verlängert wurde, und der Jüdische. Nationalrat, nachdem' unzählige Interventionen Zwecks Rückgängigmachung dieses. Beschlusses erfolglos geblieben waren, nichts anderes tun konnte, als die Flüchtlinge aufmerksam zumachen, sich zur Reise bereit zu halten. Es ist bekannt, daß auf Grund' einer neuerlichen Vorstellung des Abgeordneten Reizes und der Vertreter des Jüdischen Nationalrates und. einer großen Anzahl im Auslande von zionistischen Organisationen unternommenen Aktionen dieser Beschluß des Ministerrates in letzter Stunde aufgehoben wurde. Der Jüdische Nationalrat hatte sich aber der .schwersten .Pflichtverletzung schuldig gemacht, wenn er bei der gegebenen Sachlage die Flüchtlinge nicht zur Abreise, aufgefordert hätte, ’ zumal dies nicht nur wegen des strikten Ministerialerlasses, sondern auch im Interesse der Sicherheit der FAchtlinge . selbst auf das dringendste geboten erschien. Wir sind auf das äußerste erstaunt darüber, daß man diesen aus der^ Presse doch ganz klar ersichtlichen Sachverhalt zu