Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 2 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 37 einer leichtfertigen Verunglimpfung der allgemein anerkannten, mühevollen Arbeit des Jüdischen Nationalrates im Interesse der Flüchtlinge benützen kann. Wir erwarten von Ihrer Loyalität, daß Sie diese Richtigstellung vollinhaltlich zum Abdruck bringen werden. Hochachtungsvoll Indischer Nationalrat. Der Sekretär: Für den Präsidenten: Dr. Angela Gold st ein. Dr. Mar Brod. Nachschrift der Redaktion: Bei aller hohen Anerkennung, welche dem Prager Jüdischen Nationalrat für sein selbstloses und erfolgreiches Wirten in der vorstehenden Zuschrift gespendet wird, bietet der Inhalt mit seinem Tatsachenmaterial nichts als eine Bestätigung Kokarde und eines schwarz-rot-goldenen Bandes gar zu sehr an die Zeugenaussagen in alten Judenprozessen erinnert, wo eine Frau bekundete, daß ein graubärtiger Mann, der im Jargon sprach, ihr 100 blanke Taler für fünf von einem Priester geweihte Hostien angeboten hätte. Es ist leider unsere alte Gewohnheit, daß jeder von uns in dem anderen den Erreger des christlichen Judenhasses vermutet. Die Freigeistigen klagen die Religionstreuen als diejenigen an, die unsere soziale Sonderung und dadurch die Antipathie der Völker gegen uns konservieren: die Konservativen sehen in der Anbiederung der Neologen das Anstößige, das den Widerwillen weckt: die groben Gankjuden im armen zerlumpten Hausierer, dem „Handle", den Erreger der Vorurteile: der Hausierer in dem Geldprotzen: die Assimilanten vermeinen, daß jener MweMmg«. die wir einer Kri« zu unterwerfen^ bie JüdMnalionnlen den Parteien des Judenhass will UNS gestattet haben. In Prag haben nach der Proklamation eigener tschecho-slowatischer Staatlichkeit Judenerzesse arger Natur stattgefunden. Der Pöbel durchzog die Straßen unter stürmischen Rufen: „Richtet die Juden! Hängt sie auf! Sperrt sie ein! Gebt ihnen Kraut zu fressen und Kriegs - brot!" Jüdische Offiziere wurden verprügelt, jüdische Kaufleute mißhandelt und.ausgeplündert, andere muß kommene Dienste leisten: Zionisten erheben die gleiche Anschuldigung gegen die Assimilanten. Das neue ist vielleicht nur. daß in jenem Zirkular-Telegramm zum erstenmal offiziell vor der internationalen Welt Juden gegen Juden als Ankläger auftreten. In Wahrheit hat der Judenhaß seinen Sitz im Herzen, nicht im Kopf: er hat kerne Grunde und Ursachen, er braucht bloß Vorwände — die nichtigsten, selbst erten vor der Wut des Möbels in Schutzhaft gebracht Llogene genügen. Die Instinkte des Judenhasses sind werden. Diese Art feierlicher Begrüßung der , neuen M das Erbe zweier Jahrtausende, das unablässig durch Relieigenen Herrlichkeit konnte dem neutralen Auslande und gionsschule und Kirche gepflegt und mit Steigerungen von in den Staaten der Entente vielleicht Befremden erregen. Geschlecht zu Geschlecht weiterv ererbt'wurde. Nur Völ- Daraufhin hat der Prager Jüdische Nationalrat an die, ' ^er, die schon durch vier oder fünf Generationen unter Jüdischen Nationalräte der verschiedenen Länder, an die der Mengen Zucht einer von der Kirche abgelösten und zionistischen Landesorganisationen und jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag, in Bern, Kopenhagen, Stockholm usw. mit einem TekegraMM des Inhaltes sich gewendet, daß die unmittelbare Veranlassung der gegen die Juden gerichteten Ausschreitungen „Provokationen" waren. Der schlichte Leser, der auf Spitzfindigkeiten und Tüfteleien nicht eingeschult ist, entnimmt dem Telegramm, daß die Erzedenten durch die Mißhandelten zu ihren Ausschreitungen „provoziert" wurden. Dann aber wird hinzugefügt, „daß in den vom Nationalrat protokollarisch aufgenommenen Fällen keine Provokationen Vorlagen". Billigerweise müßte man sich fragen: „Wer hat denn also „provoziert"? Und' woher hat überdies der Nationalrat seine Wissenschaft, daß „Provokationen" Vorlagen?" Diese Lücke auszufüllen, überließ man dem offiziellen Organ der Prager jüdischen Nationalpartei. unabhängigen Zivilisation durchgegangen sind, vermochten diese ererbten Instinkte zu zähmen und zum Teil zu überwinden. So die Engländer, Franzosen und Italiener. Bei Slawen dagegen und auch bei den Deutschen entlädt sich noch immer jede Hochspannung der nationalen Nerven in Erzessen gegen wehrlose Juden, ohne eine Unterscheidung, ob sie nun deutschnational oder tschechischnational sich bekennen, und die Judischnationalen dürften hierbei kaum eine Bevorzugung genießen. Die Zirkularnote mit der Meldung von „Provokationen" und den Sünden „eines größtenteils von israelitischen Deutschen geleiteten und geschriebenen Blattes" war — sagen wir, ein „Fehltritt", weder ehrenvoll! noch dankverheißend. Das zeigte sich denn auch hier sehr bald. Der Intervention des ehemaligen Abgeordneten Heinrich Reizes beim Minister für öffent- .-Datz das tschechische Publikum tatsächlich durch offenbare „ Arbeiten Fr. Stanek gelang es wohl, dieAufent- °E«r?tt-b«°Mguug für Me Milchen WchtlmMnuf -nb°. Mitglieder des Nationalrates sahen zum Beispiel einen Offizier.DZ stimmte Zeit ZU verlängern» wahrend dem Prager JuXder eine deutschnationale Armbinde mit der Aufschrift ..Deutsch-Miionalrat „unzählige Interventionen zwecks Rückgängigjüdischen Soldaten, der Zivil trug, 'Sonntag vormittags zum TM vielmehr „die Aufgabe übertragen war, für den geregel Tragen der alten österreichischen Kokarde und eines schroa,rz4cot-M ten Abtransport der Flüchtlinge Sorge zu tragen . In goldenen Bandes aufforderte mnd ihm hiefür 150 Kronen anbot.W her strengen Kälte des Monates Dezember sollten sie ÄCeÄurÄltntt Weibe-«. Kindern und Greisen nach E-W-n g der Nationalrat selbst nicht in Erfahrung bringen können." M kehren, wo der unselige Krieg Zwischen Po^n unv urrai So der Bericht in dem offiziellen Organ des Jü-Unern wütet und in den^meisten Städten schauerliches, dischen Nationalrates. Das Telegramm selber sagt überWsrome.sich abspielen, Plündwer und Räuber rede §ayrt die Urheber der „Provokationen" nichts. Nur „als letztsW gefährden. ES wlll uns noch immer fchemen, daß me Ursache nennt es die Haltung eines größtenteils vonMAblehnung jeder Mitwirkung bei solchen Maßnahmen israelitischen Deutschen geleiteten und geschriebenen Blat-W ersprießlicher und würdiger gewesen wäre, tes, das an dieser Erregung auch Schuld trägt". r Welchem Zwecke hätte diese Zirkularnote des Pra-x ger Jüdischen Nationalrates an die Adresse der Neu-ß tralen dienen sollen? In dem offtziellen Kommentar wirdM .gesagt: Es aus „Ueberzeugung gelten lassen, trotzdem' die Erzählung ,von den gebotenen Alle jüdischen Bewohner Mens oder Deutschöster- 150 Kronen Ur das 'Anlegen der alten österreichischen Areichs, welche nach Böhmen, Mähren, Schlesien, Vermischtes. gii Lk^«E'jbnb«nM>diM Pümer mch^BSrMr-m«n kümmert Euch mgung". Wir wollen diese „Ueberzeugung"^^ ' Eure Staalsihurgerfchast!