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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-10 · 2 (10.1.1919) · p. Seite 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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ScM 18 Nr. 2 Tr. BL och's Wochenschrift die dem Deutschtunr die Schmach zuMen, in seinem Namen die Reaktion zu unterstützen. Wir Deutsche werden beschämt Zusehen müssen, wie die Tschechen das ' heilige Vermächtnis unserer großen deutschen Männer schätzen und Hochhalten und ihre Kraft dauernd gestalten durch, die Verankerung des Grundsatzes: Gleiches R e ch t f ü r alhe! Anmerkung der Redaktion: Vorstehender Artikel wurde uns bereits vor vierzehn Tagen von dem geschätzten Herrn Einsender übermittelt. In Ansehung der Vorgänge in den, von der tschecho-slowakischen Republik okkupierten jüdischen Gemeinden weigerten wir uns, dem Artikel Raum in. unserer „Wochenschrift" zu gewahren. Nunmehr erhalten wir die verläßliche Mitteilung, daß die Prager Regierung die strengsten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ergriffen hat; so nehmen wir keinen Anstand, den bemerkenswerten Artikel, der die hohen Intentionen , der neuen Führer des böhmischen Staates zeichfnet, zur Kenntnis unserer Leser zu bringen. Vom Zabrmarkt des Lebens. Klssserr zur Hasesgeschichte. Entsetzen steigt vor unseren Augen auf, da nun die Verbrechen dieses Dr. Rambousek bckannt werden, des ehemaligen Präsidialchess der Salzburger Landesregierung. Er hat sich durch Selbstmord der strafenden Gerechtigkeit entzogen, deren größte Strenge für ihn zu wenig gewesen wäre. Es war noch das Geringste von ihm, daß er das Geld für die Verpflegung der Stadt und des Laubes unterschlug und sich um viele MillionM .bereicherte, während unter den Betrogenen mit Waffengewalt Hungerrevolten ausbrachen. Es war noch feine kleinere Schuld, daß er die Fonsds der Flüchtlingslager defmudierte mch dadurch Tausende dem Hungertod auslieferte. Er hat sich als Händler, Wucherer und Fälscher auf de!m Lebensmittelntarkt berühmt gemacht. Aber das verschwindet alles noch! gegen die fürchterliche Tatsache, daß. dieser grausame Verbrechex als militärischer Spion der Entente funktionierte und den Feinden alle Angriffspläne verriet. Das Wasser der Piave war tagelang rot von dem Blut, das Rambousek vergossen hat, viele Unschuldige wurden als angebliche Täter des Verrats gehängt und erschossen, des Verrats, den in Wirklichkeit Rambonsek beging. Wer war nun der Mann, der als die schwärzeste Gestalt unter den vielen Verbrechern dar Neuzeit dasteht? Bevor es noch zuM Krieg kam, machte sich Doktor Rambonsek bekannt als willfährigstes Werkzeug des Erzhe^ogs Franz Ferdinand, auf dessen Wunsch er das bekannte Blühnbachtal für Touristen brutal absperrte, damit das WM!des' Erzherzogs nicht durch Wanderer gestört werde. Dejr Dank dafür und für seine politische Tätigkeit war die rasche Beförderung. Welche politische Tätigkeit das war,« ist jedem Kind in Oesterreich bekannt. Die Umgebung des Erzherzogs Franz Ferdinand bestand aus lauter Säulen .der christlichsozialen Partes, und eine ihrer dicksten war eben Rambousek. Und nun zeigt es sich, daß alle dem Krieg eigentümlichen Verbrechen in seiner Person eine hämo-, nische Verkörperung gefunden haben. Was bleuten da die Vorwürfe gegen die Juden? Sie «alle zusammen haben gewiß nicht einen Schatten der verruchten Taten dieses einen christlichsozialen Führers auf sich, geladen. Man sollte glauben, daß unter dieser Schuld die christlichsoziale Partei einfach verschwinden, vom' Schauplatz abtreten würde. Aber sie fordert weiter zum Kampf gegen die Juden auf, unverzagt wegen RaMbo u sek 's', unverzagt wegen der täglichen Enthüllungen Mer,andere Größen und Stützen der Christlichsozialen. Kaum ist ein Erzherzog als unerhörter Ausbeuter und Kriegs-, gewinner entlarvt, so folgt.die Nachricht, daß die Her-, zog in von Parma bei Nacht und Nebel Mer die schweizerische Grenze gehen und zwanzig Millionen Kronen mitnehmen wollte. Dabei passierte ihr das kleine Versehen, daß ihre Papiere nicht in Ordnung waren, wie sich der höfliche Berichterstatter ausdrückt. Es ist nun gewiß sehr schön, daß die Frau Herzogin Deutschösterreich verlassen töjill, nur von den zwanzig Millionen hätte sie etwas zurücklassen müssest. .Denn wenn man einen so verhängnisvollen Einfluß lauf die Politik ge-, nommen hat wie diese Dame, so darf man doch! dem durch eigene Schuld sinkenden Schiff nicht einfach den Rücken kehren, ohne wenigstens einen finanziellen Versuch zu einer Rettung zu unternehmen. Was hätten den die Antisemiten gesagt, wenn die hohe ^Fpau' eure Jüdin gewesen wäre? Wie der Fall über liegt, ist er ihnen sehr peinlich. Denn wie Man von einer Großmutter der russischen Revolution gesprochen hat, .so kann man die Herzogin von Parma wohl als die Mutter der christlichsozialen Partei bezeichnen. In ihren Salonsendeten die Fäden der christlichsozialen Herrschaft Mer Oesterreich und viele schwarzen Tränen wenden Mer ihre Schweizer Reise fließen. Präsident Hauser hat beim Neujahrs empfang der Journalisten eine Rede gehalten, in welcher er von einem! Abbau des Hasses sprach. Dias ist eine sehr schone Rede, wenn man bedenkt, daß er nicht nur Präsident des Staates ist, sondern auch der christlichsozialen Reichs- Partei. In letzterer Eigenschaft hat er reichliche Gelegenheit, den Abbau des' Hasses zu betreiben, namentlich des Hasses gegen die Juden. V könnte -vorläufig den Ausschluß des Herrn K u stscha k durchsetzen, welcher in der letzten Parteiversammlung eine offene Pogronfpede gehalten hat,'er könnte ferner den Doktor Jerzabek kalt stellen, der offenbar das Erbe dos Mechanikers Schneider angetreten hat und jede Gelegenheit benützt, um gegen die Juden in unerhörter Weise, auszutreten. Ferner könnte der Präsident Hauser im Rat-i. haus Ordnung schaffen, wo man auch vom Antisemitismus politisch lebt, und er könnte seiner Parteipresse gebieten, mit .ihrer judenfeindlichen Hetze aufzuhören. Aber das meinen die Christlichsozialen alles nicht. Sie wollen nur den Abbau das Hasses gegen ihre eigene mit Kriegsschuld belastete Partei,, damit diese bestehen bleiben und den Haß gegen die Juden weiter schüren kann. -i- * Neulich Haben zwei Herren mit jüdisch,klingendem Namen die KMnheit gehabt, sich in die Wiener Wvockatenliste eintragen zu lassen. Das gibt bunt1 christlichsozialen Hauptblatt Gelegenheit zu einer Notiz, zu Rufzeichen und hämischen Bemerkungen. Bei der gegenwärtigen Papiernot wäre jedoch besonders in dieser Zeitung der Raum viel nötiger für ganz andere Artikel. Dgs Blatt könnte sich nämlich bemühen, den ungeheuren Skandal zu beenden, den' das Verhalten seiner Gesinnungsgenosfen auf dem flachen Land bedeutet. Die christlichsozialen Bauern tun nämlich alles/ was! die Antisemiten den Juden vorwerfen. Unbarmherzig und prositwütig lassen sie Wien lieber verhungern, ehe sie auf den Schleichhandel verzichten. Das chriUichsoziäldeutschnationale Tirol sperrt sich hermetisch ebenso ab-

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