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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-10 · 2 (10.1.1919) · p. Seite 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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n □□noDDnaaöBnnnwciiir* M Za-rgangmvi Nr. 2 Dr. Bloch’s m, Zentralotgan für die gesamten Interessen des Judentums olluoooriisriririsllciociririuoaciLirrcilliiiollo^ o A. t. P«sks?ert»1s«»a«r 8 Clearins-BerKehr: 81O.S7S g ' g A«d<cktt»» bw» A»mintjkraNon: g Wie« g u/i, Prakerflratze 9 g Telephon, 48.830. j B oBDooHaupoamaaHBUBiuoDD □ --coo. .. Wien, 10. Jänner 1919 Erschein! jeden FreikR- Urief-Ntzrefse: Mken, H/l, Prakerstratze 9 Telezramm-Asreffe: Bloch's Wochenschrifk Wien. O HnnaoaoaDoacaannnaaaaaDanaoaaa □ □ a g Dezugspreis: g | Halbjährig 10 Kronen g § Ganzjährig 20 Kronen g g Einzelexemplare 50 Heller | g Anreisen: Sir 2m«i gespaltene g g Pelitzeile 60 Heller. S g □ □ □ aoDDaaDDaoaoDaaaBDBBDBaaBaaoaDO Inhalt: Leitartikel: Tschechen im Lichte der Wahrheit. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Pogromartikel in einer polnischen Amtszeltung. — Ein neues Zeugnis, daß die „Reichspost" die Verleumdungen glatt erfindet. — Eine umfassende Autonomie für Palästina. — Die amerikanisch-jüdische Delegation zum Friedenskongreß. — Fünf Millionen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer. — Unsere Gefangenen in Italien. — Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien. — Nationalität, Zionismus, Reform. — Schalom! — Korrespondenzen: Konstituierung des Kultusborstandes. —Die Orthodoxie für „Jischub-Erez-Jisroel". — Offizielle Vertretung der Juden beim Friedenskongreß. — Lord Reading, Mitglied des Friedenskongresses.,—- Das erste jüdische Schiff unler nationaler Flagge. — Nationalkongreß der Juden im tschecho-slowakischen Staate.— Vermischtes. — Feuilleton: „London" (Die Odessaer Börse). — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Tscheche* im Kchte drx W*tzrchrtt. Von Eduard Sinter. Den Abfall der Tschechen von Oesterreich haben die jeterogensten Elemente in gemeinsam^ Arbeit zwingend serbeigeführt. Auf dem politischen Böden Oesterreichs oütete ein verheerender Brand, die Staatsmänner waren »emüht, den Brand .zu löschen — gestatteten jedoch, dem 5euer unablässig neue Nahrung zuzuführen! Dieses unfiückselige Spiel dauerte Jahrzehntelang. Seit der Aera Laaffe. In Friedenszeiten konnte Noch „fortgewurstelt" »erden. Der Krieg hat die schwer reparablen Schäden rufgedeckt; doch unsere leitenden Staatsmänner per- ' keiften sich darauf, das Feuer löschen zu wollen — ohne »er Zufuhr neuen Brandstoffes Einhalt zu gebieten. .Es st der reaktionäre KurS, die. christlichsoziale Strömung, die alles Unheil hervorgebracht md die den alles zerstörenden Einfluß der sogerannten Alldeutschen geschaffen hat. Der deutsche Radikalismus mutzte zwingend den tschechischen Radialismus begünstigen. Die Pätentdeutschen im Abgeordretenhause hatten zur Devise: Kampf den Pfaffen, »en Tschechen und den Jude!n. Nun, mit den -Pfaffen" scheinen die Herren sich inzwischen ausgesöhnt u haben. Und diese Zügellose Tätigkeit war >ie Schöpferin. de>r weiteren tschechischen LspiratioN'en! Vor einiger Zeit widmete der „Pester Lloyd" dem Abgeordneten St,anek einen Artikel, dessen ^Inhalt, nsbesondere hinsichtlich der Charakteristik dieses. Abge- »rdneten, ganz unzutreffend war. Stanek wollte Gleichberechtigung, gleiches Recht für alle nach »en Grundsätzen deS Freisinns. Das war in Oestereich nicht zu erreichen. Die deutschen Abgeordneten sollten k einen Freisinn. Erzählte doch ein höh er cktwer Staatsfunktionär, gewesener Minister, dem Schreiber dieser Zeilen, er habe aus dem Munde eines hervsragenden deutschen Abgeordneten den Ausspruch gehört, das Deutschtum vertrüge sich nicht mit dem Liberalismus, „weil ja sonst auch für die tschechischen Kinder tschechische Schulen bewilligt werden mutzten". Und dieser Abgeordnete will ein freisinniger Mann genannt sein! Abgeordneter Stanek hat sein politisches Glaubensbekenntnis kurz vor Kriegsausbruch in einer Obmännerkonferenz klar und deutlich!abgelegt. Die Konferenz galt dem letzten Versuche, die Vertagung des Abgeordnetenhauses zu verhüten. Da erklärte der genannte Obmann des tschechischen Verbandes, er sei ein freisinniger Mann, er bekämpfe die Reaktion, wo er sie finde, er zerschlage dieses Abgeordnetenhaus, weil.esreaktionärist und weil die Reaktion Oesterreich zugrunde richten müsse. Sonderbarerweise haben die meisten-deutschen Zeitungen diesen Passus der Stanekschen Rede verschwiegen. Die klerikalen Tschechen sind damals unverweilt aus dem Klub Stanek ausgetreten. Ein wirklich freiheitliches Regime in Oesterreich hätte gezeigt, wie locker das Gefüge ist, welches die freisinnigen.und die reaktionären Slawen zusammenhält, es hätte gezeigt, datz in der Atmosphäre der Freiheit die Rationalitäten und Konfessionen in Oesterreich im Rahmen des Gesamtstaates ihre Rechte fmden können, ohne die Rechts anderer zu schädigen. Dann wären die Tschechen nicht genötigt gewesen, sich abzusondern und gleichsam ad oculos zu demonstrieren, datz der vorerwähnte Ausspruch des,Obmdnnes Stanek sehr ehrlich und aufrichtig gemeint war. Erzherzog Rainer sagte einmal, er sei ein zu -guter Katholik, um klerikal sein zu köbnen. Im tschechischen Staate wird, ist dort einmal volle Ordnung geschaffen, dieser Gedanke praktisch illustriert werden. Und im d eut sch ö st erreicht sch en Staate? Die Schöpfer der Maigesetze, die großen deutschen Männer, sind nicht mehr, die Männer mit dem heißen Verlangen, die Freiheit an den deutschenRamen zu knüpfen,sind tot und ihre Plätze haben Männer in Besitz genommen.

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