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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Dr. Gloch 2 -Lrtte S Nr. I Schärfe 'gegen ibie' eintzqlnerk ÄriegÄvucherer und Preistreiber'wenden die den jüdischen Namen schäENr. (ZuftiMtnung.) > Aus der erfassenden Statistik jedoch, welche die ,-OestierreichischiJsra.Mische Uniori" über b!e gerichtlichen.Astklagen -und Verurteilungen wegen Kriegswucher, .Preistreiberei -'und Kettenlhändel angelegt hat, geht,zur sEvidenz hervor, daß die Behaupturig der christlichfozialenjund deutfchnatiortallen Mntisejmiten, als ob die Juden Msschließlich oder auch nur vorwiegend an diesen aus -günstig Und IbleweiiM^ daß die Ausbeuter des Volles ,in Wahrheit ganz anderswo, von den unter starragrarischen Schichten bis hinauf zu den feudal-Meligeu Großgrundbesitzern, -ja Md noch höher hinaus zu dien -Angehörigen .einer übertrieben luxujriösen Hofhaltung- Zu jsüchen seien. Mdb'haster Beifall.) -Redner bespricht hierauf die Stellungnahme der „Oesterreichisch-Israelitische Union" gegenüber dem Auftreten >des JDischem iNationalrates-. Er verweist auf die diesbezügliche öffentliche Kundgebung des Vorstandes-der „jUiniort", welche auch |bc%i Staatvrate zur Kenntnis gebracht wurde,. und vü welcher bisher ohne jede Agitation ,m ehr als >10.000 Z u st i m m uNgserkl ä r u n-. gen aus allen Schichten hier Wien er Iah e-usch as t eingemufen find. Wir lbefinden uns mit dieser KundgevuhN in Doller 1le!berle;i>n>stimmung mit dem Verbände .dar traterösterreichischen --Knltusgemeiudeu und mit 5treisen, welche .innerhaD der lösterreichischen Judenschaft maßgebend .erscheinen. Wir halten daran fest, daß die-Judenheit jder 'ganzen Welt pfne Glauiä-elrtsgeMeiuschaft sei und sind, gN voller Rechtsgleichheit -mit allen arideren Staatsbürgern vcnt ibetm -Aufbau dieses Staates; und an seiner -Entwicklung -eifrig und hingebungsvoll, mirzuarbeiten. .Für ibie unsere Bürgerliche' Stellung im Staate werden wir auch weiterhin tznit aller Macht ckämpsenj, ohne InanspruchnahNre geistlicher Patronanz ohne lunsere Rap bin'er auf die politische Bühne^zu rufen. (Anhaltender Beifall.) Stürmischlbegrüßt, ergreift hierauf Staatsrat Doktor Julius jO.fner das! Wort. Er venveist zunächst darauf, unter,welchen furchtbaren ^Schwierigkeiten dev junge Freistaat -Deutschösterreich fein Dasein beginnen mußte. Es fehlt an allem Notwendigen: an Mehl, an Fleisch', an Kohle, an Kleidung, und es war vor allem erforderliche den -Ueiöergangz aus dem. ctlten Oesterreich! so zu gestalten, daß iG,ewalttätigVe'iLen und schwere Erschütteprmgen,'jeder Art vermiedest werden. Altes tragt den. Charakter,des Provisorischen, des Zeitweiligen, auch die Staatsregierung. Man darf sich nicht darüber täuschen, haß in der provisorischen gesletzgebeindeu Körperschaft des neuen StaaM tzwei große Parteien sitzen, welche reaktionär sgesiunt Jirtjbi und welche auf die Restauration, hinarbeiten. '.Bestand Und Entwicklung Deutsch österreichs alsfRepMik Werder: von hem Ausfall-der Mahlen fiir die' konstitirierende -Nationalversammlung abhäugen. Diese Wahlen sind hon grundlegender Wichtigkeit und Me Mderen Fragen müssen in diesem Augenblick 'hinter diese eine tzurückgesteklt werden. Judenhetze und Jnhienvjerfolgung. äoaren immer das Rüstzeug der Reaktion. Es ist unrichtig, zu glauben, daß die P o g r om e, welche in >den letzten WoclM stattgefunden haben, durch die! Demokratie sverschuWet worden sei. Sie waren Ausbruch e .des Klerikalismus, des alten Christenhasses gegen die -Juden, weil die Führer der Reaktion an all!en Orten es wohl empftt-den, daß die-Existenz des Judentums unaufilösli'ch .verknüpft list Mit dem Siege der Freih eit,und d er Gl eichhei t. (Lebhafter Beifatk.) Darwin stst der Platz der Jr^en hhi den bevorsteh eichet Wahlen mur auf L-eite der Demokratie, de,r ^strokratischen Gruppen. Es sei tief zu beklagen, daß das freiheitlicheDürgerLimr, wahrend alle anderen Parteien geschlossen in den Wahlkavips eintreten, noch immer .in verschiedene, -einander wisderstrebende Gruppen zerfallen fei. -Und ebenso!zu beklagen sei eis, daß gerade jetzt üt der Judenschaft durch den Gegensatz „Glaubensgenossenschaft oder Nationälgenosfenschast" -.eine tiefe Spaltung ein-getjreten '.sei. TMZN nach Helm nerrckr Wahlgesetze werden nur -solche Parteien in dier konstituier enden Natsoltal-' Versammlung «eine Vertretung finden, welche groß uust stark igdimg sind, um bei der Berechnung'des ProporzZr b-erjücksich:tigr iwerderr zu .können. Wenn zwei Gruppen der gleichen politifckM Wichtung da sind, so können sie nur -dann einen Vertreter Erlangen, wenn sie vereint für -eine Liste stiimjnM. Wenn sie getrennt kämpfen, sy müssen beide unterliege^. Für die Juden aber' rp *'5 v on t>er größten Bed en tung, daß 's 'ste langesichts ider vorhan denen und v oraussichtlich .noch weiter aNwachfenden antisemitisch enStrömungen wenigstens einen Vertreter in der gesetzgebenden Körperschaft ^erhalten, nicht, um Judendeöatten zu 'erregen, .sondern um Juderrdebatten zu verhübcn-7 fBeifal't.) Nach ,außen hin Müsse de'DH-alb d i-e jüdische Wählerschaft,geschlossen und einig auftr et en, mögen auch innerhalb derselben Meinungsverschiedenheiten ,und Megenfätze bestehen. Wir müssen unserp Stellung -in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft mit aller ä Kraft fand in voller Geschlossenheit verteidigen. Hier, wo unsere Urväter Großpätelr und Pater gelebt, -gestritten «und gelitten lh.äbe'n, hier Müssen .auch wir uns einfetzen üür die rmseres Erwetzches,. für die Erhaltung -unserer 'Rechte, für die vmte Gleichheit jedermanns, .der Menschenantlitz trägt — hier sind wir, hier jbleibKn w'iip, upd von diesem -uuserem ererbtenodcsn lassen wir uns durch niemand e n -verdrängen! '(Stürmischer, laug anhaltender -Beifall.) -Dr. O fn er bespricht hierauf den Gegensatz zwischen Men Anden, w/elche sich durch! die .Glaub ensgcm'eimschast iverbunden fühlen, und jenen, welche'im Judentum . eine -Nationalität -erblicken wollen. Er stellt zunächst -fest, daß.-die Bestrebustgen tzur Errichtung einer HeMstätbv in-Palästina -oder — wie .Zangwilt erklärte — auf sonst einem (Punkte (dieslErdballs, für diejetzrigeu Juden, welche ins ihren Kisherrgchr Wohnsitzen' durch »den Haß ihrer Umgebung jun'd durch dm Tiefstand ihrer Daseinsverhält--, nisse snscht Hänger §chtzn. könnenj, auf die U-llterstützung -aller 'Juden Rechnen können. Das "feil kein .Moments welches 'uns von fctn Ziolüsten trenne. Er ianerkenne auch das Verdienst der Zionisten, die jüdische Jugend um ssich igefamMelt und das Judentum mit kräftig mU fiependem Vlnt erfüllt tzn hüben. Auch das. sei ke('n Punkt, 'der uns trenne. Zwei Dinge -aber müssen den Jüdischnationalen tzum Vorwurf -gemacht werden. 'Vor alketzn,'haß sie in die Judenschaft.eine Mtmoslphäro des Hasses hineingetragen haben, daß sie gegen alle Juden, ..welche nicht auf dem gleichen Standpunkte stehen, leidenschaftliche chn-d gehässige. Anwürfe erheben, die sich oft -ins 'Persönliche steigern. 'D-d Verantwortung vafüx trage 'nicht die ^Fügend. Das Boroeicht der Jugend sei das Temperament, bis leidenschaftliche Erhitzung für Ideen;oder guch nur für Schlagworte. Die Schuld t r effe d ie Fjsthr-er die r B ew egun g, welche NM zu-oft peirgessen!, daß fie als Juden wieder nur Juden gegenüberstehen. Der zweite Vorwurf, der erhoben werden müsse, liege darin, daß nAn die 'Juden zu Fremdlingen an her eigenen Heimat machen

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