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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Nr. 1 Tkr. Bloch's Wochenschrift An und für sich enthalten. die obigen.Sätze noch kern unbedingt abfällig^ Arteil Wer Wesen und Art der Juden, ihr Inhalt ist; jedoch durch die tendenziöse Verbrämung und gehässige Umrahmung, welche ihnen von dem antisemitischen Blatte verliehen wird, zweifellos als Tadel gemeint, lleberdies ist die erwähnte For-. Mutierung als Prämisse für den logischen Schluß gedacht: „Es gebe keine deutschen Juden mehr!", zugleich aber als Motiv für eine Judenhaß unter dem Schlagwort: „Heraus mit den Juden aus den deutsche österreichischen Räten!" ' Es sei zunächst gestattet, zu 'der ad 1. und 2. berührten konfessionellen und nationalen . Frage § einige Worte zu bemerken. Der Umstand, datz bislang das konfessionelle Moment im' Judentum so stark betont und überall, namentlich bei offiziösen Anlassen, geflissentlich herausgestrichen wurde, daß vom nationalen Judentum kaum noch ein Hauch zu verspüren war, ward verhängnisvoll für die Juden, die ja nicht geschlossen, sondern zerstreut unter Böllern zu leben genötigt sind, für welche das Pochen auf das nationale Moment immer und Werall zu einem dringenden Gebot der Moral und Ehre erhoben wurde. Was kann es angesichts solcher Sachlage nützen, sich gegen den Zeitgeist hermetisch abzuschtietzen und unter völliger ZurüSdrängung des aus Heiliger Schrift, Tradition und Geschichte zu 'uns so Laut herüberrufenden national-jüdischen Geistes, durch die gesetzlich berufenen Repräsentanten immer wieder ver- Lnden zu lassen, die Juden seien keine national^ sondern lediglich eine konfessionelle Gemeinschaft? Wenn der Deutsche, Pole, Franzose als Abkömmling und Zugehöriger zuM deutschen, polnischen, französischen Volke gleichsam mit. dem nationalen Elemente im Blute geboren wird, so Wollen die zur Repräsentanz berufenen Juden Noch iMmer den Anschein erwecken, als passe.dies alles für die Juden nicht, diese könnten Mit dem' Konfessionellen ihr Auslangen finden. Es entspricht daher gleichsam einem Naturgesetz, wenn der langjährigen gründlichen Unterdrückung des.Nationaljudentums dieses nunmehr mit elementarer Gewalt wieder erwacht und das nationale Moment auch in Matzgebenden Kreisen zur Hauptsache gemacht «<e-en »ill. ' Enthalten die oben ad 1. und 2. angeführten Leitsätze Richtiges, so Mutz die ad 3. aufgestellte Behauptung, es sei „Gier nach Eigentum' und Macht eine Vollsergenschaft" der Juden, in dieser Generalisierung entschieden aVgelehnt werden; und die weitere Behauptung, der Glaube schon verspreche deM Juden „die Weltherrschaft, die er zu einem! großen Teile schon, verwirk- Kcht sieht," erscheint geradezu als eine bewußte. infaMe ' Insinuation. Hier läßt das verhetzende Blatt die heuchlerische Maske fallen und arbeitet mit bewutzter Geschichtsfällchung. Der „arische" Autor der in Frage kommenden Notiz .will durch die' Einbeziehung des jüdischen Glaubens in die Sphäre weltlicher Polemik auf die von den Propheten verkündete erhabene Mission der Juden in der Weltgeschichte anspielen. Datz diese Mission nur in rem geistigen' Sinne aufzufaffen ist und datz sie in der Lehre gipfelt, alle Nationen Mögen sich die göttliche Moral, die ethischen Tugenden der Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Unterdrückung jeder sozialen Anbill. Reinigung der Herzen auf Kosten eines äußerlichen formalenOpferkultus, die Verbrüderung der Menschen im Zeichen des von Zion ausgehenden geistigen' Lichtes und eines ewigen Friedens der Völler zueigen machen, das dürfte dem „arischen" Autor der apodiktisch formulierten Leitsätze gewitz auch nicht fremd gewesen sein» was ihn jedoch keinesfalls hindert, die Juden als Prätendenten einer politischen Weltherrschaft im annerionLstischen Sinne hmzustellen. Auch der Judenhatz ist bemüht. dem Zuge der Zeit zu folgen. In Tagen, da Märchen von Ritualmorden mit ad hoc präparierten Beweisen nicht mehr verfangen, suchen sie in ihrer stockfinsteren Rüstkammer nach moderneren Waffen, um' gegen die Juden loszuziehen.- In Zeiten der sozialen Revolutionen und demokratischen Umwälzungen modernisieren auch diese dunklen Mächte ihre Angriffsmittel, indem sie die Schlag- und Zugworte: „Freiheit und Gleichheit!" als Losung mißbrauchen, um die Juden als Gegner beider blotzzustellen und ihnen als angeblich weltliche Annexionisten und machtgierige, antisoziale Elemente bei den übrigen zivilisierten Böllern jeden Kredit zu rauben. Das wird ihnen sicherlich nicht gelingen, vorausgesetzt, datz wir Juden Unserseits, als nackensteife nationale Juden stets wachsam' — die schäbigen Lästerer gehörig - in die Schranken zurückweisen. Dr.^EdMünd Altstädter.(Wien). „Oefterreichisch-ZsraeLstische Urrion". Für Sonntag Herr 22. Dezember, vormittags', hatte die '„Oestierveichischj-Kfraelitischie Union;" in den großen Saal sd es jJngeüieur-sUnd Architektenvereins! eine Vereinß-- vlersamMlung 'zur 'Besprechung des Themas:. „D e u t s chö sterreich und die bevorstehenden Wahlen" einberufen. Mer Saal (war vvn Angehörigen des' Wischen;Mittelstiaudes, darunter auch zahlreiche Frauen, dicht -gefüllt >,-Die jüdischnationale Partei hatte unter Führung tder ' 'Herren .DL. Bruno von Pollack und Dr. Plaschkes eine Anlzahl jugendlicher 'Anhärrger eütsendet, welche den Rang der Diskussion wiederholt durch leidenschaftliche'Zwischleinrufe Und Zknschenreden %n stören vierfuchten, svon der Dersjckm'MlUng jedoch immer wieder energisch izur Muhe pchwieseN wurden. Vizepräsident iDr. Orn stein eröffnete die Versammlung mit der Grklärunjgj, daß, die „Oesterreichisch!- Jsrealitische Union" nach viereinhalbjähriger furch'tbarer Kriegsnot ihre Verfammlungstätigkeit wieder ausnehme. Während des Krieges! war die Veranstaltung von Versammlungen snicht imöglichj, weil schwere Sorge auf allen Weinütern tastete Und well das freie Wort durchs eine 'drakonische Zensur beschränkt war. Die „Union" hat aber in,dieser schweren Zell rastlos und unablässig svrtgeaMeitteh ufo .'die staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu schützen, die -Ehre des GchaMtjudentums und einzelner - Inder/ gegen alle igehässigenUAngriffe zu wahren und die Waffen zu Schmieden Zur Verteidigung gegm den von unsere,u. Rognern sschon seit tangeM angellMdigten verschärften.. ,antisemitischen Feldzug, d!er nuu Zweifellos bei den bevorstehenden 'Wahlen Wzr die Mertretungskörper b>er neuen -Republik beginnen werde. Medner verweist Zur KennzseichnuNg sdes iStjandpunkteH -wGhen die --/Union" wähnend /der IKriegDZjeit chn-g'MoMmchr' habe, aus d,a^ Schreiben, welche der Vorstand unmittelbar nach, dejm iHmsantritte des'. sJusti^miNisters Dr. 'Klein an diesen gerichtet Ihat. sJir diefetm Schreiben wird jüd'e Art von Kriegswucher Und iPreistreKrstei, mag sie von Juden oder!Christen gusgehenj, auf das schärfste verurteilt-und die wolle Anwendung des Strafgesetzes', dagegen verlangt. Es 'wird Uber (auch gefordert daß die Äexfolgun^ dieser Verbrechen keine einseitige sei, daß sie sgegen'jedermann ohne Unterffchied des Standes und des Glaubens geübt werde. Me'öhaster Peifall.) Auf diesem Standpunkte stehen wir Mch heute noch und wir haben es wiederholt aus- . gesprochenidaß die Wische Gesamtheit sich! nnt allelr

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