Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022355--27451-3052868
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Cdte 7 «r. 1 Dr. Bloch'S Wocheuschrift Haben die verehrten jüngsten Proponenten es gut und ehrlich mit der Hebung des Tempäbesuches gemeint, so mögen sie auf die musikalische Unterhaltung der Tempelsnobs, die bloß drei Tage im Jahre hinkommen, verzichten, mögen ernste erzieherische Arbeit leisten (die nicht leicht ist), mögen die Lehrergehalte verdoppeln, um bessere Lehrer zu bekonlmen, mögen die alte Ehedermethode, hebräisch aus der Bibel zu lernen, anfgeben und moderne Konversationsbücher einführen, mögen, anstatt die Jugend anzuöden, durch tüchtige Lehrer erbauen aus dem Buche des Rafael Hirsch „lieber die Pflichten Israels", aus Gesetz „Geschichte der Juden" und vor allem allwöchentlich durch eine scharffindige, alt und jung freuende, den jüdischen Verstand schärfende Auslegung des Wochenabschnittes. _ Ingenieur Josef Lazarus. Der Trost! des Pfaktmslen. Es ist beinahe zum 1oeu8 eommuvis geworden, daß der Weltkrieg eine vielfache Umwertung unserer Urteile herbeigeführt habe, daß er uns gelehrt, vieles zu verbrennen, was wir bisher verehrt, und zu verehren, was wir bisnun verbrannt haben. Auch in religiösen Dingen hat er .die Gegensätze verschärft, indem! er einerseits ^manchen oberflächlichen Gläubigen in einkn vertieften Mystiker oder verzückten Ekstatiker verwandelte, oder anderseits aus manchem! -noch schwankenden Skeptiker einen blasphemischen Gottesleugner gemacht bat. Im allgemeinen Haben in den schrecklichen Wechselfällen des Krieges die einst so beliebten „Tröstungen der Religion" meist versagt und in manchem! einst frommen G,emüte anstatt Aufrichtung und Erbauung die lästerliche biblische Frage ausgelöst: „Erwache, warum'schläfst du, o Gott?" Trotzdem wird ein schlichtes, aus dem tiefen Herzensgründe hervorguillendes Wort zur rechten Zeit und am rechten Ort ermutigend und während der jetzigen allgemeinen .Hungerkur Züm ..Durckbalten" (auch dieses einst so vräanannte Wort hat an Kurswert allerdings viel eingebüßt!) anspornend wirken. Ein solches enthält das jüdische Tischgebet: ,-Iung war ich, und bin alt geworden^ und n i e sah ich einen Frommen verlassen und dessen Kinder Brot suchen. Gott wird seinem' Volke Kraft verleihen, und er wird mit einem' Frieden segnen!" Jos. Fr—k. Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien Bei der Jsr. Allianz in Wien, II., Untere Donaustraße 33, find folgende Spenden eingegangen. III. Liste (bis 30. Dezember 1918). „Der Abend", Sammlung je K 100.—: A. Winkler, Schwechat, Josef und Minna Gleicher, Edmund Löwy, Direktor Egmont H. Pollak, Herm. Hamlisch, Battelau, Dr. Kohn und Dr. Weiß, Sanatorium Rekawinkel, M. M. Adele Wertheimber, zusammen Dr. Defider Friedmann je K 50.— : Viktor Buxbaum, Bethausverein „Machsike Hadath", Wien, Judengasfe, weitere Spende, Dr. Siegm. Adler, Sam. Z. Deutscher, Laura Schnek, H. Reif zusammen Sammlung durch Nathan Engelberg je K 40.—: Dr. Otto Zeisel, Dr. Theodor Müller, N. Weigl, Lundenburg zusammen je K 20.—: Fritz und Jenny Blüh, Emil Bock, Gewitsch, N. Kmunke zusammen M. M. Dr. Hrdlitschka, Brünn Feldwebel Pächter und Frau je K 10.—: N. Paschkes, Niko^sburg, E. F. Marie Heister, Chrast bei Chrudim, Henriette Frey Brünn, Moritz Abeles, Pröllersdors, Jakob Bittermann, Strakonitz, Josef Deutsch, Nabagedl zusammen je K 8.92 (oder Mark 5.—): M. Meiseles, Berlin, I. Brunner, Berlin, R. Jacoby, Berlin, M. Meiseles, Berlin, S. Meiseles, Berlin zusammen X 145.48 800- 60. 300- 47. 120. 60- 18. 15- 12. 70 — 45.60 Bereits ausgewiesen K 284.507.04 „ 51173140 Gesamtsumme K 796238.44 Weitere Beiträge werden vom Bureau der Jsr. Allianz in Wien, II., Untere Donaustraße 33, Postsparkassenkonto 8152, sowie durch Einzahlung auf Konto der Jsr. Allianz bei der Credit-Anstalt, beim Wiener Bank-Verein oder bei der A n g l o - O e st e r r e i ch i s ch e n B a n ff dankend in Empfang genommen. Bei der „Wochenschrift" eingelaufen: Je X 200 von Tobias und Regine Weingast, Wien, II., Jsak Präger, Wien II., C. Weißmann, Wien, II., je X 20. von Karl v. Engel, Wien, XIX., Max Rosner, Brünn, zusammen X 640. Judiska Föreningen, Stockholm X 200.000.— „Neue Freie Presse" (Sammlung des Abg. Reitzes, III. Rate) „ 25.000.— „Agudath Israel" in der Schweiz durch Herrn Bernhard Hofbauer, Wien (Zürich X 20.000, Basel 5.000.) „ 25.000.— Jsr. Kultusgemeinde Jägerndorf X 5.000 und X 4.000 zusammen „ 9.000.— Alexander Popper Freiherr von Podhragy „ 8.000.— Sammlung der Kultusgemeinde Budweis (zugleich für Holleschau) „ 4.000.— Israelitische Kultusgemeinde Graz h 3.500.— Israelitische Kultusgemeinde Karlsbad „ 2.000.— Direktor Alexander Weiner „ 2.000.— Infolge des Aufrufes des Herrn Abg. Reitzes weiter eingegangen (für Lemberg) „ 815.— Sammlung der isr. Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau „ 786.80 Sammlung der isr. Kultusgemeinde Teltsch durch Herrn Hahn . „ ' 665.— Leopold Pollack Freiherr von Parnegg „ 600.— Sammlung des Tempelvereines VIII. Bezirk der Städt Wien (Tempelspenden) „ 446.16 Familie Jfidor Redlich, Bad Ischl „ 300.— Direktor Siegmund Jchenhäuser „ 300.— Alfred Kohn „ 200 — Herr und Frau Dr. Adolf Stein „ 200.— Urrre SchlaKMsrlr dsr Das neue Wahlprogramm her christlichsozialen Partei Deutschösterreichs in der „Weihnachtsbotschaft" („Reichspost", 25. Dez.) von 1918 enthält in. bezug auf Juden den Passus: „Als eigene Nation anerkannt, sollen die Juden ihre Selbstbestimmung haben,' die Herren des deutschen Volkes dürfen sie aber nicht sein." Daß auf diesem Wege eine Schmälerung der bürgerlichen Rechte der Juden erreicht werden wolle, konnte man aus manchen.früheren Enunziationen entnehmen. Das Montagsblatt „Wiener Neueste Nachrichten" vom 11. November 4913 brachte unter der Aeberschrift „Deutschösterreich und das Judentum" einen mit.„Ein Arier" gezeichneten Aufsatz, welcher unter anderem folgende drei Leitsätze Mthielt: 1. Der Jude ist nicht nur konfessionell, sondern in der Hauptsache national. Es ist ein Beweis dessen, daß viele von ihnen religionslos doch Juden bleiben. 3. Der Jude ist nicht international! Er ist der radikalste Rationalist, denn sonst hätte er nicht 2000 Jahre seine Reinrassigkeit bewahrt. Er ist Nationalist und nur über die ganze Erde verbreitet. 3. Der Jude ist nie Sozialist! Er ist der fanatischeste Verteidiger des Besitzes und der Macht. Die Gier nach Eigentum und Macht ist eine Bolkseigenschaft von ihm. Sein Glaube verspricht ihm die Weltherrschaft, die er. zu einem großen Teil schon verwirklicht sieht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.