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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 1 Sev» 6 Dr. Bloch's Wochenschrift tigung der Juden in Rumänien Sorge zu tragen. Wilson erwiderte Hieraus mit einem Brief folgenden Inhaltes: „Ich habe die Dringlichkeit der. Frage, auf die Sie meine Aufmerksamkeit gelenkt haben, in Erwägung getrogen und ich werde auf der bevorstehenden Friedenskonferenz sie ernstlich behandeln." Eine gemeinsame Unterschhungskommiffion der Juden und Molen Amerikas'. Dem Jüdischen Pretzbureau in Stockholm wird aus London telegraphiert: Das polnische Nationalkomitee in Newyork veröffentlichte eine Erklärung, in der es die Nachrichten über die Pogrome zu leugnen sucht. In der Erklärung wird auch vorgeschlagen, datz aus der Mitte der Juden und Polen Amerikas eine gemeinsame Untersuchungskommission nach Polen und Galizien abgesendet werden soll. Auf diese Erklärung erwiderte Julian Mack, der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas, und Louis Marshall, der Vorsitzende des American Jewish Committee, datz die Wahrheit über die polnischen Pogrome bereits erwiesen sei und datz sie den Vorschlag zur Entsendung einer gemeinsamen Untersuchungskommission annehmen. __ Eine gemeinsame Dematche der skandinavischen Regierungen. Dem Jüdischen Pretzbureau in Stockholm wird aus Christiania gemeldet: Auf die Anfrage von Casb erg in der Throndebatte des norwegischen Parlaments, ob die norwegische Regierung gegen die entsetzlichen Judenpogrome in Polen zu protestieren gedenke, antwortete der Autzenminister, datz die Regierung den Dorschlag der schwebischen und dänischen Regierung, einen gemeinsamen Protest zu richten, angenommen habe, und datz ein solcher Protest auch abgesandt worden sei. _ Der Prvtkst d er Mrenden norwegischen Persönlichkeiten Mer Parteirichtungen. Dem Jüdischen Pretzburegu in Stockholm wird aus Christiania gemeldet: Die Herren Arel Grün und Gittelsen richteten durch die Vermittlung des norwegischen Autzenministeriums einen telegraphischen Appell an die englische und französische Regierung und baten int Namen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, den entsetzlichen Judenmetzeleien in Polen und Galizien so schnell als möglich ein Ende zu machen. Der Appell war mitunterzeichnet von matzgebenden Persönlichkeiten aller norwegischen politischen Parteien, u. a. trug er folgende Unterschriften: Mowinckel^ Storthmgspräsident, Casberg, Vorsitzender des Odelthrngs (Gesetzausschutz des Parlamentes), Carl Jeppefen, Vorsitzender der Stadtverwaltung von.Christiania, B u en, Vorsitzender der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion, Bürgermeister A r c a t ä n d o r, Haakon L ö k e n. Vizevorsitzender der norwegischen Friedensvereinigung, und Bischof Tandberg. _ Die wirklichen Preistreiber. Aus dem Bezirks-Volksabsschutz. In der Vollsitzung wurde auf das entschiedenste das Vorgehen deS Herrn Opalka, Bäckermeisters in Wall.-Meseritsch, verurtellt, welcher einen Meterzentner Korn für 600 K. und — wenn dasselbe in Silbermünzen bezahlt-wurde — für 400 K. verkaufte. Er wurde deshäW Mfgefordert, sein ganzes Silbergeld dem tfchechv-flowakischen Staatsschätze abzuführen und einen Meterzentner Korn zum Marrmalpreise von 60 K. zu verrechnen. Ferner hat derselbe zugunsten des' Mafaryk-Fonds.für die Waisen der gefallenen Legionäre beim' Bezirts-Nationalausschutz den Betrag von 200 K. zu erlegen. Sollte er diesen gelinden Bedingungen nicht entsprechen, wird sein Vorgehen der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht. Gleicheitig werden alle Bürger, welche durch übertriebene Preise beim Eetreideankaufe ausgesaugt wurden, aufgefotdert, dies zur Anzeige zu bringen. („Noviny z pod Radhoste" vom 21. Dez. 1918.) Orgel- und jüdischer Gottesdienst. Bon Zeit zur Zeit werden Dilettantenstimmen laut, die mit der Orgel Abstinenzler in den Tempel locken wollen. Daß dieses Resultat mit der Orgel nicht gelingen kann, liegt auf der Hand. Ebenso, daß die Orgel den Tempel eher leer — als voll macht. Wer «keine Zeit" hat, Samstag in den Tempel zu gehen, der wird wegen der Orgel sich sicherlich keine. Zeit hiezu nehmen. Hingegen ist sicher, daß die Orgel die frommen Samstag-Besucher verletzen, dem Tempel vertreiben und den Synagogen zuführen wird. Wenn an den hohen Feiertagen manche Orgeltempel voll sind, so sind sie eS nicht w e g e n der Orgel, sondern trotz der Orgel, weil die Tradition der hohen Feiertage bei manchen noch wurzelt, die den Samstag nicht feiern. Daß diese aber das Musaphgebet kaum zu Ende hören und schon nach der Kebuschah den Tempel verlassen, ist wieder ein Beweis der geringen Werbewirkung der Orgel auf solche, die nicht fromm sind. Damit diese drei Tage im Jahre eine Musikftunde im Tempel angenehm verbringen, Ist nicht Begründung genug, um fromme Tempelgeher, die jeden Samstag im Tempel beten, zu verletzen und ans dem Tempel zu verscheuchen. Lobenswert ist bloß der Vorsatz, ein Werbemittel für den Tempel zu finden. Dies ist aber entschieden nicht die Musik und am wenigsten die an Samstagen und Feiertagen, verbotene Instrumentalmusik. Werbend wirkt für diejenigen, die nicht mitbeten können, bloß die Predigt. Zweck des Gotteshauses ist das Studium der Thora. Ich spreche aus Erfahrung, denn es ist mir gelungen, einen leer gewordenen Tempel (in Fiume) wieder zu füllen, indem ich Anregung gab, daß jeden Samstags über den vorgelesenen Thoraabschnitt, eine Predigt gehalten würde." ...5' f,; Man wollte mich übertrumpfen und hat die Orgel eingeführt. Sofort trat eine Spaltung der Gemeinde ein. Der sabbathaltende Teil, der das ganze Jahr hindurch den Tempel füllte, verließ denselben und zog in die Synagoge. Orgeltempel sind bloß drei Tage im Jahre voll. Tempel ohne Orgel funktionieren das ganze Jahr hindurch. Das gründlichste Werbemittel für den Tenlpel wäre die Einführung eines modernen hebräischen Sprachbuches (nach der Berlitz-, Toussaint-Langenscheid-, Ollendorf- oder Ahn-Metdode) in unseren Mittelschulen, damit die Schüler das Hebräische als lebende Konversationssprache erlernen und, mit beten können. Solange wir Griechisch aus dem Homer, französisch aus dem Voltair oder Hebräisch aus der Bibel lernen wollen und moderne Lehrbücher verschmähen, machen wir die Religionsstunde zu einem „choisik", wie der Feldwebel, der seine Soldaten auf dem Sande mit Schwimmübungen plagte, weil das Kriegsministerium Schwimmunterricht anbefohlen hatte, im Orte aber kein Teich war. Bis nicht eine hebräischsprechende Generation am Geländer moderner Konversationsbücher (die ich oben nannte) herangewachsen, müssen wir mit allwöchentlicher Auslegung der Thora durch die Predigt die Frommen zu erbauen und die Bildungsfähigen anzuziehen trachten. Wegen Musik wird keiner einen Umweg machen, um in den Tempel zu -gehen, die fromme Gemeinde wird, aber sicherlich den Tempel verlassen.' Die Orgel wird niemanden für den Tempel werben. Es wäre unverzeihlich, daß wegen des Vergnügens der wenigen die dreimal im Jahre in den Tempel gehen, ein religiöser Vorstoß geschehe, der ein Vakuum erzeugt. - Der Vorschlag, mit der Orgel den Tempelbesuch zu heben, ist sicherlich, gut gemeint aber absolut dilettantisch. Dilettantisch auch vom musikalischen Standpunkte aus, denn die Orgel eignet sich bloß für epische Musik. Orientalische Religionen sind aber lyrisch. Meyerbeer und Felix Mendelssohn- Bart h o l d y dürsten von Musik mehr, verstanden haben als unsere heutigen verehrten Orgelproponenten. Beide Musiker hielten es für unmöglich, lyrisch-jüdischen Gottesdienst mit kalter, .epischer Orgelbegleitung zu paaren. Heine, der ein außerordentlich ästhetisches-Empfinden hatte, drückte Lies auf seine burleske Weise aus, die Orgeltöne wären dem Ewigen — wie Schweinegrunzen. Damit wollte er die große Spannung bezeichnen, die zwischen lyrisch e m und epischem, zwischen einem orientalischen und einem westlichen Ritus .besteht. Einen Orientalen soll es beim Orgelspiel kalt überlaufen. Führen wird die Orgel im Tempel ein — so wird es den Inden in der Kirche anheimeln.

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