Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4. Dr. B!r-ch'S mit ihm W Weisen;. . . an weißg^eckten Tischen Haßen 300 'Soldaten ... Ich verglich das Geschehene mit der Wiener Pessachäktion und der Vergleich fiel zugunsten der 5. Armee uns." — W^en dieses Satzes hat D!r. Franko furter seinen Kollegien, den Dir. Deut sch-durch den Oberstleutnant Zorzy beünl 5. ArmeekomMändo llmgezeigt und dessen strenge .Bestrasun^ verlangt, weil er „gegen die BestiMmunjAN des Dienstregllements" den Bericht, ohne ihn vorher der zuständigen Behörde (seilicet Dr. Frankfurter) vorgelegt zu haben, veröffentlicht, habe, und weil er durch diesen' ArtiLl die voM „hohen Kriegsministerium initiierte und nrit 'großen Kosten durchgeführte Pessachäktion in den Augen der Oeffentlichkeit hevcchgewurdigt habe". ' Ein Herr M, der von dieser Sache erfahren hatte,, hat dem Dr. Frankfurter nachher.den Gruß nicht erwidert. Gefragt, waruhr', sagte Herr W., das geschehe wegen seines Vorgehens gegen Dr. Deutsch, das keine Privatsache, sondern eine öffeirtlichHüdische Angelegenheit sei, urch daß Man Mit dem Herrn „Rabbiner" nach dmr Kriege noch zn sprühen haben weche. Daraufhin sagte dieser Herr Oberkommandant -aller Feldrabbiner: „Nach dem Kri^e werdet Ihr euch mit mir nicht ibeschäftigen können, 'da ich nicht mehr Zivilist; werde. Ich bleibe beim Militär." Es scheint also wirklich-, daß er Feldmarschall der SeÄsorge zn werden hoffte. Aber dieser vermaledeite Miede! . . . j? Weiters: Eines Tages laichte beim Militärkommando Prag eine Anzeche unseres Herrn Feldxabbiners »gegen den damaligen Miter der Mischen Militärseelsorge jit Prag Dr. Leo Singer wegen irgendeines Subsidiär- Feldrabbiners ein. Ta fügte der Prager M i l i t ä r k o Mmandant -zu Dr. Singer:'' „Es ist ein Sk.au-' dah^daß, ein Feldrabbiner se-inen Kollegen wegen einer solchen Bagatelle bei der .Be? Horde denunzierte." Schließlich sei noch folgende charakteristische Kleinigkeit von diesem! Herrn mitgeteilt: Die Leiche eines an der russischen Front gefallenen Kadettasviranten, O. S.. wird nach Wien »überfuhrt. Unser Herr „Feldrabbiner^ wird zu der mit militärischen Ehren zu erfolgeirden Beisetzung von der Militärbehörde designiert. Der Vater ' des Gefallenen Whh' in die Kanzlei am' Frieidhof, nm dem Herrn Rabbiner die Information für dien Nachruf p g-efot, daß der junge Marsch .als einziger seiner Schule sich freiwillig zur Front gemeldet habe, mit ausdrücklicher, wiederholter Betonung, daß er dies zur Ehre des geschmähten Judentums We; daß er von den Kommandanten wiederholt belobt wurde und die silberne Dapferkeitsmedaille erhalten! habe, und daß er bei einem GMnangriff, w,ahrend seine Kompagnie (Wiener Sch.-M. 24) zurüjckslntete, mit dem Muse: „Vorwärts, -ihr feigen Kerle!" vorstürMte und, ins Herz getroffen, niederftel, u. dgl. noch. Zum höchsten Erstaunen des tief gebeugten- Vaters sagte ihm Hieraus der Herr Feldrabbiner: „Das kostet 50 Kronen; jedoch wenn Sie mehr gesprochen haben wollen. . Der Vater hieraus: „Ich danke Ihnen; das genügt mir." Und der Rabbiner nahm hie 50 K. —- Nun, .abgesehen vom in jede'M Menschlichen-und jüdischen Sinne Horrend eu der Sache -sei noch dabei — und dies' gilt nicht rmr von diesen 50 Kr. — für unseren strammen Feldmilitär aus eine Stelle in. der Taschenausgabe der Militärvorschriften, Dienstvorschrift für die Militärgeistlichkeit voM Jahre 1904, ~§ 13, hingewiesen, wo es heißt: „Im Felde .(Kriege) entfällt jede Stolagebühr." Die. freiwillige Zahlung ist daher nichts anderes als ein Trinkgeld uitö honnt disqualifizierender Natur. Damit vorläufig genug von diesem Edelmann. Er wareine Zierde des, alten Systems und paßte wunderbar in seine Korruption. Nun. Mag dieser tüchtige und robuste Mann feine. Trauungsgebühren nehmen und schleunigst aus der.Gesellschaft sich selbst achtender Menschen verschwinden. Eilen Sie, Herr Feldrabbiner! Vom Zakrmarkt des Lebens. Glosse» z«r Iazesgeschichte. Arrtisemitevspreßel. Das freisinnige Bürgertum .bei uns kann man wohl besser und kürzer als Angstineiertum bezeichnen. Was sich diese Herren und ihre Führer von den Christlichsozialen alles gefallen lassen, ist einfach unerhört. Da sind zum Beispiel einige Bezirkskommissionen aufgelöst worden, damit die Sozialdemokraten eine Verstärkung ihrer Mandate in diesen Kommissionen bekomme. Auf wessen Kosten geht-, diese Vermehrung? Ausschließlich auf Rechinung der Freisinnigen, die sich nach mühseligen und aufgeregten Wahlen einfach nach Hause'schicken lassen wie Schulknaben. Auf einen lahmen Protest im Gemeinderat antwortete der Bürgermeister hochmütig und abweisend, und damit war die Sache erledigt, statt daß sie einen Sturm der Empörung oder doch wenigstens — seien wir bescheiden — eine schneidige Antwort in mehreren Versammlungen Lei den Freisinnigen hervorgerufen hätte. Das ist wohl eine traurige Politik. Rings um die Fahne des Freisinns wohnt noch immer das Volk der Phäaten, statt einer tatkräftigen und fleißigen 'Gesellschaft. Jetzt ist aber der Augenblick gekommen, in welchem man sich mit Wucht auf die sündenbeladene und morsche christlichsoziale Partei werfen muß. Jetzt im Kriege hat sich wohl gezeigt, welchen Fluch ihr Wirken auf unseren ganzen Staat aus geübt hat. - In die Reihen der Christkichsozialen gehören alle die Führer des alten Sy-. stems, die uns zugrunde regiert haben. Die hohen Offiziere, die hohen Würdenträger, deren Unfähigkeit und Schande vor aller Welt offenbar wurde, waren christlichsozial. Die Großagrarier, deren Führer das berüch-- tigte Wort gesprochen hat: „Die serbischen Ochsen sind uns gefährlicher, als die serbischen Soldaten!", biefev schamlosen Wucherer, die den Krieg hervorgerusen und während seiner Dauer die Bevölkerung bis zum Verhungern ausgeplündert haben, sind bis.zum letzten Mann Säulen und Stützen des -christlichsozialen Regimes. Die Bauern alle, welche zur Bereicherung die Gesetze umgingen und ihre Vorräte lieber den Tieren gajben, als den Menschen,, sind geschworene Christlichsoziale. Die Masse der Wiener Gewerbskeute und Händler, die Wirte und Fleischhauer, diese Armee von rücksichtslosen Schleichhändlern, waren alle christlichsoziale Parteigänger. Die berühmten Anhänger des Gottes Nimm, die im Kriege wahre Orgien gefeiert haben, sind alle m der christliche sozialen Partei zu finden. Wer ist denn dieser Bürgermeister Dr. W e i s k i r chn er, der im Vertrauen auf die endlose Vergeßlichkeit der Wiener noch immer amtiert? Welche Verdienste hat er denn aüfzuweisen, daß man sich noch immer nicht an ihn herantraut? Bevor er sich entschloß, das Erbe Luegers endlich anzutreten, nachdem er als Kandidat für die Ministerpräsidentschaft durchges,allen war,' fungierte er als Handelsminister. Als Handelsminister hat<9r in Budapest jenen denkwürdigen Vertrag unterschrieben^ der Oesterreich und Wien in die Hände!der ungarischen Agrarier gab und die Einfuhr, argentinischer Lebensmittel aussperrte. Als Bürgermeister hat er jene bekannte Rede gehalten, in welcher er die leitenden Kreise zum Losschlagen ermutigte. Als- Oberhaupt der Stadt hat er es versäumt, die Bevölkerung mit dem Nötigsten