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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 1 / Lck. Blach'S Wochenschrift Sette 3 schützte, geht aus: folgender Notiz hetoor, welche in unserem Bfatte vom Zensor unterdrückt wurde: Aendeningen im Feldseelsorgekopps.' Unter dieser Spitzmarke schreibt „Egyenköseg" in feiner Nummer £22 foom 9. (Juni 1917, >Sjeite 12. '/Mus dem Budapester israeli-' tischen Aekdseelsorgeamte mmrbe dessen letzter Leiter David Freudiger de (Obuda an die Jsonzofront transferiert. Sein Nachfolger ist noch (nicht designiert. Die Mitglieder dieses Amtes sind jetzt: »Jakob Hosstnann, Dberrabbiner in Radautz (Bukowina), Feldrabbiner, und Dr. Nikolaus Pen er, Religionsprofessor in Budapest, Feldrabbiner. Dr. Emanuel H a v a s - Hirschfeld, Feldrabbiner^ der im -Wiener israelitischen Feldseelsorgeamte tätig war, wurde gleichfalls an die Front geschickt, an seine Stelle wurde der Pester Religionsprofessor Dr. (Ludwig Lun einberusen. . Ferner wurde zum St. Pöltener Feldseelsorgeamte der Erftkujoarer Oberrabbiner ,Dr. (Samuel (Klein einberufen Das sind em wenig zu viel Aenderungen auf einmal. In den Transferierungen und Einberufungen, durch welche eine Anzähl ungarischer Rabbiner dem Schauplatze ihrer bisherigen Wirksamkeit entzogen wurde, kann ein Prinzip nicht entdeckt werden, Hingegen spricht der Schein wohl dafür, Latz die -ungarischen Rabbiner, (unb besonders diese, nicht ganz ohne Tendenz hin- und Hergeworfen werden. Dies kann nur dadurch erklärt werden, datz Has Kriegsministerium keinen solchen Informator hat, der die Dienstverhältnisse (und Gebundenheit der ungarischen Rabbiner' ennt und (das Kriegsministerium darüber zu informieren in der Lage wäre. 'Zu dem Forum, welches gegenwärtig die Informationen besorgt, (kann (man ein Vertrauen nicht haben. Man müßte -mit energischen und entschiedenen Schritten dessen auf die ungaris^n Verhältnisse geübte (Jngerenz unmöglich machen und dahin wirken, daß die Angelegenheiten der ungarischen Feldrabbiner durch Jnterfoention eines tzu errichtenden ungarisch-jüdischen Feldrabbinates geführt werden." i i . ZuM besseren Verständnis der Sache mutz inan nun wissen, datz die Militärzensur solche Notizen wie die vorgehende der zuständigen Fachabteilung zur Begutachtung vorlegt. Der Artikel des ungarischen Blattes wurde also der Kompagnie Zorzy-Frankfurter überstellt und diese veranlatzte seine Unterdrückung. Es sollte niemand in der Oeffentlichkeit etwas über ihre schöne Wirksamkeit erfahren.. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner theologischen Minderwertigkeit- und der Unzulänglichkeit seiner hebräischen und deutschen Sprachkenntnisse behandelte er im amtlichen Verkehr die wissenschaftlich tüchtigen Rabbiner wie im guten alten Oesterreich ein Korporal seine Rekruten. Dieser seltsame „Feldrabbiner" in Wien leistete sich aber noch andere Stückchen, die nicht der Vergessenheit anheimfallen dürfen. , Ueber eine schäbige Denunz'iation armer jüdischer w erwundeter Soldaten liegt ein Dokument von seiner eigenen Hand vor, das er im Uebermut unserem Blatte selbst einschickte! Diese Soldaten hatten unserem Blatte die BMte um Mische Lektüre übermittelt und wir veröffentlichten diesen ' Appell. Weder die Soldaten noch wir wußten, daß das . eine Angelegenheit des Dr. Frankfurter sei. Wahrscheinlich wutzte es dieser selbst nicht, denn er 'hätte doch sonst die jüdische Lektüre besorgen, müssen. Oder er wutzte es doch und hatte für die Erfüllung seiner Pflichten keine * Zeit, weil er zuviele Trauungen gegen Gebühren vorzunehMen hatte. Jedenfalls versäumte er es nicht, den armen jüdischen verwundeten Soldaten für ihre Bitte uM jüdische Lektüre eine schwere Strafe zuzuziehen und schickte uns darüber noch höhnisch folgendes Dokument: v Abschrift. j i »An (das (Kommando des k. u. k. Reservespitals Nr. 18, Mein 28. 'Juli 1916 l! Der Unterzeichnete Leiter (der k. u. k. Israelitischen Militärseel- 'sorge in Mien erlaubt sich das Kommando auf eine Notiz in der ,„Öesterreichischen .Wochenschrift" '.((Nr. 30 vom 28. Juli 1916. Tide Beilage) aufmerksam zu machen. Diese Nottz, die den Bestimmungen des Dienstreglements für das k. u. k. Heer, A—10, a. 1. Abschnitt, § 7, Punkt 48, zuwiderläuftzt ist zweifellos ohne Erlaubnis 'des dorttgen Kommandos erschienen. Ein diesbezügliches Ansuchen der jüdischen Soldaten an di» Milftärseelforge (würde genügt haben MV das Bedürfnis nach Lektitte wäre befriedigt worden. . Da diese Mitte an die (Oeffentlichkeit geeignet ist, den Eindruck zu («ftoecken, als ob die k. u. k. Israelitische MilMrseelsorge in Wien ftch um die religiösen und geistigen -Interessen der Mischen Soldaten nicht kümmere, wird dh. gebeten, eine Untersuchung einzuleiten und den Schreiber, bezw. den geistigen Urheber der Nottz auf das strengste zur Verantwortung zu ziehen. . i Es wird gebeten, über das Ergebnis der Untersuchung anher zu berichten. Feldrabbiner Dr. Frankfurter in. p. An die geehrte Redaktion der ..Oesterreichischen Wochenschrift", Wien. Vorstehende Abschrift wird der Redaktion zur freundlichen Kenntnisnahme mit dem Ersuchen übermittelt, im Interesse der Beteiligten in Hinkunft in allen die Militärseelsorge betteffenden Angelegenheiten vorerst 'das Einvernehmen mil der MililLr>eet>orge zu pflegen .Wien,den 28. Juli 1916. Feldrabbiner Dr. Frankfurter m. p. Noch hatte der robuste, gesunde Trauungsfeldrabbiner' des Hinterlandes nicht genug m Heldentaten gegen Juden. Er benutzte sogar die wildesten Antisemiten zur Stärkung seiner Stellung. In einem unbewachten Moment liefe die Zensur einen Artikel unseres Blattes passieren, der bis heute unwidersprochen blieb und wohl das schwerste besagt, das Man einem Feldrabbiner nachsagen kann. AM 18. Mai 1917 wiesen wir Dr. Frankfurter mtt höchster Wahrscheinlichkeit folgenden Tatbestand nach: . . . * .; 1 , Der „Pester Lloyd" hatte einen Artikel über den Tod des höchst angesehenen 53fahrigen Feldrabbiners KeleMen veröffentlicht, der von einer Granate getötet worden sei. Dieser Bericht wurde in der „Wochenschrfft" nachgedruckt. Darauf bekamen wir die vertrauliche Mitteilung, Dr. Frankfurter habe sich geäutzert, es käme eine Untersuchung gegen unser Blatt, denn der Gericht über Kelemen sei nicht wahr. Mir warteten furchtlos, aber es käM keine Untersuchung, vielmehr folgende schreckliche Tatsache: Die „Reichs post" brachte unter wütenden antisemitischen Ausfällen einen Artikel über Feldrabbiner KeleMen, der nicht gefallen, sondern den Kriegsstrapazen erlegen sei. Wer hat der „Reichspost" das Material gegen den 53 jährigen Mann geliefert, um den sein Regiments seine Stadt und viele Gemeinden trauerten. Wir schrieben damals offen, daß das eine Heldentat Frankfurters sei, der sich von dem Vorwurf befreien wollte, alte Rabbiner an. der Front zu opfern und selbst in Wien zu bleiben. . Der Artikel Hatte für unser Blatt Folgen, von denen man nicht weitz, ob man über.sie lachen oder sich empören soll. Ein Rabbiner schreibt uns nämlich wöttlich: „Zwei bis drei Wochen vormeinem Abschied vom Militär erhielt ich vom Wiener Kriegsministerium einen Erlatz folgenden Inhalts: „Ihre veröffentlichten wissenschaftlichen Arbetten, die Sie stets zur' Einsicht eingesandt haben, werden zur Kenntnis genommen. Jedoch wird Ihnen verbtzken, in der Zukunft Ihre wissenschaftlichen Arbeiten in „Dr. Bloch's Wo chenschrift" zu veröffentlichen." — Ich war mehr als stutzig. „Dr. Block/s Wochenschrift" hat nie gegen die gewesene Regierung geschrieben und . meine Arbeiten waren rein wissenschaftlich. Zuletzt fiel mir aber das Richtige ein: In dem Ministerialverbot steckt die Stimme Dr. Frankfurters, dem einst Ihr Blatt öffentlich die Wahrheit sagte." Ein wetterer Fall. Dr. Ernst Deütfch, der während der Pessach-Galbs eiertage 5676 von der Wiener Militärseelforae Kur 5. Armee versetzt wurde, veröffentlichte einen Bericht (über die Pessachtage im! FeWe. Darin hieft es: „...( WoN - einer Synagoge oder jüdischen (GÄneinde keine Spur... erfuhr ich erst durch einen glücklichen Zufall, daß hiep noch ein zweiter Feidrcchbiner eingeteilt ist: .Aron David Deutsch aus Ungarn. Er lud "mich fremchlÄh ein.

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