Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022355--27446-3052863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

mite 2 Är. 1 begreifen, daß so ein Volt, das nur iM Nomen der Menschlichkeit und Lev lWlWk-eit ,aus der Hand ,anderer die ivolitidbe lUitriMmwönilrfek üfä' M^cbevk erbält. burtfii Gin sonderbarer Feldrabdiner. Die UMrfebe Dv. MqnMrtersj. LvKianmHWe WapA HLirch wKHnder Giüvalt in sohhchn Motze .seine Unreife zur vollen Selbständigkeit und seine iUnwürdigkeit Mwiderleglich beweist. Ein Beispiel für sehr viele solle hier konkret angegeben werden. In Brzozow, einer westgalizischen, rem Poükisch-Ämsurischen Stadt, dem Sitze einer BezirkshaiA-mannschaft, -sind dis Juden zweimal, am ,3. GN' -29. -November-, von ortsansässigen Kleinbürgern und Bauern.der Mygebüng, zlMs sehr wohlhabende Leute, gvündlich ausgeraubt und geschlagen worden. Es gab Mch Tote. 'So wurde g.' .V. ,auf die zwei Brüder Ortner geschossen;, hon welchen einer starb, lwährerch der «andere schwer verwundet dasrnicherliegt. Die Orts-- Miliz ' mch hie. Mm. „Schutze" ,der Bevölkerung gekommenen Legionäre Drangsalieren insbesondere Frauen und Mädchen, welche zur Leistung von Frondiensten, W>assertragen,iKartoffelsch^älen n. dgl. gezwungen werden. . Mn'-Freitag, den 1-3. ^Mmber brachtesman -einige Fuhren Kartoffel.für die Ljegionäue, da trieben sie nur die angesehensten hüdischM Hürger hurter Schlägen zum Heruntea^- ßolenjder MrtvW, z, B. auch! das MitglW des Kultusrates StMlitz, welchjer speziell mit'Stößen und Schlägen' bedacht..wurde, den stebAgjährigen' Eh. L Scherf, H. Cha- N-elH, "S. AeAenmann, sowie den Schüler der achten Ghimnasialklasse -Trachtnürnn. Der Platz-„Kommandant" hätte die -Stirn- -eiwer Frauayt-eputation, welche zu ihm' Mklammen war, weil - die njoch> „freichn" Männer sich nicht aus die Gaffe trautest, zü erklären, das wäre keine «mtWmitische -PropäWicha, sondern eine Antwort. $üp dasjenige, -was ßni Mjawa-lRuska und in Lemberg (8ie!) geschehen 'ist Selbst chas abgernstgsne „Versprechen", die Auswahl der Fronarbeiter in Hinkunst der Kultus^ gemeinde M Merlassen, 'würde" auch nicht gehalten. ' So wurden Devests saM 15. Dchember die Bürger B. Grün-, barg -und M. Wff aus' WtzSysietnica zum W,affertraMr -gezwungen. ,MN W^IDeWmber trieb man hier jwiederurst Mehrere -Leute Mm? KartoffelschMech u. a. die Bjüjrger Dj. jWolstnänu, M. Scherf, G. Spjindler sowie Fraupn und iMidchen. s Me säuische Mr-austünkeit führt noch obendrein den RahrungMoykott rücksichtslos durch. Die ihrer Hab und Gut beraubte Wische Bevölkerung wird selbst am EM kaufe der ünenltLLhrlichsten Lebensmittel unter Schlägen -und'Kolbenstötzen perhind'ert. Die bäuerliche Bevölkerung wird!mit -Gewalt -dcwon abgeh altenbei einem Juden teiWutreten. \— Ble-zeichnend ist, daß es nicht einmal der-» sucht wird, hiese MNeinett WeÄrechen mit irgendwelchen ökonomischen Mhnden der JMn M begründen, wias ja hei seiner Landwirtschaft tseibenden Bevölkerung, welche die Werste -Butter jaus dem K-opffe-und in der Kammer hat, mur gllzü Negreiflich' ist. Auchhaben die Juden, welche 'bloß ungpfähir Heu viertes Dell der Ortsbevölker-nng wusmächenzweimal so viel Ditze im Kriege (beim Militär), als die gesamte W'rige polnische Bevölkerung^ i ' ' Die tDWe Und IWubser treGen jetzt mit den."gp? raubten Waren -öffentlich. — natürlichungestraft urch ungehirckert — - die gemeinste Preistreiberei Mrs Schachtel iZürdhölAel $. B. mit 60 Heller usw. Das -sind hie letzten Nachrichten aus! diesem unglückseligen '.Städtchen. ‘ , Das 'Gewissen der gesamten zivilisiert-enMelt muß sich auflehnen ge Mn solche unmenschliche, raffiniert grausame Barbarei. Wiein diesem SMtchen, so ergeht es in vielen anderen. Wielen Zehntausenden droht einfach der jämmerlichste Tod durch Hunger, Entbehrungen, KranHeiteN iUnd Mend. Die Welt darf M diesen Schandtaten nicht schweigen. Die drei Merkmale lüs unselig.verkrachten österreichischen Militarismus, und feiner Helfershelfer: Ilnsähigkeit, Korruption und schamlose WillUr,. kamen auch auf dem kleinen Gebiet der ist, Militärseelso.rge kratz in Erscheinung. _; Wir hatten ja wiederholt Gelegenheit, uns mit dem Gebaren des famosen „Feld"rabbmers Dr. Frankfurter zu befassen, welcher beim. Wiener Kriegsministerium als Vertrauensmann und Berater eines gewissen Oberstleutnants Zorzy fungierte. Dem Oberstleutnant Zorzy war die gesamte nichtkatho.lische Seelsorge unrerstellt und Dr. Frankfurter leitete die Mische Abteilung. Wenn wir oben sagten, er sei „Feldrabbiner" gewesen, so ist darunter absolut nicht zu. verstehen, datz er Rabbiner gewesen ist oder das Recht hat, sich so zu nennen. Er ist irgendwo, in einem. Vereinstemp.el als Rabbinerersatz tätig. - In Wirklichkeit hat er das Wiener Seminar verlassen, ohne sich dem lästigen Zwang einer Rabbinatsprüfung zu unterwerfen. Es mangelte ihm die Befugnis zur Vornahme von Trauungen, was . wir ganz besonders unterstreichen wollen. AIS der Krieg jedoch eine Weile gedauert hatte, tauchte der junge, gesunde, körperlich und Moralisch robuste Dr. Frankfurter plötzlich als.„Feldrabbiner" für — Wien >auf. Wieso es kaM, daß Dir. Fr an kfurtejr bei dem' Oberstlt. Zorzy, 'demiReferestLen'Mr m«h.tWho-' lische Seelsorge, so. allmächtigen und -unbedingten Einflutz ausüben konnte, lätzt sich leider nicht feststellen, sondern nur vermuten. Sicher ist es, datz Dr. Frankfurter sehr viel Geld verdiente. Er nahm nämlich auch ohne Berechtigung massenhaft Trauungen vor, na- . tütlich. nur gegeni höhe. „Gebühren". Da er nun dasiRecht. . zur Vornahme von Trauungen nicht besatz, kann es ganz gut kommen,, datz dje unter seiner Obhut geschlossenen Ehen als ungesetzlich erkannt und Verwicklungen ghne Ende hervorgerufen werden. Wie'sehr sich der „Feldrabbiner" ohne Rabbinat auf seinen vorgesetztm Oberstleutnant Zorzy verlassen konnte, geht wohl aM besten aus der Tatsache hervor, datz auch alle Dienstbestimmungen Nr alle Rabbiner durch seine Hand gingen. Wahrend der gesunde junge Mann in Wien satz und gegen hohe Gebühren üngesetzflich Trauungen vornahm. Mutzten auf sein Geheitz zahlreiche alte und kränkliche Mische Seelsorger M die Front gehen und dort ihre Funktionen versehen, während ihre heimischen Gemeinden in die grötzte Verlegenheit kamen. Da halfen weder Erörterungen in der Presse noch persönliche Vorstellungen bei militärischen Stellen. Die edle ,Kompagnie Frankfurter-Zorzy arbeitete mit rücksichtsloser, unverschämter 'Genauigkeit. Aus den Angriffen in der Mischen Presse, die entsetzt darüber klagte, datz alte und kranke Rabbiner von Dr. Frankfurter zum Militärdienst an die Front geschickt wurden, wurde einfach ein weitzer Fleck und die Akten, in welchen von berufener Seite aus die Wirksamkeit Frankfurters hingewiesen wurde, verschwanden spurlos.und ohne Erledigung bis zuM heutigen Tage^! Die Kompagnie Frankfurter-Zorzy blieb unzerstörbar. Ihre Zusammenstellung und Wirksamkeit erscheint noch seltsamer, wenn man weitz, datz vor dem Krieg der bekannte Rabbiner Dr. Abeles als Wiener .Feldrabbiner in Funktion war. Er wurde jedoch trotz seiner Kränklichkeit jns Feld geschickt und in Wien übernahm' der sogenannte Rabbiner .Frankfurter Mit beiden Hänsoen hie,Mitun^. -Dias war nur der Anfang: Bald kchn' eine -Anzahl Derer '.Rabbiner daran und wnüde an die Front Dirigiert. * , Wie der faMose Feldrabbiner gegen die wirklichen Rabbiner wütete und dabei sich selbst durch die Zensur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.