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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-27 · 51 (27.12.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
51 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 826 Lr. Bloch's Wochenschrift Nr. bl zwangsw eise assimilieren wvMn. Wer dag eg,ein wiedersetzen sich die Juden) wseil sie Me nationale Eigenart nicht ausg eben wollen. Jir keinestt Hände hat der Antisemitismus solche fürchterliche Formen angenommen wie in Polen. Schulen und Kirchen, seDst die Behörden Hetzen die Bevölkerung gegen die Juden auf. Diese systematischen Hetzen haben zu den Pogromen geführt, die Mit den raffiniertesten Grausamkeiten verbunden waren. Wenn nicht schnell eingegriffen werden wirdwerden noch schliMmere Dinge geschehen. Die Polen suchen die Ausschreitungen durch, die Behauptung zu rechtfertigen, daß die Juden Bolfchewiki sing. Aber nur wenige Juden haben sich dem Bolschewismus angeschlossen, die Behauptung hat Nur den Zweck) die öffentliche Meinung gegen die Juden zu beeinflussen. Die Juden .appellieren jetzt an die Kulturwelt. Jedes polnische Dementi wrrd' durch zahlreiche Berichte von allen Seiten widerlegt. Holland kann und muß etwas tun. Mau beruft sich immer auf die Souveränität eines StgatH ulst einen Protest zu verweigern. Wer glücklicherweise esthebt sich Wer die Souveränität der Staaten der Mernationale Gedanke. Eine Kommission umß eingesetzt werden, damit man in erster Linie weiß, was geschehen ist. Ein Protest hätte nur dm Sinn, wenn hinter ihm genügende Macht stünde. Don allen Seiten, von jüdischer und selbst von polnischer, wird 'eine Untersuchung gefordert. Auch, die englische Regierung verlangt -Beweise, um die Polen ernstlich strafen zu können. Polen darf die Pflicht nicht vernachlässige,l, die jeder Staat auf sich, nehmen muß. Holland hat die Aufgabe, die.Pogrome auf der Friedenskonferenz zur Sprache zu bringest Wer ein Protest schon in'diesem Augenblicke würde neue Missetaten verhindern." Der Minister für lauswärtige Angelegenheiten van Karnebeel sagte iU seiner Antwort: ,-Aks Mensch stehe ich ganz an der Seife des Herrn van Kol, aber: es ist fraglich) obi sich die Mache für mich als Minister der längeren Politik Hollands in gleicher Weise darstellt. Holland unterhalt mit der polnischen Regierung weder offizielle noch faktische Beziehungen, weswegen ich schon darum nichts unternehmen 'kann. Holland Muß vorsichtig sein, in die iUneven Angelegenheiten eines' anderen Staates einzngreifett. Doch ist es.selbstverständlich, daß ich auch, >als Minister den Pogromen in Galizien Mht gleichgüsiig gegenlüberstzehe. Die Geschehnisse in feneM Hände haben die Aufinerrsamkeit der anderen Regierungen aus sich gelenkt und es ist nicht unmöglich, daß durch! diese . Maßregeln getroffen werden, die neuen Ausschreitungen Vorbeugen werden, waswir .alle sicherlich Mnschen." Senator van Kol erwiderter „Ich bin von der Er- Wrung des Mmistersl in keiner 'Werse befriedigt. Daß leine offiziellen Beziehungen zwischen unserem Lande urch Polen bestehen, wird 'Holland vor dein Dingreifen nicht zurückhalten. Darf es zweierlei Morale geben? Dürfen andere Gesetze von Ehre und Sittlichkeit für den Staatsmann gelten als für die anderen Menschen? Unser Minffter ist in einchst anderen 'Falle mutiger 'aufgetreten. . HW er nicht in unserem' Lande eine Person zugelassen, die von vielen Dausenden «als einer der grössten Verbrecher der Welt betrachtet wird, was viele als eine für Holland, führ gefährliche Handlung betrachten? Und da handelte es sich bloß um' eine Person — und die uns in eine gefährliche Situation brachte, während wir hier, vhne befürchten zu müssen, uns mit irgendeiner Macht in Gegensatz zu bringen, davor zurückscheuen, um durch unser Eingreifen vielen Menschen das Heben zu retten und bau Greueln in Galizien eiu Ende zu bereiten. — Ich! bedauere, daß unser Minister nicht mehr moralischen Mut besitzt und untätig den Greueln Ansehen will. M bleibt ein trauriges Zeugnis der Zeit, daß wir heute von iernem'Minister eines in diesem den Mut hat, ein kräftiges Mort zu sprechen, eiste > edle Tat dem Dienste dies Rechtes autjbi per Menschlichkeit. .M verrichten." > Senator van E mb den griff nach! van Kost das Wort und führte aus: „Es ist Mir peinlichdaßman hier gegen so unmenschliche Meueltateü eine sto UW) reservierte und gleichgültige Haltung einnimwt, daß Man offenbar hier nicht begreift, daß im .Augenblicke die Menschheit ßanach strebt, ,eine neue glücklichere Periode mit mehr moralischem' Zusammenhang der ' Staaten zu b eginnen. Begreift ßstan 'Pas' Wesen unserep Zeit so wenig, daß Man nickst begreift, daß auch unser 'Land. sichszur glücklicheren. Zeit den Weg ebnen kann, wenn es seine Pflichten gegenüber anderen Völkern fühlt und erfüllt. Ist denn die Forderung des Herrn van Kol wirklich so unbescheiden und so unvorsichtig, daß sie hier nicht. geäußert werden darf? Greuel, welche die Menschheit' und ihre Moral beleidigen) find niemals, und heute sicherlich nicht, die istneren Angelegenheiten der betreffenden Staaten. Wenn die polnische Regierung ,dekretieren würde, daß! diese Gräueltaten '.eine innere Angelegenheit Polens sind, dann würde ich verlangen, daß in diesem Falle Holland ein! „eigenes' Interesse" betonen und erklärt werden würde: Wir hatten doch bisher keine Be-» ziehungen mit den pvlnischen Biehörden, wohlan, wenn Pogrome jene Machen! finddie nur Polen allein angeht, dann ist ejs eine. interne Angelegenheit Hollands und eine Sache unserer Wjujrdewenn unser Ersuchen 'um Untersuchung und Bestrafung abjgewiesen werden, mit einem derartigen Staate, der demnach nicht zu den zivilisierten Staaten gerechnet werden darf,' keine Beziehungen zu suchen und herzustelten." Menator Henri P o l a k führte aus: Es gibt iM Osten . nnserers Weltteiles! stoch jein Dolk, ein Christenvolk, das ebensoviel, wenst nicht mehr, von Verfolgungssucht Me die Juden in Osteuropa zu leidjen hatten. Ich Meine Idäs armenische Volk, das mast verfolgen uiid ^ausrotten ließ auf eine Weise) füjp die Man keine Worte hat. Niemand hat diesen Schandtaten durch kräftiges Eingreifen «ein Ende bereitet, Mast ließ sich imwer durch die verwünschte Erwägung der sogestannten Hohen Politik zurückhallen nstd nun sehen wir dlasfekbe bezüglich der Juden in-lGM-, zien. Wem: man nicht stark und. Mächtig genug ist) Idie Faust für das Recht zu erheben)' fo MieMt es sich, daß Man zumindest seine Stimme .gegen das Unrecht erhebr. Ich wäre schon völlig jzufriedest gewiesen, wenn' der 'Minister gesagt hätte, ich bin ohnmächtig, Ktwas' zu 'tun, nicht bloß als Mensch) sondern so wie 'ich als 'Minister hier im Saale stehe,schließe mich Der dem Proteste >des Herrn van'Kol gegen die Schmtdtaten, die gegen die Menschen meiner >Rjasfe in lPölen begangen worden, an. Nach Herrn vast KM Mklärten die Senatoren van Wich en-Coliijn, üatzf sie wohl 'für eine Protestresolukion gegen die Pogrome ist Polen 'stimmeniaber eine Untersuchungskommission nicht für opportun halten. Minister van Karrebeek, der dank wieder das Wort nahm, erklärte, ^auch als' Minister steh^ er den Ereignissen in Galizien gleichgültig gegenüber. Schon vor einiger Zeit war er vom Staäksvat'Oppenheim gebeten worden. Und wenn ich! von >ausländischen Regierungen sprach,, die schon .etwas getan! Wen, so erhellt,daraus) daß 'ich mich,t untätig geblieben bin. Wsts die Forderung des Herrn , pan K o l um eine Untersuchungskommission betrifft, so muß Holland einige Vorsicht Men. Der 'Herr van Ko l, der dann wiederum das Wort ergriff, schlug eine Resolution vor, worin! der Senat seiner Ab schien gegen 'die . 'Ustmenschlichkerben, welche an Juden in Galizien .bck-' gangen wurden, und! der Hoffnung Ausdruck gibt, -daß die Regierung sichj vergewissern wird, ob die Untsrsnchung durch Vertreter der neutralen Wnder von der betreffenden Regierung verlangt und angenommen wird- und bejahen-

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