Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 51 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 824 Dr. GWMs Wochenschrift Nr. 51 leugnet sich nicht unser Herz, dar jüdische Herz, welcher schmerzhaft zuckt — außer der rein menschlichen Empfindung — wenn an Juden, wo immer es sei, Mord und Todschlag verübt wrrd, Wetters die Pietät, die uns gegenüber der tiefen Glauvenstreue unserer Vorfahren erfüllt, dann, der unzweifelhaft jüdische Familiensinn, und last not least die Unmöglichkeit, daß ein logisch denkender Jude" aus dem Judentum scheiden könne, wett der Abfall aus angeblicher Ueberzeugung eme Unwahrheit und aus anderen Gründen eine Schmach ist. S. Ortony, Wien, I., Zelinkagasst 5. ZÄM Bisroe! SfchWchM, Wien, 2, Bezirk, Gr. Schiffgasse 8. Angesichts der Bestrebungen, die Grundlage der Organisation der Äudenschaft völlig umzugestalten, geben die Unterzeichneten Verlierer der glaubenstreuen Budeuschaft Wiens nachfolgende Erklärung ab: „Durch unsere Abstammung, durch unsere mehrtausendjährige Geschichte.und insbesondere durch unsere heilige Religion sind mix Juden eine allen anderen Böllern gegenüber geschlossene Volksgemeinschaft, zu der wir treu und unerschütterlich stehen. Diese Tatsache ist uns. felbftverständlich und unbestreitbar, dag wir es nicht nötig erachten; Las besonders zu betonen. Wir leben hier im Staate Deutschösterreichs, dessen treue pnd hingebmde Bürger wir Buden sind und sein wollen; und dementsprechend verlangen wir als solche den vollen, gläd>:u und durch nichts beschränken Genuß aller Staatsbürger rechte unmittelbar für jeden einzelnen. Keine Körper schüft hat, ohne hiezu beauftragt zu , säu, das R echt, im Namen des g efain Le n Budentumes das Wort zu führen - ober für dasselbe Forderungen zu. stellen. Die glaub eustreue (orthodore) Budenschaft war währerdo der zweitausendjährigen Goluszeit ^Zerstreuung) allein die Trägerin und Erhalterin des Budentumes und wird es auch weiter stets bleiben. Wir verlangen daher, daß bei allen Vorarbeiten für die Neugesftlltung der Kultusgemeinde die von uns namhaft gemachten Vertreter beigezogen werden (ähnlich wie bei den Vorbereitungen für das G.-U. über die Regelung d. Rechtsverb. d. B. vom <B. 1890). Wir verlängern daß bei der Umgestaltung der Kul- Lusgemeinde die brrechtrgten Forderungen der glaub enstreuen (orthodoTen) Buden die volle Berücksichtigung finden, indem ihnen der angemessene Teil der von ihnen geleisteten Abgaben rückvergütet wird und das Recht der selbständigen Besorgung aller ihrer religiösen Bedürfnisse, wie Schechitah, Mikwah usw., insbesondere hie Regelung und 'Beaufsichtigung ihres Religionsunterrichtes in allen Stufen eingeräumt wird. Die.Vereine: Adas Bisroel, 2. Bezirk, Er. Schiffgasse 8. Smes Weschulaum, 2. Bezirk, Gr. 'Schiffgasse 24. Bsr. Kranken-Unterstützungsverein, 2. Bezirk, Kleine Schiffgasse 8. Eumnas Aves, 14. Bezirk, Storchengasse 21. Verein zur Unterstützung jüd. Kleingewerbetreibende, 2. B^irk, Malzgasse 1. Machsike Hadas, 4. Bezirk, Wiebner Hauptstr. 83. . Talmud Thora, 2. Bezirk, Malzgasse 16. Ohel Abraham, 9. Bezirk, Grünetorgasse 28. Marve Lanefesch, 2. Bezirk, Glockengasse 4. Ose Thesed, 2. Bezirk, SchiffmnLsgasse 5. Bethausverein, 6. Bezirk, Stumpergasse 42. Thora Gz Chaim, 2. Bezirk, Gr. Schiffgasse 8. Verein zur Wahrung der orth. Interessen, 1. Bezirk." Dom Jahrmarkt des Lebens; Kkoffm zur TagesgeschichLe. OMns Die Juden. , Wien ist bekanint als Theaterstadt und Liefe Be-- deutung wird sich in Znlllnft noch Verstärken. Denn die' ihrer politischen Geltung beraubte Stadt wird alles hervor!) eben und verstärken Müssen, was ihr wirtschaftliches^ Leben und ihre Anziehungskraft auf die Welt untersticht. Daher wird es keine Frage, daß man auchdie Theater za nur er stützen hat, damit sie die fetzige schwere Zeit Merstehen können. Es ist wohl wahr, dast wegen der KohlenitoT die Schulen geschlossen werden mußten und die Haushaltungen arg KU leiden haben. Abgesehen aber von der wirtschaftlichen und künstlerischen Bedeutung der Theater, handelt es sich M zehntausende von Existenzen, die mir ihrem Betrieb KusamNienhängen und deren Heransschleudem auf das Pflaster eine Grausamkeit und eine derzeit sehr große Gefahr bedeuten ward e. Bon diesem Standpunkt ans kann man noch iurmer über die Frage streiten, ob die Zeitweilige Oeffnung der Theater ein Fehler oder eine' Mrwendigteit ist. Eewiß aber ist das Rathaus! der Ort, wo man eine besou.ers gewissenhafte Entscheidung suchen, müßte. Denn es handelt sich um' eine Lebensfrage des Zukünftigen..Wien, welche aber nicht ohne Rücksicht aus die gegenwärtigqn'' Lebeussragen der Bevölkerung gelöst werden kann. 'Der christlichsoziale Referent äst Zum Salomo geivorden, dem Zwei streitende .Parteien ihr Kind Hinhalten. Es wäre natürlich zu erwarten^ daß der Salomo sein Urteil nach gewissenhafter Prüfung fällt, daß er die Statistikheranzieht, Rundfragen veranstaltet und Fachleute referieren läßt.- « . : ’ _ . Da kennt man aber den christlichsozialen Salomo schlecht. Er braucht weiter die Statistik noch Fachieillch sondern er hat das Urteil fertig 'in seilrem eigenen-Kopf oder vielmehr in seinem Gefühl nn^ schmettert es den Parteien mit aller Kraft seiner Ueverzeugung auf den, Tisch. Bei einer Versammlung der Schau spie, ec tarn nun dieses' frisch-fröhliche Urteil' an die Oefsentlichkeit. Der christlichsoziale Referent der Gerneinde arllwprtete nämtich der Lldordnung der Theaterleute nicht etwa,, ec 'bedauere aus höheren Rücksichten ihre Wünsche nicht er-> füllen zu könnest, sondern viel, viel einfacher. Er sagte ihnen, die .Gemeinde' werde nicht für die zeitweilige Oeffnung der .Theater eintreten. Denn, die Direktoren der Theater wären Juden, ebenso die Autoren, die Komponisten, und wogen der reichen Juden, die ins Theater gehen, werde man gewiß nichts tun. Ist das nicht ausgezeichnet? Es mag ja sein, daß unter den Direktoren, Darstellern und Autoren sowie unter den -Besuchem der vielen Wiener.Bühnen mehr oder weniger Juden Vorkommen, aber hoffentlich äst es kein fluchwürdiges jMisches Verbrechen, sich für das Theater mehr zu intecessierÄl als für die Weinkeller. Für den .RathauZgewaltitzien scheint die dramatische Kiteratuc .überhaupt nur eine jü-> dische Erfindung Zn sein, bei welcher nach einem berühmt gewordenen. Ausspruch „ein Jud' die Büchel vom Mderqn äbschreibt". Es ist offenbar ein tollkühnes Verlangen, von der .chrisllichsozialen Rathausmajorität für eine solche orientalische Sache Unterstützung zu verlangen. Wer schon durchaus für'Go eche, Schiller und andere Jüden-? liberale Interesse hat, der soll sich aus der Ringstraße, ihre Denimäler anschanech und wenn ihn seine geistigen Bedürfnisse noch weiter plagen'sollten, *eic. n{n xoipe christlichsoziale Wählerberfammlnng beim Luchsen, oder bei der Bretze gehen. Dort hat er geistige Genüsse aller Arten genug urchi a Theater a. - Von diesem Gesichtspunkt abgesehen,, muß mau. aber die Rathausantwort auf die Theatorfrage.jedoch sehr-ernst