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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-27 · 51 (27.12.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
51 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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&m 822 Nr. 51 Dir. MoH'S Wochenschrift tions-Religions-Begriff dgrstellt und fordert. Zu einem solchen Volke sollen jene Juden werden,, welche Ln einem' freien Palästina auf rechtlich gesicherter Heimstätte leben werden. Zu einer Musternation im!Geiste und Sinne unserer Propheten auf dem! geheiligten Boden, dem die reinsten Ideen von Gott und Religion entsproffen sind. Alle sittlichen, geistigen und materiellen Potenzen smd vorhanden. Und diejenigen Zudem welchen dieses Glück nicht zuteil werden kann, oder denen Zion Wunsch und Sehnsucht, messianisches Symbol ist, die aber treue Juden bleiben wollen in allen Ländern der Kultur, smd sie die schlechteren Juden? Sie fühlen sich durch Gefühle, Empfindungen, Erziehung, Bildung und Schicksal eins mit den Staaten und Völkern, ehrlich und überzeugt als deren Angehörige, weil sie Md ihre Väter und Mütter seit Jahrhunderten daselbst gelebt und gelitten haben. Sie tun damit dasselbe,. was der Prophet Zeremia in die noch heute gültigen Worte kleidete: „Strebet nach dem Glück der Stadt, in die ich euch geführt habe, und betet für sie, denn in ihrem Heile ich das eurige beschlossen." Dürfen wir sie von uns weisen? Rein, sie gehören zu uns. Allen Juden der ganzen Welt aber muh es.Pflicht, unabweisbare Pflicht sein, mit vereinter Kraft dem ganzen Judentum zu dienen; von den Völkern der Welt, welche nach weltzerstprendeM Hassen und Morden am Tische des Friedenskongresses sitzen werden, um Weltgericht mit irdischen, immerhin beschränkten Gewalten zu halten, zu fordern, daß die Juden dort gehört werden; daß man sie als das anerkennt, was sie sind und ihnen vor allem volle bürgerliche. Gleichstellung und Freiheit und dann die autonomen Rechte sichere, welche ihnen gemäß den sittlichen Grundlagen der .Selbstbestimmung zukommen, die Rechte zur Besorgung und Verwaltung der Angelegenheiten, welche nur das Judentum angehen, als da sind : die Pflege seiner Religion und Lehre, seiner Kultur, seines Erziehungs- und Bildungswesens; daß ferner Palästina völlerrechtlich gesicherte HermMtte für das jüdische Volk werde. > Alke Juden in> Deutschofte r rei,dy aber Müssen sich ei Hü eit. Die Mneigung der ,mn konfessionell gerichteten Iudenschaft gegen die nationale kann nicht so tief sein, daß ein Zusammenwirken gänzf- \ lich laüsgeschlossen wäre; und uMgekehrt; Orthodoxe und Liberale, so tief , die Kluft zwischen ihnen sein Möge, es gibt einen Punkt, an welchem sich alle treffen: die * Erhaltung und Kräftigung des Judentums. Jede Partei wird sie nach ihrer Weise fördern. Deshalb war es ein Fehler, durch die o h n e Z u st im m u n g d e r G e s am t - heit der Juden in Wien oder in D eutschösterreich erfolgt^ Etablierung des. Jüdischen Nationalrates schon durch den Namen und Titel die Partei in den Vordergrund zu stellen; Jüdischer Volks rat etwa wäre besser gewesen, und um so besser, wenn er aus allen Zudengruppen in Deutschösterreich hervorgegangen wäre, selbst mit Präponderanz der nationalen Elemente; deutschösterreichischeZuden von Ruf, Ansehen und festgewurzeltem jüdischen Wissen und Leben hätten im'Zudenrate sitzen müssen. Noch ist es Zeit zur Einigung, aber höchstaZeit. Ein Reichsbund der Iuden in Deutschösterreich mutz geschaffen werden mit Heranziehung aller jüdischen Gruppen und Kräfte; nicht zuletzt, sondern zuerst der bestehenden „Kultüsgemeinden", der vorläufig einzigen staatlich anerkannten, rechtlichen Form der jüdischen Volks- und Glaubensgemeinschaft. Aber die Bezeichnung „Kultusgemeinde" sollte fallen. Jüdische Gemeinden sollen sie Heißen, denn der Kultus allein.ist nicht die Aufgabe der ZudengeMeinde. Ähre Aufgaben sind die der Erz i eh u n g v o n Z u d e n z u Z u d e n. mit allen Mitteln, zu Kul 1 urjuden und nicht allem zu Kultusjuden. Sollte.dfe Trennung von Staat und Kirche erfolgen, dann ich der Zusammenschluß aller Juden um so dringendere Notwendigkeit, soll nicht völliger Zerfall ihr Schicksal sein. Insbesondere wird dann Wien als der Zentrale die Aufgabe zufallen, alle in ihr bestehenden Zudengruppen, die jetzige „Kultusgemeinde"- uyd die vielen „Vereins"-Synagogen zu einer Einheit uMLUgechalten, ohne die religiösen'Richtungen im 'Wesen zu tangieren. Das jüdische Erziehungs- und Unterrichtswesen wird dann, da die Staatsverwaltung sich nicht oder , nur soweit darum kümmern wich, als. sie für die anderen Kulte sorgt, eine der wichtigsten Aufgaben werden. Es wird nicht ausschließlich Religionsunterricht und religiöse Erziehung und Belehrung sein, die zu leisten sein werden, sondern „jüdische E r z,i e h u n g" im weitesten Sinne des Wortes, in? welchem die religiösen, nationalen, geschichtlichen, sittlichen und kulturellen Elemente Mit gleicher Kraft zum Ausdrucke kommen werden. H ebräisch wird in reichstem Maße von einigen Gruppen gelernt und gelehrt werden, nicht als tote, sondern als l ebendige Sprache; die anhere Gruppe wird der religiösen, der strengen Tradition entsprechenden Unterweisung ihre Kxaft zuwenden und eine drttte wird, gemäß ihren liberalen Grundsätzen' ihre Lehrchätten führen r alle Richtungen werden in ihren Synagogen nach den von ihnen als recht erkannten. Riten beten. A l l e a b >e r w e rden für- und nicht gegeneinander Juden erziehen. Teilung der Arbeit, aber nicht Zerrissenheit! Einigkeit und nicht Spaltung! Einigkeit s chon j e tz t, ohne unjüdische Intoleranz, welcher sich? nationale, liberale und konservative Gruppen in gleicher Weise schuldig Machen. Indifferentes Judentum, dem nur der ausgesprochene Abfall vpn Voll Md Religion fehlt, ohne irgendwie bewußtes, gefühltes, klares Zugehörigkeitsgefühl ist das schlimmste der Uebel für die gemeinsame Sache. Man kann den Wiener Juden den Vorwurf nicht ersparen, daß sie sich um das Judentum feit Jahrzehnten nicht genug gekümmert haben. Diese Lauen werden wärmer werden. Die gemeinsame Geschichte und das Streben,der Iuden Not und Schicksal zu mildern und zu. bessern, bindet und findet auch sie. Einigkeit Muß erreicht werden! Sie ich zu erreichen, wenn wir wollen. Wollen wir nicht, dann verdienen wir den Adelstitel „Juden" nicht und werden unsere Kraft durch Brud^kampf zersplittern, wie das Mark der Völlerim Bruderkampfe verzehrt worden ich. .. Stimmen aus dem Publikum. Wien, 23. Dezember 1918. Sehr geehrter Herr Cheftedakteur! IM Namen vieler Gesinnungsgenossen aus den Kreisen des intellektuellen Mittelstandes bitte ich Sie um' Aufnahme folgender Kundgebung^ Wir alle sind bereit, unsere Namen bekanntzugeben und stehen für jedes unserer Worte voll ein.; Die Austrittsliste aus dem Judentum. verzeichnet in der Zeit vpM >6. bis einschließlich 20. Dezember, also durch drei Wochen, 140 Namen (erste Woche 39, zweite Woche 42, dritte Woche 59). Diese Zahl der Austritte ist als besonders groß anzusehen, denn in früheren Zeiten war die jährliche größte Zahl der Austtttte 600 -Personen. Jetzt ist in den siebzehnten Teil dieser Zeit.ein Viertel der Jahreszahl erreicht. u ' , - Eine solche, das Wiener Judentum schädigende Erscheinung, an der zumeist Angehörige der gebildeten

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