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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-27 · 51 (27.12.1918) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
51 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Bloch’s Zahrgaug XXXV Zentralorgan für die gesamten 'finteressen des Judentums □ ocaaDOODODaDoaaaaoooaaoaDaaaDO □ c Q a fl. tu Postsparkaffenaml o g Clearing-Verkehr : 810.976 § a RedMion und Administration: g o Wie» o § II/i, Pralerstratze 9 g g Telephon r 45.359. g a ' a □ aoaaaaaaaoaaaoaaaoaaaaaoaaaaaa □ — ' ■ OOO Wim, 27.'Dezember 1918 Erschemt ßeösrr Freitag Brief-Adresse: Wien, 11/1, Pralerjlraße 9 Telegrannn-Adreffe: Bloches Wochenschrift Wien. LZ oociaaaaaciaacicioaoaaOaaQciaiZaoaaa LI § Bezugspreis: | Halbjährig 10 Kronen g Ganzjährig?'> Kronen § Ernzelexcmvlure 50 Holler O Anzeigen: SU Lu:.?: «espattcne g P i»r (ü> äcÜec. Q □narmcaaQaaaanaaaQcnr.oaoQaaocjr. O Inhalt: Leitartikel: Juden, seed ernrg! — Stimmen aus dem Publikum: Adas Jrsroel Schisfichul. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Gegen die Juden. — Der holländische Senat und die Pogrome in Galizien und Polen. — Eine. Note der schwedischen Regierung in bezug auf die polnischen Judenpogrome. — Die jüdischen Flüchtlinge im tschecho-slowakischen Staat. — Eine Delegation der ukrainischen Juden zum Friedenskongreß. — Telegramm des serbischen Kronprinzen und Regenten Alexander an einen Oberrabbiner., — Professor Masaryk an die zionistische Vereinigung Amerikas. — Die zionistischen Forderungen bei der Friedenskonferenz. — Hil'sariion für die Opfer der Pogrome in Galizien. — Die obdachlosen Kriegswaisen. — Korresp o n d enzen: Nochmals die Schreckenstage in Lemberg. — Die Entjudung Polens. — Leichenbegängnis der Pogromopfer in Lemberg. — Rettungsaktion für die Pogromopser. — Trauerand ach len für die Lemberger Pogromopfer in Wi n. — Der jüdische Nationalrat in Lemberg. — Die Tschechen und die Judenfrage. — Tschechische Boykottagi ation gegen die Juden. — Verhaftung zionistischer Führer in Lemberg. — Ein Universirätsprofessor als Pogromverkünder. — Organisation für die Kolonisierung Palästinas. — Neutrale Bemühungen zugunsten der Galizianer in Böhmen. — Jüdisches Zentralhilfskomitee in Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: „London' (Die Odessaer Börse). — Briefkasten. — Inserate. Jude», seid eitrig! Ein Mahnruf, von Rabbiner Dr. David Feuchtwang. Wer nicht jüdischnational" ist, .tjt kein Jude! So rief mir iüngst ein junger 'Heißsporn zu.. Ich aiahm ihm das nicht übet. Ich.hatte ihm antworten können: Wer nicht gerecht und parteilos urteilt, ist.kein einwandfreier Mensch. Ich habe das nicht getan, denn er hätte mich nicht verstanden. Woher aber Hiese Verirrung? Sie hat, wie soviele Aebel, ihre Wurzel in Unkenntnis und Mißverständnis. So, wie dieser naive Eiferer, denken und sprechen viele Tausende Juden. Viele meinen es ehrlich. Alle haben den erlisten Willen, für Juden und Judentum positive Arbeit zu leisten und viele Tausende haben sie bereits geleistet. Und dennoch ist ihr Standpunkt ebenso ungerecht als unsinnig. Es gibt wohl keinen logisch denkenden Juden auf der Welk, der nicht zugibt und fühlt, daß wir Juden, um mit Herz! zu sprechen, ein Walk, ein Volk sind. Und doch sind iwir keine Nation wie andere Nationen. Unser Volks ein ist nicht nationalpolitisch, nicht völkisch-staatlich betont, unser Volks ein ist sittlich-religiös,, kulturell begründet. Wir sind ein Volk durch eine .Idee .stnd für sie. Und diese Idee ist nicht der Begriff ..Nation" im Sinne aller.Nationen der Welt, sondern int Geiste der Heiligen Schrift und aller derjenigen, welche ihre Träger, Lehrer und Verwirklichen gewesen sind. Wir sind ü'ber den Na.tionbegriff der anderen Nationen hinaus g ewachsen. Deshalb ist für uns dieBrtzeichnung „Nation" zu eng, aber auch die Zusammenfassung unseres Wesens „Konfession" ist falsch unhistorisch, irreführend. Wir sind Dar- ,steiler, Erleber allesudessen, was der Begriff „Religion" in sich schließt. Judentum muß die reinste Form als R e l i g i o n s v o l k sein, unter allen Völkern und Religionen, die bisher gegeben hat und noch gibt. Judentum soll das Religionsvolk sein. Jeder ^Iude der ganzen Welt gehört diesem Religrontzvolk an. ob er wi^l oder nicht. Wer aber f das sittlich-kulturell-religiöse Moment aus dem Begriffsinhalte „Judentum" streicht, löscht ihm die Seele aus, hat ein totes Judentum. Wer sich nur konfessionell nennt, der weiß nicht, was er ist, verkennt fein innerstes Empfinden und ver,teht den Bewußtieinsinhalt dessen nicht zu bezeichnen, was ihn an alle Juden der Welt bindet. Wenn er an den einzigen Gott glaubt und alle Folgerungen aus diesem Glauben lebt, dann ist er eben ein vollwertiges Glied dieses Religio ns - volkes, und selbst derjenige, dessen philosophischer Begriff von Gdtt ihn scheinbar zum Gottesleugner macht. Rur Irrtum und Anwissenheit führen zu Einseitigkeit und Ungerechtigkeit im Urteil über Juden und Judentum'. Bolliuden kann es ebenso schwer geben, wie Voll men scheu. Man darf glücklich sein, wenn man aus mehreren Gliedern, von denen ein jedes einen Teil darstellt, denkt, fühlt, lebt, einen ganzen Juden zusammensetzen kann. So geht es auch mit den Karteien im Judentum.- Wer wird es wagen, diejenigen, welche sich mit Stolz und mit gewaltigem Erfolge nationale Juden nennen, nicht anzuertennen? Sie, die eine Weltorganisation geschaffen und mit den Zionisten eine Gefolgschaft von Hunderrtausenden haben. Wer wird die strenggläubigen Frommen, welche die kleinsten religiös-nationalen Bräuche als GottesgeboL bewahren und ihr ganzes Leben durchgeistigt fühlen vom Gottesinhalt, nicht als Juden anerkennen? Wer wird die Tausende, die nicht in diese religiösen Tiefen eindringen und sich dennoch zum Judentum der ganzen Welt mit Macht hingedrängt fühlen, wie Bruder zu Grude?. Schwester zu Schwester, nicht Juden -rennen? And die Tausende, welche die uralten Gefühle und Gedanken, sittlichen, heiligen Werte in neue, schöne Formen kleiden wollen, um sie in Gottesdienst und Leben zu bewähren, gehören sie nicht zu uns? Selbstmord hieße es, wollten wir -auch nur einen .einzigen. Juden, eine einzige Jüdin verlieren, weil sie einer Gefühl- oder Geistesrichrung leben, die nicht das ganze, .volle Judentum ausdrückt. Wir sind und wollen sein ein Religionsvoll; das Volk, das unser Na-

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