Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 50 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 814 M MÄW WoMnsHrist - ’ : Nr. 5V Mrbbiner Dr. Drsnbimsky bekämest vbrKtzlich die Jndolerch weiter "Kreise und unterstützt wärmst 6ns die vorgebrachten AßreAunMir des Kom-iteM Oberrabbiner Dt. Cha j e s «rktärt, daß' für ihn die Orgelsrage keine Printzipienfrage bedwlte, et selbst' habe . in Triest an «einer DrgLlsynaavg!e, tzeN'irkt. IHM selbst sei jedoch die Einführung der Orgel antiväthischsie erscheine ihm unsüdisch. Es gebe Mittel, auch ohüe Orgel die Teilnahme des' Volkes' am Gottesdienste %n erhöhen. Er "hält die 'Frage Acht für wichtig genüg, um. heute .deshalb einen 'Streit' Zu tzrovdAieren. Die bisherigM Lranrigdn Resultate im Religionsunterrichte^ bingerr mit der bislang verfehlten Methode tznsamüten. Er beiklagt ferner den Abfall weiter Kreise, die sich die nationaljüdid sche Bewegung zuM Vorwand nehmen, und warnt vor dem Verkehre Mit derlei EleMenten- Sekretär Fleischer tritt' ssüjr die Einsührrmg der - Orgel ein, b'egr'üßt es', daß der Dbechabbiner aus dar Orgelsrage ckeine Brißzipienfrage Mache, und' reklamiert iM Hinblicke «auf die den Orthodoxen gewährleistete Freiheit, ihre religiösen'Bedürfnisse Mach ihre Mt M bcksriediqen, auch Mr die Fortschrittlichen' das gleiche Recht. Kau Präsidentin Dr. GrÄnfeld 'tritt als moderne Frau einer neuen 'Zeit deM alten ..mutier, taeeät / in eeetesiL^ entgegen iti5) will die in Beratung stehenden - Fragen als Mlutter Und Frau beleuchten. In den 'Herren der modernien Jugend müsse das religiöse GeMl durch'alle Möglichen Mittel gerveckt und g^iördert w erden. Das Judentum' müsse zu. diesem Zwecke modernisiert werden . Die Rednerin erwähnt sodann die unwürdigen Szenen, die sie anläßlich der KonfirMatronsseler shress Enkels beim Juaendgottesdienste erlchen mußte, Bz'enen, * die ibr die Schamröte ins Gesicht triebeN, um so Nr ehr, als Andersgläubige dieser Feier beiwohnten. ZnM Schlüsse tritt Mednerin wärMsteüs für die vvrgelegtelrr ReforMborschWe ein. Zum Schlüsse schlägt Herr Armenrat Planer nachstebende Resolution vor: __ „Die am« XI. DeMchier 1918 stattgehabte Versammlung stimmt den! von dem Wiener jüdischen Oracinisa^ tioüskomitee vvrgeschlagtznen, auf der D'enkschrist de!s Herrn Schulrates' Professor Dr. 'M. Tschiaßnv fußenden . Rewrmdorschlägen vollinhaltlich! bei und ersucht das Komitee, das Von Herrn' Professor Dir'. S. Kraus erstattete Referat dem Kultn'sbvrstande zur Beratung und schleunigsten Durchführung' vorzülegen.'" « Diese Resolution wird mit allen' gegen eine Stimme angenommen.! ' > > Hieraus schließt Ier Vorsitzende unter lebhaften Dan- ~ kesworten für die rege "Teilnahme die 'Versammlung. Anwesend waren u. a.: Großindustrieller. Fr'. Alling, Pros.. Mor. Autscherh Rechtsanwalt Dt. Vaumgarten, Geh. 'Justizrat Reg.-Rät Dr. Ad. 'Edl.s v'. ''Bachrach, Rabbiner Dr. Bauer, Vorsteher Dr. 'Beck, Rechtsanwalt Dr. Berw'anN, Schriftsteller Dv. 'Bloch, Frl. Deo Bondi, Univ'.-Prof. Dir. Braun', Wilh. Brody, Oberrabbiner Dir. Chajes Bankier Cruchka und Frau, Dr. Donath, T'onat Kulka, Rabbiner Dr. Drobinsky, Großindustrieller Rob'. Drucker, Gabriel Dükes, Frau SeWetär Engel Dir. Fischer und'Frau, Sekretär Fleischer, Rechtsanwalt Dir.'Mesch, MÜbbiner Dr. Frankfürter, Frau Wräs. Frankl, Avotbeker Friedinng und Frau, Js. "I. 'Goldberg, Beruh. Goldstern, Großindustrielle Frl. Ella Glück, Frau Präs. GruMeld, Präs, des Temvelbänkomitees Rechtsanwalt Dr. Gntmänn, M. Hämin er, Med.-iRät Dl. Häase. Präs.' W. Hofmänn und Frau^. Joses Hoselitz, Red. Dr. I. Kimmel, kais. Rat Kanders, H. Klein, Börserat Koranhi,' Red.' Kraus, ^'AmOlerter Kraus, Dr. S. Krüger und Frau- Pr«f. Dr. S. 'Kraus, DL. 'I. 'KraNs,"Küira.erschuldirekt«r iWwit,' Hofvak Dir. LownE, Säfie Räthanfohn,- Lehrer Oehler, Armen,rat Planer, Herrn. Ptaschkes', kais. Rat Popper, Sieg.- Popper, ^Sofie Quittner, , Moritz Raubitschek, Dr. Reinrnger, Arch. ReiserfJohanna Rerchi, Rabbiner Dr. M. Rosenmann und. Frau, Konr.-Rat Rosenzweig, Prok. RottMann, Hofrat Dr. 'Schläg, Alex. Schönberger, Dr. Spitzer, Landesschulrat Stadtbäumeister Viktor Schwadron, S. SiMon, Med-Rat Dr. A. Steiner, Marie Steiner, Inspektor Strauß, Frau Snbäck, Rechtsanwalt Dr. Th al er, Oberstaatsbahn'rat Kluger und Frau, Frau Dir. Urbach, Oberltn. Weißer, Max Wältuch!, V. Weinwnr'm, Frau Präs. Else -Weiß, Dr. Ml. Weiß, Dr. Leop. Weiß Dr. Winternitz und Frau, Bergrät' Mg. Znckermänn und Frau. __' EiMeseMt.; Wien, Dezember 1,918.; Geehrter Herr Redakteur! Sonntag vormittag hatte ich Gelegenheit, einer voM . zionistischen Nationalrate einberufenen Versammlung be- ' Zuwohnen. ' ' Die Herren Redner daselbst haben ihre prinzipielle Stellung zur jüdischen Nation und teilweise auch, frurrt jüdischen Glauben bekanntgegeben. Nachdem es« Mir infolge vorgerückter Zeit nicht- , Möglich war. dort das Wort' 311 ergreifen, will ich, üuf das' Port Vorgebrachte auf diesem Wege znrückkomMen. Herr Oberrabbiner Dr. Chajes hat in einer begeisterten Ansprüche an die orthodoxen Juden den AppeA gerichtet, sich der jüdischen Nation anzuschlietzen und die glaubenstreuen Juden direkt apostrophiert, infolge ihrer Vergangenheit und mfolge ihres Glaubens mitzuarbeiten. Ich erlaube mir nun, in kurzen Worten folgendes hierauf zu erwidern: Meinen konservativen Glaubensbrüdern wird wohl dies alles bekannt sein, aber ich muß, uM Meinen Standpunkt genau zu präzisieren, um überall verstanden < zu werden, voraüsschicken: Wir orthodoxe Juden, zu, denen .ich mich hieMit Mil vollster Ueberzeugung und ganzem Herzen bekenne, stehen von Geburt an auf einer religiös-nationalen Basis. Bei. Gebürt unseres Kindes führen wir dieses durch den B'ris kandesch ins Judentum ein, wobei ich schon bemerken Muß. daß dieser Vorgang bei den orthodoxen Juden keine ZereMonie iM allgemeinen ist, sondern es wird Wert darauf gelegt, daß diese Einsührung in diesen Bünd nicht durch den üblichen, hiezu von der Gemeinde bestimmten Arzte geschieht,_ .sondern wir legen das Hauptgewicht darauf,' daß der Moel ein wahrhaft' fromMer und überzeugungstreuer Jude ist und demgemäß auch, di6 Einfützrung unserer Kinder in den jüdischen Bund 'auf der; gesetzlichen Basis geschieht. Es ist dies daher keine Zeremonie, sondern ein tiefe'Mpsnndener Akt, der dieses Kind mit d'eM Judentum verbmdet. ' Sobald dieser Knabe — oder ein Mädchen —, zu sprechen beginnt und seines Verstandes mächtig ist, fübren wir unser Kmd dem Glauben m, indeM wir 3. B'. aM Pessachabend das' Kind sich selbst aus der Knechtschaft befreien.- die Thöragebung auf dem Berge Sinai miterleben lassen und' sodann bas1 Land, das unseren Vätern gegeben wurde, gewissermaßen durch ihn Besitz' ergreifen lassen. Ein derartig erzogenes Kind — und zu denen gehören auch wir — steht dann natürlicherweise auf nationaler Basis und wird es nie in Abrede stellen, daß es' ein „Am kod'esch" ist, einem heiligen Volke angehört. Dieses nationale Bewußtsein ist wohl dasselbe, als das der Nationaljuden, die ihr jüdisches^ Nationalbewußt-? sein erst vor kurzem oder in, reiferen Jahren erworben haben, ergibt aber doch . einen großen Anterschied m der ganzen. Auffassung, denn dieses Nationalbewußtsein unterscheidet sich darin von den übrigen nalionälen In-