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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-20 · 50 (20.12.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
50 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seit» 810 Nr. 50 seine Hönde mit unschuldigem Blut besteckt, M die SeLv- Mndigkeit nicht reff ist. Der Dichter Henry Nathansen protestierte gegen Las passive Verhalten, der Welt gegenüber den häufigen Ueberfällen, die das jüdische Volk erleiden, und betonte, daß die einzige 'Rettung der Anden in ihrem engsten ZusammenschWfse bestehe. Palästina ninsse ein- Zentrum der jüdischen Kraft werden. . Der Publizist Wladimir Wr v stmann erinnerte daran, dag die Juden irr Polen Keinahe' ebenso lange dauernden Wohnsitz haben wie die Polen selbst und verwies darauf, daß die Juden im' 'Mittelalter eine weitgehende Autonomie in Polen!6efctf3jeit- Ihre Gleichberechtigung büßten sie zu einer Zeit ein, wo die Polen selbst ihrer Verfassung verlustig gingen. .Tie' Juden beteiligten sich immer .an den volnischen Frech eiLskärnpftn. Die Haupffchuld an^den Judenpogromen falle der polnischen^ 'Bourgeoisie tzu. 'Polen werde so lange nicht fiel sein, fo lange es dein Mischen Volke seine 'Rechte vorenthält. ' 7 In seiner Schlußrede führte Herr Motzkig ans: Die Polen sollen dessen eingedenk sein, daß sie allein gar nicht, in der Wage sind^ hie Freiheit gu erhalten, sondem ihre Unabhängigkeit von den Mächten erst erhalten Müssen. Die Polen müßten aus' 'Erfahrung wissen, daß man durch Pogrome nationale Wünsche nicht unterdrücken kann, und' werden die Pogrome am. wenigsten bei den Juden, welche zweitausend 'Jahre has Leiden gekernt haben, ihr Ziel erreichen. Die Inden Polens werden niemals gestatten, daß andere über ihre innere,? Bedürfnisse und Entwicklungen bestimmiep. sotten. Das Judentum wird nun den Polen sowohl aus' 'der neuen nationaljudffchen Heimstätte als auch aus! der gesamten Diaspora auf die unbeschreiblichen Greueltaten eine Antwort geben. Mögen die Polen naht vergessen, wie die Welt nach unerhörten Kämpfen auf die fürchterlichen Prvzesse Dreyfuß und Beilis geantwortet und wie schließt lich die Gerechtigkeit gesiegt hat. An ihrer Pogrompolitik werden die Polen säbst verbluten. Die Polen müsstn sich daran gewöhnen, daß ueben ihnen'eine andere Nation lebt, die jüd'ffche, welche ihre nationalen 'Rechte ebenso beanspruche wie jede andere Nation. Die Reden fanden lautesten Beifall. Die gefaßte Protestresolution haben wirbereits in boxitzer Nummer publiziert. '7! '' Eine bÄMtsame Protestversammlung gegen die Mogrome tnt HMg. Aus dem Haag wir dem' I. P. W. telegraphiert: Im größten Saale Haags fand in. Anwesenheit von 3000 Personen eine Riesenversammlung zum Protest Igegen die polnischen Pogrome statt. Erminister Treub führte ans, daß ein Protest nicht nur vom jüdischen Gesichtspunkte aus. sondern auch vom Menschlichen Standpunkte nötig sei. Ein freies Polen dürfe nur entstehen, wenn die jüdische Freiheit verbürgt ist. Ganz Holland schließe sich dem Proteste an. Die Entente werde die polnischen Gewalttaten nicht dulden und die polnische Negierung Mrzen, xöemt jie mitschuldig ist. Die Pogrome - bedrohen das jüdische Volk, aber noch Mehr die Gesittung. Wenn die Pogrome ungestraft bleiben, schloß der Redner, dann würde ich vorziehen, ein.jüdisches Opfer zu sein, als mich als Christ schämen zu müssen. Die Rede Treubs, der bei der Entente hohes Ansehen genießt, wurde lebhaft applaudiert. Senator van Kol führte aus: Die holländische Regierung könne und müsse intervenieren. Eine Neutralität gegenüber den Pogromen wäre Mitschuld. Der Antisemitismus vergifte selbst die polnische. Sozialdemokratie. V a n 5\ot schloß mit , den Worten: An dem demnächst stattfindenden Sozialistenkongreß wird meine Forderung her Ausschluß der polnischen Sozialdemokratie sein. < Gedenkfeier in Mern. n 7 Am 11. Dezember fand in Bern eine Gedenkfeier für die Opfer der Pogrome in -Polen, Galizien und Lemberg statt. Man hatte absichtlich nicht den Charakter einer Protestversammlung gewählt/ damit nicht der Anschein erweckt werde, daß der. neutrale Boden der Schweiz zu politischen Demonstrationen mißbraucht werde. Schriftsteller Feiwel betonte in seiner Gedenkrede den politis ch e n Charakter der P o g r o m e und bemerkte, in Ostgalizien können die Polen das Land nur behaupten, wenn die Juden zu ihnen halten. Pfarrer Ryser aus Bern hielt eine mit großem Beifall aufgenom'mene Ansprache, in der er aufs schärfste die Schlächtereien an wehrlosen 'Menschen verurteilte. Der Münsterpsarrer Professor H ad orn sprach 'im Namen der evangelisch-theologischen Fakultät der Äniversität "Bern; er erklärte, das Christentum müsse .gegen solche- Greuel solidarisch Vorgehen. Vorsitzender Jork-Steiner dankte den beiden geistlichen Rednern für ihre Ausführungen. Dann wurde'eine Resolution verlesen, in der die christlichen Und jüdischen Bürger der Schweiz ihr Bedauern darüber aussprechen,: daß die polnische Freiheit durch unschuldig vergossenes Blut entweiht sei.j Der Onkel des schwedischen Königs präsidiert einer ProtestversMuntlung. 'Unter Vorsitz Bern adv tt es, des Onkels des . schwedischen Königs, fand am 6. Dezember in Stockholm eine Protestversammlung gegen die Judenpogrome in Posen und Galizien und das Judenmassaker in Lemberg statt, veranstaltet von der Gruppe konservativer Reichsratsmitglieder und Geistlicher.; Eine Deputation der Stockholmer jüdischen Gemeinde bei der schwedischen Regierung. Das .Jüdische Preßbüreau in Stockholm Meldet: Eine Deputation der 'jüdischen Kultusgemeindein Stockholm, der Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis. Gemeindepräsident Hirsch, Gemeindevorsteher Direktor Thiel und das Mitglied der Ersten Kammer Hermann L amM angehörten, suchte den Ministerpräsidenten Ed en und den Außenminister H ellner aus und ersuchte.sie-im Namen der jüdischen Gemeinde Stockholms, Schritte zur Verhinderung weiterer. Judenpogrome einzuleiten. Die Deputation überreichte, den Ministern ein Memorandum über die Pogrombewegung in Galizien, und Polenund über die Lemberger Greuel, in deM die Notwendigkeit einer Intervention der neutralen und der alliierten Mächte nachgewiesen wurde. Die Minister empfingen die Deputation sehr wohlwollend, ließen sich über alles genau ) informieren, drückten ihren Schmerz über die.polnischen Judenverfolgungen aus und versprachen, in geeigneter Form.dem Wunsche der jüdischen Gemeinde nachzukoMmen. - 7 Lindhagen für eine neutrale NrttersUjchlung! der Pogrome. Stockholm. Anläßlich einer großen Protestkundgebung igegen die Pogrome, verurteilte Biürgermeifter' ' L r nid h a g eilt'. die Passivität Europas!: WeKnMer den Ereignissen in Polen und forderte die sofortigle Entsendung einer neutralen Kommission! :zur Untersuchung! der Pogrome. - . ' . . -

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