Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 50 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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der Tatsachen und Geschehnisse, die uns ins Gesicht schwachen dägeaen, muß'ich meinen seit jeher eingenommenen Standpunkt revidieren, und 'ich glaube. mit mir müssen es alle tun, wenn wir die etwa '4 Millionen zahlende Judenschaft, welche in den Wauen Polens zerstreut 'lebt, vor einer permanenten, schier uNejrtragliche-n Hölle bewahren wollen. Wir stehen vor Her Tatsache, Palästina, für welches die Begeisterung jetzt 'ihren Höhepunkt erreicht hat, wäre nur fähig, 'regelmäßig 30.000 Juden pro Jahr auHunehmen mtt> zu verdauen. Selbst die anderen Ljände'', wohin die malträtierten Juden Juden Polens emigrieren nnd dort e'N Asyl finden könnten, sind gegenwärtig und für eine welleicht unabsehbare, allerdings entferntere Zutunrt für eine Masseneinwonderung gesperrt. "Es bleibt also wieder alles be'm alten Unsere Judenschaft Polens bleibt wieder darauf angewiesen, seinen Erwerb inmitten der kölnischen Gesellschaft M Ziehen und mit dem polnischen,Bolle wirtschaftlich zu Verkehren. Das Müssen wir uns-vor "Augen halten und -daher alle imfere Bemühungen danach richten, o'ne aeeignete. gegenseitige Verständigung . hechnstellen. Dieser Versuch ist schon teilweise noch während des Kriege?', uift) Mar von einem' nicht geringer,en als Dr. Thon, Krakau, gem'acht Worden. Sozialisten und Zionisten lebnlen sich aber gegen 'biefeit Standpunkt .gründlich auf. Jn- Mischen hat sich so manches in unserer Welt abgewieA. Es kam' eine, vollständige Revolution. Nun stehen wir bei der Liguidation der Gescheb'nisse, und wir vormöaen die Sachlage bereits zu beurteilen: wir bleibet in Polen, oh wir es wollen oder nicht. Soll daher alle Mühe daraus angewendet werden) ein menschliches Verhältnis vorerst politisch, dann wirtschaftlich herznstellen. Ich habe nicht die Absicht, mich! m foppen. Es ist eine Taffache.' daß uns Polen, obgleich wir es gründlich kennen, tausendfach enttäuscht hat. Mein haben wir nicht estva, wenn auch, ip kle'nerem Maste, mit all unseren Gastvölkern em und dieselbe Erfahrung? Wie ist es mit den Juden Böhmens, Mährens, Ungarns nsw? . Es ist di'eis schon unser Los in der Geschichte. Wir werden abgeschlachtek, schmählich hin'gemordet, vermögen uns aber trotzdem^ nicht von diesen Borden lostzutrenven, weil wir nebenl Mren -Und von 'ihnen leben müssen. (Traurig, aber war.) Und festen wir das nicht auch jetzt? Die Flüchtlinge werden mrsgespieen ans Wien, Ungarn und Bödmen. Sie wiften, was in Galicien jetzt vorgeht, haben aber keinen Ausweg, und müssen froh fein, wenn sie nur unbehelligt hin können. Es hat daher Üeid'er ke'n^.r Zweck,, wenn eine begeisterte! Jugend - 'Gelegentlich der Massenbestattrmg der Opfer in Lemberg, in dieser erschüt- .terndeir' Stimde Rache ansruft urrd schwört? Rache dem polnischen Volke, denn, wie gesagt, kann dort nicht von Rache aeftwochM wiwrpn, wo der Weg 'des Vinvernebmevs aestW^rn werden ur'ch. Dichrn.'andernfalls wären die Folgen davon viel verhängnisvoller für rins, als dieses schrecklichste Lieursteraer Gemetzel) weil das einer Massenaushungeruwg und Proletarisierung gleichkommen w'icrde. Darauf sollen wiv es ja nicht ankvmmen lassen. Zweifellos steigt im polnischen Gewissen gegenwärtig das Schuldb'ewustffein auf) und sie wollen vielleicht wiedÄ: das Geschehene gutmachen, insbesondere. wenn wir ihnen die Augen aüsreißen und klar beweisest, was wir für den Wiederaufbau ihres Staates bedeuten, und' daß sie nur in ihr eigestes Fleisch schneiden, wentr sie gegenteilig handeln. Sollten sich die geeiane^en Intervenienten fiden, so wird gewiß iw dieser' B'e^iehnnq gutes geleistet werden. Wir sind nicht das Volk der Rache, sondern das der VersöbnuNg. Nicht die Faust ist unser Ideal, sondern der Geist, die bessere Erkenntnis ' Ist doch auch unser Gott, der Gott der Versöhnung und Erkenntnis. Im Sinne des berühmten Talmudweibes Berurja mWein wir auch darauf hinarbeitennicht die Sünder, sondern die Sünden auszurotten. l Es wird güviß so Manchem, der sich nach Satisfaktion sehnt, nicht passen, was . ich anstrebe. Ich würde aber nicht empfehlen, nach.Satisfaktion zu schnauben, weil diese uns zur niedrigen Stufe der Lemberger Heroen degradieren. Außerdem müßten sich die Interessen der Individuen denen einer Allgemeinheit von 4 Millionen und ihrer Existenz unterordnen. Diese Judenschaft muH wieder gefestigt werden, wenn wir auch uns er e I d rale verwirklichen wollen. Mit einem 4 Millionenvolle, must auch Polen rechnen und ihm autonome Rechte zufprechen. Allein die geeignete Form must gefunden werden. Die jüdische Wehr entwaffnet. Krakau. Das Militärkommando in Lemberg hat die Auflösung und Entwaffnung der in Lemberg ohne Bewilligung der Militärbehörde organisierten jüdischen Abteilungen angeordnet. Jüdische Tapferkeit. Die „Aschaffenburger Zeitung" schreibt: In dem deutschen Tagesbericht vom 21. Oktober wurde hervorgehobrn, daß die feindlichem Riesenangriffe östlich von Vouziers vornehmlich an der zähen Abwehr der 7. Kompagnie des bayerischen Infanterieregiments Nr. 24 gescheitert sind. D : Führer dieser Heldenschar ist ein Aschasfenburger, der Leutnant der Reserve Löwenthal, der unter dem Einsatz seiner Person mit seiner Kompagnie verhindert hat, daß in dem für die Verteidigung schwierigsten Gelände der Feind Boden gewann. Der Protest der Korrnhagrner Juden gegen die polnischen JuLenpegrLMe. Aus Anlaß der Judenpogrome in Galicien und Polen fand am 27. November im großen Saale btii Hotels „Phönix" in Kopenhagen eine sehr eindrucksvolle Protestversammlung statt. Der Versammlung wohnten über lausend Personen bei) der Zndrang war 'io groß, daß mehrere hundert Personen wegen Platzmangels ^inen Einlaß finden konnten. Im Namen verschiedener jüdischer Organisationen in Kopenhagen eröffnete der bekannte Zionistenführer Herr Motzkirr die Versammlung. Als erster Redner trat der allgemein verehrte greise Professor D. Simons en auf. Der Redner schilderte die polnischen Greueltaten, wies auf die tätige Sympathie des dänischen Volkes hin, deren sich die Polen in ihrem Freiheitskämpfer stets erfreuten, und auf die Enttäuschung, die sich nun btt Dänen bemächtigen müsse. Der 'Redner erklärte, daß die polnischen Exzesse nicht nur eine nanienlose Niedertracht, sondern gleichzeitig auch eine .elende Dummheit seien, da die Polen durch sie sich um alle Sympathien der Welt bringen. . 'Hieraus ergriff das Wort der bekannte dänische Politiker Professor Ellinger, d^r Polen aus eigener Anschauung kennt, wo er wiederholt zum Zwecke der Verteilung von dänischen Hilfsmitteln geweilt hat. Der Redner drückte seine Abscheu gegen die von den Polen begangenen unmenschlichen Grausamkeiten aus.und schloß sich im Namen der christlichen Bevölkerung 'Dänemarks dem Proteste an. Herr M. Erteschit geißelte die Haltung der polnischen Intelligenz, die den bestialischen polnischen Chauvinismusgroßgezogen hat, und meinte, daß ein Volk, das