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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-20 · 50 (20.12.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
50 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite L66 M. 'WoMS Juden in Ungarn jetzt ausgescht sind, und nachdem! auch Las Geständnis abgelegt wird, Last die ungarische Regierung diesen Ausschreitungen gegenüber machtlos sei, heißt es in dem-Aufrufe weiter: / „Wir protestieren gegen diese aufreiFerrden Verfolgungen. Wir lenken die Aufmerksamkeit der großen jüdischen Organisationen und Körperschaften auf dieses urrerhörte Vorgehen. Die Judenschaft der Emteltte wird vielleicht genügende Acacht und Einfluß bei ihren Regierungen besitzen, um sie zur Intervention zu L ew eigen. Wollen sie die ungarische Judenschaft zu heimatlosen Wanderern machen, daßsie nach! Amerika, der ' Heimat des jüdischen Massenelends, oder nach Palästina, der noch unkultivierten Wüstenei, zwischen feindseligen arabischen Stämmen, auswandern? Möge doch jetzt die Judenschaft der Entente energisch Handeln, denn wenü sie uns jetzt untergehen läßt, so fällt auf Brand eis, Z angwill, Lutzzatti, die Rothschilds, die den Kämpfern der Entente so viele Macht verliehen, Kine sürchtvare Verantwo.rtuirg. "Wir haben die heimatlosen Flüchtlinge des Judentums: die russischen, rumänischen Juden stets unterstützt und geschlitzt, und jetzt geben sie es W, daß die mit ihnen h erMrd-eten Tschechen und RmnäMn uns zusammentreten. Wo sind die Wilsonschon Prinzipien, wo ist die Freiheit? Blutüberströmt und niedergetreten, inmitten nationaler und religiöser Verfolgung protestieren wir gegen diese Verbrechen. -Es wird ein ewiger Schandfleck in der Geschichte des Judentums! bleiben, wenn diejenigen, die Uns M helfen/vermöchten, pickst ausstchea, ums uns zu Hilfe zu eilen." : \ l Dieser Protest hat zwei große Anaufrichtigkeitem Erstens verschweigt er, daß Progromd> in nicht minder verabscheuungswürdiger Form auch in rein magyarischen Gebieten.auf der Tagesordnung sind. Zweitens!'spricht er nur von russisches und rumänischen Flüchtlingen irr rüugstents'chwundenen Zeiten, verschweigt aber schamhaft und beschämt das Verhalten der ungarischen Juden den galizischen Flüchtlingen gegenüber irr den letzten Jahren und Monaten. . Damals ahnten! wohl die stolzen ungarischen Juden nicht, daß sie allzu rasch'ist eine ähnliche traurige, verzweifelte Ljage geraten könnten wie damals die galizischen Juden. Vom eindringerrden Feirrde verfolgt, Haus und Hof, Heim und Herd, Hab! und Mut verlassen mrd auf die Gnade und Gastfreundschaft anderer airgewiesen zu sein. Bitter war damals die'Lage derjenigen galizischen Flüchtlinge, die in! Ungarrr Zuflucht suchten. Besch-änrend war die Haltung der einflußreichen ungarischerr Juden diesen Unglücklichen gegenüber. Nicht nur, daß sie ihren Einflußdessen sie sich so gerne brüsteterr, nicht zuml Schutze ihrer verfolgten Brüder Lei der Regierung geltend machten, sondern sie haben aktiv oder passiv in den Haß gegen die Mlizischen Juden geschürt, indem sie in ihrer politischen Blindheit diese bedauernswerte Flüchtlinge als Blitzableiter für den allgemeinen -AntisemiWuM! rn Ungarn benützten. : Das soll ihnen jedoch nicht vergolten werden." Wir werden uns.freuen, wenn ihr Appell Gehör finden wird. Auch die österreichischen Juden wollen es' den aus den GrenzkoMltaten noch Wien geflüchteten ungarischen Inden nicht vergelten lassen, was ihre Fichrer an. den galizischen Flüchtlingen - verbrochen haben. Die Rachgier und die Schadenfreude ist den Juden durch hüs'biblische Gesetz strengstens verboten, .aber gesagt müßte es werden, in'der sicheren Erwartung, daß die ungarischen Juden aus dieser Mtastrophe geläutert, altruistischer als bisher her'vor- . gehen und den hohen sittlichen und politischen Wert der Solidarität erfassen werden. > WoMenfchjNft Erwähnt sei noch daß der tschechische Kesandte in Budapest jaus eine Intervention seitens der neologm Juden erklärte, daß die Juden von, Heu Besatzungsköm;- wanöen in der Slowakei nicht M! Juden, sondern als magyarische Vorkämpfer,' die die Sprache der Zeit nickst verstehen wollen, behandelt werden! Die ungarische Regierung hingegen verspracht alles, wcD in ihrer Macht steht,' znm Schutze der im Machtbereiche der ungarischen -Regierung seßhaften! Juden Vorkehren zu wollen. Das, klingt gickst sehr trostreich denn die Macht undder Machtbereich! der ungarischen Regierungreichen nicht weit. Vom Jahrmarkt bes Lebens. , Klasse» zur Iazesgeschichte. Graeclii, de seditione querentes Revolutionäre, die sich über Aufstände beklagen. Das find jetzt die Christlichsozialen. . Ähre 'Blätter beschweren sich, darüber, daß die Partei verfolgt, bedroht und politisch behindert wird. Der Unterstaatssekretär Dr. Mataja wollte in einer Versammlung in Mariahilf. sprechen und wurde durch die rote Garde tätlich bedroht, nachdem man die Versammlung gesprengt hatte. Eine Versammlung der christ/ lichsozialen Jung Mannschaften wurde, ausgehoben und mußte in ein anderes Lokal verlegt werden. Nun schreibt die „Reichspost" elegisch und anklagend: „Es Üst tiberflüssig, zu sagen, daß sich die Bevölkerung.die Freiheit anders vorgestellt: Alle Faktoren müssen zusammenhelfen, um Vorfälle hintanzuhalten, die geeignet sind, das Vertrauen der Bevölkerung in die neue Staatsform zu untergraben. Die Gesamtbevölkerung/darf fordern, daß die maßgebenden Stellen für die Abstellung chon Mißständen Sorge tragen, die der blutigste Hohn auf die Steuerzahler sind." Wo haben wir nur die gleichen." Worte schon einmal gelesen? Die „Reichspost" hat sie alle aus freisinnigen Blättern abschreiöen können/ wenn sie in jene schönen Zeiten zurückgeblättert hat, in-, denen die Christ/ lichsozialen freisinnige Versammlungen mit Hilfe der Viehtreiber aus St. Marr gesprengt haben und mit einem' unerhörten Terror die Herrschaft an sich rissen und ausübten. Was haben , sie sich nicht -an schrankenloser Verfolgung ihrer politischen Gegner, an Judenhetze geleistet, mit. welchen Mitteln, haben sie sogar das Urteil von Polna ^zu ihren Gunsten gebeugt. Nun haben sie die Stirn, sich über Methoden zu beklagen, welche sie selbst erfunden und erngeführt haben. Es ist wohl'bitter,, wenn man am eigenen-Leib die Grausamkeiten empfindet, die - man anderen angetan hat. Aber Untreue schlägt den eigenen Herrn, und wir haben fnMer gesagt, daß jede Ungesetzlichkeit, welche man gegen/die Juden erlaubt, bei diesen nicht stehen bleiben, sondern zu einem'. Miß stand des ganzen öffentlichen .Lebens werden wird.'Aus dem zügellosen Judenhaß ist 'der .verderbliche Nationalitätenhatz geworden/ aus den Ausschreitungen des leicht bekehrten und betörten. Pöbels die Unsicherheit des ganzen öffentlichen Lebens. ..... Am interessantesten ist es, wofür die antisemitische Entrüstung die ungestörte politische Freiheit eigentlich verlangt. Sie will den Haß gegen die großen Kriegstreiber, gegen die christlichsoziale Presse Und ihre agra/ risch-feudalen Hintermänner,, gegen die agrarischen Wucherer, gegen die zahllosen christlichsozialen Kriegsgewin- -ner aus allen Ständen, gegendie unfähige christlich/ soziale Verwaltung von-den Antisemiten abwälzen und in einen Judenhaß verwandeln. In den gesprengten Versammlungen . hätte eine fröhliche 'Judenhetze gepredigt werden sollen, und ein Unterstaatssekretär des, Innern war der Kapellmeister der Symphonie! Wenn dann

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