Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 49 (13.12.1918)
- Date
- 1918-12-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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O - MoHmWüft, ' ' m* m den eifrigen Bemühungen teilnahm, die Möchte jener iJuden KN sichjern mch -ihre Kriegsliden zu mildern. Es würde hier zu weit führen, all jene Gchiete und alle ßone~Zweig^des Mischen, MenArn Wienderen. Entwicklung Dr. iAlsred Stern durch seine htvorragende Persönlichkeit beeinflußte, Einzeln M 'beleuchten. Wir können zusammenfassend sagen: alles, rväs Misch war, ging ihm Nahe, und nichts war'Hm zu geringfügig, um ihn nicht seine Bedeutung für das Gawze erkennen zu lassen. Die Waisenfürsorge, der KinderMsorge ich.allgemeinen, der Neligioirsünterricht, der Kultus und dgr Mtus, das Wohltätigkeitswesen,, unsere Wohlsahrtseinrichümgen, alles beschäftigte -jhn und gllech drückte er durch seine geistige Kapazität Heu persönlichen Stempel auf. . Wer wollte sagen, daß Dr. Alfred Stern wählend -seiner jahrelangen Tätigkeit nie Wirrt hätte. - Solches von. einem Menschen Kn behünpten, hieße ihm' die Mensch? liche Natur Wspreche::. Ater das glänzende Licht seiner Verdienste ist so starkdaß die vorgekontmeuen Irrungen von'ihm völlig überstrahlt werden. Es sei mir gestattet, die Worte zu wiHjerholen. die ich an seiner Bahre gesprochen' habe. Wenn die Geschichte der Wiener Kultns'gem-einde einst ^geschrieben werden wird und die hervorragenden' Männer der Gemeinde genannt werden, dann wird Dr. Mfred Stelm unter den Hervorragenden als einer der Hervorragendsten bezeichnet werden. - Wir, die wir währ eich .vieler Jahre Zeugen 'seiner hingebungsvollen, Kerzengungstreuen, aufrechten, segensreichen Tätigkeit für unsere iGem'emde und das Judentum Goaren, wir wissen, daß Pas Judentum Dr. Alfred Stern unendlichen Dank schuldet, wir wissen, daß diese Kultusgemeinde, und möge fie welche Entwicklung immer nehmen, solange ans uns Inden nicht der letzte, Funke von Dankbarkeitsgefühl für im Dienste der Gesamt^ heit geleistete selb Wo st- -aufopfernde Tätigkeit geschwun^ den sein wird, solange indem 'Juden oie traditionelle Pietät für die bedeutenden MänNer in Israel fortleb!, das And enken an Dr. Alfred Stern ein gesegnet es sein wird. - Hierauf wurde die Sitzung zürn Zeichen der Trauer geschlossen. Die Progrome in Galizien. Die Abgeordneten Dr. v. Low enstein und Dir. Steinhaus haben an den polnischen Ministerpräsidenten M o rac z e w ski in Warschau folgenden Appell gerichtet: An den Bürger Andrzej Moracz ewski, Ministerpräsident ' - ' in Warschau. Seit Wochen türmen sich die -Nachrichten Wer Judenverfolgungen im Lande; mit Staunen vernimmt ldie zivilisierte Mett, was M Ms jdem Boden des neuerwachenden, freien, unabhängigen Polen ereignet.! , Es ist uns heute picht möglich, zu überprüfen, inwieweit alle Einzelheiten der Berichte von Zeugen und Opfern dieser.Wauenerregenden Vorgänge der traurigen Wahrheit entsprechen. Aber wenn auch nur -der zehnte Teil Wahrheit wäre, er wäre schon Grund genug für schreckliche Anklage. Dem .Walten per geschichtlichen Gerechtigkeit verdankt Polen seine Auferstehung. Ist das die geziemende Feier sü?r das iGeburtssest der Freiheit? Mehr als ein Jahrhundert bangte Hie Seele Polens dem Augenblick entgegen, in dem sie Kn eigenem staatliche Leben, zu schöpf ferischer Arbeit Aller erwachen würde. Der Tag der Freiheit sollte die Vereinigung aller produktiven Kräfte bringen, um zu .schaffen und zu bauen, nicht um zu zerstören und tzu vernichten. Wir harrten des TagÄ, an dem eine Jahrhunderte alte, von Rußland geknechtete Kultur zu neuem Leben Wiedererstehen wird. Anstatt dessen feiert «aus Rußland verpflanzte Barbarerei, ihxe furchtbaren Orgien. Ms die -ersten schmerzlichen Rachrichten Aber Gewalttaten Legen Inden eintrafen, Nähmen wir an, das sei die Frucht der alten zaristischen 'Sapt> des Hasses, die Regierung werde das Unkraut ungesäumt ausjäten. Es gibt ja doch schm: eine polnische Regie-» rung! Unterdessen kam - Chrzauvw, es kamen Bvzesko, Krosno, Baranow, Kielce, Grozis'ka, Dubiecko, Jaroslaw, Przemysl. Wir riesen nach sofortiger zielbewußter Abwehr. Vergebens! iGs kam Lemberg, der GipsW Punkt in -der -Reihe jener Orte von heute so blutigem Klange. Jetzt dürfen wir nicht schweige::. Nicht durch nacktes Mlengnen der Tatsachen, dem niemand in der Welt glauben wird, wird das Schreckliche gutgemacht, und auch nicht!durch Versuche, jb'ie ungeheuerlichen Geschehe nisse durch langebliche Ausschreitungen einzelner Juden zu rechtfertigen. Denn wenn sicr angebliche Taten eines Einzelnen tue unschuldige Masse der Judenschast zu blutiger Buße herangezogen werden dürfte, dann müßte mit gleichem Wecht das ganze polnische Volk die Schand? taten verantworten, welche bewaffnete und unbewaffnete Horden, unwürdig ides Namens Polen — und doch Pole::, versäht haben. Ätur männlich offenes, strenges Verdammen solcher Verbrechen ziemt der WL'crde der Natichr Gegen das furchtbare Blutbad Unschuldiger, gegen diese Orgien Hser Finsternis-, denen viele Hunderte von wehrlosen Glaubensgenossen, Frauen und Kinder, Leben und Habe, znm Opfer fielen, erheben wir ucksere Stimme zu flammendem Protest. Namens des Polentums, denn diese Vorgänge flecken die Fahne der wiedergejborenen RepukLik. ZnM Schutze unserer Brüder, denn nie erstickte der Patriotismus in xuns die glüheiche Webe zum 'Glauben unsepep Väter. Und wie unsere Ahnenj noch! unter Folter und Opalen ihren Gott bekannten, fo kann auch uns keine Macht der Welt sowie keine politische Rücksicht von. der Gemeinschaft mit dem Judentum losreißen. In Verteidig gnng per Staatsraison, denn unwiederbringlichen Schaan fügen die igrauenerweckenden Ereignisse der letzten; Tage der polnischen Sache gerade in der Zeit zu, in welcher die Augen der ganzen Welt ans den staatlichen Wi'eperaüsbau PoleM gerichtet sind und in welcher von seiner ikultr:rellen und politischen Reife ein Großteil seiner 'Erfolge abhängt. Im Namen der Menschlichkeit, denn das, was jetzt jaus dem ohnehin durch die Greuel des 'Krieges' hart mitgenomMenen Boden Polens vorgeht, spricht den primitivsten Anforderungen der Menschlichkeit Hohn. Sache der polnischen Regierung war urH ist es, die entfesselten Elemente zu zügM und mit aller Energie weiteren Greueltaten vorzubeugen und weiterem Schimpf für die Würde des polnischen Namens. Wir verlangen Von der Regierun'g, djaß sie durch nirgesäumte Tat beweise, daß sie die Judenverfolgungen! aus das schärfste verdammt. Wir verlanigchtz die sofortige Einleitung einer Untersuchung zur Feststellung der Schuld und zur strengsten Bestrafung der schuldigen. Schuld daran sind nicht Nur diejenigen, welche die Tat begangen, sondern -auch diejenigen, die sie durch Aufreizung dM Volkes bewirkt haben. Und die Regierung, wächje doch derzeit ganz Polen repräsentieren, sie mutz der Welt die Gewißheit bieten, daß sie jenen Grundsätzen der Gleichberechtigung aller Bürger ohne Urrterschied des Glaubens, denen die Regierung Der wiedererstehenden Republik?o