Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 49 (13.12.1918)
- Date
- 1918-12-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 49 Seite 797 Moch's Rede^ des Herrm LaK^ssftHnlr'Ki Dr. W^arkns Spitzer, H^rKsiderrt dev Thewra-Kadischa. Hochgeehrte Trauerversammlung! Wenige Monate sind verflossen, seitdem die Chewra-Kadischa .Wien den Heimgang seines Ehrenmitgliedes, des ausgezeichneten unvergeßlichen Oberrabiners Dr. Moritz Güdemann, beklagte, und heute ist mir wieder die überaus schmerzliche Aufgabe zuteil morden, der tiefen Trauer über den unersetzlichen Verlust, den wir durch den Tod Unseres Ehrenmitgliedes Dr. Alfred Stern erlitten, Ausdruck zu geben. Beide Männer haben an dem Emporblühen unserer Bruderschaft auS allen Kräften mitgewirkt, beide mansche w'äharaun bkauhanow waren echte und wahre Priester in dem heiligen Dienste dieser Körperschaft. In einem Alter, in welchem gewöhnlich unstillbare Sehnsucht das Gemüt durchzieht, nach getaner ehrlicher und redlicher Arbeit die wohlverdiente Ruhe und Muse zu genießen, hat der Verewigte, gedrängt durch unendliche Liebe zu seiner Gemeinde, das schwierige verantwortungsvolle Amt eines Führers derselben übernommen und hat sich. durch seine außerordentliche Begabung, durch seine Charaktereigenschaften. durch seinen eisernen Willen,, seine Äeberzeugnngst'reue, seinen-Gerechtigkeitssinn und die Hingabe seines ganzen Wesens und Seins an das Wohl der Gesamtheit zu der hochragenden Gestalt eines Präsidenten emporgerungen, zu der die ganze Gemeinde mit gerechtem Stolze und Vertrauen empordliüte. Wenn, ich an die Spitze des nunmehr geschlossenen Lebeusbuches voll reichen Inhaltes ein Motto setzen wollte, so würde ich es in dem biblischen Worte isch ascher ruach bau finden, mit welchem Zosua von Gott zum berufenen Führer seines-Volkes erkoren wurde. Denn fürwahr, ein göttlicher Geist war es, der in diesem Manne waltete. Mit intuitivem, großzügigem Blicke erschaute die in unserer Gemeinde herrschenden manigfacheu Strömungen, Stimmung n, Regungen. Geisterrichtungen, Wünsche und Hoffnungen, er leitete und lenkte dieselbe mit starker Hand nnd bewahrte,' die Gegensätze überwindend, das kostbarste Gut, die Eintracht und den Frieden; mit seltenem Scharfsinne und' durchdringendem Verstände erfaßte er die verwickebsten Probleme und Fragen in ihrem Kerne und führte sir einer glücklichen Lösung entgegen. Ec verband die Frische und Beweglichkeit der Jugend, die Tatkraft des. Mannes, die abgeklärte Weisheit des Greisenalters zur schönsten Harmsme, und er war ein Meister, des Wortes, das, um einen prophetischen Ausdruck zu gebrauchen, bald einem Hammer gleich, der den Felsen zersplittert, wenn er mit seiner unerbittlichen Logik und der Macht seiner Argumente die Widersacher eutwaffnete, bald durchglüht war von dem Feuer edler Begeisterung, wenn er für die Ehre und |bie Rechte unseres Volkes einttat. ' Dr. Alfred Stern war in seinem Denken^ und Fühlen, mit seine ganzen Seele ein jüdischer Präsident. Er war von einer tiefen Religiosität. besuchte bis in das späte Alter häufig das Gotteshaus, unser biblisches Schrifttum bot ihm nach des Tages Mühen Erquickung und Verjüngung, er hatte einen offenen Sinn und Verständnis für die Erfordernisse eines ersprießlichen Religionsunterrichtes. Er förderte den Bethausvorstand, in dessen Namen, ich die innigste Anteilnahme der Kultusgemeinde ausdrücke, in seinen Bestrebungen, die Schönheit und den Glanz des Gottesdienstes zu erhalten, und sein Sinnen und Trachten war dahin gerichtet, unsere Institutionen im Geiste der Religion, im Geiste der Liebe, Barmherzigkeit und Menschrnfreundlichkeit geleitet werden. . Der Verewigte war ein unermüdlicher Kämpfer für jene große uu.d erhabene Idee, welche in der Mischen. Volksseele wurzelt und durch die. Tradition vyn Jahrtausenden geheiligt ist und zu allen Zeiten auf das Judentum veredelnd und versittlichend gewirkt hat, die Idee der Pietät und Treue, gegen unsere Toten. Er 'verwendete alle Sorgfalt ans die Verschönerung und Erhaltung unseres Währing-r Friedhofes, der Ruhestätte hochverdienter Männer, er war von dem heißen Wunsche beseelt, den konfessionellen Charakter des Zentralsriedhofrs zu.wahren und jedes fremde Element von demselben abzuhalten, er hat im Vereine mit gleichgesinnten Männern und in weiser Voraussicht den neuen Friedhof für die Gemeinde erworben, der dadurch das ihm eigentümliche Gepräge erhielt, daß an demselben ein unabhängiges, Eigentum, ein wahres achusas kuwer erworben wurde. Die Chewra-Kadischa, welche die goldenen Worte grmilut chassud'm auf ihre Fahne zeschrieben, hat in unversiegbarer Dankbarkeit, in treuer Anhänglichkeit und in unbegrenzter Verehrung dem Manne, der gemilut chassudim in solch umsaßendem Ilmfange ausgeübt hat, die Ehrenmitgliedschaft verliehen und wird diese Dankbarkeit und Verehrung niemals in ihrer Mitte veASschen. So ist ein gvttgesegnetes, glückliches Leben vollendet,-und auf de r Verewigten findet der Spruch der Schrift Anwendung: „Du wirst in hohem Alter in die Gruft steigen, wie die sruchtbeladenen Garben eingesührt werden.- wenndie Zeit ist gekommen." Wir werden nun ben Dahingeschiedenen zur letzten Ruhestätte geleiten. Sein Geist aber wird sortb ben in unserer Gemeinde. Die spätesten Geschlechter werden seinen Namen preisen und rühmen und den leuchtenden Spuren seines Erdenwallerls folgen. Der Inhalt seines Lebens. sein Wirken und Schaffen wird einen glänzenden Abschnitt Inder Geschichte unserer großen und herrlichen Kuitusgemnnde bilden. Kein Andenken wird für und für eingesegnete bleiben. Secher zadik Übrocho. Wochenschrift Rede des ersten SePMrA Tjr. CW'tk Mer. Irr tiefer Wehmut steht die Beamtenschaft an der Bahre ihres verewigten Präsidenten, und Wir wnrd Ne schmerzliche Ausgabe Wien, in ihrem Namen von ihm Abschied zu nehmen nltd 'in kurzen Worten anszusnhren, was der Verewigte der Beamtenschaft gewesen ist. Es ist Mturgenräß, daß ein Mann wie Dr. Alfred Stern, der gewohnt war, an sichdie höchsten Anforbespungen zu stellen, auch: von der Beamtenschaft nicht nur vollste Pflichterfüllung, sondern darüber hinaus unbetzrenzte HinHaöe an den Biests, der ihm ein heiliger war, verlangt hat. Unb so wie der Leitstern seiner Tätigkeit die Lie'be zur Gemeinde, die Liebe!znm JudesttuMe war, so war es auch sein Wunschj,!daß, die Beamtenschaft sichnicht bloß von Pflichteifer, sondern «auch vorn Idealismus leiten lasse. Mit um so (größerer Befriedigung! darf es» uns daher erfüllen, daß Dr. Alfred Stern wiederholt Gelegenheit nahm, der Beamtenschaft seine vollste Anerkennung ausznsprechen. Aber nicht nur mit Porten der Anerkennung hat der Heimgegangene der Beamtenschaft gedacht, sondern ist auch jederzeit tatkräftigst für ihre berechtigten Interessen eingetreten,!wv immer dies int Nahmen *oeS Möglichen gegeben war. An unserem .persönlichen Geschick hat er stets regsten Anteil genommen. Jedem FormchrMmg war er .abhold 'und jeder von uns konnte jederzeit iM Amte oder in der Privatwohnung unangemeldet bei ihm vorsprechen, weft entfernt, die Freiheit der Memnngsäljßerung des Bet-» amten zu unterdrücken, hat er vielmehr zu freier Ans-- spräche ansgesordert. Für all dies sage ich ihm namens der''BelmEnk schlaft herzlichsten, innigstgefichlten Dank, aber äuch im eigenen Bchnen, da es mir Mgoiyrt war, mehr als ein Vierteljahrhnndert unter seiner Leitung zu arbeiten und von ihm zu lernen. Und wieviel konnte man von Doktov Alfred Stern fernen! Wir werden des Verstorbenen stets in Treue und Verehrung gedenken. ' -t- * * Anläßlich des Ablebens des Ehernpräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern s. A. sind dein Kultusvorstande von folgenden Persönlichkeiten und Körperschaften Beleidskundgebungen zugekommen: vom Sraatssekretär für Unterricht: Pacher; Bürgermeister Dr. Weiskirchner, Polizeipräsident Schober. Landeshauptmann Leop. von Steiner, Ministerin. D. Gnyer, für die westnkrninische Volksrepublik Nikslay von Wapilko, Präsident des evanzelschen Oberkirchenrates Dr. Haase, das Präsidium der evangelischen Pfarrkirche A. B., das Präsidium der Handels - und Gewerbekammer, Präsident der „Concordia" Dr. Ehrlich, Landcssanitätsrrferrnt Hoftat Ritter von Helly, Hoftat Berstl, Vorstandsmitglied S.^Brod, Notar Dr. Julius Bermann, Geheimer und Regieruugsrat Dr. Adolf Edler von Bachrach, Regiernngsrüt Dr. Frankfurter, DDr. Herm. und Immanuel Bruch, Emil Jelinek, Architekt Friedrich Mahler, Adolf Ritter von Nassau. Dr. Ignaz Schwas, Primarius Prof. Dr. Jul. Zappert, Univ.-Prof. Dr. S. Klein Frl. Julie Menzel; von den K u l t ns g emei n d e n: Amstetten, Baden, Bielietz, Budapcster israelitische Religiynsgemeinde, Eibenschitz, Franzensbad. Fviedek-Mistrk Grar, Horn, Innsbruck, Krakau, Linz, Loschitz, Mähr.-Ostrau, Mähr.-Weißkirchen, Mistelbach, Neu-Raußurtz. Nachod, Neunkirchen, Olmütz, Oberhollabrunn, Prag, Pohrlitz, Preßburg (Orthodoxe israelitische Gemeinde), Salzburg, Teschen. Tryppau, Trebitsch, TW», Waidhofen, Wiener-Neustadt, Horic, Pilsen, Steyr; von den Vereinen und Anstalten: dem Aktionskomitee für den Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels, der Baronin Hirsch- Kaiser Jubiläums-Wohltätigkeits-Stiftung, dem Israelitischen Humanitären Verein „B'nai B'rith", Bezirkskommiffion 13. bis 1h. Bezirk, „Chonen Dalim", Israelitischer humanitärer Verein „Eintracht", Verein „Frauenhort", Frauen-Wohltatigkütsverein Florid«d»rs, Frauenwohltätigkeitsverein „Providentia", Hilssverem für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens, Kaiser Franz Joses-Ferieicheim, Kaiser Franz Josef-Kinderhort, Oesterreichisch-nngarischer Kantoren-Berein, Kranken- UnterstntzunzS-Berein „Limias Chen", Israelitische Kin"erbemahrynstalz Elternvereiu „Pestalozzi", Proponenten d s jüdischer» Verbandes für