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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-13 · 49 (13.12.1918) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
49 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 49 Dr. BlM'S Wochenschrift «eite 785 „Deinesgleichen gibt es nicht sobald an Weite des Blickes und an Tiefe und Gründlichkeit des Wissens." Bewunderung "'geradezu verdiente seine Behandlung nüchterner Haushältsfragen in Stadt und m Gemeinde. Zum Künstler wurde er, indem er . aus Kreuzern und Hellern, /ftrdem er gleich jenem großen Staatsmanns Englands, aus trockenen Zahlen ein Prachtwerk schuf, das durch die zwingend überzeugende Geisteskraft, die aus ihm sprach, auch das widerwikligste Ohr in seinen Bann zog. Mit diesem überlegenen Geiste verband er eine eiserne Willenskraft. Er war ein ganzer Mann. Nie sah Man ihn unentschlossen. Was er sich vorgesetzt, das suchte er , Mit dem Einsatz seines ganzen Einflusses und seiner Persönlichkeit dürchzusetzen, und keine Rücksicht, aM wenigsten die auf sich selber, konnte ihn darin wankend Machen. „Feiger Gedanken bängliches Schwanken" hat diese Seele nie berührt. Sein Wille war zäh und sein Entschluß unerschütterlich. Durch solche Gaben berufen, an der Spitze eines großen Gemeinwesens zu stehen, ließ er in seiner Amtsführung Noch eine besondere jüdische Note mitklingen. ES war Treue gegen die Vergangenheit, Festhalten an der Väter Erbgut, zugleich eine Pflichttreue, die sich nicht darauf beschränke, weitausgreifende Unternehmungen für das Gemeinwohl gewissenhaft durchzuführen, sondern ganz besondere Tatkraft widmete er jenen Einzelfällen, in denen er es unternahm', in ihrem Judentum gekränkten Glaubens- und StaMMesgenossen ihr Recht zu schützen. Dieses sorgsame .Eingehen auf das Einzelschicksal derer, die seine Anteilnahme zu gewinnen wußten, sie bildete auch das Band, das ihn Mit seinen Anverwandten zu einem Kreis' vereinte, der ihM all das geboten, was ihM an Häuslichkeit und Behagen iM Leben beschieden war; einem kreise, der ihn auch darüber tröstete, daß er Mit steigendem Alter imMer mehr der Werkgenossen verlor und imMer einsamer seinen Weg fortsetzen Müßte. And mun darf man von ihm sagen, was wir von Josef lesen: Mit ihM ist; derletzte eines ganzen Geschlechtes dahingegangen. ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte unserer Gemeinde schließt ab Mit dieser Stunde. Von seiner Bahre scheiden wir mit dem Wunsche: Lange Jahre hindurch war es ihM vergönnt, das Schiff unserer Gemeinde trotz mancher Klippen und StürMd mit fester Hand zu steuern. Möge Mer seinem Grabe walten Friede in unserer Gemeinde, Friede in .unserem ganzen schwergeprüften Volke. AMen. - : -Rede DK. Herrn VizchKMnHn Koftat Dir. Wappaporü .. ^iefbetrübt stehen wir an her Bahre des letzten Präsidenten der Wiener, israelitischen Kultusgemembe und chlres ersten Ehrenpräsidenten. Tex Schmerz ist um so tiefer, Als? Man sich des GedanDens nicht erwehren rann> daß die letzten Vorkommnisse in der Gemeinde seinen Tod beschleunigt haben, > -Der Wirbelstur'm, der Mejr ganz Europa dahinrast, hat jauch an' den Pforten unserer Kültusaememde gerüttelt und die ' starke .Eiche jgchälltz die lange, lange ^ahre ihre schützenden Arme 'über die Kultusaemeinde gebreitet chat. . volles Menschenaller Hindurch gehörte Dr. Stern dem'Vor stand e jd er sKultusgemeinde ian, mehr als 14 Jahre .^^ls Präsident hn ihrer Spitze; 20 Jahre war^ ich fein Weggenosse und wsar in der Lage, sein Wirsseü Ku sehen und zu.beurteilen. . Ein guter Genius hat ihm beneidenswerte - Gaben in die Wiege »gelegt, einen gesunden, stahlharten Mrper, einen durchdringenden Verstand, eine unbeugsame Willenskraft' und eine hervorragende Begabung, zu leiten.Mld zu herrschen. Nimmt Man hinzu sein außerordentliches Pflichtbewußtsein und seine unermüdliche Arbeitskraft, so wird es erklärlich) daß er sich so aüMrordenUiche Verdienste um die Gemeinde erworben hat. Bei all seinen Handlungen ließ er sich von zwei Gesichtspunkten leiten. .Der oberste Grundsatz für ihn war, die Mcheit der Gemeinde Kn wahren und zu erhalten; er übernahm dies als Vermächtnis nach düM früheren Präsidenten Heinrich KlingM und war ein treuer Hüter desselben. .Der zweite Grundsatz war, iMmev ünd Überall die ^Interessen der .Wiener KultusgeMeinde^ und darüber hinaus die Interessen der gesamten Judenschaft lauf das möglichste zu wahren, wobei er sich selbst durch, die von hem Statute gezogenen Grenzen nicht beengen ließ. i. Was alles "Dir. Stern während seiner langen AmtswirksaMkeit geschaffen, einzeln anznfühven, würde zu weit führen, es seien hier nur die Markantesten Leistungen in Wrze erwähnt. Seine Mitwirkung bei der Abfassung des Statutes in langjähriger mühevollen Arbeit, die Verhandlungen wegen Erwerbung der Dreherschen Gründefür den neuen Friedhof, die Verhandlungen wegen Erwerbung der Gründe im Augarten für das Kmdetrspital, Eintreten für hie gärtnerische Ausgestaltung des WäHringer Friedhofes, wobei er sich iMbefondelre von dem Gedanken leiten ließ, daß hiedurch >d-ie Erhaltung desselben für immerwährende Zeit verWÄt wäre. Alles!, was er unternommen, verfolgte er mit Beharrlichkeit und führte es zu einem guten Ende. Sein Liebtung'swnnsch war, in der Inneren Stadt einen monumentalen .Tempel zu erbauen. Diesen erfUlt zu sehen, war ihm allerdings nicht gegönnt. Wenn einstens hie Geschichte der Wiener 'Kultusgemeinde geschrieben werden wird und die besten und die hervorragendsten Männer derselben werden genannt werden, so wird sein Name darunter nicht fehlen düstfen. Wer wollte behaupten, daß Djr. Stern während seiner so langen Wirksamkeit niemals igeirrt hätte. Dies behaupten, hieße ihm die menschliche Natur äbsprechen. Allein seine Verdienste um die Kuktusgemeinde sind so hervorragende, daß vor denselben die unterlaufenen Jrrtümer vollständig in den 'Hintergrund treten. T-r. Stern war ein Mann der Uebevzeugung und hatte immer den Mut, für seine Ueberzeugung voll einzurreten. Und als er gesehen, daß seine UeberzeuguNg mit dein Ansichten einer iaufstrebenden, nach Geltung ringenden Partei nicht in Einklang M bringet sei, zog er ffich vom Präsidentenstuhl' zurück. Das geschah aber nicht im! Stillen, .Nicht wie gewöhnlich »durch Uebersendnng eines Verzichtschreibens, nein, in voller Plenarversammlung brachte er die jGMrde.vor, dije ihn zu seineiN 'Rücktritte geführt. Er schied, wie er gewesen: sest, aufrecht, marmhaft. Wenn auf einen das Wort des Dichters paßt, so paßt es aus ihn: 8i fractur, illabatur orbis Impavidum ferient ruinae. So ziehe denn hin in Frieden, die Erde sei dir leicht. Dein Andenken wird ein immerdauerndes und gesegnetes sein! Rede des Herrn T>r. Arthuir Kupainda, BorstaqdSWitglied Der AftpMifchen Allianz A Wie». Im Namen der Israelitischen Lllliarch nehme ich Abschied von unserem hochverehrte» und hochverdienten Präsidenten.

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