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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-13 · 49 (13.12.1918) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
49 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 794 Air. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 gnadentum Her Persönlichkeit auch fernerhin zurecht be-r wart nD Zukunft ihrer Staate» und Völker in ihrrjr Haikd vereinigen. Wir, die wir fest und Unerschütterlichüberzeugt sind, -urtd jedes Blatt der Geschichte bestärkt uns Ln dieser U^berzeugmrg«, jbtoft Nichts tn der Welt gep schieht, handle es sich Nun um Großmächte oder einzelne Gäuppen, als Äftlsfluß xemer Wittküjr oder Pieren ZusMs, sondern daß aW sich planmäW entwickelt nach fichereir Gesetzen, wir stehen Nicht an, die mm zum Mschttrß gelangte Aera Dr. Mfred Stern als eine M schichtliche Notwendigkeit anzusprechen. Gewiß, die, Kräfte unld Ideen, die jetzt um die Herrschaft im JittUP tum riNgerr, sie sind, nicht von heute; sie haben schon. Nor. Jahrzehnten gewirkt, doch, waren "sie inznerrich noch nicht ausgereist; sie waren stoch niicht in Einklang p bringen mit dem Zuge her Zeit und dem' Gange djer Verl hAtniffe. Während hes Sturmes und Dranges, wäh-l rend des -Dobens und Gährens nochim Werden begriffener Bewepngen, da war es eine geschichtlichje Not- Wendigkeit, haß Mfred Stern wie ein eiserner Roland am Eingänge Lyfferes Ganses stand und! gute Wacht hielt. TLr v erstorbene «Präschent war eitle tlassische Bestätigung des weisen Satzes- Haft der Geist sich den Körper baut. . Bis Mr letzten Stunde seiner öffentlichen Tätigkeit Vermochte sein eherner Wille den durch Mler'uüd Leiden zermürbten. Körper aufrechtzueirhalteu; als seilt tragischer Rjücktrttt Zmn und sein WAle keilten Grund <mehr hatte, in Aktion p Preten, da zerfiel sein schwachsc Leib wie ein Kartenhaus.- 'Die scharf ausgeprägte, ungewöhnliche, wohl auch käntige mrd ^Mge Persönlichkeit Alfred' Sterns machtechn p semem Manne dc^' Kampfes. Ein gefährlicher und gefürchteter Gegner m der politischen Arena, mußte er, pr Macht gM ng t, mächfige und gefährliche Widersacher um sich erstehen lassen. Doch meine ich, daß er keinen Persönlichen Feind im vulgären Sinne des. Wortes hinterläßt. Wohl hat die politische Gegnerschaft, eine persönliche, zuweilen auch unerfreuliche Färbung angenommech Doch war es eben nur ein ins Maß^ lose'gesteigerter politischer Gejgjensatz. Die ehrlichjen Gelg^ ner müssen es ihm pgestchien, haß er Das gänjze taugch LLeu .hindurch,' von seiner frühesten Jugend' an, ein" aufrechter Jude gewesen ist, Haft er mit Stolz düs dch Vergangeicheit und mit Vertrauen iü die Zukunft feistes Stammes geblickt hat. Es' wird ewig schade bleib'en, daß er, det mit seinem untrüglichen GAächtnffse die lebendige Chronik der kotzten 70 Jahre unserer Geschichte gewesen, sich nicht Aap verstehen wollte, seine Erinnerungen niederzuschreiben. Aus diesen hätte man erfahren, wie oft und wie erfolgreich: <er schon in justgen Jahren in den finstersten Zeiten des alten Oesterreichsschon wahrend des unheilvollen Konkordates dg noch wirklich- Mut Dazu gehörte, an hohen und!, höchsten Stellen für Juden p irttewerrieren, für die Rechte seiner vergewaltigten Bruder eingetreten ist.' Auch später in den städtischen Vertretungskärpern wußte er im Kampfe gegen den Neuzeit^ lichen Anttfemitismusffeinen Mann, einen ganzen Mann, zu stellen. Ichhabe ihn — ächs war damals ein Knabe von sechs Jahren — in meinem ElterNH'ause gesehen, Ms er nach den ersten Pogromen' tu Mißlaich! im Jahre 1882 nach Brody kam, um den u erfolgten Juden- Hufe zu brülgen. Meine Vaterstadt liegt ast der Grenze des' einstigen Zarenreiches) nM in ihrer Nähe entstand, wie durch ein Zauberwort, eine .Barackenstadt, die viele Tausende wvn Flüchtlingen beherbergen mußte. AlsrÄr. Stern brachte Hnen nicht nur Meld undein reiches Organisationstalent mit, sons>ern auchdie Macht seiner Persörrlichkeij, die die lässigen, vielfachfeindlichen. Liandesbehörden'zwang, ihre Pflicht gV Menschen p erfüllen. Gs steht mir nicht psiher das Große zn-DvechM,/ das er als oberster Verwalter' unserer Gemeinde vollbracht, wie er es verstanden, irr Tagen der Not nnsev Schifflein an gefahrdrohenden Klippen vorbeipfichren. Ich fand bei ihmnicht nur viel persönliches Wohl^ kennen gelernt, als er pm «ersten Male, allerdings in nochrmverbindlich«er Form) an mich die Aufforderung richtetein Verhandlungen p treten wegen des Hiesigen Oberrabbinate's. Man schilderte ihn mir als selbstherrlichen Mann, hier Neben dem seinen keinen anderen Willen duldete, und wenn ich «es auch für meiNe Pflicht hielt-, seiner Einladung Folge sp leiste^ so ftachte ich doch: nach fünf Minuten gehen wir ergebnislos auseinander. Es kam anders; ich mIMe. eine angenehme Enttäuschung. Ich fand bei ihm nicht Nur'spiel : persönliches^ Wöhk. wolleri, sondern auchso reiches .Verstärchnis für ganz moderne, -auchradikale Mrschpungen, baß ich mir sagen mußte: Du ikennst gar manchen -Jüngling, der weit älter ist, als dieser 86 jährige GreV. Nehmt alles' (mir% sattem) seine starken und schwachen Seiten, seine Fehler und TugerMn, er war ein Mann, vor dem sichauch.^ev Gegner in Ehrfurcht neigen muß. Man mag die Wetze, Äe er im öfferr'tlichen Men p betraten , für gilt beftlndep. hat, nicht immer für die richtigen gehalteir haben unfl muß, hochsagen: er nimmt mit sich ins Grab das Bewußtsein mit — und höheren Reichtum Wunen auch die Msten unten uns nicht ihr Eigen nennen —, rn einem langen gesegneten Lieben' mit vorbildlicher Pflichttreue und unerschöpflichen Geisteskräften nach bestem Wissen und 'Gewissen seinem Volke gedient p haben. Möchte dir süß sein der ewige Schlaf, du Unermüdlicher, unvergleichlicher Arbeiter! (Kph. 5, 11.) :; ' . : Mit der Rezitation der Etm'ole rachamim schloß die Trauerseier iM Tempelworaus der Sarg gehoben liitö im e'.nsachen Trauertvagen auf den./Zentralfiiedh-of i'ib erführt wurde. - In der Zevemvnieuhalle hielt Rabbiner Dr. Grnnw ald den folgenden Nachruf. Rede des Herrin Nabdiner Dr. Mar Grunwald. Von einem Weisen des Talmuds, Rabba bar Nachmani, wird überliefert: Der Todesengel war machtlos gegen ihn, solange er, in sein Studium vertieft, seiner Pflicht oblag. Seine Seele wohnte gar nicht in denk gebrechlichen Körper, sie war ganz aufgegangen in seinem Berufe Doch eines Tages gelang es dem Todesboten, den Weisen zu überlisten. Nab'ba bar NachMani unterbrach seine Arbett, im selben Augenblick sank er entseelt zurück. Auch an dem Verklärten schien die Zeit spurlos vorbeizuziehen, seine Geistesfrische und Willenskraft ließen- bis zuletzt seine Jahre vergessen. In hohem Alter übernahm er.noch eine Aufgabe, die emen ganzen Mann in der Vollkraft seines Könnens erfordert. Dieses Amt wurde seine Seele, Mit diesein Amte und in ihm. lebte er. KauM war er aus ihm geschieden, als auch sogleich der Engel des Todes sein Recht auf ihn geltend Machte. 'Zwei Eigenschaften befähigten diese schier unverwüstliche Kraft für ein solch hohes, verantwortungsvolles Amt. Vor alleM ein scharfer, durchdringender, trefflich geschulter . Geist. Eine llnterredüng Mit ihm war ein Genuß. Gleichviel,' ob es einem! G egenstande der Politik oder des Alltags, der Wissenschaft oder der Kunst..galt, überraschend war die Sonnenkkarheit seines Urteils und die Meisterschaft, mtt der er die entlegensten Gebiete Des Lebens wie des Wissens beherrschte. Man ging von iyM, im Herzen die Anerkennung, die einst Josef in Aegypten öffentlich gezottt wurde:

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