Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 49 (13.12.1918)
- Date
- 1918-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022350--27395-3052809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift , Seite 793 Gins Deputation der sbexungarischen Znderr. Unter führung des Verboer Oberrabbiners Dr. Reich, erschien kürzlich eine Deputation der oberungarischen Juden vor dem' Justizminister Dr. Dionys B elinke y. Der Sprecher der Deputation, Oberrabbiner Dr. Reich, führte aus, daß den Plünderungen in Oberungarn wirtjain' entgegengetreten werden müsse, daß Wirksame Entschädigung der Betroffenen erfolgen solle und daß.der Versuch unternommenen werden möge, die Gemeinden Ar die-Schädigung einzelner materiell verantwortlich zu machen. Der Justizminister karrt der Deputation mit größter Freundlichkeit entgegen und verwies auf das Bestreben der Regierung, die Ordnung im Lande möglichst energisch herzustellen. Er beschäftigte sich auch Mit dem Wunsche des Sprechers der Deputation, der angeregt hatte, daß Möglichst schnell entsprechende bewaffnete Macht zur Verhinderung von Ausschreitungen wirksam werde. Schließlich stellte der Minister schleunige Abhilfe lind Schadloshaltung in Aussicht. 'Jas KeichenKsKÄRAws Ir. Alfrsd Kterrt» Das große' Ansehen und die Wertschätzung, welches der vorige Woche/verstorbene langjährige.Präsident und'' Ehrenpräsident der israelitischen Kultusgememde Doktor Alfred Stern in den weitesten'Kreisen des In- und Auslandes genoß, kam' an seinem aM "4. Dezember 1918 stattgehabten Leichenbegängnisse pm Ansdrück. Der Wiener Kultusvorstand und jene Korporationen, an deren sLpitze Drt'Alfred Stern stand, hatte eine eigene Parte ausgegeben, die wir. wegen der obwaltenden technischen Schwierigkeiten erst diese Woche an anderer Stelle vchösfentlichen. Im Sinne der letztwilligen 'Verfügung des »Verblichenen wurde er in einem' einfachen, ungehobeltchr ^Sarge bestattet, und?gintz das ganze Leichenbegängnis Win einfacher Weise, Mit Vermeidung jeden Prunkes, von- «* statten. Die öffentliche iTpauerfeier nahm um .10 Uhr vormittags im iTeimpel der Inneren "Stadt ihren Anfang. An der Leichenfeier nahmen teil u. a.: Sektionchrs a. D. Freiherr von Roza, Louis Baron Rothschild, Philipp Ritter von Gomperz, Landessanitätsreferent Hofrat Dr. Ritter von Helly, Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines Dr. Ehrlich und Vizepräsident Julius Stern, die vormaligen Abgeordneten Vogler und NoSke, Stadtrat Dr. Oskar Hein, Gemeinderat Medizinalrat Dr. Löwenstein, die kais. Räte Paul L«mberger, Kläger, S rchs von Sachsenhall, Frau Oberabbiner Dr. Güdemann, Dr. Richard Goldmann, Notar Dt. Bermann, Prof. Dr. Braun und Prof. Zappert. der Direktor des Rothschildspitales Dozent Dr. Fleischmann, der Direktor des., Blindeninstitntes kais.. Rat Heller, Abordnungen der evangelischen Gemeinden AÜIsburger und helvekischen Bekenntnisses,' sämtliche Mitglieder des Knltusvsrstandes mit Herrn Vizepräsidenten Hofrat Dr. B. Rarpaport, sämtliche Mitglieder des Bethausvorstandes mitsämtlichen Rabbinern der Kultusgemeinde, dem Präsidenten Dr. Markus Spitzer, die Beamtenschaft der Wiener Kultusgemeindr mit dem ersten Sekretär Dr. Eniil Adler und Sekretär Emil Engel, Delegierte der Israelitischen Allianz, der Israelitischen Union, der israelitischen theologischen Lehranstalt unter Führung des Rektors Dr. Ad. Schwarz, ferner: der gesamte Bethausvorstand für 1. und 2. Bezirk . und Vertreter der Bethausvorstände sämtlicher Gemeindetempel; sämtliche Mitglieder der Chewra-Kadischa für den 1. Bezirk und Delegierte der Chewra-Kadischa der äußeren Bezirke und eine Vertretung der Wiener Rabbinervereinigung; Delegierte der Bezirkskommissionen für den 2. und 20. Bezirk; Dr. Josef Winternitz; für den 6. und 7. Bezirk: Leopold Waller; für den 16. und 17. Bezirk: Obmann S. Weitzmann; Delegierte des Verbandes der Wiener Religionsprofesssren an Mittelschulen (Pros. B. Bach); Humanitätsverein Bnai Brith „Wien": Dr. Albert Kuh. Für die. israelitische Kultusgemeinde Linz: Emil Bruder; Wiener- Neustadt: Rabbiner Landau; Mödling: Dr. Adolf Moser, David _ Rosenseld; Groß-Enzersdorf: Ferdinand Mandl, Jul. Fleischmann; Amstetten: Rabbiner Dr. Bertisch; Orth, Gemeinde Preßburg: D. Kraus, I. Kallmann, D. Rosenbrum; Mistelbach: Ludwig Abeles; Gänserndorf: Isidor Stein, Bernhard Fleischner, Julius Feßler; M. Pölten: Albert Leicht. Verband der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien: Geon Haim, M. Susiin, Sekretär Dr. Halfon, Rabbiner Asp. Avadia, Oberkantor Bauer, Kantor Löwit. Für die Tenrpevereine Montesiore: Jakob Spitz; Achadus Israel: Josef Winter; Beth Israel: Dr. Leo Landau. Dr. Max Jakobsohn und Markus Schneid; Tempelverein 19. Bezirk: Obmann Moriz Müller; Tempelverein 5. Bezirk, Stnmpergafse: Moritz Felsenburg; Tempelverein 20. Bezirk: Obmann Leopold Sp ra; Tempelverein 8. Bezirk: Wolf Beck; Wahrheit und Fried: David Brozdowitz; Schulderem für den 10. Bezirk: Jakob I. Straßberg; Schulverein 9. Bezirk: Max Pappenheim; Tempelverein 3. Bezirk: M. Köpper; Adaß Jisroel: Jakob Fuchs, Dr. Reininger; Bethausverein Prater: Dr. Josef Deutsch, D. Waldmann; ferner die Vereine: Elternverein Pestallozzi: Präsident Direktor Arnold Lemberger, Vorstandsmitglied Oberlehrer Richter; Greisinnenfürsorge: Präsidentin Helene Deutsch, Vizeprasidentin Adele Strach; Kaiser Franz Josef-Frauenverein: Berta Weinwurm; Verein für Krankenpflege und Unterstützung handlungsangehörtger Israeliten: Präsident kais. Rat Julius Stern, Jakob Karpeles, Sekretär Josef Peterselka; Galizischer Hilfsverein: Obmann Mor. Sonnenschein; Zentralstelle für das jüdische Armenwesen: Dr. M. Löwy; Kaiserin Elisabeth-Heim für Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen: Präsident kais. Rat Dr. S. Krüger, Vizepräsidentin Cncilie Frankl, Hermine Krüger; Frauenverein für den 2. und 3. Bezirk: Frau Dr. Kaminka, Frau Mara Bondy; Frauenhort: Frau Klotilde Benedikt und Frau Marta Stiaßny; Chewra Bikur Chaulim, 9. Bezirks: S. Oesterreicher; SmeS Wrschulem: Dr. Josef Zipser; Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender: Rudolf Goldstein; Brockensammlung für jüdische Arme: Helene Bring-, Hedwig Bauer; Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker: R. Petschek; Verein „Einheit"; Adolf Fischer, Max Hofbauer: Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums: Bernhard Hofbauer; Israelitischer Hand- ^werker-Verein: Kom.-Rat Leopold Simon; Kaiser Franz Josef Kinderßhort: Emma Fifchler-Landeis; Mädchen-Unterstützungs-Verein: Regine x Ullmann; Jnbiläums-Xknaben-Waisenhaus: Direktor Rudolf Kohn; Seehospitz: Sofie Grünfeld; Verein zur Bekleidung armer alter Männer: Gustav Planer, Dr. Isidor Schwarz; Nächstenliebe: Othmar Rosenblatt; Krankenverein Montesiore: Obmann Mühlrad; Kreisleitung des westösterreichischen Kreises der jüdischen Turnerschaft; Erster Wiener jüdischer Turnverein; Jüdischer Turnverein. 10. Bezirk; Tow Erez Bachurim: Jakob Pinkas; Demokratisch-jüdischer Verband für deutschösterreichische weibliche Fürsorge: Hermine Kadisch; Zionistische Vereine: Dr. Rappaport: Frauenverein für den 21. Bezirk: Frau Rabbiner Dr. Rofenmaun; Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten: Isidor Frommer: Oberkantor Morgenstern leitete,- begleitet von dem.verstärkten Temvelchor, die Feier durch den Bortrag eines Psalmes einh wvraUfD'berrabinetr Dr.. C h a j e s die nachfolgende Trauerrede hielt: \ Neide OberrubbinerEj Djw P. Ehajes. Ein altjüdischer .Brauch verbietet es, an den Gedenktagen der Tempelweihe und der Neumondsfeier de Trauer laut werden %u lassen. Wohl aber gestattet die Tradition — sund von dieser Erlaubnis wollen wir heute Gebrauch machen — auch san diesen festlichen Tagen und auch an geheiligter Stätte die Verdienste hervorragender Juden zu würdigen. Man tu,t wahrhaftig den ausge-» zeichneten, vielbewährten Männern kein Unrecht, die vor dem HeimgeMngenen M Führung der Wiener Judeniheit innehattea, wenn man bchianptet, daß 'in den bisheriMP Annalen unserer 'Gemeinde Dr. Msred Stern ckls „der Präsident" schkechtwegs tsortleben wird. So sehr hat . er es verstanden, in den drei Lustren seiner Präsident^ schast in.seiner >äußerlich utrscheinbären, innerlich macht-t vollen Person den ganzen Einfluß, hie ganze Bedeutung der großen Gemeinde zu verkörpern, da'tz man nicht nryr in Wien, unter Inden und Nichjtjuden, sondern auch im übrigen Oesterreich, ja sogar im Auslande, gleichgiltiG ob Freund joder Gegner,^ zilstimmend oder ablehniend, ian Tr. Msred Stern dachte, wenn man von ^Wien und seiner Jndenheit sprach. Und wüßte man sonst gar nichts von chm, dieser Umstand.allein würde genügen, «um dem Historiker ein. Bild zu geben von dieser geisti'gj überragenden Erscheinung. Es mag/.gerade jetzt, in den schweren Tagen, die wir durchleben, da dtzr Umsturz mit eisernem Besen jede absolute Macht'wegfegt, als zweffelh-astes Lob erscheinen, wenn' man entern Manne nachsagt, er hätte in einem iwinerhin nicht unbedeutenden ^Wirkungskreise die 'unumschränkte Gewalt an sich HN ziehen verstanden;, «doch darf nicht vergessen werden, daß wenn die.'Revolution das angemaßte, mittelalterliche Gottesguadentum zertrümmert, das echte, das wahre Gottes-