Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 49 (13.12.1918)
- Date
- 1918-12-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 ®r. mtm Mwmmw »M7A All die AGchtkinge M§ demfrüheren OberlandeslgserichtsspreiUel LeMÄerg. Den in der deutschösterreichischen, tschecho-slowäkischen und ungarischen Nepublijk von den letzten Ereignissen knapp öor rhrer jHelNrfehr jüberraschten Flüchtling gen, die nach den früheren Oberlandesgerich^sPirMgel Lemberg (also zur jetzigen westukrainischen Volksrepublik) Anständig find, wird folgendes chekanntgegeben: Die Regierungen dieser Staateg habe ich angegangen, den Flüchtlmgen insolange den Aufenthalt in ihren gegenwärtigen Wohnorten zu gestatten, bis der Abtransport in die Heimat ermöglicht' sein wird; ebenso habe ich namens. meiner Regierung hiefür die bindende Ver-> die Flüchtlingsünterstützuugen «gegen seinerzeitige RefuN' dierung durch meinen Staat weiter Zur 'Auszahlung zu bringen. > x Irr eirtgegenkommcndster Weise wird beiden Wünschen bis jaus weiteres (im tschecho-flowa ki scheu Smare . bis züw'ilb. Dezember l. I.) Rechnung getragen.. Einer in T5eut; dort herrscheirden Wohnungsmangel begründ eten Verfügung der Prager Regierung entsprecherÄ! muß jaklejZ daran gesetzt werden, um Mitte Djegsntber den Wtransport der Flüchtlinge ,-auB der tschecho-slowa- Eischen Resplublik sn die Wege zu'leiten. Ich habd daraus nachdrücklichst das jgalizisch-rlkrainische und das Bukowirraer Flächtlingskomitee iausmerksam gemacht, und werden diese, Neiden Organisationen gemVmsam iM den' früheren .? Herren Reichchatsabgeo kneten' Breiter, Reitzes rnchi D'r. Stvaucher alte notwendigen Vorbereitungen^und ^Veranlassungen kressen. . Im Aufträge meiner Regierung werde ich nichts unterlassen, was jznr Förderung 'einer Möglichst glatten Abwicklung des iRücktraNÄPortes, wenn nurdie Verhältnisse sich jto gestalten, daßer möglich sein ivrrd, sich als notwendig ergibt. Der bevollmächtigte Vertreter de?r Regierurrg der westukraürischen Volksreprrblik: ' " . Nikolaj Wassilko. Tie NefoKrtionen der ukrainischen! KonMtuchrte M den -Schutz nationaler MinorisäteN. Ne mb erg, 19. Oktober 1918. "Aus Grund des SelbstibestiMmungsprinzipes der Nationen beschließt der ukrainische NatioUalrat als Kom" stituante: ' 1. Dias gesamte ethnographische Gebiet innerhalb Oesterreich-^Ungarn, und zwar Oftgalizien' Mit der Grenzlinie bis zuM San, inklusive der Vemkowcjzyzna "(Bezirke Sämbor, SaNok, Krosno, JaA'lo, Gorlice und der angrenzende Strich jaM Mordsuße der Kgrpathen), bet nordwestliche Teil per Bukowina Mit den Städten Czerirowitz, Slorozhnetz mrd Sereth und der ukrainische Streifen Nordnngarns, bilden ein einheitliches ukrainisches Siedlungsgebiet. Dlies^s national-ukrainische Gebiet wird /'hieMrt als ein ukrainischer Staat proklamiert und es finlb UH vorbereitenden Schritte git unternehmen, um diesen Cn^ schluß zu verwirklichen. 3. W .wevdjen alle nationalen,'>. Minoritäten aus diesem ukrainischen Gebiete — wobei die In dev als selb ständige Nahion anerkannt werden — gufgesordert, daß sie sich konstituieren und ihre Vertreter in den ukrainischen NationaWat, ihrer Bevölkerrurgszahl entfprecheird, entsenden. . 4. Der ukrainische Nationalrat wird die Verfassung für. den uMgeschaffenen Staat aus der Grundlage 'Ws allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes Mit PropÄrtionalvertretung und dem Rechte der Vertretung in ds.er Re«gieruu:g> ffDr die rkatioua-> len Minoritäten an'sznarbeiten. ß! Der ukrainische Mationalrat verlmrgt, daß das ukrainische Gebiet seine eigenen- Vertreter zu den Fjriedensverhandlrmgen entsende. »_ Für die Ophec öeedMi Lemberger Blutnächte. Bürger der zivilisierten Welt! Am Ende des unseligen Krieges, der die Völker des halben Europa ins Elend gestürzt hat, wurde der in diesen vier -Jahren gebeugten GesittuNg in der Hauptstadt Galiziens ein finsteres Schandmal gestiftet, dessen Schallen das erste heilige Frühlicht dtzs Friedens und der Freiheit befleckenund verdunkelich ideMwir alle in Schmerzen und Neiden entgegenbangxn. In ratloser Erschütterüg erfahren wir, hören alle Kulturnationen von immer neuem, sich lällmähkich zu xineim (Bild ungeheuerlichen Entsetzens sägenden .Einzelheiten der drei Lemberger Blnt-r nächte, die ein entmenschter ^Pöbeil m Uniform und ZivO den allerärmsterr der Armen, den Bewohnern dev Judenstadt, bereitet hat. Das Unglück und die Schmach sind so groß, daß jedes Wort erbärmlich wird, in das MM sie zu fassen versuchen wollte! Der Krieg hat zwar die Menschen an ein furchtbares Sterben gewöhnt, aber in dijet tiefe Bedrückung und Trauer, die die Well darüber empfand, kam doch der schwache Trost, daß in der Wsnt des Kampfes getötet wurden daß Ideen von Vaterlandsliebe und Heldentum die Kämpfer gegeneinander trieb- Dieses Kemberger Mordbacchanale aber war kalt ersonnen und, von einem vaubtollcn -Mob ausgeführt. . Wer waren«die Opfer? Wessen Häuser wurdestr von bewaffneten Haufen gestürmt, ausgeraubt, wer wurde hingeschlachtet, wessen Mädchen geschändet, wessen Kinder in Sträßenkanäle wie Schmutz in die Kloake geworfen? Es waren dieselben, die gehetzt, heimatsvertrieben, von Siegern und Besiegten wechselnd Heimgesuchten, die jüberatt Verhöhnten und Verprügelten, dieselben bettelarmen, tragischen Figuren, die km ersten Kriegsjahr in Baracken verschickt, «zu Hnrrdertenl in feuchten Elendsquartieren hinsiechten, jene unsäglich jArmseligeN, die die Bürde ihres Gebens wie einen Fluch tragen. Als Abgeordneter Ostgaliziens habe ich in den' abgelaufenen Jahren Tauserrde von 'ihnen in ihrem Jammer gesehen und versucht, ihnennach meinen beschjeidenen Kräften beizusteherl, und erhebe nun «gepreßten H^pzons siir sie mpine Stimme. Nicht Mr die untilgbare Schuld der Schuldigen sestznstellen. Das ist nicht meiness AmteA. Die Synagoge, in die sich Hunderte der Verfolgten geflüchtet hatten, die Mit Petroleum bespUt und angezüno-et wurde. Während die im wahnwitzigen Schrecken Flüche tenden immer wieder mit Kolbenstößerv in das zum Leichenofen verwandelte Gotteshaus zurückgetrieben wurden, bis sie lebendigen Neides verbrannten, lodert und glüht gewaltiger, als es jede Anklage in Worten ksvermöchte. Dieser Scheiterhaufen, der dem ~ unglücklichen jüdischen Proletariat .am Ende seiner Kriegsleiden Errichtet wurde, wird weiterhin auf der ganzen Erde gesehen werden und so hange in Mr Menschen als Scham brejnnen, bis gesühnt ist, was Derhanpt gesühnt weÄen kann. Mein Müs will nur Hilfe! Kasche Hilfe für die Ansgeplü'nderten, für die Obdachilofen, füjr die Kinder, die reine Eltern mehr haben, für.alle, dßft nach dem erlebten Grauen verstört, frierend und hungernd in den Straßen herumirren. ' Ich rufe nach der MenschlickMt der Bürgesr der Livilisierten Welt! Wien, im Dezember 1918. Mg. H e i n r?ch« Reitze s. Spenden wollen unter der Spitzmarke: „Für die Opfer der. drei Äemberger Blutnächte, Aktion Abg. Reitzes" (Israelitische Mlianz), entwMr M die Mmi-