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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-13 · 49 (13.12.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
49 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 $t. Bksch's Wochenschrift Sette 78& Dich HWM üm W StMtMMMveO. - Eiue volkswirtschaftliche Betrachtung. .Die öffentliche'-Meinung in Deutschvsterreich befindet sich seit einiger Zeit im einer unruhigen Bjewegung. Drei Hauptgrupvenusind es, die sich, im Kümpfe des Tages besonders' vernehmlich machen. Die Christliche sozialen und die Dentschnationalen siird im Grunde ein Anachronismus. Heute, wo die alte Ordnung der Dinge tu das Massengrab der Geschichte eingegangen ist, haben diese beiden Schlagwvrte eigentlich gar mcht viel zu besagen. Gegenwärtig sind es wirtschaftliche Fragen und Gesichtspunkte, welche die gesamte Menschheit interessieren und bewegen. .Alles andere, was nicht wirtschaftlich orientiert und begründet ist, sagt den Menschen gar wenig und -muß sich das Schweigen zur Pflicht machen. "In erster Reihe sind die im Kriege unterlegenen, materiell ausgesogenen Mittelmächte in der Zwangslage, für ihren Wiederaufbau, für |bic Wiederausrichtung ihrer Volkswirtschaft unaufhörlich Md emstlich, Sorge zu tragen. Die VerMehrung des Volksreichtnms, die gesteigerte, ununterbrochene Erzeugung von Gütern ist unter diesen Umständen die ober ste, die einzige p a t r i o t i s ch e P s l i ch t. Was den. Besitzstand, die Gesuridheü und die Kraft per Staatsbürger oPeichert, vermehrt und verbessert, "ist gut und nlitzlich, der Förderung würdig. Was diesem hehren 'Zwecke nicht dient, w a s die G ü t e r v e r m eh r u n g, die höchste vaterländische ..Pflicht, nicht fördert, ist voM Schaden und daher verwerflich. Die Gütererzeugung und die Güterverteilung, insbesondere diejenige der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, bildet demgemäß, gegenwärtig den Angelpunkt, um den sich dM Denken aller um das Wohl und die Zukunft unseres Gemeinwesens besorgten Staatsbürger nuermüdlich "bewegt,, jedenfalls sich bewegen Müßte. 'Jeder und alles, was dazu beiträgt, HM den Kuftger und'die Armut zu bekämpfen und abzuwenden, ist daher als ein Verbündeter und Freund zu begrüßten und willkomären zu heißerr. D-ie 'gesteigerte Aufmerksamkeit, das konzentrierte Denken aller 'muß. dieser Aufgäbe zugewandt. werden. Die gesamte geistige Energie der Besten im Staate muß sich unablässig labmühen, Mittel und Wege ausfindig zu tnachen, die geeignet wären, dieses Ziel näher und erreichbarer zu machen^ . .Darf Man dabei auch eine einzige individuelle Kraft, auch einen 'einzigen individuellen Willen .zurückstoßen uich vergväMen, : durch eine "unfreundliche'Behandlung die Schwungkraft und die Tatenlust hemmen .und vermindern? Wer hat das Recht, aus einem Vorurteil jemanden von der Mitarbeit 'auszuschließen? Aus Feindschaft und aus "eigener Beschränktheit"! Mißt das nicht zumindest, die Aufmerksamkeit auf Anwesentliches hinlenken? Was soll mau denken, was'soll man sagen, werÄ gegenwärtig in dieser so rasch dahinsausenden'Zeit Leute so viel Energie vergeuden, ÜM M Grundsätze zu kämpfen, welche jedenfalls nicht geeignet sind, und zwar ausdrücklich gar nicht geeignet sind, die Güter zu vermehren, dem Volke in seinem Fortkommen! "zu helfen und beizustehen? Die leinen wollen den Staat vom deutschnationalem, die .anderen vom christlichsozialen Standpunkte aus organisieren und unifo rmieren. Ja! Aber hat darum das Land mehr zu essen, wenn Andersglänbigen und And ersn astivn alen das -gleiche Staa tsb ü r g er recht . v o re n t ha l t e n - w i r d? Teutschästerreich mit seiner etwa 92 Prozent, rein deutschen Bevölkerung ist ein deutscher Staat, selbstredend mit deutscher Amtssprache. Nur Doktrinäre können das Bedürfnis empftnden, diese Tatsache erst zu beweisen oder zu stützen. Die Anerkenntnis des deutschösterreichischen Staatsbürgerrechtes nur an Dentschnationale kann ihren 'Grund nicht in einer Zweckmäßigkeit, sondern in einer Unduldsamkeit haben. Ja! Aber auch hier Müssen wir wiederum fragen: Werden dadurch irgendwelche Güter vermehrt oder überhaupt geschaffen? Wird durch diesen 'Ausschluß nicht vielmehr die SumMe der tätigen und schaffenden Kräfte geschwächt und geheMmt? « AM äs kürz zu sagen: Die ganzen, langen Staatsbürgerrechtsdebatten iM Staats-rate sind unfruchtbar, eine zwecklose, schädliche Energievergeudung. Dadurch wird obendrein die Aufmerksamkeit der gesamten Oeffentlichkeit auf .einen toten 'Punkt gelenkt, aus welchen kein Heil sprießen kann. Die irregesührte Bevölkerung muß sich natürlich. sehr vieles versprechen von den Folgen dieser mit so viel Eklat und Energie vorgetragenen und vertewrgten Prinzipien. Spaltung, Bürgerstreit und Haß sind die Frucht dieser Saat. Statt Einigkeit und des einheitlichen Vorgehens drohen Zwiespalt und Zerfßiifhntg einzureißen. , Gegenüber der denn doch vorwiegend wirtschaftlich gerichteten sozialdemokratischen Partei sind die beiden anderen bürgerlich sein wollenden, soeben "ausführlich besprochenen Parteien bloß chauvinistisch, doktrinär orientiert. Ihre Kraft und ihre Grundlage liegen In der Negation, in der Bekämpfung -anderer, im Kampfe und im Streite. Nur der Friede stärkt, nur die Eintracht Mehrt. - Es muß daher der laute Ruf erschallen: Wer am Staate mitarbeitet, wer züm Staate treu und aufrichtig loyal halten will, ist willkommen, wes Glaube,^ und Stammes er auch sei. Wer anders spricht, begeht Verrat am Polke und am Staate. I. «Tiiei polnische Mntschnld. H aa g. Das .jüdische Korrefpondentzbnreau berichtet, daß -alliierte Offiziere .aus Budapest nach Lemberg, der Hauptstadt Gasiziens, äbgegangen sind, uw die dort vor kurzem stattgesundenen Pogrome zu untersuchen und -ihren Regierungen '.Bericht zu erstatten In einqr Diemonstration'IversamMlung für den 'Vierbund in dev Alberthäll in Wüdon, welche von rund zehntausend 'Personen' besucht war und unter dem Vorsitz von George Lansbury stattfand, sprach dieser seinen sckKrssten Protest gegen die Judenpogrome in Polln und Galizien aus und erklärte, das polnische Volk könne seine Unabhängigkeit nicht erhalten, wenn es den Judtzn nicht alle Rechte gewähren würde.— Van Kol interpellierte im hollän' dischen Senat Wer die gallischen Pogrome. Der Senat gab seiner Empörung -über die Pogrome im allgemeinen Ausdruck. Niemand fand ein verteidigendes Wort für die Polen. Der Eindruck in der Oeffentlichkeit ist ein stärker. Me holländischen Blätter nehmen Stellung gegen die polnischen Dementis. - Die Polen hüben bisnun auch nicht den Schein einer zivilisierten! Regierung gegeben. Bereits drei Wochen sind verstrichen, seitdem' die unerhörten Greueltaten begangen wurden, allein eine gerichtliche Untersuchung ist 'bisnun nicht einMäl eingeleitet worden. Die anigMich eingesetzten- Feldgerichte haben sich mit dieser Kleinigkeit nicht besaßt. Die gemeinerk 'Verbrechen, begangen an G r eisen, 'F raue n um d K in d e r n, wer d e n a uf das politische 'Gebiet hi nüfb er geleit et und einer qu,asi diplomatischen Erledigung zugeführt. Die s ü n f g l i e d r i g e Abgeordneten - UntersuchungskoMmifsion hat nicht einmal die Wicht und die Wfgabe, 'dkt einzelnen Ortschaften, in welchen pie PogromestatLsanden, autzusuchen und überhaupt initiativ vorzugehen. <

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