Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 49 (13.12.1918)
- Date
- 1918-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 788 Nr. 49 Artikel 44 erklärt nun ausdrücklich-: „daß in Rumänien der Unterschijed! deü -Religion und der Konfession $egen niemand . als 'Grund! der Aus^-iG Schließung oder der Unfähigkeit, insoweit er beit Genuß der HArgerlich en und 'politischen Rechte, die Zulassung Hu öffentlichen Aemtern, Funktionen und -Eh-renstellen oder die Ausübung der verschiedenen Professionen und Industrien betrifft, geltendgemacht werden dürfe, — in welchem Orte es>Mch fei; ingleichen wirjd Me Freiheit der öffentlichen Religions-Übung nsw. verbürgt, und daß die Staats angehörig-en aller Mächte, Handelstreibende oder .andere, sn Rumänien ohne Unterschied der Religion auf dem Fuße vollständiger Gleichheit behandelt" werden sollen." Der weitere Artikel 45 handelt von der Vierpflicht-- tung des damaligen Fürsterirums Rumänien zur Abtretung gewisser Gebiete Beßarabiens an Rußland. Rumänien hat wohl dse letzterwähnte Verpflichtung erfüllt, weil erfüllen müssen, da es sich um das damals mächtige -Rußlarrd haMelte, — allein %ie .Bck>intzuNgchl des Artikels 44 in Ansehung! der Emam ziparion deriJuden sind .bis aus den heutigen' Tag ein toter -Buchstabe geblieben, denn es' 'handlest.sich! ja Wen bloß nM die — politisch ohnmächtigen Judenwährend die Signatarm'Lchte des Berliner .Vertrages sich späterhin einen Pfifferling darum Mmkckrten, ob Rumänien den Juden die feierlich! verheißene Gleichberechtigung erteilt oder nicht! ' f e i n d l i che Ö p p o s i t i o n der Wammer Die in diesem Friedeusvertrage ansb^dnngene Emanzipation ■ der Juden'Rumäniens' aus'das heftigste. Ministerpräsident Marghiloman verteidigte den Vertragsentwurf, indem er die. Opposition mit deM Hinweis daraus ",,bee§ sei durchaus keine Emanzipation bedingt/aneMnnt, K. h. wepn Rumänien die in den Artrkeln 44 nttd 45 Hm iauserlegtett Verpflich-Luntzen erfüllen wird, so daß Rumänien Lei Nichterfüllung Vieser Bedüigungxn und Verpflichtungen rechtlich und vertragsgemäß seine Unabhängigkeit verwirkt hat. Rumänien hat nämlichden bekannten Artikel 7 seiner Verfassung vom Jahre 1866 in der neuen am 13. Oktober 1879 promuHierten Verfassung so abgeändert, daß seine vertragsmäßige Verpflichtung zur Emanzipation der Juden Rumäniens nicht nur unmöglichsondern Hu einer Karrikatur geworden ist. Derm nach! diesem Artikel kann die Zuerkennung der rumänischen StaatsbÄrgerschafl an Urem de — und als solche gelten.alle in Rumänien seßfhasten Judep .— nur 'andliw ip uell durch! eigenes, von den rumänischjen KamMern, an s s chl i eß^ lich Aber Jnfitiative der Regierung, mit einer Zweidrittelmehrheit Zn beschließendes Gesetz und nur dann gewährt Mrden', wenn der um die Naturalisation einschreilende „Fremde" vom Zeitpunkte des Lei der Regierurrg einznbrinKndeN Gesuches noch, weitere zehn Jahre im Lande wohnt und seine „allgemeine Nützlichkeit" durch Taten beweist! . So wurde die zitierte Aare Bestimmung, des Berliner Vertrages durch: eine raffiniert ansgeklügelte Vers a fsufl gsä n d e r un g, die der Willkür der Regierung, den ParteiumtriÄben und-der Bestechlichkeit der Beamten Tür und Tor öffnete, znn'ichte gemacht! Die Enteyremachte mUsen nun aber alle diese H i nterhältigkhiten Rumäniens genM kennen und Demaller Inden in Rumänien tzu '.„befürchten";'. übrigens haben die Ententemächte im Verlause dieses Krieges betreffs der Emairzipation der sJuden viel weiters gehende Forderungen an die rumänische Regierung gestellt! . ' Aus dies er Mitteilung ist tzu ersehen, daß die Enttznte-- mächte tatsächlich! eure befriedigende Lösung der rumänischen Judenfrage ernstlichanstrebeN, da der „Bukarester" Friedeusvertr-ag infolge Schwächlichkeit und Unaufrich- . tigkeit der ZeutralmÄhte völlig .unzureichende Kauteln über die Eiü-anzipation der Juden getroffen haben. Irr Polen wieder bildenidle. Inder: die größstel, stärkste und zahlreichste^ Minorität, durchschnittlich 16 Prozent der GesamMvölkerung; unter Hinzurechnung aller oder auch?pur eines Teiles der JWeN Galiziens handelt es sichpm mindestens drei Millionen Inden. .. : .Die.sy st ematisch e Unt er d r ücku ng der Inden i n P o l e N n n d W a l i z i e n, ihre g r -a u f a m e Berfolgnng, die jüngsten blutigen> Iudenpo-» g rome ineinem großen'.Teile Galiziens, die Plünderung und Brandschatzung..jüdischen Vermögens, Die Ermordung zahlreicher Juden in?B!rMsko und Pitzemysl, sowie der ox ganisi e rte M affenmo rd vieler Hunderten Juden in Lemberg, die an Mildheit die blutigsten/ Judenpogrome 'Rußlands Wertreffen, beweisen' die Notwendigkeit einer wirksamen und erfolgreichen Lösung! der Judenfrage, aber mW, eures -bewaffneten Einschreitens der-Ententemächte. Gerade die Z er str enuttg deb Iüben in so vielen Ländern, die Tatsache, - daß -sie nirgend ein ges ch l o s s e n es G e b i e t bewohnen, daß sie ü b e r a'l l zn den national en Minderhe.iten gchörendaß sie daher aus die.Person.a ta n t o n o.M i e angew-iesen sind, und die Erfahrung, daß elnd ungenügenbe Lösung den -Judenfrage in einer,! Lande ungünstige Wirkungeür auf die Lage der jJuden in . arideren Ländern.übt. dämmen versehen. W sei da aus sotgeWe WerMs?'charakteristische Episode hingewiesen: Ms vor '.wÄrsgen MoNaten in der ru- . rnänischen Kammerans, Grunhlag^ Her Vereinbarungen macht den intern>atioNale n Schutz für das jüdische Volk zur unabw ei-.s.'bar,en Notw endigkeit, und diesen müssen zwir fordern! Alte pÄlnisch.en -Parteien siNd v0.m Antisemitismn's durchseucht; der Antisemitismus hat den Geist der polnischen Gesell-. schüft derart verg'istdt, . daß selbst sozialistische Parteien ihm erlegen sind. Um so ein d r i n g l i ch e r fordert däs! >14 Millionenvolk der Juden einmütig Äolte 'Gerechtigkeit, w a h reu n d n n e i n g e s chr ä n k t e E m a n z i pa t i o n d er.Ind en alher L/ün d er, An e rkennun g ihres S e l b st b e st i m m n u g s r e ch, t e s . und - 'S ch a s f u u g wirksamer Garantien für. eine rechtschaffen e Durchführung und Verwirk l ich u n g de r Gleichberechtignng' und' Gleichwertigkeit d e s In d e nvo lkes> sowie internationalen Schutz! Tie gesamte n n ab hän g i ge, wahrhäft s r e iheitliche und demokratische Presse aller gesilteteu Völker wird sjch izweisellbs in den Dienist Meseir' heiligen Mache stellen. / Dr. Str au-cher.