Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 48 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 776 '' Dk. BLöch'S # s— LllWte, Laß -das Statut das Ausmaß dieser Subventionierung fesffetzt, daß. Man also von vornherein einen Schlüssel airgebe, nachdem die Subventionierung festznsetzen istdamit Objektivität vorhanden ist, danrit hie Tempelvereine ihr ^Budget in Ordnung halten können, danrit nicht Willkür herrsche. Einer: solchen Schlüssel zu finden, wäre trotz aller Schwierigkeit Möglich, gewesen. Man muß nur wollen. Man hat, freilich! unter 'dem Einsluß des Gesetzes,. Rabbiner, Kantoren und Schächter als Religionsdiener in einen Begriff Zusammengesaßt, und vorallem im- Statut auf ihre etwaige DWplinierung, also auf das Wohlverhalten der Angestellten geachtet, ihnen aber und auch den Lehrern von konfessionellen Anstalten, die nicht der Gemeinde unterstehen, sowie den VereiNssunktionäreu Las passive Wahlrecht genoM'mchr, das aktive gelassen. Dadurch, erhält man vielleicht willfährige Wähler, aber der ürtellektuelle Mittelstand, die in Erziehungs- Und Unterrichtsfragen Berufenen haben ^nichts! drein- Anreden.*) Sie sind Diener. Dafür sitzen jetzt im KuA tusvorstand mit den letzthin kooptierten Herren: 13 Juristen, fünf AjerZte, neun Bankleute und Fabrikanten, drei Techniker und .zwei Privalleute. Dass ist hei jetzt 32 Kultusvorständen für hie Herren Juristen doch etwas zuviel. Mer wir sehen! keinen stchrer drin, keinen Theologen, keinen Gewerbsmann, keinen „kleinen" Mann. . Es ist nur selbstverständlich, daß diese vornehmen Knl-^ Lusvorstände nicht oft Sitzungen besuchen. Es! gibt sogar vier oder fünf Herren, welche die fleißigeren Harren gär nicht keimen. Sie kommens gar nicht- Muß das System also verschwinden? Darüber herrscht kein Zweifel. Was soll aber an die Stelle treten?! XI- Es drängt hie sogenannte jüdischnationale Partei nacht Sie ist Laut, ,cmch gewaltsam^ schafft , sich! ihre eigenen .Behörden nrw, was' man offen anerkennen muß, sie handelt. Sonst ist -im ganzen Umkreis' der WieNer Judenschaft, die doch! auch polftische Vereine hat oder deren Angehörige in, politischeir WereiNen tätig sind, nichts von Dättgkeit zu nrerken. Dagegen bildet die judischnationale Partei einen NatioNalvat, eine ^Selüstwehr, Macht Versammlungen, veranstaltet Demonstrationen, verhandelt mit leitenden Männern, 'tut alles, was die anderen Parteien fm Staate Lun, rNigenauer Nachahmung, ist also jedenfalls.sehr rührig! und vertritt jedenfalls bestimmte politische Interessen. M ist rrur die Frage, ob dies Mit Geschick nitb Klugheit geschieht^ ob dieses laute und allgegenwärtige und alles! nachmachende Gebühren den Wiener Juden nützen wird. Das will ich-, ohne Furcht vor dem' so beliebten Mittel, j-M andere Meinung niederzuschreien oder tzu vergewaltigen, tun und versuchen, gerächt tzu urteilen, um dort An 'helfen, wo es not ist, und vor Schaden möglichst zn bewähren. Freilich! muß ich hier auch persönlich werden, was mir sehr unlieb ist. Der Mreger jüdischnationaler Politik bei den Zionisten bin ich Das Aktionskomitee dieser war d a^ g^en, wie noch, heute die strengsten Zionisten von dieser Gegenwartsarbeit nichts' wissen wollen. Mer in Mein Programm der Gegenwartsarbeit als chipksamstes Mib- Lel der Zionistischen Propaganda mußte auch diese politische Arbeit ausgenommen werden. -Doch konnte ich, mich mit der „JKischen Volkspartei", welche als! erste jüdischfnationale Politik forderte, trotz vieler Verhandlungen nicht verständigen, denn ich war ein Gegneir ihrer Forderung nach nationaler Autonomie. Ms daher bei Emführung des allgemeinen, Kelchen Wahlrechts in Oesterreich von den Zionisten hie nationale Autmwmie *) Daß auch die Wiener Rabbiuervereiniguug gegendüse Bestimmungen des Statuts auftritt (siehe diese Zeitschrift, vom! 22. November 1918), ist richtig und gerecht. Wochensihnft l Str. 48 gefordert wurde, trat ich, nicht mehr in dch: Leitung des, zionistischen QandeskonnteO! tätig, dagegen energisch auf. Ich dachte, undwollte die jüdischlnationale Politik für den Osten als Ertüchtigungsarbeiit, als Versittlichung der dortigen politisch>en Sitten und Arbeitenals'Kamps gegen die politische Verwilderung. Nie und nimmer kann zch! also dfe jetzige Politische Arbeit der Wiener Jüöischjnationalen bllligen. Ich! muß. vorerst aufmerksam machen, daß der Zionisimns! als solcher mit! dieser jüdischillätionalen Tätigkeit nich>ts zu tun hat. Der Zionismus hat nur das Mannte Baseler Programni zur Grundlage, die Erwerbung Palästinas als offentlichj-rechtlich gesicherte Heimstätte für jene Inden, die in ihren Heimatländern nicht bleib m könnest oder wollen. Das ist die Frstgje< des kommenden Weltgerichts, und es besteht derZweifel, ob die ^Engländer die Hoffnungen! der Zionisten auf ein „jüdisches Palästina erfüllen werden. Mnstder -Engi-' länder deirn die Araber Ms' Palästina verdrängen? Gewiß wird er den einwandenrden' Juden Freiheit und wirtschaftliche Erwerbsmöglichkeit geben, aber politische Selbständigkeit, ein jüdisches Palästina, wird er.sticht, geben. Dagegen werden englische Missionäre viel in Palästina verkehren und wirken. Doch das, sind Er-> w!ägullgerr und Ansichten^ die noch ohne Belege sind und hier nur gestreift werden. Was die jüdischnationale Politik, die nun betätigt wird, betrifft,' so ist gegen sie folgendes! zu sägen: 1. DA. Einführung der natioilalen Autonomie in- Teutschpsterreich wäre die Setzmrg her -Juden in den Stand der Ausläil'derei. Cs duldet keinen Zweifel, daß das mit den größten Schäden für die Juden verbunden wäre. 2. Eine jede weitere politische Wsonderimg der Juden im Staate wäre ein Äufgeben schwer errungener politischer Rechte. 3. Es /darf gar nicht der Gedanke aufkommen, daß die Juden als Gesamtheit sich rftchjt alss vollwertige, ggntz' gleichberechtigte. Staatsbürger ausseh en, daß für sie picht der "Zutritt zu allen Bernsen, Aemtern, Stellen, Schulen und Anstalten ebenso offen! ist, wie bei den anderen. 4. "Der Jude kann und darf sich? nicht Ms eine politische oder soziale Meinung pressen hassen. Änch wir haben Konservative, Sozialisten, Liberale, Klerikale. Die Meinungsfreiheit ist doch! gewährleistet. Und innerhalb dieser Grnndmeinnngen muß doch der Jude. auch, jüdisch.denken und denkt.'so auch. Oder muß er dazu erst pie Erlaubnis und das! Siegel 'des jüdischen Nationalrates für Westösterveichl einholen? Die junger.und alten Kerrenk die jetzt die jüdische Meinung därstellen wollen, müssen vor allem darüber klar sein, was jüdischje Nationalität ist und! beinhaltet. Gewiß ist nach Herzels Definition von Nation gerade bei Ulls Jitdön der gemeinsame Feind d>as Barch!'dev Zusammenfassung, aber das'Wesen der Nation ist damit nicht erfaßt,' denn der .Grund der gemeinsamen Feindschaft ist nicht .ansgezeigt. M«d Mderseits sind die.äußerlichen und inneren. Unterschiede unter den Indien der verschiedenen Länder und Weltteile nicht zu leugnen, weil doch Gesittung/Lebensweise, Klima und- Verkehr selbstverständlichiihre Spuren im -menschlichen Gchirn zurücklassen. Wie aber den Römer das Rechtsbewußtsein aus- Zeichnete nttd ihn zum Geber dieses WeltgeschenW machte-, wfe dev Grieche der Schöpfer des Schöiljen war, so ist der jüdische Genius erfüllt vom Gjoüesglauben, von der Hingabe an eme höhere, in der Welt wirkende Macht, eine Geistesverfassung, ausder der Sinn und das Empfinden für das Gute und Sittliche, ans!.'Lev. der Kampf für . die Menschenwürde entsprungen' ist. Rur das eint die Juden aller Länder." Das.macht ihre Weltstellnng ans und diese.geistige Dispositionfür die Erfassung des Göttlicher in der Well durchzieht alle Jirden, bewußt und unbewußt. , Das macht sie zur sittlichen Einheit. .Wer aber nur Volksinstinkte, nnr-röhes Stre-